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»Ich denke nicht daran!« protestierte der Alte. »Steck dein Schwert zurück in die Scheide, Junge!«

»Wenn du dich nicht zwischen diese beiden Bäume stellst«, sagte Richard mit zusammengebissenen Zähnen, »stoße ich dir mein Schwert zwischen die Rippen.«

Der Alte hob überrascht die Ellenbogen, dann nahm er seinen Umhang auf und stapfte vor sich hin murmelnd durch das niedrige Unterholz, während Richard ihn mit dem Schwert vor sich herschubste. Er sah sich nur einmal kurz um, bevor er zwischen die Bäume trat. Richard sah, wie ein Spinnennetz zerriß. Er grinste.

»Zedd! Bist du es wirklich?«

Zedd, die Hände in die Hüften gestemmt, zwinkerte ihm zu. »So wahr wie ein wehleidiger Wotan, mein Junge.«

Richard steckte das Schwert zurück, schlug die Arme um seinen alten Freund und hätte ihn fast erdrückt. »Zedd! Ich bin so froh, dich wiederzusehen!«

Zedd fuchtelte mit den Armen und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Richard ließ ihn los, sah ihm strahlend in die Augen, drückte ihn noch mal.

»Was wäre, wenn du dich noch mehr gefreut hättest, mich zu sehen? Nicht auszudenken.«

Richard legte ihm den Arm um die Schultern und begleitete ihn zum Feuer zurück. »Tut mir leid, aber ich mußte sichergehen. Ich kann nicht glauben, daß du hier bist! Ich bin so froh, dich zu sehen! Und daß es dir gutgeht! Wir haben so viel zu besprechen.«

»Ja, ja. Können wir jetzt vielleicht essen?«

Kahlan kam herbei und umarmte ihn ebenfalls. »Wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht.«

Während der Umarmung warf Zedd einen sehnsüchtigen Blick über ihre Schulter auf den Kochtopf. »Ja, sicher. Aber mit gefülltem Magen geht das alles viel besser.«

»Aber das Essen ist noch nicht fertig«, lächelte sie.

Zedd sah sie enttäuscht an. »Noch nicht fertig? Bist du sicher? Vielleicht sollten wir mal nachsehen?«

»Ich bin ziemlich sicher. Wir haben gerade erst angefangen.«

»Noch nicht fertig«, murmelte er vor sich hin, stützte den Ellenbogen mit einer Hand und rieb sich mit der anderen das Kinn. »Nun, das werden wir gleich haben. Zurück, ihr beiden.«

Der Zauberer krempelte sich die Ärmel hoch und sah das Feuer an wie ein ungezogenes Kind. Dann reckte er die dürren Arme vor, streckte die Finger. Blaues Licht knisterte um seine Finger, schien Kräfte zu sammeln. Zischend schoß es in blau gezackten Blitzen nach vorn, traf auf den Kessel und brachte ihn zum Springen. Das blaue Feuer hüllte den Kessel ein, umkreiste ihn, streichelte ihn, liebkoste ihn. Der Eintopf begann im blauen Licht zu brodeln, zu spritzen und Blasen zu werfen. Der Zauberer zog seine Hände zurück, und das blaue Feuer erlosch mit einem Zischen.

Zedd lächelte zufrieden. »So, jetzt ist er fertig. Wir wollen essen.«

Kahlan kniete nieder und kostete mit einem Holzlöffel. »Er hat recht. Der Eintopf ist fertig. Steh nicht dumm rum und starr Löcher in die Luft, Junge. Hol die Teller!«

Richard gehorchte kopfschüttelnd. Kahlan teilte einen Teller voll aus, legte ein paar Kekse daneben und reichte ihn Zedd. Der alte Mann setzte sich nicht einmal, er blieb neben ihnen am Feuer stehen und schaufelte den Eintopf gabelweise in sich hinein. Kahlan verteilte etwas auf die anderen beiden Teller, und als sie damit fertig war, reichte ihr Zedd bereits seinen leeren Teller für einen Nachschlag.

Nach der ersten Portion fand Zedd dann auch die Zeit, sich hinzusetzen. Richard setzte sich auf einen kleinen Felsvorsprung, Kahlan schlug neben ihm die Beine unter, Zedd saß ihnen gegenüber auf dem Boden.

Richard wartete, bis Zedd seine Portion zur Hälfte hinuntergeschlungen hatte und er endlich eine kleine Pause einlegte, bevor er fragte: »Wie bist du mit Adie zurechtgekommen? Hat sie sich gut um dich gekümmert?«

Zedd sah auf und kniff die Augen zusammen. Selbst im Schein des Feuers hätte Richard schwören können, daß er rot wurde. »Adie? Nun ja…« Er sah Kahlans interessiertes Gesicht. »Nun ja, wir … wir haben uns … ganz gut verstanden.« Er warf Richard einen finsteren Blick zu. »Was ist denn das für eine Frage?«

Richard und Kahlan sahen sich an. »Ich habe mir nichts dabei gedacht«, sagte er. »Mir ist nur aufgefallen, daß Adie eine gutaussehende Frau ist. Und interessant. Ich dachte nur, vielleicht findest du das auch.« Richard schmunzelte in sich hinein.

