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»Hat Euch das Lied nicht gefallen?« fragte Natael.

Mat brauchte einen Augenblick lang, bis ihm klar wurde, daß der Mann Rand und nicht ihn angesprochen hatte. Rand rieb sich die Hände und spähte in das kleine Feuer, bevor er schließlich erwiderte: »Ich weiß nicht, wie klug es ist, sich auf die Großzügigkeit eines Feindes zu verlassen. Wie denkt Ihr darüber, Kadere?« Der Händler zögerte und blickte die Frau an, die an seinem Arm hing. »Ich denke nicht über solche Dinge nach«, sagte er endlich. »Ich denke an Profite und nicht an Schlachten.« Keille lachte rauh. Jedenfalls bis sie Isendres herablassendes Lächeln wahrnahm. Dann glitzerten ihre dunklen Augen gefährlich hinter diesen Fettpolstern.

Plötzlich erklangen Warnschreie aus der Dunkelheit hinter den Zelten. Die Aiel zogen sich blitzschnell die Schleier vor die Gesichter und nur einen Augenblick später stürmten Trollocs aus der Nacht heran. Mit ihren Schnauzen und den Hörnern auf vielen Köpfen überragten sie die Menschen, heulten wild und schwangen ihre gekrümmten Sichelschwerter, stießen mit harpunenartigen Speeren und mit Widerhaken versehenen Dreizacken zu und hackten mit ihren Dornenäxten drauflos. Myrddraal glitten zwischen ihnen heran wie tödliche, augenlose Schlangen. Es dauerte nur einen Herzschlag lang, aber die Aiel kämpften, als seien sie schon eine Stunde vorher gewarnt worden. Sie begegneten dem Ansturm mit den eigenen zuckenden Speeren.

Mat nahm ganz vage Rand wahr, der plötzlich wieder sein Feuerschwert in der Hand hatte, aber dann wurde er in diesen wahnwitzigen Wirbel hineingerissen, kämpfte mit seinem Speer, indem er sowohl zustach, wie ihn auch bei Bedarf als Bauernspieß zum Zuschlagen zu verwenden. Schlitzen und stoßen und schlagen, und der Schaft wirbelte. Diesmal war er froh über seine Traumerinnerungen, denn sie kamen ihm nun zugute. Es war ihm ein vertrautes Gefühl, mit der Waffe auf diese Art umzugehen, und jetzt benötigte er jedes bißchen Können, auf das er zurückgreifen konnte. Es war der vollkommene Wahnsinn.

Trollocs ragten vor ihm auf und fielen durch seinen Speer oder durch einen Aielspeer, oder sie wurden in das Durcheinander von Schreien, Heulen und dröhnendem Stahl hineingesogen. Myrddraal standen ihm gegenüber. Ihre schwarzen Klingen trafen auf seinen mit Raben gekennzeichneten Stahl, und blaue Blitze zuckten auf, Flächenblitze gar. Sie standen ihm gegenüber und waren im Tumult wieder verschwunden. Zweimal rettete ihn einer der kurzen Speere, zischte an seinem Kopf vorbei und traf einen Trolloc, der ihn gerade von hinten durchbohren wollte. Er jagte seine Schwertklinge an der Spitze des Speers in die Brust eines Myrddraal und wußte, daß dieser sterben würde, denn er fiel wohl nicht, grinste aber mit diesen blutleeren Lippen, sandte mit seinem augenlosen Blick Schauder durch Mats Körper und zog sein schwarzes Schwert zurück. Einen Augenblick später zuckte der Körper des Halbmenschen, als Aielpfeile aus ihm ein Nadelkissen machten. Das Zucken reichte Mat gerade, um aus der Reichweite des Dings zu springen, bevor es endlich zu Boden stürzte. Doch selbst im Fallen und im Liegen versuchte es noch, ihn zu erreichen, auf alles einzustechen, was sich in der Nähe befand.

Ein Dutzend Mal konnte er mit dem eisenharten Schaft seines schwarzen Speers gerade noch den Hieb eines Trollocs ablenken. Der Speer war das Werk von Aes Sedai, und er war froh darüber. Der silberne Fuchskopf auf seiner Brust schien kalt zu pulsieren, als wolle er ihn daran erinnern, daß auch er das Zeichen der Aes Sedai trug. In diesem Augenblick aber war ihm das gleich. Wenn er die Aes Sedai benötigte, um am Leben zu bleiben, dann war er bereit, wie ein Schoßhündchen hinter Moiraine herzurennen.

