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»Ja. Das war kurz bevor Darken Rahl auftauchte.«

»Was!« brüllte Zedd zum wiederholten Mal und sprang auf. »Darken Rahl war dort! Ich habe euch doch gesagt, ihr sollt euch von ihm fernhalten!«

Richard hob den Kopf. »Wir haben ihn ja schließlich nicht eingeladen.«

»Er hat viele von ihnen getötet«, fügte Kahlan mit leiser Stimme hinzu. Sie blickte immer noch langsam kauend auf ihren Teller.

Zedd starrte sie an und ließ sich langsam zurücksinken. »Das tut mir leid«, sagte er leise. »Und was haben euch die Seelen der Vorfahren erzählt?«

Richard zuckte mit den Achseln. »Daß wir eine Hexe aufsuchen müßten.«

»Eine Hexe!« Zedds Blick verengte sich. »Welche Hexe? Wo?«

»Shota. In Agaden.«

Zedd zuckte zusammen, um ein Haar hätte er den Teller fallen gelassen. Er sog die Luft deutlich hörbar zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen ein. »Shota!« Er sah sich um, als könnte jemand lauschen. Er senkte die Stimme, beugte sich vor und flüsterte Kahlan heiser zu: »Verdammt! Was hat dich nur dazu getrieben, ihn nach Agaden zu bringen! Du hast geschworen, ihn zu beschützen!«

»Glaub mir«, antwortete sie und sah ihm in die Augen, »ich wollte es nicht.«

»Wir hatten keine andere Wahl«, sagte Richard zu ihrer Verteidigung.

Zedd sah ihn scharf an. »Wieso?«

»Wir mußten herausfinden, wo das Kästchen ist. Und das haben wir auch. Shota hat es uns verraten.«

»Shota hat es euch verraten«, äffte Zedd ihn nach. »Und was hat sie euch sonst noch erzählt? Shota erzählt niemandem, was er wissen will, ohne etwas hinzuzufügen, was er nicht wissen will.«

Kahlan warf Richard einen Seitenblick zu, den er nicht erwiderte. »Nichts. Sonst hat sie uns nichts erzählt.« Er hielt Zedds Blick stand. »Sie meinte, Königin Milena besäße das letzte Kästchen der Ordnung. Sie tat es, weil auch ihr Leben davon abhing.«

Richard hielt Zedds Blick stand. Er bezweifelte, daß ihm sein alter Freund glaubte, aber er wollte ihm nicht verraten, was Shota gesagt hatte. Wie sollte er ihm beibringen, daß einer oder zwei von ihnen als Verräter enden würden? Daß Zedd sein Zaubererfeuer gegen ihn einsetzen, Kahlan ihn mit ihrer Kraft berühren würde? Vielleicht war es am Ende sogar gerecht, schließlich war er es, der von dem Buch wußte. Und nicht sie.

»Zedd«, sagte er vorsichtig, »du hast gesagt, du willst, daß ich euch in die Midlands bringe und daß du einen Plan hast, sobald wir hier sind. Du bist von dem Monster aus der Unterwelt niedergeschlagen worden, du warst bewußtlos, und wir wußten nicht, wann oder ob du jemals wieder aufwachen würdest. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte, ich kannte deinen Plan nicht. Der Winter ist nahe, und wir müssen Darken Rahl aufhalten.« Seine Stimme gewann an Schärfe, als er fortfuhr. »Ich habe mein Bestes gegeben. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft wir beinahe getötet worden sind. Ich wußte nur, daß ich das Kästchen finden muß. Kahlan hat mir geholfen, und wir haben es herausgefunden. Es hat uns beide eine Menge gekostet. Wenn dir das alles nicht paßt, dann nimm dein verfluchtes Schwert der Wahrheit zurück. Ich habe es bald satt! Alles!«

Er pfefferte seinen Teller auf den Boden, stapfte ein Stück weit in die Dunkelheit und blieb mit dem Rücken zu ihnen stehen. Seine Kehle war wie zugeschnürt. Die dunklen Bäume vor ihm verschwammen. Er war überrascht, wie sehr ihn seine Wut mitgerissen hatte. Er hatte Zedd so gerne wiedersehen wollen, und jetzt war er hier, und er war wütend auf ihn. Er ließ seinem Zorn freien Lauf und wartete, daß er von selbst wieder nachließ.

Zedd und Kahlan sahen sich an. »Ja«, meinte er leise zu ihr, »ich sehe, du hast es ihm tatsächlich erzählt.« Er stellte seinen Teller auf den Boden, erhob sich und legte ihr die Hand auf die Schulter. »Tut mir leid, Liebes.«

Richard rührte sich nicht, als er Zedds Hand auf seiner Schulter spürte.

