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Moiraine sagte gleich hinter ihm: »Seid Ihr bereit, mir das nächste Geheimnis zu eröffnen? Es ist ja klar, daß Ihr mir etwas verschwiegen habt. Wenigstens könnte ich es Euch rechtzeitig sagen, falls Ihr uns über eine Klippe führt.« Rand seufzte. Er hatte überhört, daß sie und Lan herangeritten waren. Und auch Mat, obwohl der noch Abstand zu der Aes Sedai und dem Behüter hielt. Mats Gesicht zeigte die vielfältigsten Gefühle — Zweifel und Zögern und grimmige Entschlossenheit wechselten sich darauf ab, besonders, wenn er zu Moiraine hinüberblickte. Er sah sie nie direkt an; immer nur aus dem Augenwinkel. »Bist du sicher, daß du mitkommen willst, Mat?« fragte Rand.

Mat zuckte die Achseln und grinste, allerdings nicht sehr selbstbewußt. »Wer möchte denn schon eine Chance verpassen, dieses verfluchte Rhuidean kennenzulernen?« Egwene zog die Augenbrauen hoch. »Ach, verzeiht mir die unhöflichen Worte, Aes Sedai. Ich habe von dir schon schlimmere gehört und aus weniger triftigen Gründen, möchte ich wetten.« Egwene sah ihn verärgert an, aber die roten Flecken auf ihren Wangen zeugten davon, daß sie sich getroffen fühlte.

»Seid froh, daß Mat hier ist«, sagte Moiraine mit kühler und mißbilligender Stimme zu Rand. »Ihr habt einen schweren Fehler begangen, daß Ihr Perrin weggehen ließt und das auch noch vor mir verbargt. Die Welt ruht auf Euren Schultern, und beide müssen Euch unterstützen, sonst fallt Ihr und die Welt mit Euch.« Mat zuckte zusammen und Rand hatte das Gefühl, daß der Freund beinahe seinen Wallach hätte wenden lassen und davongeritten wäre.

»Ich kenne meine Pflicht«, sagte er zu ihr. Und ich kenne mein Schicksal, dachte er, doch das sprach er nicht aus. Er wollte nicht um Sympathie betteln. »Einer von uns mußte zurück, Moiraine, und Perrin wollte das übernehmen. Ihr seid gewillt, alles sausen zu lassen, um die Welt zu retten. Ich... ich tue, was ich tun muß.« Der Behüter nickte, sagte aber nichts dazu. Lan wollte vor anderen keine Meinungsverschiedenheit mit Moiraine austragen.

»Und das nächste Geheimnis?« fragte sie nachdrücklich. Sie würde nicht aufgeben, bis sie es herausgefunden hatte, und er hatte keinen Grund, es noch länger geheimzuhalten. Jedenfalls nicht diesen Teil.

»Portalsteine«, sagte er schlicht. »Falls wir Glück haben.« »O Licht«, stöhnte Mat. »Verdammtes, flammendes Licht! Verzieh nicht so dein Gesicht, Egwene. Glück? Ist einmal nicht genug, Rand? Du hast uns damals beinahe umgebracht, weißt du noch? Nein, schlimmer als nur umgebracht. Ich würde lieber zurückreiten zu einem dieser Bauernhöfe und darum bitten, den Rest meines Lebens Schweine hüten zu dürfen.« »Du kannst deiner eigenen Wege gehen, wenn du willst, Mat«, sagte Rand zu ihm. Moiraines ruhiger Gesichtsausdruck war eine Maske, die ihre Wut verbarg, doch er ignorierte ihren eisigen Blick, der versuchte, ihn am Weitersprechen zu hindern. Selbst Lan schaute drein, als sei er nicht mit seinen Worten einverstanden, obwohl er dabei sein Gesicht kaum verzog. Dem Behüter ging Pflichterfüllung über alles andere. Rand würde seine Pflicht tun, aber seine Freunde... Er mochte es nicht, andere Menschen zu etwas zu zwingen, und schon gar nicht seine Freunde. Das wenigstens konnte er vermeiden. »Du hast keinen Grund, mit in die Wüste zu gehen.« »O doch, habe ich. Zumindest... Ach, seng mich doch! Ich habe ein Leben zu verschenken, oder? Warum dann nicht auf diese Art?« Mat lachte nervös und ein bißchen wild. »Verfluchte Portalsteine! Licht!« Rand runzelte die Stirn. Alle sagten, sie erwarteten, daß er auf die Dauer wahnsinnig würde, aber im Moment schien Mat kurz davor zu stehen.

Egwene blinzelte Mat besorgt an, aber dann beugte sie sich zu Rand herüber. »Rand, Verin Sedai hat mir ein wenig über die Portalsteine erzählt. Sie berichtete mir auch von der... Reise, die du unternommen hast. Hast du wirklich das gleiche wieder vor?« »Ich muß es wagen, Egwene.« Er mußte schnell handeln, und es gab keinen schnelleren Weg als den durch die Portalsteine, Überreste eines Zeitalters noch vor dem der Legenden. Selbst die Aes Sedai im Zeitalter der Legenden hatten sie nicht verstanden, wie es schien. Aber es gab eben keinen schnelleren Weg. Falls sie so funktionierten, wie er hoffte.

