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»Ja, Herrin Denna. Aber, Herrin Denna, bitte laßt mich nicht allein mit ihr, ja?«

»Dann schlage ich vor, daß du dich mit vollster Aufmerksamkeit deinen Pflichten widmest. Wenn du das tust, bleibe ich dabei, solange sie dich abrichtet. Siehst du? Begreifst du jetzt, wie froh du sein mußt, eine gütige Herrin zu haben?«

»Ja, Herrin Denna, vielen Dank, daß Ihr meine Ausbildung übernommen habt. Ihr seid eine gute Lehrerin.«

Sie öffnete ein Auge, als wollte sie sein Gesicht nach einem Anflug von Spott absuchen. Es gab keinen.

»Hol mir ein Handtuch und leg meine Kleidung für die Nacht auf den Tisch neben dem Bett.«

Richard half ihr beim Frottieren der Haare. Denna zog ihr Nachthemd nicht an, sondern legte sich nackt aufs Bett, die feuchten Haare auf dem Kopfkissen ausgebreitet.

»Geh und puste die Lampe auf dem Tisch dort drüben aus.« Er ging sofort und blies die Flamme augenblicklich aus. »Bring mir den Strafer, mein Lieber.«

Richard zuckte zusammen. Er konnte es nicht ausstehen, wenn er ihr den Strafer bringen mußte, es tat weh, wenn er ihn anfaßte. Doch er hatte noch größere Angst vor den Folgen seines Zögerns, also biß er die Zähne zusammen und schnappte sich den Strafer. Er balancierte ihn auf den offenen Flächen beider Hände. Der Schmerz vibrierte hinauf bis in Ellenbogen und Schultern. Er konnte es kaum erwarten, daß sie ihn nahm. Sie hatte die Kissen vor dem Kopfende aufgeschüttelt, saß halb aufrecht und beobachtete ihn. Er stieß einen tiefen Seufzer aus, als sie ihm den Strafer aus den Händen nahm.

»Herrin Denna, warum tut es Euch nicht weh, wenn Ihr ihn berührt?«

»Aber das tut es, genau wie dir. Er tut mir weh, weil es der gleiche ist, mit dem man mich ausgebildet hat.«

Er war fassungslos. »Soll das heißen, Ihr habt die ganze Zeit Schmerzen, wenn Ihr ihn in den Händen haltet? Die ganze Zeit während meiner Ausbildung?«

Sie nickte, spielte mit dem Strafer herum und wich eine Sekunde lang seinem Blick aus. Sie sah ihn mit einem leichten Stirnrunzeln und zaghaft lächelnd an. »Es gibt kaum einen Augenblick, in dem ich nicht irgendwelche Schmerzen der einen oder anderen Art hätte. Deswegen dauert die Ausbildung einer Mord-Sith auch Jahre; sie muß lernen, mit den Schmerzen umzugehen. Vermutlich sind aus diesem Grund auch nur Frauen Mord-Sith; Männer sind einfach zu schwach. Die Kette an meinem Handgelenk gestattet mir, ihn hängen zu lassen. Solange er an der Kette hängt, tut er nicht weh. Aber solange ich ihn bei jemandem anwende, ruft er beständig Schmerzen hervor.«

»Das habe ich nicht gewußt.« Richard drehte sich der Magen um. »Das tut mir leid, Herrin Denna. Es tut mir leid, daß Ihr Schmerzen habt, daß Ihr für meine Ausbildung leiden müßt.«

»Schmerzen können ein ganz eigenes Vergnügen mit sich bringen, mein Lieber. Das ist eines der Dinge, die ich dir beibringe. Es ist übrigens Zeit für die nächste Lektion.« Ihr Blick glitt an ihm auf und ab. »Genug geredet.«

Richard kannte diesen Blick in ihren Augen, dieses hastige Luftholen. »Aber, Herrin Denna, Ihr habt gerade gebadet, und ich bin völlig verschwitzt.«

In ihrem Mundwinkel erschien ein verhaltenes Grinsen. »Ich mag deinen Schweiß.«

Sie sah ihm tief in die Augen und schob sich den Strafer zwischen die Zähne.

Die Tage verstrichen in stumpfer Gleichförmigkeit. Die Andacht machte Richard nichts aus, denn dann wurde er nicht ausgebildet, und niemand tat ihm weh. Das Herunterbeten der Worte konnte er jedoch nicht ausstehen, während des gemeinsamen Gesangs mußte er die ganze Zeit an Dennas Zopf denken. Stunde um Stunde immer dasselbe zu singen, auf den Knien, die Stirn auf die Steinplatten gepreßt, war kaum weniger beschwerlich als die Ausbildung. Richard stellte fest, daß er mitten in der Nacht oder am Morgen aufwachte und die Worte herunterleierte. »Führe uns, Meister Rahl. Lehre uns, Meister Rahl. In deinem Licht werden wir gedeihen. Deine Gnade gebe uns Schutz. Deine Weisheit beschämt uns. Wir leben nur, um zu dienen. Unser Leben gehört dir.«

