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»Ich weiß überhaupt nicht, warum jeder das so nennt«, sagte er. »Einen Plan, meine ich. Dieser Luc hat Unsinn geredet. Den Weißmänteln an der Tür entgegentreten. Jungen auf dem Dach, um Ausschau nach Trollocs zu halten. Offene Türen, um die Katastrophe einzuladen. Ich habe das lediglich allen klarmachen wollen. Das hätten sie selber gleich zu Anfang sehen müssen. Dieser Mann... « Er hielt sich zurück, um nicht zu sagen, daß Luc ihn ganz mächtig irritiere. So etwas durfte er nicht in Failes Gegenwart sagen. Sie würde es möglicherweise mißverstehen.

»Selbstverständlich«, sagte Verin beschwichtigend. »Ich hatte zuvor noch keine Gelegenheit, zu beobachten, wie es funktioniert. Oder wenn ich eine hatte, wußte ich es nicht.« »Wovon sprecht Ihr? Was soll funktionieren?« »Perrin, als wir hier ankamen, waren diese Leute bereit, um jeden Preis hierzubleiben. Ihr habt Ihnen eine sinnvolle und leidenschaftliche Begründung dafür geliefert, von hier wegzugehen. Aber glaubt Ihr, wenn ich diese Ansprache gehalten hätte oder Tam oder Abell, dann hätten sie genauso reagiert und sich umdrehen lassen? Von uns allen solltet Ihr am besten wissen, wie halsstarrig die Menschen von den Zwei Flüssen sein können. Ihr habt den Ablauf der Dinge in den Zwei Flüssen durch Eure Anwesenheit und Euren Einfluß geändert. Mit ein paar aus dem... Ärger?... heraus gesprochenen Worten. Ta'veren weben wirklich und wahrhaftig die Schicksale anderer Menschen in ihr eigenes Muster hinein. Faszinierend. Ich hoffe nur, ich werde noch Gelegenheit haben, Rand dabei zu beobachten.« »Was auch immer«, murmelte Perrin, »es ist jedenfalls gut gegangen. Je mehr Menschen sich jetzt an einem Ort aufhalten, desto sicherer sind sie.« »Natürlich. Rand hat das Schwert an sich genommen, oder irre ich mich da?« Er runzelte die Stirn, sah aber keinen Grund, es ihr zu verschweigen. Sie wußte über Rand Bescheid und sie kannte die Bedeutung Tears für ihn. »Ja, stimmt.« »Seid bei Alanna vorsichtig, Perrin.« »Was?« Die schnellen Themenwechsel Verins brachten ihn aus dem Gleichgewicht. Das galt besonders, wenn sie ihm sagte, er solle tun, was er sowieso vorgehabt hatte und vor ihr geheimhalten wollte. »Warum?« Verins Gesichtsausdruck änderte sich nicht, aber ihre dunklen Augen wirkten plötzlich besonders aufmerksam wie die eines Raubvogels. »Es gibt viele... Intrigen in der Weißen Burg. Bei weitem nicht alle sind bösartig, aber manchmal ist das schwer festzustellen, bevor es zu spät ist. Und selbst bei den besten Absichten könnten ein paar Fäden im Gewebe reißen. Es ist, als zerbräche man ein paar Reiser, die in einen Korb verflochten werden sollten. Ein Ta'veren wäre für jede Art von Planung ein äußerst nützlicher Faden im Muster.« Mit einemmal blickte sie sich in dem Durcheinander im Raum ein wenig verwirrt um, als fühle sie sich in ein Buch vergraben oder in Gedanken versunken erheblich wohler als in ihrer wirklichen Umwelt. »O je, Meister al'Seen verschwendet nun wirklich keine Zeit, oder? Ich werde mal sehen, ob er jemanden entbehren kann, um unsere Pferde zu holen.« Faile schauderte, als die Braune Schwester wegging. »Manchmal machen mich diese Aes Sedai... nervös«, murmelte sie.

»Nervös?« meinte Perrin. »Die meiste Zeit über mache ich mir ihretwegen beinahe in die Hose vor Angst.« Sie lachte leise und begann, mit einem seiner Mantelknöpfe zu spielen. Er schien sie enorm zu interessieren. »Perrin, ich... war wohl... eine ziemliche Närrin.« »Was meinst du damit?« Sie blickte zu ihm auf. Beinahe hätte sie den Knopf vollends abgedreht. Er fügte hastig hinzu: »Du bist einer der vernünftigsten Menschen, die ich kenne.« Er schloß ganz schnell den Mund, um nicht zu sagen: »Jedenfalls gelegentlich«. Als sie lächelte, war er froh, sich das verkniffen zu haben.

