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Der Wolf legte die Ohren an. »Ihr seid in Gefahr. Ich habe Euch beschützt.«

»Man hat dich freigelassen«, schimpfte sie.

»Warst du das gestern abend?« wollte Richard wissen.

Brophy musterte ihn aus seinen gelben Augen. »Ja. Jedesmal, wenn ihr euer Lager aufgeschlagen habt, habe ich das Gebiet von Herzhunden und ein paar anderen Widerwärtigkeiten gesäubert. Gestern nacht, kurz vor Morgengrauen, hatte sich einer bis dicht an das Lager geschlichen. Ich habe ihn erledigt. Dieser Herzhund heute nacht hatte es auf dich abgesehen. Ich wußte, meine Herrin Kahlan wäre sehr unglücklich, wenn er dich fressen würde, also habe ich ihn daran gehindert.«

Richard mußte schlucken. »Danke«, meinte er mit schwacher Stimme.

»Richard«, fragte Zedd und rieb sich das Kinn, »die Herzhunde sind Monster aus der Unterwelt. Bis jetzt haben sie dich in Ruhe gelassen. Was hat sich verändert?«

Richard hätte sich fast verschluckt. »Nun, Adie hat Kahlan einen Knochen gegeben, den sie bei sich tragen soll. Er sollte uns durch die Grenze bringen und vor den Monstern aus der Unterwelt beschützen. Ich hatte einen alten Knochen, den mir mein Vater gegeben hat, und Adie meinte, er würde den gleichen Zweck erfüllen. Allerdings habe ich ihn vor ein oder zwei Tagen verloren.«

Zedd hatte sein Gesicht nachdenklich in Falten gelegt. Richard sah den Wolf an, in der Hoffnung, das Thema wechseln zu können. »Wieso kannst du sprechen?«

Brophy leckte sich die Lippen mit seiner langen Zunge. »Aus dem gleichen Grund wie du. Ich kann sprechen, weil…« Er schaute auf zu Kahlan. »Soll das heißen, er weiß nicht, wer ich bin?«

Sie warf ihm einen vielsagenden Blick zu. Er sackte zu Boden und legte den Kopf auf die Pfoten.

Kahlan faltete die Hände um ein Knie und tippte mit den Daumen gegeneinander. »Richard, kannst du dich erinnern, wie ich dir erzählt habe, daß sich im Verlauf der Beichte manchmal die Unschuld eines Menschen herausstellt? Und daß ganz selten jemand, der hingerichtet werden soll, um eine Beichte bittet, um seine Unschuld zu beweisen?« Richard nickte. Sie blickte auf den Wolf herab. »Brophy sollte wegen des Mordes an einem kleinen Jungen hingerichtet werden…«

»Ich töte keine Kinder«, knurrte der Wolf und kam auf die Beine.

»Möchtest du die Geschichte erzählen?«

Der Wolf sackte zurück. »Nein, Herrin.«

»Brophy wollte sich lieber von der Kraft eines Konfessors berühren lassen, als für einen Kindesmörder gehalten zu werden. Ganz zu schweigen davon, was man dem Kleinen sonst noch alles angetan hat. Er bat um einen Konfessor. Das kommt sehr selten vor. Die meisten Männer wählen den Henker, ihm jedoch war die Sache zu wichtig. Ich habe dir erzählt, daß wir einen Zauberer bei uns haben, wenn wir die Beichte hören. Zum einen als Schutz, aber es gibt auch noch einen anderen Grund. In einem Fall wie diesem, wenn jemand ungerechterweise beschuldigt wird und sich seine Unschuld herausstellt, bleibt dennoch die Wirkung der Berührung durch unsere Kraft bestehen. Niemand kann wieder der werden, der er einmal war. Also verwandelt der Zauberer sie in etwas anderes. Die Verwandlung verringert die Zauberkraft des Konfessors zum Teil und vermittelt ihnen genügend Interesse für sich selbst, um ein neues Leben beginnen zu können.«

Richard staunte. »Du warst unschuldig? Und doch sollst du für den Rest deines Lebens in diesem Zustand bleiben?«

»Völlig unschuldig«, versicherte Brophy

»Brophy« Kahlan sprach den Namen mit einer Schärfe aus, die Richard nicht unbekannt war.

Der Wolf sackte wieder zusammen. »Unschuldig, den Jungen getötet zu haben.« Er duckte sich unter Kahlans Blick. »Mehr habe ich nicht gemeint. Unschuldig, den Jungen getötet zu haben.«

Richard runzelte die Stirn. »Was soll das heißen?«

Kahlan sah ihn an. »Das heißt, er hat bei seiner Beichte noch zwei andere Dinge gestanden, die man ihm nicht zur Last gelegt hatte. Du mußt wissen, Brophy war mit sehr zweifelhaften Dingen beschäftigt.« Sie warf einen Blick auf den Wolf. »In der Grauzone des Gesetzes.«

»Ich war ein ehrlicher Geschäftsmann«, protestierte der Wolf.