Denna trug kein Rot mehr, statt dessen hatte sie weißes Leder angelegt. Sie erklärte ihm, es sei das Zeichen, daß er gebrochen und zum Gatten erwählt worden sei und daß sie, um ihre Macht über ihn zu demonstrieren, beschlossen hätte, ihn nicht auszubluten. Constance gefiel das überhaupt nicht. Für Richard machte es keinen großen Unterschied. Der Strafer fühlte sich gleich an, ob er dabei blutete oder nicht. Constance war ungefähr die Hälfte der Zeit bei Denna und verschwand gelegentlich, um ein Schoßhündchen abzurichten. Immer häufiger bestand Constance darauf, mit Richard allein gelassen zu werden, doch das ließ Denna nicht zu. Constance legte sich bei seiner Ausbildung mächtig ins Zeug. Je mehr Richard von ihr zu sehen bekam, desto mehr Angst hatte er vor ihr. Denna lächelte ihm zu, wenn sie Constance sagte, sie könne übernehmen.

Eines Tages, nach der Nachmittagsandacht, als Constance gegangen war, um jemand anderes auszubilden, brachte Denna ihn in die kleine Kammer neben ihrem Zimmer. Mit dem Tau hievte sie ihn hoch, bis er kaum noch den Boden berührte.

»Herrin Denna, würdet Ihr mit Eurer gütigen Erlaubnis zustimmen, daß von nun an Constance allein für meine gesamte Ausbildung verantwortlich ist?«

Seine Frage hatte einen unerwarteten Effekt. Sie wurde wütend. Sie starrte ihn an, wurde tiefrot im Gesicht, dann begann sie, mit dem Strafer auf ihn einzudreschen, bohrte ihn in seinen Leib, brüllte ihn an, wie wertlos er sei, wie nichtig und wie sehr sie Gerede leid sei. Denna war kräftig, und sie schlug ihn mit dem Strafer, so hart sie konnte. Es ging endlos so weiter. Richard konnte sich nicht erinnern, sie je so wütend gesehen zu haben, so unerbittlich, so grausam. Bald konnte er sich an nichts mehr erinnern, nicht einmal, wo er war. Er wand sich vor Schmerzen. Er brachte kein Wort hervor, schaffte es nicht, sie anzuflehen, aufzuhören, bekam die meiste Zeit nicht einmal Luft. Sie blieb unnachgiebig hart und ausdauernd. Sie schien immer wütender zu werden. Er sah Blut auf dem Boden, eine Menge Blut. Ihr weißes Leder war über und über damit bespritzt. Sie keuchte vor Anstrengung, vor Wut. Ihr Zopf löste sich.

Denna packte sein Haar und riß ihn nach hinten. Ohne jede Warnung bohrte sie ihm den Strafer härter ins Ohr als jemals zuvor. Immer wieder. Zeit verzerrte sich zu Ewigkeit. Er wußte nicht mehr, wer er war, was passierte. Er versuchte nicht einmal mehr, zu betteln, zu winseln, auszuhalten.

Dann hörte sie auf. Sie stand neben ihm, vor Zorn nach Luft ringend. »Ich gehe jetzt essen.« Er spürte, wie der magische Schmerz quälend in ihm emporstieg. Er riß die Augen auf, schnappte nach Luft. »Während ich fort bin, und ich werde mir viel Zeit lassen, überlasse ich dich dem magischen Schmerz. Du kannst weder ohnmächtig werden noch irgend etwas dagegen tun. Sobald du deinem Ärger freien Lauf läßt, wird der Schmerz schlimmer. Und du wirst ihm freien Lauf lassen. Das verspreche ich dir.«

Sie ging zur Wand und hievte das Seil hoch, bis seine Füße den Boden nicht mehr berührten. Richard schrie auf. Seine Arme fühlten sich an, als würden sie ausgerissen.

»Viel Vergnügen.« Damit machte sie auf dem Absatz kehrt und ging.

Richard balancierte auf dem schmalen Grat zwischen geistiger Klarheit und schierem Wahn. Das Leid fraß sich durch seinen Körper und machte es ihm unmöglich, seinen Zorn zu beherrschen, genau wie sie es ihm versprochen hatte. Er schien in den Flammen seiner Qual zu verglühen. Irgendwie war es schlimmer, weil sie nicht dabei war. Noch nie hatte er sich so allein gefühlt, so hilflos. Die Schmerzen waren so groß, daß er nicht einmal weinen konnte, er konnte bloß gequält nach Luft schnappen.

Er hatte keine Vorstellung, wie lange er allein gelassen wurde. Plötzlich sackte er zu Boden und entdeckte Dennas Stiefel rechts und links neben seinem Kopf. Sie stand über ihm. Sie hatte zwar den magischen Schmerz abgestellt, aber seine Arme waren noch immer hilflos auf dem Rücken gefesselt, und das brennende Inferno aus Schmerzen in seinen Schultern war noch nicht erloschen. Er brüllte in die Blutlache am Boden. Sie stand über ihm.