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Meister Cauthon murmelte immer wieder leise und staunend: »Krieg«, und Faile legte mit traurigem Blick eine beruhigende Hand auf Perrins Arm.

Meister al'Thor aber knurrte nur kurz. Wie Perrin gehört hatte, hatte er an einem Krieg teilgenommen. Allerdings wußte er nicht, wo oder wie das zugegangen war. Irgendwo außerhalb der zwei Flüsse. Als junger Mann war er fortgezogen und Jahre später mit einer Frau und einem Kind, Rand, wieder aufgetaucht. Wenige Menschen nur verließen die Zwei Flüsse. Perrin zweifelte daran, daß hier jemand wirklich wußte, was ein Krieg bedeutete. Sie hörten höchstens einmal von fahrenden Händlern, von Kaufleuten, ihren Begleitsoldaten oder Fahrern etwas darüber. Er selbst allerdings hatte da mehr Erfahrung. Er hatte den Krieg auf der Toman-Halbinsel mitgemacht. Abell hatte recht. Was hier vorging, war schlimm genug, doch es war nichts gegen wirklichen Krieg.

Er sagte nichts dazu. Vielleicht hatte Verin recht. Und wahrscheinlich wollte sie damit alle anderen davon abhalten, weiter zu spekulieren. Falls die Trolloc-Überfälle auf die Zwei Flüsse ein Köder sein sollten, dann mußte dieser Köder Rand gelten, und das wußte die Aes Sedai. Das war ja eines der Hauptprobleme mit den Aes Sedai: Sie servierten einem so viele ›falls‹ und ›möglicherweise‹ und ›es könnte sein‹, daß man schließlich sicher war, sie habe gesagt, was sie in Wirklichkeit nur angedeutet hatte. Also, wenn derjenige — vielleicht einer der Verlorenen? —, der die Trollocs geschickt hatte, damit Rand eine Falle stellen wollte, mußte er sich nun eben mit Perrin begnügen, einem einfachen Schmied statt des Wiedergeborenen Drachen. Nun, und er hatte nicht vor, in eine Falle zu tappen.

Sie ritten schweigend weiter durch den Morgen. In diesem Teil der Zwei Flüsse lagen die Bauernhöfe weit verstreut, manchmal eine Meile oder weiter voneinander entfernt. Auch der letzte Hof lag verlassen da; die Felder erstickten unter Unkraut; die Scheunentore schwangen im Wind knarrend hin und her. Nur einen Hof hatte man niedergebrannt. Nichts stand mehr dort außer den Schornsteinen, die wie rußgeschwärzte Finger aus der Asche ragten. Die Menschen, die hier gestorben waren —aus der Ayellin-Familie, Cousins derer in Emondsfeld —, hatte man nahe den Birnbäumen hinter dem Haus begraben. Die wenigen, die man noch vorgefunden hatte. Man hätte Abell dazu zwingen müssen, darüber zu berichten, und das wollte Tam nicht. Sie schienen alle zu denken, es müsse ihn zu sehr aus dem Gleichgewicht bringen. Aber er wußte, was die Trollocs fraßen. Alles, was nach Fleisch roch. Er strich abwesend über seine Axt, bis Faile seine Hand in die ihre nahm. Aus irgendeinem Grund war gerade sie es, die besonders verstört wirkte. Er hatte geglaubt, sie wisse mehr über die Trollocs.

Sogar zwischen den kleinen Baumgruppen, im freien Gelände, war von den Aiel nichts zu sehen, außer, wenn sie gesehen werden wollten. Als Tam sich immer mehr Richtung Osten hielt, machten sie seinen Schwenk mit.

Wie Meister Cauthon vorausgesehen hatte, kam der Hof der al'Seens gegen Mittag in Sicht, als die Sonne noch im Zenith stand. Es war kein anderes Gebäude in Sicht, obwohl sie im Norden und im Osten weit voneinander entfernte graue Rauchwolken aus Schornsteinen sehen konnten. Warum blieben sie immer noch hier in solcher Abgeschiedenheit? Falls Trollocs kamen, lag ihre einzige Hoffnung darin, daß zufällig zur gleichen Zeit eine Patrouille der Weißmäntel in der Nähe war.

Als das verschachtelte Bauernhaus noch in einiger Entfernung lag, hielt Tam sein Pferd an und winkte den Aiel zu, damit sie herkamen. Er schlug ihnen vor, einen Platz zu finden, an dem sie lagern konnten, bis die anderen den Hof wieder verließen. »Sie werden nichts über Abell und mich ausplaudern«, sagte er, »aber auch beim besten Willen werden sie den Mund in bezug auf Euch drei nicht halten können.« Das war noch sehr zurückhaltend ausgedrückt — bei ihrer seltsamen Kleidung und ihren Speeren. Dazu waren noch zwei von ihnen Frauen. Neben ihren Köchern hing mittlerweile bei jedem von ihnen ein Kaninchen, obwohl Perrin nicht verstehen konnte, woher sie die Zeit zum Jagen genommen hatten, da sie schließlich immer ihren Pferden voraus gewesen waren. Und was das betraf, schienen sie überdies weniger erschöpft als ihre Pferde!

