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Der Schmerz ließ ein ganz klein wenig nach. Er schnappte keuchend nach Luft.

»Wer … bist … du?«

Sie packte wieder seinen Haarschopf, riß seinen Kopf hoch und drehte ihn so, daß sie ihm in die Augen sehen konnte. Beim Vorbeugen jagte ihm der Stiefel in seinem Nacken einen stechenden Schmerz durch die Schulter. Er konnte die Arme nicht bewegen. Ihr Gesicht war zu einer neugierigen Fratze verzerrt.

»Du weißt nicht, wer ich bin? In den Midlands kennt mich jeder.«

»Ich … Westland.«

Sie zog entzückt die Brauen hoch. »Aus Westland! Du liebe Zeit! Wie wunderbar! Wird das ein Spaß werden.« Ihr Lächeln wurde noch breiter. »Ich bin Denna. Herrin Denna für dich, mein Kleiner. Ich bin eine MordSith.«

»Ich werde … nicht verraten … wo Kahlan ist. Du kannst … mich ebenso … gleich töten.«

»Wer? Kahlan?«

»Die … Mutter Konfessor.«

»Mutter Konfessor«, wiederholte sie angeekelt. »Wozu in aller Welt sollte ich einen Konfessor brauchen? Wegen dir, Richard Cypher, hat Meister Rahl mich losgeschickt, und wegen niemandem sonst. Einer deiner Freunde hat dich bei ihm verraten.« Sie drehte seinen Kopf noch weiter herum, legte noch mehr Gewicht in den Stiefel. »Und jetzt habe ich dich. Ich hatte gedacht, es würde vielleicht schwierig werden, aber du hast mir überhaupt keinen Spaß gemacht. Ich werde für deine Ausbildung verantwortlich sein. Aber das wirst du nicht wissen, schließlich bist du aus Westland. Eine Mord-Sith trägt immer Rot, wenn sie jemanden ausbilden soll. Dann sieht man das Blut nicht so. Ich habe das wunderbare Gefühl, ich werde eine Menge von deinem Blut auf mir haben, bis ich dich ausgebildet habe.« Sie ließ seinen Kopf fallen, verlagerte ihr Gewicht auf den Fuß in seinem Nacken und hielt ihm die Hand vors Gesicht. Er sah, daß der Rücken ihres Handschuhs gepanzert war, sogar die Finger. Ein blutroter Lederstab, ungefähr einen Fuß lang, hing, mit einer Goldkette verbunden, locker an ihrem Handgelenk. Er pendelte vor seinen Augen hin und her. »Das ist der Strafer. Er gehört zu den Dingen, mit denen ich dich ausbilden werde.« Sie lächelte ihn aalglatt an und zog eine Braue hoch. »Neugierig? Willst du mal sehen, wie er funktioniert?«

Denna drückte ihm den Straf er in die Seite. Der Schmerzensschock ließ ihn aufschreien, dabei hatte er keineswegs die Absicht, ihr die Befriedigung zu schaffen und ihr zu zeigen, wie sehr es schmerzte. Dieses Ding in seiner Seite ließ jeden Muskel in seinem Körper verkrampfen. Er hatte nur noch einen Gedanken, er wollte dieses Ding wieder los sein. Denna drückte ein wenig fester. Seine Schreie wurden lauter. Er hörte ein Knacken und spürte, wie eine Rippe brach.

Sie nahm den Strafer fort. Warmes Blut rann an seiner Seite herunter. Richard war schweißgebadet. Er lag keuchend im Dreck, Tränen liefen ihm aus den Augen. Der Schmerz schien jeden Muskel in seinem Körper zu zerreißen. Er hatte Staub im Mund — und Blut.

Denna grinste ihn grausam an. »Und nun, Kleiner, sag ›Danke, Herrin, daß du mir das gezeigt hast‹.« Ihr Gesicht kam näher. »Sag es.«

Richard nahm seine gesamte geistige Kraft zusammen, richtete seine Mordgier auf sie und stellte sich vor, wie das Schwert ihren Kopf spaltete. »Krepier, du Miststück.«

Denna schauderte, schloß halb die Augen und fuhr sich verzückt mit der Zunge über die Oberlippe. »Oh, welch köstliche erregende Vorstellung, mein Kleiner. Du wirst natürlich sehr ernsthaft bedauern, daß du sie gehabt hast. Deine Ausbildung wird mir gefallen. Zu schade, daß du nicht weißt, was eine Mord-Sith ist. Wüßtest du’s, hättest du sehr große Angst. Das würde mir noch besser gefallen.« Dank ihres Lächelns sah man ihr perfektes Gebiß. »Aber noch entzückender wird es sein, dich zu überraschen.«

Richard behielt die Vorstellung, wie er sie tötete, so lange vor seinem geistigen Auge, bis er in Ohnmacht fiel.