»Es ist wohl sehr nett, daß du das sagst, aber ich war tatsächlich dumm.« Sie tätschelte den Knopf und begann, sein Wams zurechtzurücken, was keineswegs nötig war, und seine Revers zu glätten — genauso überflüssig. »Du hast dich auch dumm verhalten«, sagte sie, wobei sie viel zu schnell sprach, »nur, weil mich dieser junge Mann angeschaut hat. Er wirkt doch wirklich noch zu jungenhaft und überhaupt nicht so wie du. Und dann wollte ich dich nur ein ganz klein wenig eifersüchtig machen, als ich vortäuschte — nur vortäuschte —, daß ich mich für Lord Luc interessiere. Das hätte ich nicht tun sollen. Verzeihst du es mir?« Er bemühte sich, ihr Gestammel zu durchschauen. Es war gut, daß sie Wil für zu jungenhaft hielt. Falls er sich einen Bart stehen ließ, wäre der vermutlich ziemlich spärlich. Aber sie hatte natürlich nicht erwähnt, wie sie Wils Blick erwidert hatte. Und wenn sie nur vorgegeben hatte, an Luc interessiert zu sein, warum war sie dann so errötet? »Natürlich verzeihe ich es dir«, sagte er. In ihren Augen blitzte es gefährlich auf. »Ich meine, es gibt ja eigentlich nichts zu verzeihen.« Wenn möglich, funkelten ihre Augen nun noch bedrohlicher. Was wollte sie denn von ihm hören? »Verzeihst du statt dessen mir? Als ich versuchte, dich wegzujagen, habe ich Dinge gesagt, die ich nicht hätte sagen sollen. Wirst du mir das vergeben?« »Du hast allerdings einiges gesagt, was man erst mal verzeihen muß«, sagte sie mit süßlicher Stimme, und er wußte, daß er nun in der Klemme steckte. »Ich kann mich gerade nicht daran erinnern, aber ich werde darüber nachdenken.« Darüber nachdenken? Jetzt klang sie ganz nach einer adligen Dame. Vielleicht arbeitete ihr Vater für irgendeinen Lord und sie hatte beobachten können, wie sich die vornehmen Damen benahmen. Er hatte keine Ahnung, wie sie das meinte. Aber er würde es vermutlich viel zu schnell herausfinden, fürchtete er.

Die Erleichterung war groß, als er mitten in dem Durcheinander des Aufbruchs wieder auf Traber steigen konnte. Man führte die Gespanne herbei, die Leute stritten sich darum, was sie mitnehmen konnten und was nicht, die Kinder jagten Hühner und Gänse, um sie einzufangen, ihnen die Füße zusammenzubinden und sie auf die Wagen zu laden. Die Jungen waren bereits dabei, das Vieh nach Osten zu treiben, und andere trieben die Schafe aus dem Pferch.

Faile erwähnte das, was sie drinnen besprochen hatten, jetzt nicht mehr. Statt dessen lächelte sie ihn an und verglich die Schafzucht hier mit Saldaea. Als eines der Mädchen ihr einen Strauß kleiner roter Blumen brachte —Herzrötchen —, versuchte sie, ein paar davon in seinen Bart zu flechten und lachte über seine Bemühungen, sie davon abzuhalten. Kurz gesagt, er fuhr fast aus der Haut. Er mußte dringend wieder mit Meister Cauthon reden.

»Geht im Licht«, sagte Meister al'Seen noch einmal zu ihm, als sie bereit waren, loszureiten, »und paßt auf die Jungen auf.« Vier der jungen Männer hatten sich entschlossen, mit ihnen zu reiten. Ihre Pferde waren auch zottig, aber bei weitem nicht so gut wie die Tams und Abells. Perrin wußte nicht ganz, warum ausgerechnet er auf die Jungen aufpassen sollte. Sie waren alle älter als er, wenn auch nicht um vieles. Wil al'Seen war dabei mit seinem Cousin Ban, einem von Jacs Söhnen, der die größte Nase in der Familie abbekommen hatte, und einem Pärchen Lewins, Tell und Dannil, die Flann so ähnlich sahen, daß sie genauso seine Söhne hätten sein können und nicht seine Neffen. Perrin hatte versucht, sie davon abzubringen, vor allem, als sie ganz klar aussagten, sie wollten bei der Rettung der Cauthons und der Luhhans vor den Weißmänteln helfen. Sie schienen zu glauben, man müsse nur einfach in das Lager der Weißmäntel reiten und verlangen, daß alle herausgegeben würden. ›Unseren Widerstand offen zeigen‹, nannte Tell das, und Perrin standen dabei fast die Haare zu Berge. Zu viele Gauklermärchen. Sie hatten Narren wie Luc zu oft gelauscht. Er vermutete, Wil habe einen anderen Grund, obwohl der sich bemühte, so zu tun, als existiere Faile überhaupt nicht, aber die anderen waren schon schlimm genug.

Keiner sonst hatte irgendwelche Einwände. Tam und Abell machten sich anscheinend nur Gedanken darüber, daß jeder mit dem Bogen umgehen konnte, den er trug, und nicht vom Pferd fiel. Verin beobachtete alles nur und machte sich Notizen in ihr kleines Buch. Tomas wirkte amüsiert, und Faile beschäftigte sich damit, eine Krone aus den Herzrötchen zu flechten. Wie sich herausstellte, war sie für Perrin bestimmt. Seufzend hängte der die Blumen über sein Sattelhorn. »Ich werde auf sie aufpassen, so gut ich kann, Meister al'Seen«, versprach er.