»Schon klar«, meinte Gaul. »Ich werde einen Platz finden, an dem ich essen und gleichzeitig nach Euch Ausschau halten kann.« Er wandte sich um und lief sofort weiter. Bain und Chiad tauschten einen Blick. Nach einem Augenblick zuckte Chiad die Achseln, und sie folgten ihm.

»Gehören sie nicht zusammen?« fragte Mats Vater und kratzte sich am Kopf.

»Das ist eine lange Geschichte«, sagte Perrin darauf. Das war immer noch besser, als ihm zu erzählen, daß sich Chiad und Gaul vielleicht einmal einer Blutfehde wegen gegenseitig töten würden. Er hoffte nur, der Wassereid werde sie davon abhalten. Er sollte sich daran erinnern, Gaul zu fragen, was ein Wassereid überhaupt sei.

Der Hof der al'Seens gehörte zu den größten an den Zwei Flüssen. Drei große Scheunen und fünf Trockenschuppen für Tabak standen da. Der steinummauerte Pferch, voll mit schwarzkköpfigen Schafen, erstreckte sich so weit wie sonst ganze Weideflächen. Lattenzäune trennten weißgefleckte Milchkühe von den schwarzen Schlachtrindern. Schweine grunzten zufrieden in ihrer Suhle, überall liefen Hühner umher, und auf einem recht großen Teich schwammen weiße Gänse. Das erste Außergewöhnliche, was Perrin bemerkte, waren die Jungen auf den strohgedeckten Dächern. Es waren acht oder neun, mit Pfeil und Bogen und Köchern ausgerüstet. Sie schrien hinunter, sobald sie die Reiter entdeckten, und unten trieben die Frauen hastig ihre Kinder ins Haus, bevor sie der Sonne wegen die Hände über die Augen hielten und hinüberspähten, wer da kommen mochte. Die Männer versammelten sich auf dem Hof. Einige hatten Bögen, andere Mistgabeln und Hacken, die sie wie Waffen in Händen hielten. Zu viele Menschen. Viel zu viele selbst für ein so großes Gehöft. Er sah Meister al'Thor fragend an.

»Jac hat die Familie seines Cousins Wit aufgenommen«, erklärte Tam, »denn Wits Hof war zu nahe beim Westwald. Und dann kam Flann Lewins Familie, nachdem ihr Hof angegriffen worden war. Weißmäntel haben die Trollocs vertrieben, bevor mehr als die Scheunen brannten, aber Flann entschloß sich, daß es höchste Zeit sei, zu gehen. Jac ist ein guter Mann.« Als sie auf den Hof ritten, erkannten die Leute Tam und Abell. Männer und Frauen versammelten sich lächelnd um sie und begrüßten sie herzlich, während alle abstiegen. Als sie das sahen, stürmten die Kinder wieder aus dem Haus, gefolgt von den Frauen, die auf sie aufgepaßt hatten, und anderen, die gerade aus der Küche kamen und sich die Hände schnell noch an den Schürzen abwischten. Jede Generation war vertreten — von der weißhaarigen Astelle al'Seen, die bucklig einherlief, aber den Stock doch mehr dazu benützte, um die Leute aus dem Weg zu schubsen, denn als Stütze, bis zum Baby in Windeln, das auf den Armen einer ziemlich dicken jungen Frau mit strahlendem Lächeln lag.

Perrin sah an der dicken, lächelnden Frau vorbei, doch dann riß es ihm förmlich den Kopf herum. Als er die Zwei Flüsse verlassen hatte, war Laila Dearn ein schlankes Mädchen gewesen, das gleich drei Jungen in Grund und Boden tanzen konnte. Nur das Lächeln und die Augen waren geblieben. Er schauderte. Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte er davon geträumt, Laila zu heiraten, und auch sie hatte seine Gefühle durchaus erwidert. Um die Wahrheit zu sagen, sie hatte eigentlich länger an ihm festgehalten als umgekehrt. Glücklicherweise war sie zu sehr mit ihrem Baby und dem noch dickeren Burschen an ihrer Seite beschäftigt, um ihm viel Aufmerksamkeit zu schenken. Perrin erkannte auch diesen Mann neben ihr: Natley Lewin. Also gehörte Laila nun zu den Lewins. Seltsam. Nat hatte noch nie tanzen können. Er dankte dem Licht dafür, daß er diesem Schicksal entronnen war, und blickte sich nach Faile um.