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»Du solltest ihr antworten«, meinte Denna. »Sie scheint ein Naturtalent zu sein.«

»Bitte, Herrin Denna, bringt ihr das nicht bei. Was Ihr ihr antut, ist schlimmer als das, was Ihr mit mir macht. Sie ist doch noch ein kleines Mädchen. Bitte, tut ihr das nicht an. Bringt ihr diese Dinge nicht bei.«

»Ich lerne, was mir gefällt. Fang an zu betteln. Und zwar jetzt gleich!«

Richard wußte, daß er es nur schlimmer für sich machte, trotzdem wartete er mit seiner Antwort, bis er es absolut nicht mehr ertragen konnte. »Entschuldigt, Prinzessin Violet«, keuchte er. »Bitte vergebt mir. Ich habe mich getäuscht.«

Richard mußte erkennen, daß ihr zu antworten ein Fehler war, es schien sie nur noch mehr zu erregen. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie gelernt hatte, ihn zum Betteln — und zum Weinen — zu bringen, obwohl er sich dagegen sperrte. Die Widersinnigkeit, daß ein kleines Mädchen das tat und sogar Spaß daran hatte, erschien ihm unfaßbar. Der reine Irrsinn.

Sie drückte ihm den Strafer leicht in den Magen und grinste ihn lüstern von unten herauf an. »Aber ein Konfessor hat noch viel Schlimmeres verdient. Eines Tages wird sie noch viel mehr leiden. Und zwar von meiner Hand. Meine Mutter hat gesagt, ich darf das machen, wenn sie zurückkommt. Ich will, daß du mich anbettelst, ihr weh zu tun. Los, sag es, bettele darum, daß ich der Mutter Konfessor den Kopf abschlage.«

Richard wußte nicht, was es war, aber irgend etwas erwachte in ihm zum Leben.

Prinzessin Violet biß die Zähne zusammen und rammte ihm den Strafer, so fest sie konnte, in die Eingeweide und drehte ihn einmal herum. »Sag bitte! Bitte mich darum, diese häßliche Kahlan umzubringen!«

Der Schmerz ließ Richard aus vollem Halse kreischen.

Denna trat zwischen die beiden und riß Prinzessin Violet den Strafer aus der Hand. »Das reicht! Ihr bringt ihn noch um, wenn Ihr mit dem Stab so umgeht.«

»Danke, Herrin Denna«, keuchte er. Er empfand eine seltsame Zuneigung zu ihr, weil sie zu seinem Schutz dazwischen gegangen war.

Prinzessin Violet trat einen Schritt zurück, ihr Gesicht war wutverzerrt. »Ist mir egal, wenn ich ihn umbringe.«

Dennas Stimme wurde kühl und gebieterisch. »Aber mir nicht. Er ist zu wertvoll, um ihn auf diese Weise zu vergeuden.« Es war eindeutig Denna, die hier das Sagen hatte. Nicht die Prinzessin, nicht einmal die Königin. Denna war eine Agentin von Darken Rahl.

Prinzessin Violet funkelte ihn wütend an. »Meine Mutter hat gesagt, wenn Konfessor Kahlan das nächste Mal herkommt, haben wir eine Überraschung für sie. Ich will bloß, daß du das weißt, weil meine Mutter gesagt hat, bis dahin bist du sowieso tot. Meine Mutter hat gesagt, ich darf mir selbst aussuchen, was ich mit ihr mache. Als erstes werde ich ihr die Haare abschneiden.« Sie hatte die Hände zu Fäusten geballt, ihr Gesicht war rot. »Und dann lasse ich sie von allen Wachen vergewaltigen, von jedem einzelnen! Und dann werfe ich sie für ein paar Jahre ins Verlies, damit sie dort jemanden zum Spielen haben! Und wenn ich es dann leid bin, sie zu quälen, werde ich ihr den Kopf abschlagen lassen und ihn auf einen Pfahl stecken, wo ich zusehen kann, wie er verfault!«

Im Grunde tat Richard die kleine Prinzessin leid. Die Traurigkeit schwappte wie eine Woge über ihn. Zu seiner Überraschung brachte diese Empfindung dieses Etwas, das in ihm erwacht war, an die Oberfläche.

Prinzessin Violet kniff die Augen zusammen und streckte ihre Zunge heraus, so weit sie konnte.

Wie eine rote Flagge.

Die Wucht seiner erwachten Kraft explodierte in seinem ganzen Körper.

Er spürte, wie ihr Kiefer zersplitterte wie ein Kristallpokal auf steinernem Boden, als er seinen Stiefel darunter rammte. Der Tritt hob die Prinzessin in die Luft. Sie zerbiß sich die Zunge mit ihren eigenen Zähnen, bevor auch sie zerplatzten. Sie landete ein Stück weit entfernt auf dem Rücken und versuchte, durch das hervorsprudelnde Blut hindurch zu schreien.

Dennas Blick traf ihn. Einen winzigen Augenblick lang entdeckte er dort einen Anflug von Angst. Richard hatte keine Ahnung, wie er das geschafft hatte, wieso die Magie ihn nicht daran gehindert hatte. Der Ausdruck in Dennas Gesicht verriet ihm, daß er nicht dazu hätte in der Lage sein dürfen.

