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Richard nahm die Hand vom Mund. Er spürte, wie ihm das Blut vom Kinn tropfte. Denna bemerkte es mit Genugtuung. Unerwartet beugte sie sich vor und leckte ihm Blut vom Kinn; der Geschmack brachte sie zum Lächeln. Er schien sie zu erregen. Sie schmiegte sich an ihn. Diesmal jedoch saugte sie seine Lippe in den Mund und biß fest in die Platzwunde. Richard kniff die Augen zu, ballte die Fäuste und hielt den Atem an, bis sie von ihm abließ und sich lächelnd das Blut von den Lippen leckte. Er zitterte vor Schmerz, aber das Bild der Wälder Kernlands in seinen Gedanken hielt stand.

»Das war nur eine sachte Vorwarnung, wie du bald herausfinden wirst. Und jetzt wiederhole die Frage, wie es sich gehört.«

Richard beschloß in diesem Augenblick, sie Herrin Denna zu nennen. Es sollte Ausdruck seiner Verachtung sein. Niemals würde er sie einfach Herrin nennen. Das war seine Art, sie zu bekämpfen und den Respekt vor sich selbst aufrechtzuerhalten. Zumindest in seinen eigenen Gedanken.

Richard holte tief Luft. »Wo sind Eure Männer, Herrin Denna?«

»Viel besser«, gurrte sie. »Die meisten Mord-Sith gestatten den Auszubildenden nicht, zu sprechen oder Fragen zu stellen. Ich spreche eigentlich ganz gerne mit meinen Schülern. Wie gesagt, du kannst von Glück reden, daß du mich hast.« Sie lächelte ihn kühl an. »Ich habe meine Männer fortgeschickt. Sie werden nur zum Einfangen benötigt. Sie sollen eine Person festhalten, bis diese ihre Magie gegen mich einsetzt, danach werden sie nicht mehr gebraucht. Es gibt nichts, was du tun könntest, um zu fliehen oder dich zu wehren. Nichts.«

»Und warum habe ich immer noch mein Schwert und mein Messer?«

Dann fiel es ihm ein. Zu spät. Mit einem Arm blockte er ihre Faust vor seinem Gesicht ab. Die Abwehr ließ den magischen Schmerz auflodern. Der Strafer bohrte sich ihm in den Magen. Er wälzte sich vor Schmerzen schreiend auf dem Boden.

»Steh auf!«

Richard würgte seinen Zorn herunter, um den magischen Schmerz auszusperren. Der Schmerz des Strafers ließ weniger rasch nach. Er hatte große Mühe, auf die Beine zu kommen.

»Und jetzt runter auf die Knie. Bitte mich um Vergebung.«

Als er sich für ihr Empfinden nicht schnell genug bewegte, legte sie ihm den Strafer auf die Schulter und drückte ihn damit nach unten. Sein rechter Arm wurde taub vor Schmerz.

»Bitte, Herrin Denna, vergebt mir.«

»Schon besser«, grinste sie endlich. »Steh auf.« Sie sah zu, wie er sich aufrappelte. »Du hast dein Schwert und dein Messer noch, weil sie mir nicht gefährlich werden können. Vielleicht wirst du sie eines Tages dazu benutzen, deine Herrin zu beschützen. Ich habe es lieber, wenn meine Kleinen ihre Waffen behalten. Es erinnert sie unablässig daran, wie hilflos sie mir ausgeliefert sind.«

Sie kehrte ihm den Rücken zu und streifte den Handschuh ab. Was das Schwert anbetraf, hatte sie recht. Es besaß Zauberkraft, und die kontrollierte sie. Aber war das die einzige Möglichkeit? Er mußte es herausfinden. Er versuchte, ihr an die Kehle zu greifen.

Unbeirrt streifte sie weiter langsam den Handschuh ab, während er auf die Knie sackte und unter magischen Schmerzen aufschrie. Verzweifelt konzentrierte er sich auf das Bild von den Wäldern Kernlands. Der Schmerz ließ nach, und er kam wieder auf die Beine, als sie es ihm befahl.

Denna sah ihn ungehalten an. »Du willst es dir schwermachen, was?« Ihre Züge entspannten sich, das aalglatte Lächeln kehrte zurück. »Eigentlich gefällt es mir, wenn es sich ein Mann schwermacht. Aber du machst es verkehrt. Ich hab’ dir doch gesagt, du sollst etwas Nettes über mich denken, damit die Schmerzen nachlassen. Aber das tust du nicht. Du denkst an irgendwelche langweiligen Bäume. Das ist meine letzte Warnung. Entweder du denkst etwas Nettes über mich, oder ich werde dich die ganze Nacht über mit Schmerzen verrückt machen. Hast du das verstanden?«