Zedd sah wieder auf seinen Teller. »Sie ist eine sehr nette Frau.« Mit der Gabelspitze rollte er etwas auf seinem Teller hin und her. »Was ist das? Jetzt habe ich schon drei davon gegessen und weiß noch immer nicht, was es ist.«

»Tavawurzel«, erklärte Kahlan. »Magst du sie nicht?«

Zedd brummte. »Das hab’ ich nicht gesagt. Ich wollte nur wissen, was es ist, das ist alles.« Er sah von seinem Teller auf. »Adie meinte, sie hätte euch einen Stein der Nacht gegeben. Durch ihn habe ich euch gefunden.« Er fuchtelte mit der Gabel vor Richard herum. »Ich hoffe, du gehst vorsichtig damit um. Hole ihn nur im größten Notfall heraus. Im allergrößten Notfall. Steine der Nacht sind höchst gefährlich. Adie hätte dich warnen sollen. Das habe ich ihr auch gesagt!« Er spießte eine Tavawurzel mit der Gabel auf. »Am besten wäre es, ihr wärt ihn wieder los.«

Richard schob ein Stück Fleisch über den Teller. »Das wissen wir.«

Richard hatte den Kopf übervoll mit Fragen, wußte aber nicht, wo er anfangen sollte. Zedd kam ihm zuvor.

»Habt ihr getan, was ich euch gesagt habe? Habt ihr euch aus allem Ärger herausgehalten? Was habt ihr gemacht?«

»Nun«, sagte Richard und atmete tief durch. »Wir waren eine ganze Weile bei den Schlammenschen.«

»Den Schlammenschen?« Zedd ließ sich das durch den Kopf gehen. »Gut«, verkündete er endlich, eine Gabel voller Fleisch in die Höhe haltend. »Bei den Schlammenschen gerät man nicht in große Schwierigkeiten.« Er nahm den Fleischbrocken mit den Zähnen von der Gabel und stocherte wieder in seinem Teller herum, aß ein Stück Keks. Mit vollem Mund fuhr er fort: »Ihr habt also bei den Schlammmenschen eine nette Zeit verbracht?« Er bemerkte, daß sie nicht antworteten, und sein Blick wanderte vom einen zum anderen. »Bei den Schlammenschen kann man keine großen Schwierigkeiten bekommen.« Es klang wie ein Befehl.

Richard sah hinüber zu Kahlan. Sie stippte ihren Keks in den Eintopf. »Ich habe einen der Ältesten getötet«, sagte sie und führte den Keks zum Mund, ohne aufzuschauen.

Zedd ließ die Gabel fallen und fing sie mitten in der Luft auf, kurz bevor sie zu Boden fiel. »Was!«

»Es war Notwehr«, protestierte Richard. »Er hat versucht, sie umzubringen.«

»Was?« Zedd sprang mit dem Teller in der Hand auf, setzte sich dann wieder. »Verdammt! Wieso sollte ein Ältester versuchen, einen…« Mit einem Seitenblick auf Richard klappte er den Mund zu.

»Einen Konfessor zu töten«, beendete Richard den Satz. Seine Stimmung sank.

Zedds Blick ging zwischen den beiden, die mit gesenktem Kopf dasaßen, hin und her. »So. Du hast es ihm also endlich gesagt.«

Kahlan nickte. »Vor ein paar Tagen.«

»Erst vor ein paar Tagen«, wiederholte Zedd brummig. Dann aß er schweigend weiter und sah sie gelegentlich argwöhnisch an. »Warum sollte ein Ältester auf die Idee kommen, einen Konfessor zu töten?«

»Nun«, meinte Richard, »wir hatten gerade herausgefunden, was ein Stein der Nacht anrichten kann. Kurz bevor sie uns zu Schlammmenschen gemacht hatten.«

»Sie haben euch zu Schlammenschen ernannt?« Zedds Augen wurden größer. »Dann hast du dir eine Frau genommen!«

»Na ja … nein.« Richard zog das lederne Band aus dem Hemd und zeigte Zedd die Pfeife des Vogelmannes. »Sie gaben sich damit zufrieden, mir das zu schenken.«

Zedd warf einen neugierigen Blick auf die Pfeife. »Wieso waren sie einverstanden, daß du keine … Und wieso haben sie euch zu Schlammmenschen ernannt?«

»Weil wir sie darum gebeten haben. Es war die einzige Möglichkeit, eine Versammlung für uns einzuberufen.«

»Was! Sie haben für euch eine Versammlung einberufen?«