Moiraine hatte geduldig ihrer Unterhaltung gelauscht; besonders dem, was Mat gesagt hatte, obwohl Rand nicht wußte, warum. Nun sagte sie: »Verin hat mir auch von Eurer Reise durch die Portalsteine erzählt. Das waren nur wenige Menschen und Pferde, nicht Hunderte, und wenn Ihr auch nicht gerade jeden umzubringen versucht habt, wie Mat meinte, war es doch eine Erfahrung, die keiner wiederholen möchte. Und es ist ja auch nicht so ausgegangen, wie Ihr erwartet hattet. Dazu war eine große Menge der Macht notwendig, beinahe genug, um Euch am Ende doch noch umzubringen, wie Verin berichtete. Selbst, wenn Ihr die meisten der Aiel zurücklaßt: Wollt Ihr das riskieren?« »Ich muß«, antwortete er. Dabei fühlte er nach seiner Gürteltasche und dem kleinen, harten Umriß vor den Briefen, doch sie fuhr fort, als habe er nichts gesagt: »Seid Ihr überhaupt sicher, daß es in der Wüste einen Portalstein gibt? Verin weiß bestimmt mehr darüber als ich, aber ich habe noch nie von einem gehört. Und falls es einen gibt, wird uns der dann näher an Rhuidean heranbringen, als wir uns jetzt befinden?« »Etwa vor sechshundert Jahren«, erzählte er ihr daraufhin, »hat ein Händler versucht, einen Blick auf Rhuidean zu erhaschen.« Zu jeder anderen Zeit wäre es ihm ein Vergnügen gewesen, zur Abwechslung einmal ihr einen Vortrag zu halten. Aber nicht heute. Es gab zuviel, was er nicht wußte. »Dieser Bursche hat offensichtlich nichts davon zu Gesicht bekommen. Er behauptete, eine goldene Stadt hoch oben in den Wolken gesehen zu haben, die über die Berge hinwegtrieb.« »Es gibt keine Städte in der Wüste«, sagte Lan, »weder in den Wolken, noch auf der Erde. Ich habe gegen die Aiel gekämpft. Sie haben keine Städte.« Egwene nickte. »Aviendha hat mir erzählt, daß sie noch nie eine Stadt gesehen habe, bevor sie die Wüste verließ.« »Vielleicht«, sagte Rand. »Aber der Händler sah auch etwas aus dem Abhang eines dieser Berge herausragen. Einen Portalstein. Er hat ihn genau beschrieben. Es gibt nichts, was genauso aussähe wie ein Portalstein. Als ich dem Bibliothekar im Stein einen beschrieb...« Was er nicht erwähnte, war, daß er dem Mann natürlich nicht auf die Nase gebunden hatte, worauf er hinauswollte. »... hat er es erkannt, obwohl er nicht wußte, was es war, und dann hat er mir gleich vier davon auf einer alten Karte von Tear gezeigt... « »Vier?« Moiraines Stimme klang überrascht. »Alle in Tear? Portalsteine findet man doch nicht so häufig.« »Vier«, sagte Rand eindeutig. Der knochige alte Bibliothekar war sicher gewesen. Er hatte sogar ein zerfleddertes und vergilbtes Manuskript ausgegraben, in dem von Bemühungen die Rede war, die ›unbekannten Artefakte eines früheren Zeitalters‹ in die Große Sammlung einzugliedern und herzutransportieren. Jeder Versuch war jedoch fehlgeschlagen, und schließlich hatten es die Tairener aufgegeben. Das war die Bestätigung für Rand: Portalsteine konnte man nicht verlegen. »Einer befindet sich keine Stunde Ritt von unserem jetzigen Standpunkt entfernt«, fuhr er fort. »Die Aiel gestatteten dem Händler, wieder abzureisen, da er ja nur ein Kaufmann war. Mit einem seiner Maultiere und soviel Wasser, wie er auf seinem Rücken schleppen konnte. Irgendwie kam er bis zu einem Stedding im Rückgrat der Welt, wo er einen Mann namens Soran Milo traf, der ein Buch mit dem Titel Die Mörder mit den schwarzen Schleiern schrieb. Der Bibliothekar brachte mir ein ziemlich zerfleddertes Exemplar, als ich ihn um Bücher über die Aiel bat. Milo hat sich offenbar ganz auf Aiel verlassen, die zum Handeln in das Stedding kamen, und er schrieb so ziemlich nur Falsches, wie Rhuarc meinte, aber ein Portalstein ist so unverwechselbar, daß es sich um nichts anderes als einen solchen handeln kann.« Er hatte weitere Karten und Manuskripte studiert, Dutzende, angeblich, um über Tear und dessen Geschichte mehr zu erfahren, und hatte sich des Landes kundig gemacht. Bis vor wenigen Minuten hatte niemand auch nur ahnen können, was er vorhatte.