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Richard betrachtete sie eine Weile, während sie den Boden zu studieren schien. Er stand auf. »Es wäre mir eine Ehre, Mutter Konfessor.« Er verbeugte sich.

Zedd räusperte sich. »Ein bißchen tiefer, mein Junge. Du reist nicht einfach mit einem Konfessor. Du gehörst zum Gefolge der Mutter Konfessor höchstpersönlich.«

»Also schön«, seufzte Richard. »Ich werde mein Bestes tun. Schlaft jetzt etwas. Ich übernehme die erste Wache.« Er zog in Richtung Waldrand los.

»Richard«, rief Zedd ihm hinterher. Er blieb stehen und drehte sich um. »In den Midlands verfügt so mancher über magische Kräfte. Über viele verschiedene und gefährliche Arten von Zauberkraft. Unmöglich zu sagen, mit welcher Sorte Speichellecker Königin Milena sich umgeben hat. Achte auf das, was Kahlan und ich dir sagen, und tu dein Bestes, niemandem in die Quere zu kommen. Du wirst nicht wissen, wer oder was ihre Diener sind.«

Richard zog den Umhang um seinen Körper zusammen. »Rein und wieder raus mit dem geringstmöglichen Aufwand. Das ist mein Plan. Wenn alles klappt, haben wir morgen um diese Zeit schon das Kästchen und brauchen uns nur noch darum zu sorgen, ein Loch zu finden, in dem wir es bis zum Winter verstecken können.«

»Gut. Ich sehe, du hast begriffen, Junge. Gute Nacht.«

An einer Stelle mit lichtem Unterholz entdeckte Richard einen moosbedeckten Stamm, auf den er sich setzen konnte, während er das Lager und den umliegenden Wald im Auge behielt. Er sah nach, ob das Moos trocken war. Er hatte nicht vor, sich auf dem feuchten Moos einen Schnupfen zu holen. Das Moos war trocken, also legte er sein Schwert zurecht, setzte sich und zog den Umhang fest um sich. Der Mond war hinter Wolken verschwunden. Ohne den schwachen Schein, den das Feuer auf die Bäume ringsum warf, wäre es vollkommen finster gewesen. Man hätte glauben mögen, blind zu sein.

Richard saß da und grübelte. Der Gedanke, daß Kahlan ihr Kleid anziehen und sich in Gefahr begeben sollte, gefiel ihm nicht. Noch weniger gefiel ihm, daß es seine eigene Idee war. Besorgt dachte er darüber nach, was sie mit ›seltsamem Benehmen‹ gemeint hatte. Wesentlich mehr noch beschäftigte ihn, was sie damit gemeint hatte, er solle sich verhalten, als sei sie die wichtigste Persönlichkeit, der er je begegnet war. Das gefiel ihm überhaupt nicht. Er hatte Kahlan immer zumindest als Freundin gesehen. Sie sich als Mutter Konfessor vorzustellen, behagte ihm gar nicht. Der Magie wegen konnten sie nicht mehr als Freunde füreinander sein. Sie so zu sehen wie alle anderen, als Mutter Konfessor, machte ihm angst. Jede Erinnerung an ihren Status, an ihre Magie trieb den Schmerz tiefer in sein Herz.

Ein leises Geräusch ließ ihn blitzartig auffahren.

Die Augen waren auf ihn gerichtet. Sie waren nah, und obwohl er sie nicht sehen konnte, spürte er sie. Da war etwas ganz in der Nähe und beobachtete ihn. Und das machte ihm eine Gänsehaut. Er fühlte sich nackt. Verletzlich.

Mit aufgerissenen Augen und klopfendem Herzen starrte er geradeaus, wo sich dieses Etwas versteckt halten mußte. Die Stille war erdrückend, nur sein Herzschlag dröhnte in seinen Ohren. Richard hielt den Atem an und lauschte. Wieder dieses leise Geräusch eines Fußes, der sich verstohlen auf den Waldboden senkt. Es kam näher. Mit aufgerissenen Augen starrte Richard hektisch ms Dunkel und versuchte, eine Bewegung auszumachen.

Es war nicht mehr als zehn Schritte entfernt, als sich die gelben Augen dicht über dem Boden ins Blickfeld schoben. Die Augen funkelten ihn geradewegs an. Es blieb stehen. Richard hielt den Atem an.

Es stürzte sich auf ihn mit Geheul. Richard schnellte hoch, seine Hand griff zum Schwert. Als es abhob, erkannte Richard, daß es sich um einen Wolf handelte. Den größten Wolf, den er je gesehen hatte. Seine Füße schienen den Boden kaum zu berühren. Dann warf er sich auf ihn. Er kam nicht mal mehr mit der Hand zum Griff. Die Vorderpfoten des Wolfs trafen seine Brust. Der mächtige Aufprall schleuderte ihn nach hinten über den Baumstamm, auf dem er gesessen hatte.

