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»Ja, Herrin Denna«, greinte er. Er hatte Angst, daß es eine Möglichkeit gab, hatte Angst, was geschehen würde, wenn er sie fand, Angst, es unversucht zu lassen. Wenn es am Ende der Stunde einen Weg gab, dann hatte er ihn nicht gefunden.

Sie kam und stellte sich über ihn. Er stützte sich auf Hände und Knie. »Hast du es jetzt kapiert? Begreifst du jetzt, was geschehen wird, wenn du versuchst, zu fliehen?«

»Ja, Herrin Denna.« Er hatte tatsächlich verstanden. Es gab keine Möglichkeit zur Flucht für ihn. Hoffnungslosigkeit hüllte ihn ein, schien ihn ersticken zu wollen. Er wollte sterben. Dann dachte er an das Messer in seinem Gürtel.

»Steh auf.« Sie sprach leise, als könnte sie seine Gedanken lesen. »Falls du glaubst, du könntest deine Zeit als mein Spielzeug beenden, denk noch einmal nach. Die Magie wird es verhindern, genauso wie sie verhindert, daß du die Kette vom Stuhl nehmen kannst.« Richard blinzelte sie stumpfsinnig an. »Du kannst mir nicht entkommen, nicht einmal durch deinen Tod. Du wirst mir gehören, solange es mir beliebt, dich leben zu lassen.«

»Das wird nicht lange dauern, Herrin Denna. Darken Rahl wird mich töten.«

»Vielleicht. Aber selbst wenn, wird er es erst tun, nachdem du ihm verraten hast, was er wissen will. Ich will, daß du seine Fragen beantwortest, und du wirst tun, was ich verlange, ohne zu zögern.« Ihre braunen Augen waren hart wie Stahl. »Vielleicht glaubst du das im Augenblick nicht, aber du hast keine Vorstellung, wie gut ich im Abrichten von Menschen bin. Ich habe noch jeden Mann gebrochen. Vielleicht glaubst du, du könntest der erste sein, aber schon bald wirst du darum betteln, mir gefallen zu dürfen.«

Der erste Tag mit ihr war noch nicht vorüber, und schon wußte Richard, daß er fast alles tun würde, was sie verlangte. Sie hatte noch wochenlang Zeit, ihn abzurichten. Hätte er kraft seines Willens auf der Stelle sterben können, er hätte es getan. Das schlimmste war, er wußte, daß sie recht hatte. Er konnte nichts tun. Er war ihrer Gnade ausgeliefert, und sie schien keinen Funken davon zu besitzen.

»Ich verstehe, Herrin Denna. Ich glaube Euch.« Ihr süßliches Lächeln zwang ihn, daran zu denken, wie hübsch ihr Zopf war.

»Gut. Und jetzt zieh dein Hemd aus.« Ihr Lächeln wurde breiter, als sie sein verwirrtes Gesicht sah und er sich dennoch sein Hemd aufzuknöpfen begann. Sie hielt ihm den Strafer vors Gesicht. »Es wird Zeit, daß ich dir beibringe, was der Strafer alles kann. Wenn du es anläßt, wird es völlig blutverschmiert sein, und ich finde keine unberührte Stelle mehr. Du wirst sehen, warum meine Kleidung diese Farbe hat.«

Er zerrte seinen Hemdzipfel heraus. Sein Atem ging schwer. Richard stand kurz davor, durchzudrehen. »Aber Herrin Denna, was habe ich denn falsch gemacht?«

Sie legte ihm in gespielter Sorge zärtlich die Hand an die Wange. »Was, das weißt du nicht?« Er schüttelte den Kopf und würgte den Kloß in seinem Hals hinunter. »Du hast dich von einer Mord-Sith fangen lassen. Du hättest alle meine Männer mit deinem Schwert töten sollen. Ich glaube, du hättest es schaffen können. Du warst recht eindrucksvoll bis dahin. Dann hättest du mich mit deinem Messer oder mit den bloßen Händen umbringen müssen, bevor ich deine Magie kontrollieren konnte. Du hättest niemals zulassen dürfen, daß ich dir die Kontrolle über die Zauberkraft abnehme. Du hättest sie niemals gegen mich richten dürfen.«

»Aber warum mußt du mich jetzt mit dem Strafer traktieren?«

Sie lachte. »Weil du etwas lernen sollst. Ich kann tun, was immer mir gefällt, und du hast keine Möglichkeit, mich daran zu hindern. Dir muß klarwerden, daß du vollkommen hilflos bist und daß du jeden Augenblick ohne Schmerzen einzig und allein mir zu verdanken hast. Und nicht dir.« Das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht. Sie ging zum Tisch und kam mit einem Paar Handschellen zurück, die mit einer Kette verbunden waren. »Mich nervt, daß du ständig hinfällst. Das werden wir ändern. Leg sie an.«

Sie warf ihm die Handschellen zu. Er hatte Mühe, seinen Atem zu kontrollieren, als er die beiden Bandeisen um die zitternden Handgelenke klicken ließ. Denna schleifte den Stuhl zu einem Balken und zwang ihn, sich darunter zu stellen. Sie stieg auf den Stuhl und hakte die Kette an einen Eisendorn.

