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Sie banden ihre Tiere an niedrigeren Ästen fest und folgten Frau al'Vere nach drinnen. Die von Ranken überwucherten Fenster ließen nur trübes Licht durch. Der Vorraum war groß und leer. Statt Möbel war nur Schmutz in den Ecken zu sehen und ein paar Spinnweben, die eine offensichtlich hastige Reinigung überstanden hatten. Auf dem Fußboden lagen vier Deckenrollen. Sättel und Satteltaschen und ordentlich geschnürte Bündel standen an der Wand, und ein kleiner Kessel auf dem gemauerten Herd verströmte die Speisegerüche, obwohl kein Feuer entzündet worden war. Ein kleinerer Kessel daneben enthielt offensichtlich Teewasser, das beinahe kochte. Zwei Aes Sedai erwarteten sie. Marin al'Vere knickste schnell und begann eine nervöse Tirade über ihr Herkommen, wer sie seien und alles mögliche.

Perrin legte sein Kinn an den Bogen. Er erkannte die Aes Sedai. Verin Mathwin, mollig und mit kantigem Gesicht, graue Strähnen im Haar trotz der Alterslosigkeit der Aes Sedai, kam von den Braunen Ajah und verlor sich wie die meisten Braunen einen großen Teil der Zeit über in der Suche nach Wissen, ob alt oder verschollen oder neu. Aber manchmal glitzerten ihre Augen keineswegs verträumt, sondern hellwach, so wie jetzt, als sie ihn an Marin vorbei scharf anblickten. Sie war eine von zwei Aes Sedai außer Moiraine, bei denen sich Perrin sicher war, daß sie über Rand Bescheid wußten. Er vermutete auch, daß sie über ihn selbst mehr wußte, als sie eingestand. Dann wirkten ihre Augen wieder verträumt und abwesend, und sie lauschte Marins Erklärungen, doch in dem einen Augenblick zuvor hatte sie ihn abgeschätzt und in ihre eigenen Pläne einbezogen. Er würde sich vor ihr sehr in acht nehmen müssen.

Die andere war eine dunkle, schlanke Frau in einem tiefgrünen seidenen Reitkleid, das kraß von Verins einfachem braunen Kleid mit den Tintenflecken an den Manschetten abstach. Er war ihr nie vorgestellt worden und hatte sie nur einmal gesehen. Alanna Mosvani war eine Grüne Ajah, wenn ihn seine Erinnerung nicht trog, eine schöne Frau mit langem, schwarzem Haar und alles durchdringenden dunklen Augen. Auch der Blick aus diesem Augenpaar ruhte auf ihm, während sie Marin lauschte. Er erinnerte sich an etwas, das ihm Egwene gesagt hatte. Einige Aes Sedai, die nichts von Rand wissen sollten, zeigen ein auffälliges Interesse an ihm. Elaida zum Beispiel und Alanna Mosvani. Ich traue keiner von beiden. Vielleicht war es am besten, sich in der Hinsicht an Egwene zu halten, bis er eines Besseren belehrt wurde.

Er spitzte die Ohren, als Marin immer noch mit besorgter Stimme sagte: »Ihr habt mich doch nach ihm gefragt, Verin Sedai. Perrin meine ich. Alle drei Jungen, und Perrin war dabei. Mir schien, der einfachste Weg, um ihn davon abzuhalten, sich umbringen zu lassen, war, ihn zu Euch zu bringen. Ich hatte eben keine Zeit mehr, um Erlaubnis zu bitten. Sagt mir bitte, daß Ihr ver... « »Es ist schon in Ordnung, Frau al'Vere«, unterbrach Verin sie in beruhigendem Tonfall. »Ihr habt genau das Richtige getan. Perrin befindet sich jetzt in den richtigen Händen. Und ich werde auch gern die Gelegenheit wahrnehmen, mehr über die Aiel zu erfahren. Dazu ist es immer ein Vergnügen, sich mit einem Ogier zu unterhalten. Ich werde Euch viel Wissen entlocken, Loial. Ich habe in Ogierbüchern eine Menge faszinierender Angaben gefunden.« Loial lächelte sie erfreut an, denn alles, was mit Büchern zu tun hatte, gefiel ihm ausgesprochen gut. Gaul andererseits tauschte einen reservierten Blick mit Bain und Chiad.

»Es war schon richtig, aber Ihr solltet das nicht noch mal machen«, sagte Alanna streng. »Außer... Seid Ihr allein?« fragte sie Perrin mit einer Stimme, die eine Antwort forderte, und zwar augenblicklich. »Sind die anderen beiden auch mit zurückgekommen?« »Warum seid Ihr hier?« gab er statt einer Antwort zurück.

»Perrin!« sagte Frau al'Vere in scharfem Ton. »Was sind das für Manieren! Du hast draußen in der Welt vielleicht ein paar schlechte Angewohnheiten angenommen, aber jetzt, da du wieder zu Hause bist, solltest du sie dir schnellstens abgewöhnen.« »Bemüht Euch nicht«, sagte Verin zu ihr. »Perrin und ich sind mittlerweile alte Freunde. Ich verstehe ihn.« Einen Augenblick lang funkelten ihre dunklen Augen ihn an.