Die Luft wurde ihm aus den Lungen getrieben. Im Fallen sah er hinter sich etwas Beängstigenderes als den Wolf.

Einen Herzhund.

Die riesigen Kiefer wollten sich gerade in seine Brust schlagen, als der Wolf den Herzhund erreichte und sich in seiner Kehle verbiß.

Richard schlug mit dem Kopf gegen etwas Hartes. Ein kurzes Aufheulen, dann das Geräusch von Zähnen, die Sehnen zerfetzen. Alles wurde schwarz.

Er öffnete die Augen. Zedd stand über ihn gebeugt und berührte mit den beiden Mittelfingern rechts und links seine Stirn. Kahlan hatte eine Fackel in der Hand. Er war benommen und wackelig auf den Beinen, rappelte sich aber trotzdem auf, bis Kahlan ihn auf den Stamm setzte.

Besorgt strich sie ihm mit den Fingern übers Gesicht. »Alles in Ordnung?«

»Glaube schon«, brachte er hervor. »Mein Kopf … tut weh.« Er glaubte, sich übergeben zu müssen.

Zedd nahm Kahlan die Fackel aus der Hand und leuchtete damit hinter den Stamm, wo der Kadaver des Herzhundes mit herausgerissener Kehle lag. Zedd blickte auf Richards Schwert, das immer noch in der Scheide steckte.

»Wieso hat der Hund dich nicht erwischt?«

Richard betastete seinen Hinterkopf, der schmerzte, als bohrte jemand mit Dolchen darin herum. »Ich … keine Ahnung. Es ging alles so schnell.« Langsam kam die Erinnerung zurück wie an einen Traum beim Erwachen. Er stand auf. »Ein Wolf! Uns ist ein Wolf gefolgt!«

Kahlan kam näher und legte ihm stützend einen Arm um die Hüfte. »Ein Wolf?« Ihr seltsam argwöhnischer Ton ließ ihn aufhorchen. Sie sah ihn durchdringend an. »Bist du sicher?«

Richard nickte. »Ich saß hier, und plötzlich wußte ich, daß er mich beobachtete. Er kam näher, und ich sah seine gelben Augen. Dann ging er auf mich los. Ich dachte, er würde angreifen. Er hat mich glatt vom Stamm gestoßen. Er hatte es auf den Herzhund hinter mir abgesehen, wollte mich beschützen. Den Herzhund habe ich erst gesehen, als ich nach hinten fiel. Er muß den Hund getötet haben. Dieser Wolf hat mir das Leben gerettet.«

Kahlan richtete sich auf und stemmte die Fäuste in die Hüften. »Brophy!« rief sie in die Dunkelheit. »Brophy! Ich weiß, daß du da bist. Komm sofort her!«

Der Wolf trabte mit gesenktem Kopf und eingekniffenem Schwanz in den Schein der Fackel. Sein dichtes Fell war kohlrabenschwarz von der Nasen- bis zur Schwanzspitze. Im dunklen Schädel glommen wilde gelbe Augen. Der Wolf ließ sich auf den Bauch fallen und kroch zu Kahlans Füßen. Dort angekommen, wälzte er sich auf den Rücken und reckte winselnd die Pfoten in die Luft.

»Brophy!« schalt sie ihn. »Bist du uns etwa gefolgt?«

»Nur um Euch zu beschützen, Herrin.«

Richards Kiefer klappte herunter. Er fragte sich, wie hart es ihn wohl am Kopf getroffen hatte. »Er kann sprechen! Ich habe es gehört. Der Wolf kann sprechen!«

Zedd und Kahlan sahen seine aufgerissenen Augen. Zedd warf ihr einen Blick zu. »Hast du nicht gesagt, du hättest ihm alles erzählt?«

Kahlan zuckte leicht zusammen. »Wahrscheinlich habe ich ein paar Einzelheiten vergessen. Es ist nicht leicht, an alles zu denken, was er nicht weiß. Wir haben das ganze Leben lang damit gelebt. Man vergißt einfach, daß das bei ihm anders ist.«

»Kommt«, brummte Zedd. »Gehen wir zum Lager zurück. Alle zusammen.«

Der Zauberer ging mit der Fackel voraus, Kahlan folgte. An ihrer Seite schlich mit angelegten Ohren und eingekniffenem Schwanz der Wolf.

Als sie um das Feuer saßen, richtete Richard das Wort an den Wolf, der auf den Hinterbeinen neben Kahlan saß. »Wolf, ich denke…«

»Brophy. Ich heiße Brophy«

Richard lehnte sich ein Stück zurück. »Brophy Tut mir leid. Ich heiße Richard, und das hier ist Zedd. Brophy, ich möchte dir dafür danken, daß du mir das Leben gerettet hast.«

»Nicht der Rede wert«, knurrte er.

»Brophy«, meinte Kahlan tadelnd, »was tust du eigentlich hier?«