»Ich habe sie gewarnt«, meinte Richard, ohne Dennas Blick auszuweichen. »Ich halte, was ich verspreche.« Er grinste. »Danke, Herrin Denna, daß Ihr mir das Leben gerettet habt. Ich bin Euch etwas schuldig.«

Sie starrte ihn einen Augenblick lang an, bevor ihr Gesicht sich verfinsterte. Sie stolzierte aus der Kammer. In den Bandeisen hängend, beobachtete er, wie die Prinzessin sich auf dem Fußboden krümmte.

»Dreh dich um, Violet, dreh dich um, oder du ertrinkst in deinem eigenen Blut. Dreh dich um!«

Es gelang der Prinzessin, sich herumzuwerfen. Unter ihr breitete sich eine rote Lache aus. Männer kamen herbeigeeilt und kümmerten sich um sie. Denna sah zu. Sie hoben sie vorsichtig an und trugen sie fort. Er hörte, wie ihre dringlichen Stimmen leiser wurden und in der Tiefe des Ganges verhallten.

Er war alleine mit Denna.

Die stählernen Angeln knarrten, als sie die Tür mit dem langen Nagel eines Fingers zudrückte. Während der letzten paar Tage hatte Richard erkannt, daß Denna eine ebenso aufrichtige wie perverse Zuneigung für ihn hegte. Er hatte gelernt, die Art zu deuten, wie sie den Strafer gebrauchte, ihre Stimmung durch ihn hindurch zu erkennen. Gelegentlich, wenn sie ihn quälte, spürte er, wie sie sich aus einer verdrehten Fürsorge für ihn zurückhielt. Es war Irrsinn, dennoch spürte er, wie sie ihm manchmal ihre Zuneigung dadurch vermitteln wollte, daß sie nicht das Schlimmstmögliche tat, und zu anderen Zeiten eben genau dadurch. Ihm war ebenso klar, daß sie ihm heute abend das Schlimmste antun würde.

Sie stand an der Tür und musterte ihn. Ihre Stimme war sanft. »Du bist ein seltener Mensch, Richard Cypher. Meister Rahl hat mich vor dir gewarnt. Ich soll auf dich achtgeben; die Prophezeiungen sprechen von dir.« Ihre Schritte hallten vom Steinboden wider, als sie langsam auf ihn zukam und dicht vor ihm stehenblieb. Sie sah ihm mit einem leichten Stirnrunzeln in die Augen. Ihr Atem auf seinem Gesicht ging schneller als normal. »Das war ziemlich außergewöhnlich«, flüsterte sie. »Wirklich aufregend.« Ihre Augen suchten gierig sein Gesicht ab. »Ich habe beschlossen«, sagte sie atemlos, »dich zu meinem Gatten zu erwählen.«

Richard sackte angesichts dieses Wahnsinns hilflos in die Ketten.

Er hatte keine Ahnung, woher die Kraft stammte, die in ihm erwacht war, oder wie er sie zurückrufen konnte. Er versuchte es. Nichts geschah.

Denna schien Kontrolle über etwas zu haben, das er nicht verstand, ganz so, als nähme sie den Mut zusammen für etwas, das sie ebenso fürchtete wie herbeisehnte. Ihr Atem wurde schneller, ihre Brust hob sich, als sie ihm in die Augen blickte. Ungläubig entdeckte er etwas, auf das die Häßlichkeit ihrer Grausamkeit bislang immer den Blick verstellt hatte. Sie war schön. Atemberaubend, phantastisch schön. Er glaubte, den Verstand zu verlieren.

Schockiert und mit eigenartiger Besorgnis verfolgte Richard, wie sie sich den Strafer langsam zwischen die Zähne klemmte. An der augenblicklichen Weitung ihrer Pupillen erkannte er, daß es ihr weh tat. Ihre Haut erbleichte. Sie sog scharf den Atem ein und zitterte ganz leicht. Denna grub ihre Finger hinten in seine Haare und hielt seinen Kopf. Langsam drückte sie ihre Lippen auf seinen Mund. Sie küßte ihn tief und leidenschaftlich und teilte den Schmerz des Strafers mit ihm, den sie mit der Zunge zwischen ihre beiden Lippen hielt. Ihr Kuß war wild und bestialisch. Sie rieb ihren Körper an ihm.

Jede Faser seines Seins brannte unter der Tortur. Keuchend saugten sie sich gegenseitig den Atem aus den Lungen. Sie bekamen keine Luft, außer der des anderen. Der Schmerz ließ ihn alles außer ihr vergessen. Er zog plündernd durch seinen Verstand. Von den Geräuschen, die sie von sich gab, wußte er, daß sie die gleichen Qualen durchlitt wie er. Ihre Finger in seinem Haar ballten sich vor Schmerz zu Fäusten. Sie stöhnte gequält auf. Ihre Muskeln spannten sich an. Der Schmerz tobte durch ihre beiden Leiber.