»Wir werden uns um ihn kümmern.« Alannas kühle Aussage konnte man so oder so auslegen.

Verin lächelte und tätschelte Marins Schulter. »Ihr solltet am besten wieder zum Dorf zurückgehen. Wir wollen doch nicht, daß sich jemand fragt, was Ihr so lange im Wald macht.« Frau al'Vere nickte. Sie blieb neben Perrin noch einmal kurz stehen und legte ihre Hand auf seinen Arm. »Du weißt, daß du all mein Mitgefühl hast«, sagte sie sanft. »Denke nur daran, daß es niemandem hilft, wenn du dich umbringen läßt. Tu, was dir die Aes Sedai sagen.« Er murmelte etwas Nichtssagendes, aber es schien sie zufriedenzustellen.

Als Frau al'Vere weg war, sagte Verin: »Ihr habt auch unser ganzes Mitgefühl, Perrin. Wenn wir irgend etwas hätten tun können, dann wäre es geschehen, darauf könnt Ihr euch verlassen.« Er wollte jetzt nicht an seine Familie denken. »Ihr habt meine Frage noch nicht beantwortet.« »Perrin!« Faile imitierte Frau al'Veres strengen Tonfall genau, aber er beachtete sie nicht.

»Warum seid Ihr hier? Das ist schon ein seltsamer Zufall. Weißmäntel und Trollocs, und zufällig sind zwei von Euch auch noch hier.« »Überhaupt kein Zufall«, gab Verin zu. »Ach, das Teewasser ist fertig.« Die aufbrodelnde Wasseroberfläche im Kessel beruhigte sich, als sie eine Handvoll Teeblätter hineinwarf. Sie gab Faile Anweisungen, aus einem der Bündel an der Wand Blechtassen herauszuholen. Alanna hatte die Arme vor der Brust verschränkt und sah Perrin unverwandt an. Die Hitze am Herd stand in scharfem Kontrast zur Kühle ihres Gesichtsausdrucks. »Jedes Jahr«, fuhr Verin fort, »finden wir weniger Mädchen, die man im Gebrauch der Macht ausbilden kann. Sheriam glaubt, daß wir im Laufe der letzten dreitausend Jahre diese Eigenschaft aus der Menschheit herausgezüchtet haben, weil wir jeden Mann mit dieser Eigenschaft einer Dämpfung unterzogen, den wir nur finden konnten. Beweis dafür ist ihrer Meinung nach die geringe Anzahl von Männern, die heutzutage noch diese Eigenschaft besitzen. Vor noch nicht einmal hundert Jahren, so sagen die Berichte aus, gab es wenigstens zwei oder drei pro Jahr, und vor fünfhundert Jahren... « Alanna räusperte sich. »Was können wir denn sonst tun, Verin? Sie wahnsinnig werden lassen? Den irren Plan der Weißen durchführen?« »Ich glaube nicht«, antwortete Verin ruhig. »Selbst wenn wir Frauen finden, die bereit sind, Kinder von Männern auszutragen, die einer Dämpfung unterzogen wurden, gibt es keine Garantie dafür, daß diese Kinder mit der Macht umgehen können und daß es überhaupt auch Mädchen werden. Ich habe vorgeschlagen, wenn sie mehr solcher Kinder haben wollen, daß es dann die Kinder von Aes Sedai sein sollten. Die sind ja letzten Endes auch auf diese Idee gekommen. Aber Alviarin fand das offensichtlich nicht amüsant.« »Wohl kaum«, lachte Alanna. Die plötzlich bei ihr aufblitzende Heiterkeit im Gegensatz zu dem vorher so eindringlichen Blick aus ihren dunklen Augen überraschte Perrin. »Ich hätte gern ihr Gesicht dabei gesehen.« »Ihr Gesichtsausdruck war... interessant«, sagte die Braune Schwester nachdenklich. »Beruhigt Euch, Perrin. Ich werde Eure Frage schon noch beantworten. Tee?« Er bemühte sich, seine finstere Miene aufzuhellen, und setzte sich auf den Boden, den Bogen neben sich gelegt und eine dampfende Blechtasse mit starkem Tee in der Hand. Alle saßen im Kreis in der Mitte des Raums. Alanna nahm es auf sich, ihre Gegenwart zu erklären, vielleicht auch, um die sprachlichen Ausschweifungen der anderen Aes Sedai von vornherein zu unterbinden.

»Hier an den Zwei Flüssen, wo meiner Vermutung nach seit tausend Jahren keine Aes Sedai mehr aufgetaucht ist, hat Moiraine gleich zwei Frauen aufgespürt, die nicht nur im Gebrauch der Macht ausgebildet werden können, sondern die mit dieser Eigenschaft geboren wurden, und sie hörte von einer weiteren, die gestorben war, weil sie sich nicht selbst ausbilden und auf diese Art retten konnte.« »Ganz zu schweigen von drei TaVeren«, murmelte Verin in ihren Tee hinein.