Выбрать главу

James beugte sich blöde glucksend vor und sah ihm bei der Arbeit zu.

Das Glucksen verstummte. »Was machst du da?«

Richard antwortete nicht. Er entfernte die rechte Hand der Figur.

»Laß das!« brüllte James.

Richard achtete nicht auf ihn. Er radierte weiter. James warf die Fackel zu Boden und zog einen eigenen Zeichenstock hervor. Der Künstler warf rasch einige Striche hin, sein fettiges Haar fiel ihm ins Gesicht. Er zeichnete eine Figur. Einen weiteren Zauber. Eine zweite Chance würde Richard nicht bekommen, sollte James zuerst fertig werden, soviel stand fest.

»Hör auf damit, du Narr!« brüllte James, der sich rasend beeilte, seine Zeichnung fertigzustellen.

Die unsichtbare Wand preßte Richard an die Höhlenwand. Er hatte kaum noch genug Platz, seine Arme zu bewegen. James zeichnete ein Schwert und begann, es zu beschriften. Wahrheit.

Richard nahm seinen Zeichenstock und verband die beiden Handgelenke der Figur zu einem Stumpf, genau wie James ihn besaß.

Als er fertig war, ließ der Druck in seinem Rücken nach und auch die Übelkeit.

James schrie auf.

Richard drehte sich um und sah, wie er sich auf dem Boden der Höhle wand und sich kotzend zusammenkrümmte. Schaudernd ergriff Richard die Fackel.

Der Künstler sah mit flehendem Blick zu ihm auf. »Ich … wollte dich nicht töten … nur einfangen…«

»Wer hat dich beauftragt, diesen Zauber für mich zu zeichnen?«

James grinste ihn dünnlippig und böse an. »Die Mord-Sith«, flüsterte er. »Du wirst sterben…«

»Was ist das, eine Mord-Sith?«

Richard hörte, wie ihm die Luft aus dem Leib gepreßt wurde, hörte das Krachen von Knochen. James war tot. Richard konnte nicht behaupten, daß es ihm leid täte.

Was eine Mord-Sith war, wußte er nicht, er hatte aber auch nicht vor zu bleiben, bis er es herausgefunden hätte. Er kam sich plötzlich allein und verletzlich vor. Sowohl Zedd als auch Kahlan hatten ihn gewarnt. In den Midlands gab es vieles, viele magische Wesen, die gefährlich waren und von denen er nichts wußte. Er konnte die Midlands nicht ausstehen, haßte alle Magie. Er wollte einfach nur noch zurück zu Kahlan.

Richard rannte zum Eingang der Höhle, die Fackel warf er unterwegs fort. Er stürzte hinaus in die Sonne, hielt sich die Hände schützend vor die Augen und blieb abrupt stehen. Blinzelnd erkannte er einen Kreis von Leuten, die ihn umringten. Soldaten. Sie hatten Uniformen an aus dunklem Leder und Kettenhemden, trugen Schwerter auf dem Rücken und Streitäxte an ihren breiten Gürteln.

Davor, mit dem Gesicht zur Höhle und zu ihm, stand jemand, der anders aussah. Eine Frau mit langen, rotbraunen Haaren, die zu einem losen Zopf zusammengebunden waren. Sie war von Kopf bis Fuß in engsitzendes Leder gehüllt. Blutrotes Leder. Der einzige Farbtupfer inmitten des Blutrots war ein gelber Halbmond mit Stern quer über ihrem Bauch. Richard sah, daß die Männer den gleichen Halbmond mit Stern auf der Brust trugen, nur war er bei ihnen rot. Die Frau betrachtete ihn ohne jede Regung, bis auf den leichten Anflug eines Lächelns.

Richard stand breitbeinig da, bereit, sich zu verteidigen, die Hand am Heft des Schwertes. Er wußte nicht, was er machen sollte, hatte keine Ahnung, was sie vorhatten. Mit einem leichten Zucken der Augen deutete sie hinter ihn, nach oben. Richard hörte, wie zwei Männer sich aus dem Steilhang hinter ihm auf den Boden fallen ließen. Mit der Hand am Heft spürte er, wie der Zorn des Schwertes mit Macht in ihn hineindrängte. Er biß die Zähne zusammen und ließ es ungehemmt geschehen.

Die Frau schnippte mit den Fingern, ein Zeichen für die Männer hinter ihm, dann zeigte sie auf ihn. »Nehmt ihn fest.« Er hörte das Klirren von Stahl, der aus der Scheide gezogen wird.

Mehr brauchte Richard nicht zu wissen. Er war verhaftet.

Sendbote des Todes.

Er wirbelte herum, zog sein Schwert in großem Bogen. Er ließ seinem Zorn wie besessen freien Lauf. Er explodierte in seinem Körper. Sein Blick fand die Augen der beiden Männer. Die Kiefermuskeln angespannt, hatten sie die Schwerter aus den Scheiden auf ihrem Rücken gerissen.

