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Nur ein einziges Mal entfuhr ihm sein Zorn: als sie ihm den Strafer in die Achselhöhle preßte. Mit höhnischem Grinsen verfolgte sie, wie er sich bei dem Versuch wand, an ihr Haar zu denken. Die Berührung mit dem Strafer an dieser Stelle zwang ihn, seinen Ärger entfliehen zu lassen, also konzentrierte sie sich lange auf diesen Punkt. Aber ein zweites Mal beging er diesen Fehler nicht. Er löste den magischen Schmerz nicht mehr aus, also tat sie es für ihn. Sosehr er es auch versuchte, er konnte ihn nicht abstellen. Er mußte sie anflehen, es für ihn zu tun. Manchmal stellte sie sich vor ihn und sah zu, wie er nach Atem rang. Ein paarmal preßte sie sich an ihn, schlang ihm die Arme um die Brust und drückte zu. Das harte Leder ließ den Schmerz jeder Wunde erneut auflodern.

Richard hatte keine Ahnung, wie lange es dauerte. Die meiste Zeit nahm er nichts wahr außer den Schmerzen, so als wären sie ein lebendes Wesen. Er wußte nur noch eins, an einem gewissen Punkt würde er alles tun, was sie verlangte, wenn sie nur damit aufhörte, ihm weh zu tun. Er weigerte sich, den Strafer anzusehen. Sein bloßer Anblick trieb ihm die Tränen in die Augen. Denna hatte sich richtig beschrieben, sie wurde nicht leid, was sie tat, es wurde ihr niemals langweilig. Es schien sie fortwährend zu faszinieren, hielt sie bei Laune, befriedigte sie. Nur eins schien sie noch glücklicher zu machen, als ihm weh zu tun: wenn er sie anflehte, aufzuhören. Er hätte sie viel häufiger angefleht, um sie glücklich zu machen, meist jedoch brachte er einfach kein Wort hervor. Schon das Luftholen überforderte ihn fast.

Längst versuchte er nicht mehr, die Handgelenke zu entlasten. Er ließ sich schlaff hängen, im Delirium. Einmal glaubte er, sie hätte für einen kurzen Augenblick aufgehört, aber da tat ihm alles schon so weh, daß er nicht sicher war. Der Schweiß in seinen Augen blendete ihn, der Schweiß, der in seine Wunden rann, ätzte.

Als sein Kopf wieder etwas klarer war, kehrte sie zurück und ging hinter ihm auf und ab. Er wußte, was kam, und spannte sich an. Statt dessen griff sie in sein Haar und riß seinen Kopf nach hinten.

»Und jetzt, mein Kleiner, werde ich dir etwas Neues zeigen. Ich werde dir zeigen, was für eine nette Herrin ich eigentlich bin.« Sie riß seinen Kopf hart nach hinten, bis er seine Nackenmuskeln anspannte, um sich gegen den Druck zu sperren. Sie drückte ihm den Strafer an die Kehle. »Hör auf, dich zu wehren, sonst nehme ich ihn nicht weg.«

Das Blut sickerte in seinen Mund, und er entspannte die Nackenmuskeln, damit sie ziehen konnte, so fest sie wollte.

»Und jetzt hör gut zu, mein Kleiner. Ich werde dir den Strafer in dein rechtes Ohr stecken.« Richard erstickte fast vor Angst. Sie riß ihm den Kopf nach hinten. »Das ist anders, als wenn man ihn irgendwo anders hinsteckt. Es ist sehr viel schmerzhafter. Aber du mußt genau tun, was ich sage.« Ihr Mund befand sich dicht an seinem Ohr, sie flüsterte ihm zu wie einem Geliebten. »Früher, wenn eine andere Mord-Sith-Schwester bei mir war, haben wir unsere Strafer einem Mann in beide Ohren gleichzeitig gesteckt. Dann hat er geschrien, wie noch niemand je geschrien hat. Das ist berauschend anzuhören. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke. Allerdings ist es auch tödlich. Die Anwendung zweier Strafer auf diese Weise zur gleichen Zeit hatte nie Erfolg. Die Männer starben jedesmal. Wir haben es immer wieder versucht, aber sie sind immer gestorben. Du kannst dankbar sein, daß ich deine Herrin bin. Es gibt andere, die es noch immer versuchen.«

»Danke, Herrin Denna.« Er wußte nicht genau, wofür er ihr dankte, aber er wollte nicht, daß sie tat, was immer sie vorhatte.

