Выбрать главу

Er betrachtete den Boden. Der Strafer auf seiner Schulter ließ ihn auf die Knie sinken.

»Ich sagte, auf den Boden. Jetzt.«

»Ja, Herrin Denna. Tut mir leid, Herrin Denna.«

»Ich bin erschöpft. Ich will heute nacht keinen Ton mehr von dir hören. Verstanden?«

Er nickte, aus Angst, etwas zu sagen.

»Gut.« Sie ließ sich mit dem Gesicht aufs Bett fallen und war Sekunden später eingeschlafen.

Richard rieb sich die schmerzende Schulter. Sie hatte den Strafer schon eine ganze Weile nicht mehr benutzt. Wenigstens nicht so, daß Blut floß. Vielleicht, überlegte er, wollte sie kein Blut in ihrem Zimmer. Unsinn, Denna liebte sein Blut. Er legte sich auf den Boden. Morgen würde sie ihm wieder weh tun. Er versuchte, nicht daran zu denken, seine Wunden hatten gerade begonnen, zu verheilen.

Er war vor ihr wach, da er auf jeden Fall vermeiden wollte, mit dem Strafer geweckt zu werden. Eine Glocke läutete mit trägem Klang. Denna wachte auf, blieb noch eine Weile, ohne etwas zu sagen, auf dem Rücken liegen, dann setzte sie sich auf und sah, daß er munter war.

»Morgenandacht«, meinte sie. »Das war der Glockenruf. Nach der Andacht wirst du weiter ausgebildet werden.«

»Ja, Herrin Denna.«

Sie hakte seine Kette an ihrem Gürtel fest und führte ihn ein weiteres Mal durch die Korridore in einen quadratischen Innenhof unter freiem Himmel, der auf allen vier Seiten von Säulen getragen wurde. In der Mitte des Platzes hatte man weißen Sand in konzentrischen Kreisen um einen dunklen, narbigen Felsen geharkt. Oben auf dem Stein befand sich die Glocke, die er zuvor gehört hatte. Auf den Steinen zwischen den Säulen knieten überall vornübergebeugt Menschen und berührten mit der Stirn die Steinplatten.

Sie hatten einen monotonen Sprechgesang angestimmt. »Führe uns, Meister Rahl. Lehre uns, Meister Rahl. In deinem Licht werden wir gedeihen. Deine Gnade gebe uns Schutz. Deine Weisheit beschämt uns. Wir leben nur, um zu dienen. Unser Leben gehört dir

Immer wieder sangen sie dieselben Worte. Denna schnippte mit den Fingern und zeigte auf den Boden. Richard kniete nieder und machte es wie die anderen. Denna kniete sich neben ihn und berührte den Steinboden mit der Stirn. Sie fiel in den Sprechgesang ein, unterbrach sich aber, als sie merkte, daß er es nicht tat.

»Das wären dann zwei Stunden«, blinzelte sie ihn finster an. »Wenn ich dich noch einmal ermahnen muß, werden es sechs.«

»Ja, Herrin Denna.«

Er fiel in den Sprechgesang ein. Er mußte sich auf ein Bild von Dennas Zopf konzentrieren, um die Worte aufsagen zu können, ohne den magischen Schmerz zu provozieren.

Er war nicht sicher, wie lange das Gesinge gedauert hatte, doch es mußten ungefähr zwei Stunden gewesen sein. Sein Rücken schmerzte von der gekrümmten Haltung mit der Stirn auf dem Boden. Die Worte blieben immer gleich. Nach einer Weile verwandelten sie sich in unverständliches Gebrabbel, das in seinem Mund zu einer gestaltlosen Masse verkam.

Die Glocke klingelte zweimal. Die Menschen erhoben sich und verschwanden in alle Richtungen. Denna stand auf. Unsicher, was er tun sollte, blieb Richard, wo er war. Das konnte ihn zwar in Schwierigkeiten bringen, aber wenn er ungefragt aufstand, wurde es auf jeden Fall schlimmer. Er hörte Schritte auf sie zukommen, sah aber nicht auf.

Eine rauhe Frauenstimme sprach. »Schwester Denna, schön, dich wieder hier zu sehen. Es war einsam ohne dich in D’Hara.«

D’Hara! Der Name fuhr wie ein Blitz durch den Nebel seines gepeinigten Hirns. Sofort klammerte er sich zum Schutz an das Bild von Dennas Zopf.

»Schwester Constance. Schön, wieder daheim zu sein und dich zu sehen.«

Richard spürte die Aufrichtigkeit in Dennas Stimme. Der Strafer berührte ihn hinten am Hals und raubte ihm den Atem. Wie ein Tau, das sich immer fester um seine Kehle schloß. Nach der Art, wie er gehalten wurde, war es nicht Dennas.

»Und was haben wir hier?« fragte Constance.

