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Schweigen senkte sich über sie, bis schließlich Tam sagte: »Junge, ich habe traurige Nachrichten, was deine Familie betrifft.« »Ich weiß schon«, sagte Perrin schnell, und wieder wurden sie still. Jeder blickte auf die eigenen Stiefelspitzen hinunter. Das Schweigen tat ihm gut. Es gab ihm ein paar Augenblicke Zeit, um seinen Schmerz hinunterzuschlucken und auch die Verlegenheit, weil man ihm diesen Schmerz nur zu deutlich angesehen hatte.

Ein Flattern ließ Perrin aufblicken. Ein großer Rabe setzte sich auf eine Eiche in ungefähr fünfzig Schritt Entfernung. Die schwarzen Knopfaugen beobachteten die drei Männer. Seine Hand griff nach dem Köcher, aber in dem Augenblick, als er die Sehne an die Wange zog, rissen bereits zwei Pfeile den Raben von seinem Ast. Tam und Abell legten schon wieder neu auf und beobachteten den Himmel, ob weitere schwarze Vögel dort auftauchten. Es kamen aber keine.

Tams Schuß hatte den Raben in den Kopf getroffen, und das war weder eine Überraschung noch Zufall. Perrin hatte nicht gelogen, als er Faile gesagt hatte, diese beiden Männer könnten besser mit dem Bogen umgehen als er. Keiner im Gebiet der Zwei Flüsse schoß auch nur annähernd so gut wie Tam.

»Schmutzige Viecher«, knurrte Abell, stellte einen Fuß auf den Vogelkadaver und zog seinen Pfeil heraus. Er putzte ihn auf der Erde ab und steckte ihn in den Köcher zurück. »Man findet sie heutzutage überall.« »Die Aes Sedai haben uns von ihnen berichtet«, sagte Tam, »und daß sie für die Blassen spionieren. Wir sagen seither allen Leuten Bescheid darüber. Die Versammlung der Frauen hat diese Kunde auch verbreitet. Niemand hat sehr viel darauf gegeben, bis sie anfingen, Schafe anzugreifen. Sie hackten ihnen die Augen aus und töteten sogar einige. Die Schur wird ohnehin dieses Jahr schon schlecht genug. Nicht, daß es noch eine große Rolle spielt, schätze ich. Aufgerieben zwischen den Weißmänteln und den Trollocs, werden wir wahrscheinlich dieses Jahr kaum einen Händler zu Gesicht bekommen, der uns die Wolle abkauft.« »Und dazu hat irgendein Narr vollkommen durchgedreht«, fügte Abell hinzu. »Vielleicht auch mehr als einer. Wir haben alle Arten von Tierkadavern gefunden. Kaninchen, Hirsche, Füchse, sogar einen Bären. Sie wurden getötet und einfach liegengelassen. Die meisten waren noch nicht einmal abgehäutet. Es muß ein Mensch sein und kein Trolloc. Ich habe Stiefelabdrücke von einem Menschen gefunden — zu klein für einen Trolloc. Es ist eine Schande und schade um das Jagdwild.« Der Schlächter. Der Schlächter war hier und nicht nur im Wolfstraum. Der Schlächter und die Trollocs. Der Mann im Traum war ihm bekannt vorgekommen. Perrin schaufelte mit dem Stiefel lose Erde und Blätter über den Vogelkadaver. Später war noch genug Zeit, sich um die Trollocs zu kümmern. Wenn nötig, Zeit seines Lebens. »Ich habe Mat versprochen, daß ich mich um Bode und Eldrin kümmern werde, Meister Cauthon. Wie schwer wird es, sie und die andern zu befreien?« »Sehr schwer«, seufzte Abell mit traurigem Gesicht. Mit einemmal sah man ihm sein Alter an. »Unheimlich schwer. Ich kam nahe genug heran, um Natti zu sehen, nachdem sie sie gefangen hatten, wie sie um das Zelt herumspazierte, in dem sie alle gefangengehalten werden. Ich konnte sie sehen, aber zwischen uns befanden sich ein paar hundert Weißmäntel. Ich war ein wenig unvorsichtig, und einer hat mich mit seinem Pfeil getroffen. Wenn mich Tam nicht zurück zu den Aes Sedai geschleift hätte... « »Es ist ein ziemlich großes Lager«, sagte Tam, »direkt unterhalb von Wachhügel. Sieben- oder achthundert Mann. Tag und Nacht Patrouillen, am häufigsten in Richtung Emondsfeld. Wenn sie mehr nach allen Seiten ausschwärmten, würde uns das die Sache erleichtern, aber abgesehen von hundert Mann oder so in Taren-Fähre haben sie praktisch den Rest der Zwei Flüsse den Trollocs überlassen. Wie ich hörte, ist es besonders schlimm unten in der Gegend von Devenritt. Fast jede Nacht wird wieder ein Bauernhof niedergebrannt. Das gleiche spielt sich zwischen Wachhügel und dem Taren ab. Natti und die anderen herauszuholen wird schwer genug. Danach — nun, hoffen wir, daß die Aes Sedai sie hier beherbergen werden. Die beiden haben es ja nicht gerade gern, wenn jemand weiß, wo sie sich aufhalten.« »Es wird sie doch sicher irgend jemand verstecken«, widersprach Perrin. »Ihr könnt mir doch nicht weismachen, daß sich alle von Euch abgewandt hätten. Sie glauben doch nicht wirklich, Ihr wärt Schattenfreunde?« Im Augenblick, als er das aussprach, mußte er an Cenn Buie denken.

»Nein, das nicht«, sagte Tam. »Höchstens ein paar Narren. Viele Leute würden uns etwas zu essen geben oder uns eine Nacht in der Scheune schlafen lassen, vielleicht sogar in einem Bett, aber du mußt auch verstehen, daß sie nicht gern Leuten helfen, die von den Weißmänteln gesucht werden. Man kann ihnen das nicht vorwerfen. Die Lage ist mehr als schlimm, und die meisten Männer bemühen sich, zunächst einmal die eigene Familie zu schützen, so gut es eben geht. Jemanden unter diesen Umständen zu bitten, Natti und die Mädchen, dazu Haral und Alsbet aufzunehmen... Na ja, das könnte doch zuviel verlangt sein.« »Ich habe von den Menschen der Zwei Flüsse aber mehr erwartet als das«, murrte Perrin.