Den Blick auf Brophy geheftet, sagte Kahlan zu Richard: »Brophy war Händler.«

»Das war mein Vater auch«, meinte Richard. Seine Wut stieg.

»Ich weiß nicht, womit Händler in Westland handeln, in den Midlands jedoch handeln einige von ihnen mit magischen Gegenständen.«

Richard mußte an das Buch der Gezählten Schatten denken. »Und weiter?«

Kahlan zog eine Braue hoch. »Einige davon sind lebendig.«

Brophy stellte sich auf die Vorderpfoten. »Wie soll ich das wissen? Du erkennst das sofort. Manchmal denkt man, etwas sei bloß ein Kunstgegenstand, wie zum Beispiel ein Buch, für das ein Sammler ein hübsches Sümmchen zahlt. Manchmal ist es etwas anderes, ein Stein, eine Figur und ein Stab, oder vielleicht ein … woher soll ich wissen, ob diese Dinge lebendig sind?«

Kahlan hatte den Blick noch immer auf den Wolf geheftet. »Du hast außer Büchern und Figuren noch mit anderen magischen Gegenständen gehandelt«, warf sie ihm vor. »Bei diesen sogenannten harmlosen Geschäften ist er häufig mit Leuten aneinandergeraten. Zum Beispiel über die Besitzverhältnisse. Brophy war als Mann ebenso kräftig wie jetzt als Wolf. Gelegentlich hat er die Leute mit seiner Körpergröße von seinen Vorstellungen ›überzeugt‹. Stimmt das etwa nicht, Brophy?«

Der Wolf legte die Ohren an. »Das ist wahr, Herrin. Ich gerate schnell in Wut. Mein Zorn wird so mächtig wie meine Muskeln. Aber herausgelassen habe ich ihn nur, wenn man mich betrügen wollte. Viele Menschen glauben, man dürfte Händler einfach hereinlegen. Sie glauben, wir seien kaum besser als Diebe, die Angst haben, ihre Interessen zu wahren. Wenn ich eine Meinungsverschiedenheit mit meiner Wut geregelt habe, war der Fall meist entschieden.«

Kahlan lächelte den Wolf schwach an. »Brophys Ruf war zwar nicht ganz unbegründet, entsprach aber nicht ganz der Wahrheit.« Sie sah Richard an. »Sein Geschäft war gefährlich und daher sehr profitabel. Brophy verdiente genug Geld damit, um sein ›Hobby‹ finanzieren zu können. Bis ich ihn berührt und er seine Beichte abgelegt hatte, wußte fast niemand davon.«

Der Wolf legte die Pfote über die Ohren. »Herrin, bitte! Muß das sein?«

Richard runzelte die Stirn. »Was war das für ein ›Hobby‹?«

Kahlans Grinsen wurde breiter. »Brophy hatte eine Schwäche. Kinder. Auf seinen Reisen, wenn er nach Dingen suchte, die sich verkaufen ließen, besuchte er immer wieder Waisenhäuser und sorgte dafür, daß die alles bekamen, was sie für die Versorgung der Kinder brauchten. All das Gold, das er verdient hatte, landete am Ende in verschiedenen Waisenhäusern, damit man sich dort um die Kinder kümmern konnte und sie nicht zu hungern brauchten. Er drehte den Betreibern der Waisenhäuser die Arme auf den Rücken, um sich ihre Verschwiegenheit zu sichern. Er wollte nicht, daß jemand etwas davon erfuhr. Natürlich brauchte er die Arme nicht allzu fest zu verdrehen.«

Brophy hatte die Pfoten immer noch über dem Kopf und die Augen fest geschlossen. »Bitte, Herrin«, winselte er, »denkt an meinen Ruf.« Er öffnete die Augen und stellte sich auf die Vorderpfoten. »Und der ist wohlverdient! Ich habe genug Arme und Nasen gebrochen! Und ein paar üble Dinge getan!«

Kahlan zog eine Braue hoch und sah ihn an. »Allerdings. Grund genug, dich für eine Weile ins Gefängnis zu sperren. Aber nicht, um dir den Kopf abzuschlagen.« Sie sah Richard an. »Man kannte seinen Ruf und hatte ihn häufiger in der Nähe von Waisenhäusern gesehen, daher war niemand überrascht, als man ihn des Mordes an einem kleinen Jungen bezichtigte.«

»Demmin Nass«, knurrte Brophy. »Das war Demmin Nass.« Knurrend bleckte er seine langen Fänge.

»Wieso sind die Leute aus den Waisenhäusern nicht für dich eingetreten?«

»Wegen Demmin Nass«, knurrte Brophy. »Er hätte ihnen die Kehle aufgeschlitzt.«

»Wer ist dieser Demmin Nass?«

Kahlan und der Wolf tauschten einen Blick. »Kannst du dich erinnern, wie Darken Rahl zu den Schlammenschen kam und Siddin entführt hat? Und er sagte, Siddin sei ein Geschenk für einen Freund? Dieser Freund ist Demmin Nass.« Sie sah Richard bedeutungsschwer an. »Demmin Nass hegt ein sehr krankhaftes Interesse an kleinen Jungen.«