12

Richards Augen öffneten sich einen winzigen Spalt. Seine Gedanken verschwammen im Nebel. Er lag mit dem Gesicht auf einem kalten Steinfußboden, der von flackerndem Fackelschein erhellt wurde. Die steinernen Mauern hatten keine Fenster, die ihm verraten hätten, ob es Tag war oder Nacht. Er hatte den Geschmack von Kupfer im Mund. Blut. Er versuchte nachzudenken, wo er sein könnte, und warum. Ein stechender Schmerz in seiner Seite ließ ihm den Atem stocken, als er zu tief einatmete. Sein ganzer Körper schmerzte. Alles pochte. Er fühlte sich, als hätte ihn jemand mit einem Knüppel verdroschen.

Die Erinnerung an den Alptraum sickerte zurück in sein Bewußtsein. Beim Gedanken an Denna blitzte sein Ärger auf. Der magische Schmerz ließ ihn keuchend nach Luft schnappen. Bei dem unerwarteten Schock riß er die Knie an den Leib und stöhnte gequält auf. Dann zügelte er seinen Zorn, verbannte ihn aus seinen Gedanken. Er dachte an Kahlan und wie sie ihn geküßt hatte. Der Schmerz schmolz dahin. Verzweifelt versuchte er, sich ganz auf Kahlan zu konzentrieren, noch einmal hätte er die Schmerzen nicht ertragen. Er hielt es einfach nicht aus, schon jetzt tat alles viel zu sehr weh.

Er mußte einen Ausweg finden. Wenn es ihm nicht gelang, seinen Zorn zu beherrschen, hatte er keine Chance. Er mußte an seinen Vater denken, der ihm beigebracht hatte, Zorn sei falsch und wie er ihn den größten Teil seines Lebens hatte im Zaum halten können. Zedd hatte ihm erklärt, daß es Augenblicke gäbe, in denen es gefährlicher war, seine Wut herauszulassen, als sie zu unterdrücken. Dies war so ein Augenblick. Sein ganzes Leben lang hatte er gelernt, seine Wut zu unterdrücken, jetzt mußte er es tun. Der Gedanke gab ihm einen Funken Hoffnung.

Vorsichtig, ohne sich viel zu bewegen, durchdachte er seine Situation. Das Schwert steckte wieder in der Scheide, sein Messer noch in der Hülle, den Stein der Nacht hatte er noch in der Tasche. Sein Rucksack lag an einer fernen Wand. Die linke Seite seines Hemdes war hart von verkrustetem Blut. Sein Kopf pochte vor Schmerzen, fühlte sich aber nicht schlimmer an als der Rest.

Nach einer leichten Drehung des Kopfes sah er Denna. Sie hatte es sich auf einem hölzernen Stuhl bequem gemacht und die Beine untergeschlagen. Ihr linker Ellenbogen ruhte auf einem einfachen Holztisch, und sie löffelte etwas aus einer Schale in sich hinein.

Vielleicht sollte er etwas sagen. »Wo sind deine Männer?«

Denna kaute noch eine Weile weiter und sah ihn an. Endlich setzte sie die Schale ab und zeigte dicht neben sich auf eine Stelle am Boden.

Ihre Stimme klang ruhig, fast freundlich. »Komm, stell dich hierher.«

Richard kam unter großer Mühe auf die Beine und ging zu der Stelle, auf die sie gezeigt hatte. Sie betrachtete ihn teilnahmslos, während er dastand und auf sie herabschaute. Sie erhob sich und schob den Stuhl mit dem Stiefel nach hinten, aus dem Weg. Sie war fast so groß wie er. Sie drehte ihm den Rücken zu, nahm einen Handschuh vom Tisch und zog ihn sich über die rechte Hand, stieß die Finger fest hinein.

Unvermittelt wirbelte sie herum und schlug ihm mit dem Handrücken über den Mund. Die gepanzerte Rückseite des Handschuhs zerfetzte ihm die Oberlippe.

Sofort, noch bevor der Zorn ihn packen konnte, dachte er an einen wunderschönen Ort in den Wäldern Kernlands. Der stechende Schmerz der Platzwunde ließ ihm die Tränen in die Augen treten.

Denna lächelte ihn warm an. »Du hast die Anrede vergessen, mein Kleiner. Ich hab’s dir doch erklärt, du sollst mich mit ›Herrin‹ anreden oder mit Herrin Denna. Du hast Glück, daß ich deine Ausbildung übernommen habe, die meisten Mord-Sith sind nicht so nachsichtig wie ich. Sie hätten bei der ersten Verfehlung den Strafer eingesetzt. Aber ich habe eine Schwäche für gutaussehende Männer. Außerdem muß ich gestehen, daß ich den Handschuh recht gerne benutze, auch wenn er keine besonders wirksame Strafe darstellt. Ich mag den direkten Kontakt. Der Strafer hat etwas Belebendes, aber es gibt keinen Ersatz für den Gebrauch der eigenen Hände, wenn man spüren will, was man tut.« Sie runzelte leicht die Stirn, und ihre Stimme wurde schärfer. »Nimm deine Hand weg.«