»Paß auf«, flüsterte sie heiser. Ihre Stimme wurde wieder sanfter. »Wenn ich es tue, darfst du dich nicht bewegen. Wenn du dich bewegst, wird es etwas in dir zerstören. Umbringen wird es dich nicht, aber es wird dich unwiderruflich zum Krüppel machen. Manche Männer werden blind, wenn sie sich bewegen, andere werden halbseitig gelähmt, wieder andere können nicht mehr sprechen oder gehen. In jedem, der sich bewegt, wird etwas zerstört. Ich will, daß du voll funktionsfähig bleibst. Grausamere Mord-Siths als ich sagen ihren Spielzeugen nicht, daß sie sich nicht bewegen dürfen, sie tun es einfach, ohne sie zu warnen. Siehst du? Ich bin gar nicht so grausam, wie du gedacht hast. Trotzdem gelingt es nur wenigen Männern, mit denen ich es mache, sich nicht zu bewegen. Sie zucken, obwohl ich sie gewarnt habe.«

Richard konnte seine Tränen nicht zurückhalten. »Bitte, Herrin Denna, tut es nicht, bitte.«

Er spürte ihren Atem, als sie lächelte. Sie bohrte ihm ihre feuchte Zunge ins Ohr, küßte es. »Aber ich will es, mein Kleiner. Vergiß nicht, halte still, beweg dich nicht.«

Richard biß die Zähne zusammen, aber nichts hätte ihn auf das vorbereiten können, was jetzt kam. Sein Kopf fühlte sich an, als sei er zu Glas geworden, das in tausend Splitter zerspringt. Seine Fingernägel krallten sich in seine Handflächen. Jedes Zeitgefühl zersplitterte wie alles andere auch. Er befand sich in einer Wüste aus Qualen. Ohne Anfang, ohne Ende. Jeder Nerv in seinem Körper brannte vor rasiermesserscharfem, gleißendem Elend. Er hatte keine Ahnung, wie lange sie den Strafer dort ließ, aber als sie ihn herauszog, hallten seine Schreie von den steinernen Wänden wider.

Als er endlich zusammensackte, küßte sie sein Ohr und hauchte atemlos hinein. »Das war ein geradezu köstlicher Schrei, mein Kleiner. Ich habe noch nie einen schöneren gehört. Außer einem Todesschrei natürlich. Du hast das sehr gut gemacht, mein Kleiner, du hast dich kein Stück gerührt.« Zart küßte sie seinen Hals, dann wieder sein Ohr. »Wollen wir jetzt die andere Seite probieren?«

Richard ließ sich in die Kette sacken. Nicht einmal weinen konnte er mehr. Sie riß seinen Kopf noch fester nach hinten und begab sich auf seine andere Seite.

Als sie endlich mit ihm fertig war und die Kette vom Haken löste, brach er auf dem Boden zusammen. Er glaubte, zu keiner Bewegung mehr fähig zu sein, doch als sie ihm mit dem Strafer das Zeichen zum Aufstehen gab, gehorchte er.

»Das wäre für heute alles, mein Kleiner.« Richard hätte vor Freude sterben können. »Ich werde jetzt etwas schlafen. Heute war nur ein halber Tag, morgen werden wir dich den ganzen Tag ausbilden. Ein ganzer Tag wird dir qualvoller erscheinen.«

Richard war zu erschöpft, um sich um den nächsten Tag zu scheren. Er wollte sich nur hinlegen. Selbst der Steinboden würde ihm wie das beste Bett vorkommen, in dem er je geschlafen hatte. Er betrachtete ihn sehnsüchtig.

Denna zog den Stuhl heran, nahm die Kette, die an seinem Halsband befestigt war, und hakte sie an den Eisendorn am Balken. Verwirrt beobachtete er sie, zu matt, ihre Absicht zu erkennen. Als sie fertig war, ging sie zur Tür. Richard stellte fest, daß die Kette zu kurz war, um sich hinzulegen.

»Herrin Denna, wie soll ich schlafen?«

Sie drehte sich um und lächelte ihn herablassend an. »Schlafen? Ich kann mich nicht erinnern, dir das Schlafen erlaubt zu haben. Schlaf ist eine Gunst, die man sich verdienen muß. Das hast du nicht getan. Hast du schon vergessen? Heute morgen wolltest du mich noch mit deinem Schwert töten. Hast du schon vergessen, wie ich dir gesagt habe, es würde dir noch leid tun? Gute Nacht, mein Kleiner.« Sie wollte schon gehen, drehte sich aber noch einmal um. »Und solltest du auf die Idee kommen, die Kette vom Haken zu ziehen, damit du vor Schmerzen ohnmächtig wirst, das würde ich an deiner Stelle nicht versuchen. Ich habe den Zauber verändert. Du kannst nicht mehr in Ohnmacht fallen. Wenn du die Kette abziehst oder aus Versehen vom Stuhl fällst, werde ich nicht da sein, um dir zu helfen. Dann wirst du die ganze Nacht über mit deinen Schmerzen alleine sein. Denke darüber nach, wenn du schläfrig wirst.«