»Streck dich. Das reicht noch nicht.« Er mußte sich recken und auf die Zehenspitzen stellen, bevor sie sie einhaken konnte. »Das wäre geschafft«, lächelte sie. »Jetzt wird uns dein dauerndes Hinfallen keinen Ärger mehr machen.«

Richard hing an der Kette und versuchte, seine entsetzliche Angst zu bändigen. Die Bandeisen schnitten ihm mit dem ganzen Gewicht seines Körpers in die Handgelenke. Er hatte schon vorher gewußt, daß er ihr vollkommen ausgeliefert war, aber das hier war etwas anderes, es verstärkte seine Hilflosigkeit und brachte ihm noch deutlicher zu Bewußtsein, daß er keine Chance hatte, sich zu wehren. Denna zog ihre Handschuhe über und ging, den Strafer in die andere Hand klatschend, ein paarmal um ihn herum, um seine Beklemmung zu steigern.

Wenn er doch nur bei dem Versuch, Darken Rahl aufzuhalten, getötet worden wäre! Auf dieses Opfer war er vorbereitet. Doch das hier war etwas anderes. Dies war der Tod, ohne zu sterben. Der Tod am lebendigen Leib. Ihm blieb nicht einmal die Würde, sich wehren zu können. Er wußte, wie sich der Strafer anfühlte. Sie brauchte ihm nichts mehr zu zeigen. Sie wollte nichts, als ihm den Stolz nehmen, seinen Respekt vor sich selbst. Sie wollte ihn brechen.

Denna umkreiste ihn weiter und tippte immer wieder mit dem Strafer an seine Brust. Jede Berührung war wie ein Dolch, der sich in seinen Leib bohrte. Jede Berührung ließ ihn gequält aufschreien. Er wand sich an der Kette und wußte doch, daß sie noch nicht einmal richtig angefangen hatte. Der erste Tag war noch nicht vorbei, und viele würden folgen. Seine Hilflosigkeit trieb ihm die Tränen in die Augen.

Richard stellte sich sein Selbstwertgefühl, seine Würde als ein lebendes Wesen vor und sah es vor seinem inneren Auge. Er stellte sich einen Raum vor. Einen Raum, der ihn gegen alles schützte, gegen jeden Schmerz. In diesen Raum brachte er seine Würde, seinen Respekt vor sich selbst, und verriegelte die Tür. Für diese Tür besaß niemand einen Schlüssel, Denna nicht, Darken Rahl nicht. Nur er selbst. Was immer ihn erwartete, wie lange es auch dauerte, er würde es über sich ergehen lassen, ohne den Respekt vor sich zu verlieren. Er würde tun, was er tun mußte, und eines Tages würde er die Tür aufschließen und wieder er selbst sein, und sei es im Tod. Im Augenblick jedoch war er ihr Sklave. Jetzt, aber nicht für immer. Eines Tages würde es vorbei sein.

Denna nahm sein Gesicht in beide Hände und küßte ihn grob. So grob, daß seine aufgeplatzte Lippe pochte und brannte. Sie genoß den Kuß um so mehr, als sie sicher war, daß sie ihm damit weh tat. Mit vor Wonne großen Augen löste sie ihr Gesicht von seinem. »Sollen wir anfangen, mein Kleiner?« flüsterte sie.

»Bitte, Herrin Denna«, hauchte er. »Tut das bitte nicht.« Ihr Lächeln wurde strahlender. »Genau das wollte ich hören.« Denna begann, ihm die Möglichkeiten des Strafers vorzuführen. Wie ein leichtes Streicheln mit dem Folterinstrument Striemen auf der Haut hervortreten ließ, die sich, wenn sie ein wenig fester drückte, mit Blut füllten. Wenn sie sich etwas mehr anstrengte, spürte er eine warme Feuchtigkeit auf seiner schweißnassen Haut. Sie konnte sogar denselben Schmerz erzeugen, ohne eine Narbe zu hinterlassen. Seine Zähne schmerzten, so sehr biß er sie zusammen. Ab und zu stellte sie sich hinter ihn, wartete, bis er nicht achtgab, und berührte ihn erst dann. Als sie das leid war, zwang sie ihn, die Augen zu schließen und geschlossen zu halten, während sie Richard umkreiste, den Strafer in seinen Körper bohrte, ihn über seine Brust strich. Sie lachte, wenn er seinen Körper in der Erwartung der nächsten Berührung anspannte, die dann nicht kam. Ein besonders scharfer Stoß riß ihm die Augen auf und gab ihr Gelegenheit, den Handschuh einzusetzen. Sie zwang ihn, um Vergebung zu betteln, weil er die Augen unaufgefordert geöffnet hatte. Die Bandeisen schnitten sich blutig in seine Handgelenke. Es war ihm unmöglich, nicht mit seinem vollen Gewicht in ihnen zu hängen.