»Tut mir leid, mein Junge. Schätze, du hast einiges durchmachen müssen.«

Richard nickte und starrte in die Dunkelheit. »Ich habe einen Mann mit dem Schwert getötet. Mit Zauberkraft.«

Zedd wartete einen Augenblick, bevor er antwortete. »Nun, ich kenne dich. Ich weiß, du konntest nicht anders.«

»Nein«, flüsterte Richard gequält. »Ich hätte anders gekonnt. Ich dachte, ich würde Kahlan beschützen, ihr das Leben retten. Ich wußte nicht, daß sie Konfessor ist, daß sie keine Hilfe brauchte. Aber ich wollte es, ganz sicher. Und ich habe es genossen.«

»Das glaubst du nur. Darin liegt die Zauberkraft.«

»Ich bin da nicht so sicher. Ich weiß nicht mehr, was aus mir geworden ist.«

»Richard, vergib mir, wenn ich mich anhöre, als wäre ich dir böse. Vielleicht bin ich mir selbst böse. Du hast dich tapfer geschlagen. Ich bin es, der versagt hat.«

»Wie meinst du das?«

Zedd legte ihm die Hand auf die Schulter. »Komm und setz dich. Ich werde euch beiden erzählen, was passiert ist.«

Sie gingen zurück zum Feuer. Kahlan beobachtete sie und wirkte einsam. Richard setzte sich neben sie und lächelte sie traurig an.

Zedd nahm seinen Teller zur Hand, sah ihn angewidert an und stellte ihn wieder ab. »Ich fürchte, wir stecken in gewaltigen Schwierigkeiten«, sagte er leise.

Richard hatte eine sarkastische Bemerkung auf den Lippen, verkniff sie sich aber. Statt dessen fragte er: »Wieso? Was ist passiert? Was ist mit deinem Plan?«

»Mein Plan.« Zedd lächelte säuerlich, zog die Knie an und zerrte seinen Umhang über die Beine, so daß ein kleines Zelt entstand. »Mein Plan war es, Rahl aufzuhalten, ohne mich mit ihm einlassen zu müssen und ohne daß ihr in Gefahr geratet. Ihr beide solltet allem Ärger aus dem Weg gehen, während ich die Sache in die Hand nehmen wollte. Wie es aussieht, bleibt jetzt wohl nur noch euer Plan. Ich habe euch nicht alles erzählt, was man über die Kästchen der Ordnung wissen muß, denn dieses Wissen ist nicht für euch bestimmt. Es ging euch nichts an, es war nur mir vorbehalten.« Er sah die beiden nacheinander an, und kurz blitzte Wut in seinen Augen auf, die jedoch sofort wieder erlosch. »Ich denke, jetzt spielt es keine Rolle mehr.«

»Was durften wir nicht wissen?« fragte Kahlan stirnrunzelnd. Auch sie schien für einen kurzen Augenblick wütend zu werden. Der Gedanke, in Gefahr geraten zu sein, ohne alles zu wissen, behagte ihr offenbar ebensowenig wie Richard.

»Nun, seht ihr«, meinte Zedd, »die drei Kästchen funktionieren genau, wie ich gesagt habe. Jedes hat seinen ganz eigenen Zweck, man muß nur wissen, welches man öffnet. Das ist alles, was ich weiß. Es steht alles in einem Buch, dem Buch der Gezählten Schatten. Das Buch der Gezählten Schatten ist eine Art Gebrauchsanweisung für die Kästchen. Und ich bin sein Hüter.«

Richard erstarrte. Der Zahn schien ihm von der Brust springen zu wollen. Er konnte keinen Muskel rühren, bekam kaum noch Luft.

»Du weißt, welches Kästchen welches ist?« wollte Kahlan wissen. »Du weißt, welches er öffnen muß?«

»Nein. Ich bin der Hüter des Buches. Das steht alles nur im Buch. Aber ich habe es nie gelesen. Ich weiß nicht, welches Kästchen welches ist oder wie man es herausfindet. Mit dem Offnen des Buches hätte ich die Verbreitung des Wissens riskiert. Es darf nicht geöffnet werden, das könnte sehr gefährlich werden. Deswegen habe ich es nie getan. Ich bin der Hüter vieler Bücher, dies ist nur eines von ihnen, aber ein sehr wichtiges.«

Richard hatte die Augen aufgerissen und versuchte, sie durch mehrmaliges Zwinkern wieder zu entspannen. Sein Leben lang hatte er sich darauf gefreut, den Hüter des Buches kennenzulernen, und es war die ganze Zeit Zedd gewesen. Der Schock saß tief.

»Wo war es?« fragte Kahlan. »Was ist passiert?«

»Es befand sich in meiner Obhut. Der Zaubererobhut in Aydindril.«

»Du warst in Aydindril?« fragte Kahlan. Ihre Stimme klang besorgt. »Ist das Buch dort sicher?«

Zedd wandte den Blick ab. »Aydindril ist gefallen.«

Kahlan schlug sich die Hand vor den Mund, ihre Augen füllten sich mit Tränen. »Nein.«

Zedd nickte. »Ich fürchte, doch.« Er zupfte verlegen an seinem Umhang. »Wenigstens habe ich den Besatzern einen Denkzettel verpaßt«, fügte er kaum hörbar hinzu.