Выбрать главу

Verin und Tomas waren zurückgeblieben, und er blickte sie nun scharf an. »Irgendeine Möglichkeit, daß Ihr uns ein wenig behilflich seid?« »Vielleicht nicht auf die Weise, wie Ihr jetzt meint«, erwiderte sie gelassen, als läge kein im Aufruhr befindliches Lager der Weißmäntel knapp eine Meile entfernt von ihnen. »Meine Gründe sind immer noch die gleichen wie gestern. Aber ich glaube, es könnte in... oh... etwa einer halben Stunde regnen. Vielleicht auch früher. Das wird ein ziemlich heftiger Guß, schätze ich.« Eine halbe Stunde. Perrin knurrte und wandte sich den übriggeblieben Jungen von den Zwei Flüssen zu. Sie zitterten fast vor Angst und wären am liebsten weggerannt, so schnell sie konnten. Ihre Knöchel waren weiß vor Anstrengung, so fest hielten sie die Bögen in ihren Händen. Er hoffte, sie hatten alle daran gedacht, ReserveBogensehnen mitzubringen, für den Fall, daß es regnete. »Wir«, so erklärte er ihnen, »werden die Weißmäntel ablenken, damit Frau Cauthon und Frau Luhhan und die anderen in Sicherheit entkommen können. Wir ziehen sie mit bis an die Nordstraße, und dann hängen wir sie im Regen ab. Wenn jemand wegwill, sollte er jetzt losreiten.« Einige Händen wechselten unruhig den Griff an den Zügeln, doch alle blieben im Sattel sitzen und sahen ihn an. »Also, in Ordnung. Schreit, als wärt Ihr alle verrückt geworden, damit sie uns auch hören. Schreit, bis wir die Straße erreichen.« Aufbrüllend riß er Traber herum und galoppierte in Richtung der Straße. Anfangs war er sich nicht ganz sicher, ob sie ihm wirklich folgen würden, aber ihr wildes Heulen übertönte bald seine eigenen Schreie und das Donnern der Hufe. Wenn die Weißmäntel das nicht hörten, dann waren sie taub.

Nicht alle hörten mit Schreien auf, als sie die ausgefahrene Spur der Nordstraße erreichten und in vollem Galopp durch die Nacht nach Süden ritten. Einige lachten und johlten. Perrin schüttelte den weißen Umhang ab und ließ ihn fallen. Die Hörner erklangen wieder, diesmal aber ein wenig schwächer.

»Perrin«, rief Wil, der sich auf seinem Pferd vorbeugte, »was machen wir jetzt? Was kommt als nächstes?« »Wir jagen Trollocs!« rief Perrin zurück. Als sich das Lachen verstärkte, war ihm klar, daß sie ihm kein Wort glaubten. Aber Verins Blick schien sich in seinen Rücken zu bohren. Sie wußte, daß es ernst gemeint war. Der Donner des nächtlichen Gewitters schien dem der Pferdehufe nachzueifern.

34

Der Mit Der Morgendämmerung kommt

Die Schatten der Morgendämmerung wurden kürzer und blasser, als Rand und Mat über den kahlen und immer noch morgendunklen Boden des Tals trabten und das von Nebel verhüllte Rhuidean hinter sich zurückließen. Die trockene Luft ließ die kommende Hitze bereits erahnen, doch die leichte Brise empfand Rand als angenehm kühl, da er kein Wams trug. Das würde aber nicht lange anhalten, denn bald würde wieder das gleißende Tageslicht über dem Land liegen. Sie gaben ihr Letztes, um dem zu entgehen, doch er glaubte nicht, daß sie es noch schaffen würden. Sie waren trotz allem zu langsam.

Mat trabte humpelnd voran. Ein dunkler Striemen zog sich über sein halbes Gesicht, und sein Wams stand offen. Das aufgebundene Hemd wurde durch noch mehr trocknendes Blut an seine Brust geklebt. Manchmal berührte er vorsichtig die starke Schwellung, die sich um seinen Hals zog. Sie war schon fast schwarz. Er grollte leise und stolperte oft. Immer wieder fing er sich mit diesem eigenartigen Speer mit schwarzem Schaft ab, und dann hielt er sich auch den schmerzenden Kopf. Dennoch beklagte er sich nicht, und das war ein schlechtes Zeichen. Bei kleinen Beschwerden beklagte sich Mat normalerweise ständig. Wenn er jetzt schwieg, bedeutete das: Er hatte wirklich Schmerzen.