»Ja, Herrin Denna.«

Ihr Grinsen wurde breiter. »Das war sehr gut. Siehst du? Du bist doch ganz gelehrig. Vergiß nicht, denk einfach etwas Nettes über mich.« Sie ergriff seine Hände und legte sie auf ihre Brüste, während sie ihm in die Augen sah. »Ich habe festgestellt, daß die meisten Männer ihre netten Gedanken auf das hier konzentrieren.« Sie beugte sich vor, seine Hände noch immer an sich drückend. Ihre Stimme wurde ungezwungener. »Aber wenn dir irgend etwas besser gefällt, darfst du deine Gedanken gerne auch dorthin wandern lassen.«

Richard entschied auf der Stelle, daß ihr Haar hübsch sei. Es war die einzige Stelle, zu der seine Gedanken wandern würden, wenn er etwas Nettes denken sollte. Der Schmerz riß ihn unerwartet auf die Knie und ließ ihn nicht aus dem Griff, bis er nicht mehr atmen konnte. Er riß den Mund auf, bekam aber keine Luft. Seine Augen quollen hervor.

»So, und jetzt zeig mir, ob du tun kannst, was man dir sagt. Schalte den Schmerz ab, wann immer du willst, aber tue es auf die Weise, die ich dir genannt habe.«

Er schaute zu ihr hoch, auf ihr Haar. Sein Blick verschwamm. Er konzentrierte sich darauf, wie attraktiv er ihren Zopf fand. Er zwang sich, ihn wunderschön zu finden. Der Schmerz ließ nach, und er sackte nach Luft schnappend auf die Seite.

»Steh auf.« Er tat, was sie verlangte, immer noch nach Atem ringend. »So gehört sich das. Denk daran, nur so darfst du es wagen, in Zukunft den Schmerz zu bekämpfen, oder ich verändere den Zauber so, daß du ihn überhaupt nicht mehr entfernen kannst. Hast du das verstanden?«

»Ja, Herrin Denna.« Er schnappte noch immer nach Luft. »Herrin Denna, Ihr habt gesagt, jemand hätte mich verraten. Wer war es?«

»Einer von deinen eigenen Leuten.«

»Keiner meiner Freunde würde so etwas tun, Herrin Denna.«

Sie sah ihn voller Verachtung an. »Dann sind es wohl kaum deine Freunde, oder?«

Er senkte den Blick, hatte einen Kloß in der Kehle. »Nein, Herrin Denna. Aber wer war es?«

Sie zuckte mit den Achseln. »Meister Rahl hielt es nicht für wichtig genug, es mir mitzuteilen. Im Augenblick brauchst du nur eins zu wissen: niemand wird dich retten. Du wirst nie wieder frei sein. Je schneller du das begreifst, desto leichter wird dir die Ausbildung fallen.«

»Und was ist der Zweck meiner Ausbildung, Herrin Denna?«

Das Lächeln kehrte in ihr Gesicht zurück. »Sie soll dir die Bedeutung von Schmerz nahebringen. Dir beibringen, daß dein Leben nicht mehr dir gehört, sondern mir, und ich damit machen kann, was immer ich will. Alles. Ich kann dir weh tun, wie ich will, solange ich will, und niemand außer mir wird dir helfen. Ich werde dir beibringen, daß du jeden Augenblick ohne Schmerzen ausschließlich mir zu verdanken hast. Du wirst lernen zu tun, was ich sage, und zwar ohne zu fragen, ohne zu zögern, ganz gleich, um was es sich handelt. Du wirst lernen, um alles zu betteln, was du bekommst. Nach ein paar Tagen der Ausbildung hier wirst du ausreichende Fortschritte gemacht haben, dann werde ich dich an einen anderen Ort bringen, wo es andere Mord-Siths gibt, und dort werde ich deine Ausbildung vervollständigen, bis ich fertig bin, egal wie lange es dauert. Ich werde einige der anderen Mord-Siths mit dir spielen lassen, damit du begreifst, wie glücklich du dich schätzen darfst, mich zu haben. Eigentlich mag ich Männer. Einige von den anderen können Männer nicht ausstehen. Ich werde dich ihnen eine Weile lang überlassen, damit du begreifst, wie freundlich ich im Grunde bin.«

»Und was ist das Ziel dieser Ausbildung, Herrin Denna? Welchen Zweck hat sie? Was wollt ihr?«

Sie schien es aufrichtig zu genießen, ihm diese Dinge zu erzählen. »Du bist etwas Besonderes. Meister Rahl hat deine Ausbildung persönlich angeordnet.« Ihr Lächeln wurde breiter. »Ich könnte mir vorstellen, daß er dir eine Frage stellen möchte. Und du wirst mir keine Schande machen. Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du darum betteln, ihm alles zu verraten, was er wissen will. Und wenn er mit dir fertig ist, dann wirst du mir gehören, dein Leben lang. Wie lange das immer sein mag.«