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»Er verträgt eine Menge. So habe ich mich schon eine ganze Weile nicht mehr ausgetobt. Alle, die ich in der letzten Zeit hatte, sind schon bei der ersten Berührung zusammengeklappt.«

Der Stuhl kippte mit einem dumpfen Knall auf die Vorderbeine. »Vielleicht kann ich dir ein wenig zur Hand gehen, Schwester Constance. Laß dir zeigen, wo er es gar nicht gerne hat.«

Denna trat hinter ihn und blieb stehen. Er zuckte zusammen und wartete auf etwas, das nicht kam. Er wollte gerade erleichtert ausatmen, als sich der Strafer in eine empfindliche Stelle an seiner rechten Seite bohrte. Er schrie auf, als sie den Druck hielt. Als er sein Gewicht nicht mehr halten konnte, zerrte sie das Seil an seinen Schultern so stramm, daß er fürchtete, die Gelenke würden ausgekugelt. Unter höhnischem Grinsen berührte Denna ihn mit dem Strafer, bis er anfing zu heulen.

»Bitte, Herrin Denna«, schluchzte er, »bitte.«

Sie zog den Strafer zurück. »Siehst du?«

Constance schüttelte den Kopf. »Ich wünschte, ich hätte dein Talent, Denna.«

»Hier ist noch eine Stelle.« Er schrie auf. »Und hier, und hier ist noch eine.« Sie kam herum und lächelte ihm ins Gesicht. »Du hast doch nichts dagegen, wenn ich Constance alle deine kleinen, besonderen Stellen zeige, oder?«

»Bitte, Herrin Denna, alles, nur das nicht. Es tut zu weh.«

»Siehst du? Es macht ihm überhaupt nichts aus.«

Sie ging zurück zu ihrem Stuhl, während ihm die Tränen über das Gesicht strömten. Constance lächelte nicht, sondern machte sich einfach an die Arbeit und hatte ihn bald soweit, daß er sie atemlos anflehte. Aber ihre unnachgiebige Art, niemals den Druck zu verändern, niemals nachzulassen, war schlimmer als Dennas. Sie gönnte ihm nicht die geringste Pause. Richard lernte, ihre Berührung mehr zu fürchten als die Dennas. Denna legte gelegentlich ein seltsames Mitgefühl an den Tag. Constance nie. Jedesmal, wenn ein bestimmter Punkt überschritten war, meinte Denna, sie solle aufhören und einen Augenblick warten. Sie wies sie an, ihn nicht zum Krüppel zu machen. Constance fügte sich ihren Wünschen und überließ es Denna, wie sie ihn quälen lassen wollte.

»Du brauchst nicht hierzubleiben, Denna, wenn du etwas zu erledigen hast. Mir macht das nichts aus.«

Angst und Schrecken rasten durch sein Hirn. Er wollte nicht mit Constance allein gelassen werden. Er wußte, daß Constance ihm Dinge antun wollte, die Denna ablehnte. Er hatte keine Ahnung, was das sein konnte, nur Angst.

»Ich werde dich ein anderes Mal mit ihm allein lassen … dann kannst du machen, was du willst. Heute bleibe ich.«

Richard tat alles, sich seine Erleichterung nicht anmerken zu lassen. Constance machte sich wieder ans Werk.

Es dauerte eine Weile, dann stand sie hinter ihm, griff ihm in die Haare und riß seinen Kopf hart nach hinten. Richard wußte genau, was es bedeutete, wenn einem der Kopf auf diese Weise in den Nacken gerissen wurde. Er mußte an die Schmerzen denken, die sie ihm gleich zufügen würde. Die Schmerzen, wenn einem der Strafer ins Ohr geschoben wurde. Er schüttelte sich unbeherrscht, bekam vor Angst keine Luft.

Denna erhob sich von ihrem Stuhl. »Das nicht, Constance.«

Constance blickte ihn mit zusammengebissenen Zähnen an und riß seinen Kopf fester nach hinten. »Wieso nicht? Du hast das doch bestimmt auch gemacht.«

»Ja. Ich will einfach nicht, daß du es tust, das ist alles. Meister Rahl hat noch nicht mit ihm gesprochen. Ich will kein Risiko eingehen.«

Ein Grinsen machte sich auf Constances Gesicht breit. »Laß es uns zusammen machen, Denna, gleichzeitig. Du und ich. Wie früher.«

»Ich hab’ doch gerade gesagt, daß Meister Rahl noch mit ihm sprechen will.«

»Und danach?«

Denna mußte grinsen. »Ich habe diesen Schrei schon lange nicht mehr gehört.« Sie blickte Richard in die Augen. »Wenn Meister Rahl ihn nicht tötet und er nicht vorher schon an … nun, an anderen Dingen stirbt, dann, ja, dann werden wir es tun. Einverstanden? Aber nicht jetzt. Außerdem möchte ich dich bitten, Constance, meine Wünsche bezüglich des Strafers in seinem Ohr zu respektieren.«