Die alte, halb verheilte Wunde an Rands Seite vermittelte ihm ein Gefühl, als bohre jemand geradewegs hinein, und die Risse und Schnitte im Gesicht und am Kopf brannten, doch er schleppte sich weiter, gekrümmt wegen der schmerzenden Wunde. Er dachte kaum an die eigenen Schmerzen beim Laufen. Er war sich der Sonne nur zu bewußt, die hinter ihm aufstieg, und auch der Aiel, die am Abhang vor ihm warteten. Dort oben gab es Wasser und Schatten und Hilfe für Mat. Die aufgehende Sonne im Rücken und die Aiel vor sich. Die Morgendämmerung und die Aiel.

Er, Der Mit Der Morgendämmerung Kommt. Diese Aes Sedai, die er gesehen hatte — oder hatte er geträumt, sie zu sehen? —, bevor sie nach Rhuidean gingen, hatte gesprochen, als könne sie die Zukunft weissagen. Er wird Euch zusammenfügen. Er wird Euch zurückholen und Euch vernichten. Worte, die wie eine Prophezeiung klangen. Sie vernichten. Die Prophezeiung sagte aus, er werde die Welt erneut zerstören. Diese Idee erschreckte ihn zutiefst. Vielleicht konnte er wenigstens diesen Teil vermeiden, aber Krieg, Tod und Zerstörung begleiteten bereits jetzt seine Schritte. Tear war der erste Ort seit langer Zeit, an dem er kein Chaos hinterlassen hatte, keine sterbenden Menschen und brennenden Dörfer.

Er ertappte sich bei dem Wunsch, auf Jeade'ens Rücken zu klettern und so schnell davonzugaloppieren, wie ihn der Hengst nur tragen konnte. Es war nicht das erste Mal. Aber ich kann nicht entfliehen, dachte er. Ich muß es vollbringen, weil niemand sonst da ist, der das kann. Entweder schaffe ich es, oder der Dunkle König gewinnt. Ein schweres Los, aber das einzige überhaupt. Aber warum sollte ich denn die Aiel vernichten? Wie?

Dieser letzte Gedanke jagte ihm einen kalten Schauer den Rücken herunter. Es klang schon zu sehr danach, daß er alles akzeptierte, daß er sie wirklich vernichten werde. Er wollte den Aiel nichts antun. »Licht«, sagte er mit harter Stimme. »Ich will überhaupt niemanden vernichten.« Sein Mund war wieder staubtrocken.

Mat sah ihn schweigend an. Es war ein mißtrauischer Blick.

Ich bin noch nicht wahnsinnig, dachte Rand grimmig.

Oben am Hang rührten sich die Aiel in den drei Lagern. Es war eine einfache Tatsache, daß er sie brauchte. Deshalb hatte er sich diese Gedanken gemacht, damals, als ihm klar wurde, daß der Wiedergeborene Drache und Er, Der Mit Der Morgendämmerung Kommt, wahrscheinlich ein und derselbe waren. Er brauchte Menschen, denen er vertrauen konnte, Menschen, die ihm nicht nur aus Furcht folgten oder aus Machthunger. Menschen, die ihn nicht für ihre eigenen Zwecke mißbrauchen wollten. Er hatte getan, was verlangt wurde, und nun würde er sie benützen. Weil er dazu gezwungen war. Er war noch nicht wahnsinnig, oder glaubte zumindest nicht daran, aber viele würden so denken, bevor er alles vollbracht hatte.

Der volle, blendende Sonnenschein erreichte sie, bevor sie noch den Hang des Chaendar erklimmen konnten. Die Hitze traf sie wie ein Knüppel. Rand kletterte den Hang hoch, so schnell er konnte, durch Senken und über steile Stücke und zerklüftete Vorsprünge. Seine Kehle hatte den letzten Trunk schon vergessen, und die Sonne trocknete sein Hemd, kaum, daß es vom Schweiß naß war. Mat mußte nicht erst angefeuert werden. Oben gab es Wasser. Bair stand vor den niedrigen Zelten der Weisen Frauen, einen Wasserbehälter in den Händen, der vom Kondenswasser glänzte. Rand leckte sich über die aufgesprungenen Lippen. Er war sicher, die Tropfen glänzen zu sehen.

»Wo ist er? Was habt Ihr ihm getan?« Das Brüllen ließ Rand im Schritt innehalten. Dieser Mann mit dem feurigen Haar, Couladin, stand auf einem mächtigen Granitblock, der aus dem Hang herausragte. Andere Shaido hatten sich um dessen Fuß herum versammelt, und alle blickten Rand und Mat an. Ein paar hatten sich verschleiert.