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Richards Hirn war wie im Nebel, als er Denna folgte, mit ihr verbunden durch die Kette an seinem Halsband. Er konzentrierte sich darauf, die Kette in angemessener Weise durchhängen zu lassen. Sie hatte ihm die Handschellen abgenommen, doch die Schnitte waren rot und geschwollen und pochten schmerzhaft. Vage erinnerte er sich an einige der Räume, die sie durchquerten.

Denna ging in dem Raum mit den anderen Leuten umher, blieb stehen und unterhielt sich kurz mit fein gekleideten Herrschaften. Richard heftete den Blick auf ihren Zopf. Sie mußte ihn zurechtgemacht haben, während sie ihn hatte schlafen lassen. Er ertappte sich dabei, wie er darüber nachdachte, daß ihr Haar wirklich wundervoll war, daß sie eleganter aussah als irgendeine der anderen Frauen. Er wußte, die Leute starrten ihn und sein Schwert an, während er an Halsband und Kette herumgeführt wurde. Er erinnerte sich daran, daß er seinen Stolz im Augenblick fortgesperrt hatte. Jetzt ging es darum, sich auszuruhen, etwas zu essen und sich eine Weile nicht von ihr quälen zu lassen.

Richard verbeugte sich und verharrte in dieser Stellung, während Denna mit der Königin sprach. Die Königin und die Mord-Sith verneigten sich nur knapp voreinander. Die Prinzessin stand neben der Königin. Richard mußte daran denken, wie Prinzessin Violet Rachel behandelt hatte, und sah sich gezwungen, seine Gedanken wieder auf Dennas Zopf zu konzentrieren.

Als sie am Tisch saß, schnippte Denna mit den Fingern und zeigte auf den Fußboden hinter ihrem Stuhl. Er wußte, was sie wollte, und hockte sich im Schneidersitz auf den Boden. Denna saß links neben der Königin und rechts neben Prinzessin Violet, die ihn kalt von oben herab ansah. Richard erkannte einige der Berater der Königin. Mit einem verstohlenen Lächeln registrierte er, daß der Hofmaler nicht unter ihnen war. Die Tafel der Königin stand höher als die anderen Tische, aber auf dem Boden sitzend konnte Richard nicht viel von den versammelten Gästen sehen.

»Da Ihr kein Fleisch eßt«, meinte die Königin zu Denna, »habe ich die Köche angewiesen, Euch eine spezielle Mahlzeit zuzubereiten, die Euch zusagen wird. Einige herrliche Suppen und Gemüse sowie ein paar seltene Früchte.«

Denna bedankte sich mit einem Lächeln. Ein Diener brachte ihr eine einfache Schale, während sie aß.

»Für mein Schoßhündchen«, erklärte sie, ihre Unterhaltung nur kurz unterbrechend.

Der Mann nahm die Schale vom Tablett und reichte sie Richard. Es war irgendein Brei, doch Richard, der die Schale in seinen zitternden Händen hielt und sich daranmachte, ihn hinunterzuschlingen, kam es vor wie die köstlichste Mahlzeit, die er je zu Gesicht bekommen hatte.

»Wenn er dein Schoßhündchen ist«, meinte Prinzessin Violet, »wieso erlaubst du ihm dann, so zu essen?«

Denna sah die Prinzessin an. »Was meint Ihr damit?«

»Na ja, wenn er Euer Schoßhündchen ist«, griente die Prinzessin, »dann sollte er vom Boden fressen, ohne seine Hände.«

Denna grinste, ein Funkeln in ihren Augen. »Tu, was sie sagt.«

»Stell sie auf den Boden«, befahl Prinzessin Violet, »und friß wie ein Hund, so, daß wir alle es sehen können. Jeder soll sehen, daß der Sucher nicht besser ist als ein Köter.«

Richard war zu hungrig, um sein Essen zu riskieren. Er konzentrierte sich auf das Bild von Dennas Zopf in seinem Kopf und stellte die Schale auf den Boden und aß den Brei unter allgemeinem Gelächter. Er leckte die Schale sauber und redete sich ein, daß er die Kraft brauchte. Vielleicht bekam er einmal Gelegenheit, sie zu benutzen.

Als die Königin und ihre Gäste mit dem Essen fertig waren, brachte man einen Mann in Ketten herein und zwang ihn, sich mitten in den Raum zu stellen. Richard erkannte ihn wieder. Es war einer der Männer aus dem Verlies, die Kahlan befreit hatte. Sie wechselten einen kurzen verzweifelten Blick.

Man sprach von Verbrechen und üblen Vergehen. Richard tat alles, um nicht darauf zu achten. Er wußte, daß es nur ein Vorwand war. Die Königin hielt eine kurze Ansprache über die Verbrechen des Mannes, dann wandte sie sich an die Prinzessin.

