Выбрать главу

Chase nickte. »Er meinte, wenn du in der Sache drinsteckst, dann er auch.«

Richard spürte einen Stich des Bedauerns, weil er an Michael gezweifelt hatte. Er war stolz, weil sein Bruder alles stehen- und liegengelassen hatte, um ihm zu helfen. »Er war nicht böse?«

»Erst sah es ganz danach aus. Ich dachte, er würde mir bestimmt Ärger machen deswegen. Aber dann wollte er nur wissen, wie es dir geht, ob du in Gefahr bist und wo du steckst. Er meinte, schließlich würde er dich kennen, und wenn du die Angelegenheit für so wichtig hältst, dann würde er das auch tun. Er wartet bei seinen Leuten. Wahrscheinlich läuft er gerade nervös in seinem Zelt auf und ab. Ich muß gestehen, ich war auch überrascht.«

Richard machte ein ungläubiges Gesicht. »Mein Bruder zieht mit tausend Mann in die Midlands, um mir zu helfen.« Er warf Kahlan einen Blick zu. »Ist das nicht großartig?« Sie lächelte ihn bloß an.

Chase zerlegte das Wildschwein und warf ihm einen ernsten Blick zu. »Als ich sah, daß eure Spur nach Agaden führt, hatte ich euch für kurze Zeit schon aufgegeben.«

Richard hob den Kopf. »Du warst auch da?«

»Glaubst du, ich bin verrückt? Man wird nicht Chef der Grenzpatrouille, wenn man verrückt ist. Ich hatte schon überlegt, wie ich Michael deinen Tod beibringen soll. Dann fand ich eure Spur, die aus Agaden hinausführte.« Er runzelte die Stirn. »Wie seid ihr bloß lebend aus Agaden rausgekommen?«

Richard grinste ihn an. »Ich glaube, die guten Seelen…«

Rachel stieß einen Schrei aus.

Richard und Chase wirbelten mit dem Messer in der Hand herum. Richard hielt Chase zurück, bevor er sein Messer benutzen konnte.

Es war Brophy. »Rachel? Bist du das, Rachel?«

Sie nahm den Fuß ihrer Puppe aus dem Mund. Sie hatte die Augen aufgerissen. »Du sprichst wie Brophy«

Der Wolf wedelte mit dem Schwanz. »Weil ich Brophy bin!« Er kam auf sie zugetrabt.

»Brophy, wieso bist du ein Wolf?«

Er setzte sich vor sie auf seine Hinterpfoten. »Ein freundlicher Zauberer hat mich in einen verwandelt. Das war es, was ich sein wollte, und so hat er mich verwandelt.«

»Giller hat dich in einen Wolf verwandelt?«

Richard stockte der Atem.

»Richtig. Ich habe jetzt ein wunderbares, neues Leben.«

Sie schlang dem Wolf die Arme um den Hals. Brophy leckte ihr das Gesicht. Sie ließ es kichernd geschehen.

»Rachel«, sagte Richard. »Du hast Giller gekannt?«

Rachel schlang einen Arm um Brophys Hals. »Giller ist ein netter Mann. Er hat mir Sara geschenkt.« Ein verängstigter Blick zu Kahlan. »Du willst ihm etwas tun. Du bist eine Freundin der Königin. Du bist gemein.« Sie drückte sich zum Schutz an Brophy Brophy leckte lange ihr Gesicht. »Du täuschst dich, Rachel. Kahlan ist meine Freundin. Sie ist einer der nettesten Menschen auf der Welt.«

Lächelnd hielt Kahlan Rachel die Hand hin. »Komm zu mir.«

Rachel sah Brophy an. Er nickte. Sie machte einen Schmollmund und ging zu ihr.

Kahlan ergriff Rachels Hand. »Du hast gehört, wie ich etwas über Giller gesagt habe, stimmt’s?« Rachel nickte. »Rachel, die Königin ist ein böser Mensch. Wie böse, weiß ich erst seit heute. Giller war mein Freund. Als er mich verließ, um bei der Königin zu leben, dachte ich, er täte es, weil er auch böse und auf ihrer Seite sei. Ich habe mich geirrt. Ich würde Giller nie etwas tun, denn jetzt weiß ich, daß er immer noch mein Freund ist.«

Rachel sah Richard fragend an.

»Sie sagt die Wahrheit. Wir sind auf Gillers Seite.«

Rachel drehte sich zu Brophy um. Er war offenbar derselben Meinung.

»Du und Richard, ihr seid gar keine Freunde der Königin?«

Kahlan mußte lachen. »Nein. Wenn es nach mir geht, wird sie nicht mehr lange Königin sein. Und was Richard anbetrifft, er hat die Prinzessin mit dem Schwert bedroht. Ich glaube, damit hat er sich die Königin kaum zur Freundin gemacht.«

Rachel bekam große Augen. »Prinzessin Violet? Du hast Prinzessin Violet gedroht?«

Richard nickte. »Sie hat ein paar schlimme Dinge zu Kahlan gesagt. Ich habe ihr gedroht, wenn sie das noch einmal tut, schneide ich ihr die Zunge raus.«

Rachel klappte der Unterkiefer runter. »Und sie hat nicht befohlen, euch den Kopf abschlagen zu lassen?«

»Wir werden nicht zulassen, daß sie noch mehr Menschen den Kopf abschlagen läßt«, sagte Kahlan.