Sie zog den Strafer zurück. Richard schnappte unter gequältem Husten nach Luft. Er stand auf, als Denna es ihm befahl, und wünschte, er könnte sich hinter ihr verstecken. Constance war gut einen Kopf kleiner als Denna, ihr drahtiger Körper steckte in der gleichen Lederkluft wie Dennas, nur war sie braun. Ihr mattes, braunes Haar war ebenfalls zu einem Zopf geflochten, war aber nicht so füllig wie Dennas. Sie zog ein Gesicht, als hätte sie gerade etwas gegessen, was sie nicht leiden konnte.

Denna verpaßte ihm einen leichten Klaps mit dem Handrücken auf den Bauch. »Mein neuer Gemahl.«

»Gemahl.« Constance spie das Wort aus, als sei es bitter. »Ich schwöre dir, Denna, ich werde nie begreifen, wie du es aushältst, dir einen Gatten zu nehmen. Der bloße Gedanke bereitet mir Kopfschmerzen. Der Sucher also, wie ich an seinem Schwert sehe. Ganz netter Fang, trotzdem. Muß schwer gewesen sein.«

Denna grinste selbstgefällig. »Er hatte erst zwei meiner Männer getötet, bevor er seine magischen Kräfte gegen mich gerichtet hat.«

Constances schockiertes Gesicht schien Denna zu amüsieren. »Er ist aus Westland.«

Constances Brauen schossen in die Höhe. »Nein!« Sie sah Richard genau in die Augen. »Ist er schon gebrochen?«

»Ja«, seufzte Denna. »Aber er bringt mich noch immer zum Lächeln. Die Morgenandacht ist gerade vorbei, und er hat sich schon zwei Stunden verdient.«

Auf Constances Gesicht machte sich ein Grinsen breit. »Was dagegen, wenn ich mitkomme?«

Denna lächelte sie herzlich an. »Du weißt doch, was mir gehört, gehört auch dir, Constance. Du darfst mir sogar helfen.«

Constances wirkte geschmeichelt und stolz. Richard mußte sich in krampfartiger Panik auf Dennas Zopf konzentrieren, als seine Wut aufflammte.

Denna beugte sich dichter zu ihrer Freundin. »Wenn du ihn dir für eine Nacht ausborgen willst, ganz für dich allein, ich hätte nichts dagegen.« Constance richtete sich angewidert auf. Denna lachte. »Wenn du es nicht versuchst, wirst du nie wissen, wie es ist.«

Constance setzte eine finstere Miene auf. »Ich werde mich auf andere Art an seinem Fleisch ergötzen. Ich gehe und lege mein Rot an. Wir treffen uns dort.«

»Nein … das Braun ist ganz in Ordnung. Im Augenblick.«

Constance musterte ihr Gesicht. »Das klingt gar nicht nach dir, Denna.«

»Ich habe meine Gründe. Außerdem hat Meister Rahl mich persönlich auf ihn angesetzt.«

»Meister Rahl höchstpersönlich. Also schön, wie du willst. Schließlich gehört er dir, und ich muß tun, was du verlangst.«

Der Ausbildungsraum war ein schlichtes Quadrat mit Wänden und Boden aus grauem Granit und einer Holzdecke. Beim Betreten stellte ihm Constance ein Bein. Er fiel aufs Gesicht. Die Wut packte ihn, bevor er sich beherrschen konnte. Mit sich zufrieden, stand sie über ihn gebeugt und sah zu, wie er sich abmühte, sie wieder unter Kontrolle zu bringen.

Denna schnallte ihm eine Konstruktion um, die ihm Handgelenke und Ellenbogen fest auf dem Rücken zusammenband. Damit wurde er an ein Seil gehakt, das durch einen Flaschenzug an der Decke lief und an der Wand befestigt war. Sie hievte ihn in die Höhe, bis er sich auf die Zehenspitzen stellen mußte, und zurrte ihn an der Wand fest. Die Schmerzen in seinen Schultern waren unerträglich und raubten ihm fast den Atem, dabei hatte sie ihn noch nicht einmal mit dem Strafer berührt. Er war hilflos, konnte sein Gleichgewicht nicht halten und durchlitt Qualen, noch bevor sie überhaupt angefangen hatte. Sein Mut verließ ihn.

Denna nahm auf einem Stuhl an der Wand Platz und bot Constance an, sich zu amüsieren. Denna hatte bei seiner Ausbildung häufig ein Lächeln auf dem Gesicht gehabt. Constance verzog keine Miene. Sie ging zu Werke wie ein Ochse im Geschirr, Haarsträhnen lösten sich, und ihr Gesicht war im Nu schweißbedeckt. Sie veränderte die Berührung mit dem Strafer nie. Es war immer dasselbe, hart, derb, wütend. Richard brauchte keine Angst zu haben, es gab keine Pausen. Sie arbeitete rhythmisch, gönnte ihm keine Ruhe. Aber es floß kein Blut. Denna saß mit unveränderlichem Grinsen auf den an die Wand gekippten Stuhl. Endlich hörte Constance auf. Richard stöhnte und keuchte.