»Vielleicht möchte die Prinzessin die Strafe dieses Mannes verkünden?«

Prinzessin Violet erhob sich strahlend. »Für seine Verbrechen gegen die Krone einhundert Peitschenhiebe. Für seine Verbrechen gegen das Volk seinen Kopf.«

Zustimmendes Gemurmel wurde laut. Richard war übel, gleichzeitig wünschte er sich, mit dem Mann tauschen zu können. Die hundert Hiebe waren ein leichtes, und danach wartete das Beil.

Als sie sich wieder hinsetzte, wandte sich Prinzessin Violet an Denna. »Ich würde gerne einmal zusehen, wie Ihr Eure Bestrafungen durchführt.«

»Schaut vorbei, wann immer es Euch beliebt.« Denna warf kurz einen Blick über die Schulter.

Als sie wieder in der steinernen Kammer waren, hatte Denna es eilig, ihm das Hemd auszuziehen, und kurz darauf hing er wieder an dem Balken. Kühl teilte sie ihm mit, er hätte seine Blicke beim Abendessen zu viel umherschweifen lassen. Richard verließ der Mut. Wieder schnitten ihm die Bandeisen an den Handgelenken ins Fleisch. Dank Dennas Geschick war er im Nu wieder schweißgebadet, rang nach Luft, schrie vor Schmerzen. Sie meinte, es sei noch früh, und sie müsse ihn heute noch ein wenig ausbilden.

Richards Muskeln zuckten, es riß ihn vom Boden, als Denna ihm den Strafer in den Rücken drückte. Er flehte sie an, aufzuhören, aber sie tat es nicht. Als er ein weiteres Mal schlaff in den Bandeisen hing, entdeckte er die Umrisse einer Gestalt im Türrahmen.

»Es gefällt mir, wie du ihn dazu bringst, dich anzuwinseln«, meinte Prinzessin Violet.

Die Mord-Sith sah sie lächelnd an. »Kommt näher, meine Liebe, dann zeige ich Euch noch mehr.«

Denna schlang einen Arm um ihn und preßte sich in seine Wunden. Sie küßte ihn aufs Ohr und flüsterte ihm zu: »Wollen wir der Prinzessin jetzt mal zeigen, wie schön du winseln kannst?«

Richard schwor sich, es nicht zu tun, aber es dauerte nicht lange, bis er seinen Schwur brechen mußte. Denna führte für Prinzessin Violet eine Demonstration durch und zeigte ihr die verschiedenen Arten, wie sie ihm weh tun konnte. Sie schien stolz zu sein, ihre Fähigkeiten zeigen zu können.

»Darf ich auch mal?« fragte die Prinzessin.

Denna sah sie einen Augenblick an. »Warum nicht, natürlich, meine Liebe. Ich bin sicher, mein Kleiner hat nichts dagegen.« Sie lächelte ihn an. »Oder?«

»Bitte, Herrin Denna, das dürft Ihr nicht zulassen. Bitte. Sie ist doch nur ein kleines Mädchen. Ich tue alles, was Ihr verlangt, aber laßt das nicht zu. Bitte.«

»Seht Ihr, meine Liebe, es macht ihm überhaupt nichts aus.«

Denna reichte ihr den Strafer.

Prinzessin Violet stand grinsend vor ihm und befingerte den Strafer. Versuchsweise piekste sie ihn damit in den Oberschenkel und war ganz aufgeregt, als er vor Schmerz zusammenzuckte. Mit dem Ergebnis zufrieden, ging sie um ihn herum und bohrte ihm den Strafer ins Fleisch.

»Ist ganz einfach!« staunte sie. »Ich hätte nie gedacht, daß es so einfach ist, jemanden zum Bluten zu bringen.«

Denna hatte die Arme vor der Brust verschränkt und verfolgte amüsiert, wie die Prinzessin immer beherzter zur Sache ging. Es dauerte nicht lange, bis ihre Grausamkeit vollständig an die Oberfläche trat. Das neue Spiel machte ihr einen Heidenspaß.

»Weißt du noch, was du mir angetan hast?« fragte sie ihn und stieß ihm den Strafer in die Flanke. »Wie du mich blamiert hast? Jetzt bekommst du, was du verdienst, meinst du nicht auch?« Richard hielt die Zähne fest zusammengebissen. »Antworte! Meinst du nicht auch, daß du das verdient hast?«

Richard kniff die Augen zu und versuchte, nicht die Beherrschung über den Schmerz zu verlieren.

»Antworte! Und dann bitte mich, aufzuhören. Ich will dich quälen, während du mich anflehst.«