Rachel sah Kahlan mit Tränen in den Augen an. »Ich dachte, du wärst gemein und wolltest Giller etwas tun. Ich bin so froh, daß du nicht gemein bist.« Sie schlang Kahlan die Arme um den Hals und drückte sie fest. Kahlan drückte sie ebenso fest.

Chase beugte sich zu Richard vor. »Du hast das Schwert gegen die Prinzessin erhoben? Das ist ein Kapitalverbrechen, wie du weißt.«

Richard sah ihn kühl an. »Hätte ich die Zeit gehabt, ich hätte sie auch noch übers Knie gelegt und verdroschen.« Rachel mußte kichern, als sie das hörte. Richard grinste: »Du kennst die Prinzessin, hab’ ich recht?«

Das Lächeln verschwand. »Ich bin ihre Gespielin. Früher hab’ ich in einem schönen Haus gewohnt, zusammen mit anderen Kindern. Aber als mein Bruder tot war, ist die Königin gekommen und hat mich für die Prinzessin als Gespielin ausgesucht.«

Richard sah Brophy an. »Das war er?« Der Wolf nickte ernst. »Du hast also bei der Prinzessin gelebt. Sie war es, die dir die Haare so schief geschnitten hat, stimmt’s? Sie ist es, die dich schlägt.«

Rachel zog eine Schnute und nickte. »Zu allen ist sie so gemein. Jetzt befiehlt sie auch schon, irgendwelchen Leuten den Kopf abschlagen zu lassen. Ich hatte Angst, sie würde mir auch den Kopf abschlagen lassen, deswegen bin ich weggelaufen.«

Richard hockte sich neben sie. »Und dabei hat dir Giller geholfen, nicht wahr?«

Sie war den Tränen nahe. »Giller hat mir Sara geschenkt. Er wollte mit mir zusammen weglaufen. Aber dann ist dieser böse Mann gekommen. Vater Rahl. Er sah aus, als wäre er richtig wütend auf Giller. Giller meinte, ich soll weglaufen und mich bis zum Winter verstecken und mir dann eine neue Familie suchen, bei der ich leben kann.« Eine Träne kullerte ihr über die Wange. »Sara hat mir erzählt, daß er nicht mehr mitkommen kann.«

Richard legte ihr die Hände auf die Schultern. »Rachel. Zedd, Kahlan, Chase und ich, wir kämpfen gegen Darken Rahl, damit er niemandem mehr etwas zuleide tun kann.«

Sie drehte sich fragend zu Chase um.

Chase nickte. »Er sagt die Wahrheit, Kleines. Sag du ihm auch die Wahrheit.«

Er faßte sie noch fester an den Schultern. »Rachel, hat Giller dir dieses Brot gegeben?« Sie nickte. »Rachel, wir waren auf dem Weg zu Giller, um ein Kästchen zu besorgen, ein Kästchen, mit dem wir Darken Rahl daran hindern wollen, Menschen weh zu tun.

Wirst du es uns geben? Willst du uns helfen, Darken Rahl aufzuhalten?«

Sie sah ihn mit feuchten Augen an, dann lief sie los, holte das Brot und reichte es ihm mit einem tapferen Lächeln. »Es ist in dem Brot. Giller hat es dort mit Zauberkraft versteckt.«

Richard schlang die Arme um sie und hätte sie fast erdrückt. Er stand auf, drückte sie an sich und wirbelte sie im Kreis herum, bis sie anfing zu kichern. »Rachel, du bist das tapferste, klügste und hübscheste Mädchen, das ich je gesehen habe!« Als er sie wieder absetzte, lief sie zu Chase und kletterte auf seinen Schoß. Er strich ihr durchs Haar und legte seine mächtigen Arme um sie. Lachend erwiderte sie seine Umarmung.

Richard nahm das Brot in beide Hände. Er hielt es Kahlan hin. Lächelnd schüttelte sie den Kopf. Er hielt es Zedd hin.

»Der Sucher hat es gefunden«, griente Zedd. »Dann sollte es der Sucher auch öffnen.«

Richard brach das Brot, und dort, mittendrin, steckte das juwelenbesetzte Kästchen der Ordnung. Er wischte sich die Hände an der Hose ab, zog es heraus und hielt es in den Schein des Feuers. Aus dem Buch der Gezählten Schatten wußte er, das glitzernde Kästchen, das sie jetzt sahen, war nur eine Hülle für das eigentliche Kästchen darunter. Aus dem Buch wußte er sogar, wie man die Hülle entfernte.