Constance nickte und ließ seine Haare los. »Glaub nicht, daß du so einfach davonkommst«, fauchte sie ihn an. »Früher oder später werden wir beide allein sein, und dann werde ich mich mit dir vergnügen.«

Als sie mit seiner Ausbildung fertig waren, gingen sie essen. Richard trottete hinterher, seine Kette war an Dennas Gürtel befestigt. Der Speisesaal wirkte geschmackvoll mit seiner schlichten Eichentäfelung und dem weißen Marmorboden. An verschiedenen Tischen saßen Leute und unterhielten sich leise beim Essen. Denna schnippte mit den Fingern, als sie saß, und zeigte auf den Platz hinter ihrem Stuhl. Diener brachten den beiden Mord-Sith ihr Essen, Richard dagegen bekam nichts. Das Mittagessen bestand aus einer herzhaft aussehenden Suppe, Käse, braunem Brot und Früchten. Der Duft trieb Richard zum Wahnsinn. Fleisch wurde nicht serviert. Mitten beim Essen drehte Denna sich um und teilte ihm mit, er würde deshalb nichts zu essen bekommen, weil er sich am Vormittag zwei Stunden eingehandelt hatte. Wenn er sich benähme, meinte sie, würde er am Abend etwas bekommen.

Der Nachmittag wurde mit andächtigem Gesang und anschließend mit mehreren Stunden Ausbildung verbracht. Denna und Constance teilten sich die Aufgabe. Richard gab sein Bestes, nichts falsch zu machen, und wurde zum Abendessen mit einer Schale Reis und etwas Gemüse belohnt. Nach dem Abendessen folgte eine weitere Andacht und weitere Ausbildung, bis sie sich schließlich von Constance verabschiedeten und Dennas Quartier aufsuchten. Richard war todmüde und konnte vor Schmerzen nur noch gebeugt gehen.

»Ich wünsche ein Bad«, befahl sie. Sie zeigte ihm den an ihr Zimmer angrenzenden Raum. Er war klein und leer bis auf das Seil, an dem die Fesselvorrichtung von der Decke hing, und eine Badewanne in der Ecke. Sie erklärte, der sei für den Fall gedacht, daß er zwischendurch ein wenig ausgebildet werden müsse und sie kein Blut in ihrem Zimmer oder ihn die ganze Nacht über hängen lassen wollte. Sie versprach ihm, er würde in dem kleinen Zimmer eine Menge Zeit zubringen. Sie ließ ihn die Wanne ans Fußende ihres Bettes schleppen. Er nahm den Eimer heraus und bekam Anweisungen, wo das heiße Wasser zu besorgen sei. Er durfte mit niemandem sprechen, nicht einmal, wenn er angesprochen wurde, und mußte hinund zurückrennen, damit ihr Badewasser nicht kalt wurde, bevor es eingefüllt war. Sie erklärte ihm, sollte er ihre Anweisungen nicht aufs genaueste befolgen, würde ihn der magische Schmerz niederstrecken. Sollte sie nach ihm suchen müssen, würde es ihm noch sehr leid tun, sie enttäuscht zu haben.

Er schwor einen feierlichen Eid, zu tun, was sie befahl. Das Wasser mußte er aus einer heißen Quelle in einem weißen, mit Marmorbänken eingefaßten Becken holen, das weit entfernt war. Nachdem er die Wanne endlich gefüllt hatte, war er schweißnaß und erschöpft.

Richard schrubbte ihr den Rücken, während sie in der Wanne saß. Er mußte ihr die Haare bürsten und ihr beim Waschen helfen.

Denna ließ die Arme über den Wannenrand baumeln, legte den Kopf zurück und schloß entspannt die Augen, während er neben ihr kniete für den Fall, daß sie einen Wunsch verspürte. »Du magst Constance nicht, oder?«

Richard wußte nicht, wie er antworten sollte. Er wollte nichts Schlechtes über ihre Freundin sagen, aber mit Lügen würde er sich auch nur eine Bestrafung einhandeln. »Ich … ich habe Angst vor ihr, Herrin Denna.«

Denna lächelte, ihre Augen waren noch immer geschlossen. »Eine kluge Antwort, mein Liebster. Du hast doch nicht etwa die Absicht, den Respektlosen zu spielen, oder?«

»Nein, Herrin Denna. Ich habe die Wahrheit gesagt.«

»Gut. Du solltest dich auch vor ihr fürchten. Sie haßt Männer. Jedesmal, wenn sie einen umbringt, brüllt sie den Namen dessen heraus, der sie gebrochen hat. Rastin. Erinnerst du dich noch an den Mann, der mich gebrochen und zu seiner Gattin gemacht hat und den ich später getötet habe? Er war Constances Ausbilder, bevor er mich gebrochen hat. Sein Name war Rastin. Er war es, der sie gebrochen hat. Constance hat mir verraten, wie ich ihn töten kann. Für sie würde ich alles tun. Und weil ich den Mann getötet habe, der sie gebrochen hat, würde sie auch alles für mich tun.«