Richard hielt das Schwert der Wahrheit hüfthoch. Legte seine ganze Kraft hinein und sein Gewicht. Sie senkten die Schwerter zur Verteidigung. Er schrie vor tödlicher Raserei auf. Mit tödlichem Haß. Mit tödlicher Gier. Er überließ sich vollkommen der Lust zu töten. Alles andere wäre sein eigenes Ende. Seine Schwertspitze pfiff durch die Luft.

Sendbote des Todes.

Heiße, zertrümmerte Stahlsplitter sirrten durch die klare Morgenluft.

Ein zweifaches Stöhnen. Beim Aufprall ein doppeltes, feuchtes Klatschen wie von überreifen Melonen, die am Boden zerplatzen. Das Innere in langen, roten Striemen nach außen gekehrt. Die oberen Hälften ihrer toten Körper gerieten ins Wanken, als die Beine unter ihnen wegsackten.

Das Schwert kreiste noch immer, zog eine Spur von roten Blutfäden hinter sich her. Er stellte seinen Zorn, seinen Haß, seine Gier auf ein neues Ziel ein. Die Frau gab die Befehle. Richard wollte ihren Lebenssaft. Die Zauberkraft durchströmte ihn ungehindert. Er schrie noch immer. Sie stand da, eine Hand in die Hüfte gestemmt.

Richard fand ihre Augen und veränderte den Kurs seines Schwertes leicht, damit er sie treffen konnte. Ihr breiter werdendes Grinsen nährte nur noch die Glut seines Zorns. Ihre Blicke trafen sich. Die Schwertspitze näherte sich pfeifend ihrem Kopf. Sein Bedürfnis zu töten wurde unumkehrbar.

Sendbote des Todes.

Der Schmerz der Magie des Schwertes traf ihn wie ein eisiger Wasserfall auf der nackten Haut. Die Klinge kam nie bei ihr an. Das Schwert fiel scheppernd zu Boden, während der Schmerz ihn auf die Knie riß und durch ihn hindurchschoß, daß er zusammenbrach.

Die Hand immer noch in die Hüfte gestemmt, das Lächeln immer noch im Gesicht, stand sie über ihm und sah zu, wie er sich die Arme um den Unterleib schlang, Blut erbrach, daran zu ersticken drohte. Feuer brannte in jedem Zentimeter seines Körpers, riß ihm den Atem aus den Lungen. Verzweifelt versuchte er, die Magie in den Griff zu bekommen, den Schmerz zu überwinden, wie er es gelernt hatte. Mit wachsender Panik stellte er fest, daß er die Kontrolle über den Schmerz verloren hatte.

Die hatte jetzt sie.

Er fiel mit dem Gesicht in den Staub, versuchte zu schreien, Luft zu holen, konnte es nicht. Einen Augenblick lang dachte er an Kahlan, dann nahm ihm der Schmerz sogar das.

Keiner der Männer hatte sich aus dem Kreis fortbewegt. Die Frau setzte ihm einen Stiefel in den Nacken, stützte sich mit dem Ellenbogen auf das Knie und beugte sich vor. Mit der anderen Hand packte sie ihn in den Haaren und zog seinen Kopf zurück. Sie beugte sich vor. Leder knarzte.

»Sieh mal an«, fauchte sie. »Und ich dachte, ich müßte dich tagelang foltern, um dich wütend genug zu machen, damit du deine Magie gegen mich richtest. Nun, keine Sorge, ich habe auch noch andere Gründe, dich zu quälen.«

Trotz der Schmerzen war Richard eines klar: Er hatte einen entsetzlichen Fehler begangen. Irgendwie hatte er ihr die Kontrolle über die Magie des Schwertes überlassen. Jetzt saß er in der Klemme, tiefer als jemals zuvor. Kahlan war in Sicherheit, versuchte er sich einzureden, und das war alles, was zählte.

»Willst du, daß der Schmerz nachläßt, mein Kleiner?«

Die Frage erzürnte ihn. Seine Wut, sein Wunsch, sie zu töten, schnürte die Schmerzen fester. »Nein«, brachte er unter größter Anstrengung hervor.

Achselzuckend ließ sie seinen Kopf fallen. »Mir soll’s recht sein. Aber wenn du willst, daß die Qualen der Magie ein Ende haben, brauchst du bloß aufzuhören, all diese gemeinen Gedanken über mich zu denken. Von nun an werde ich die Zauberkraft deines Schwertes kontrollieren. Wenn du auch nur mit dem Gedanken spielst, mir ein einziges Haar zu krümmen, wird der magische Schmerz dich zermalmen.« Sie lächelte. »Es ist der einzige Schmerz, über den du die Kontrolle haben wirst. Denk einfach etwas Nettes über mich, und er läßt nach. Natürlich kann auch ich den magischen Schmerz kontrollieren und ihn dir zufügen, wann immer mir danach ist. Und ich kann dir noch andere Schmerzen bereiten, wie du noch erfahren wirst.« Ihr Gesicht wurde nachdenklich. »Sag mal, Kleiner, hast du eigentlich versucht, die Magie einzusetzen, weil du ein Narr bist oder weil du dich für tapfer hältst?«