Er verlor jegliches Zeitgefühl, wußte nicht, ob der Kampf nur Minuten dauerte oder Stunden, aber mit einemmal war kein Myrddraal oder Trolloc mehr auf den Beinen, der sich in Sichtweite befand, obwohl Schreie und Heulen aus der Dunkelheit auf eine Verfolgung schließen ließen. Tote und Sterbende bedeckten den Boden, Aiel wie Schattenwesen. Die Halbmenschen schlugen immer noch um sich. Stöhnen erfüllte die Luft mit Schmerz. Plötzlich wurde ihm bewußt, wie seine Muskeln versagten und seine Lunge brannte. Schwer atmend sank er auf die Knie und stützte sich auf seinen Speer. Flammen wie von Freudenfeuern schlugen aus dreien der Planwagen. Bei dem einen war der Fahrer von einem Trolloc-Speer an die Seite genagelt worden. Auch ein paar der Zelte brannten. Schreie aus der Richtung des Shaidolagers und Feuerschein, der zu groß war für Lagerfeuer, zeigten, daß auch dieses Lager überfallen worden war.

Mit dem Flammenschwert in der Hand kam Rand herüber zu Mat. »Bist du in Ordnung?« Aviendha kam wie ein Schatten hinterher. Irgendwo hatte sie einen Speer und einen Schild aufgetrieben und hatte einfach ihren Schal statt eines Schleiers um ihr Gesicht gewunden. Selbst im Rock wirkte sie noch tödlich.

»Ach, mir geht's gut«, murmelte Mat und erhob sich mühsam. »Nichts geht über einen kleinen Tanz mit Trollocs, um einen so richtig müde zum Schlafen zu machen. Stimmt's, Aviendha?« Sie nahm den Schal vom Gesicht und schenkte ihm ein etwas gezwungenes Lächeln. Der Frau hatte das möglicherweise Spaß gemacht! Er war schweißüberströmt und fürchtete, der Schweiß werde an seinem Körper anfrieren.

Moiraine und Egwene waren mittlerweile zusammen mit zwei der Weisen Frauen — Amys und Bair aufgetaucht, und sie gingen zwischen den Verwundeten umher. Überall, wo Moiraine sie heilen konnte, wanden sich die Verwundeten hinterher in Krämpfen, doch schlimmer war es, wenn sie nur den Kopf schüttelte und weiterging.

Rhuarc kam mit grimmiger Miene heran.

»Schlechte Nachrichten?« fragte Rand leise.

Der Clanhäuptling knurrte: »Abgesehen davon, daß sich Trollocs hier befinden, obwohl sie mindestens vierhundert Meilen von hier entfernt sein sollten? Vielleicht. Etwa fünfzig Trollocs haben das Lager der Weisen Frauen angegriffen. Es wären genug gewesen, um sie zu überwinden, wenn nicht Moiraine Sedai und das Glück auf unserer Seite gewesen wären. Wie auch immer, es scheint, die Shaido wurden von einer kleineren Gruppe überfallen als wir. Da ihres das größere Lager ist, hätte es logischerweise eigentlich umgekehrt sein müssen. Ich glaube beinahe, sie wurden nur angegriffen, um zu verhindern, daß sie uns zur Hilfe kamen. Nicht, daß ich mir dieser Hilfe sicher gewesen wäre bei den Shaido, aber das wissen die Trollocs und die Nachtläufer ja nicht.« »Und hätten sie gewußt, daß sich bei den Weisen Frauen eine Aes Sedai befindet«, sagte Rand, »dann wäre auch dieser Angriff in der Absicht geführt worden, sie von uns fernzuhalten. Ich bringe Euch Feinde ein, Rhuarc. Denkt daran. Wo ich auch sein mag, meine Feinde sind nie fern.« Isendre steckte den Kopf aus dem ersten Wagen. Einen Augenblick später kletterte Kadere an ihr vorbei herunter, und sie zog den Kopf wieder ein. Er schloß die weiß gestrichene Tür hinter sich. Dann sah er sich auf dem Schlachtfeld um. Der Feuerschein seiner brennenden Wagen warf flackernde Schatten auf sein Gesicht. Am konzentriertesten musterte er die Gruppe um Mat herum. Die Wagen schienen ihn überhaupt nicht zu interessieren. Auch Natael stieg aus Keilles Wagen, redete noch mit ihr, als er schon auf der Treppe stand, und blickte derweil bereits Mat und die anderen an.

»Narren«, murmelte Mat in sich hinein. »Sich in den Wagen zu verstecken, als ob das einem Trolloc etwas ausmacht. Drinnen hätte man sie genauso leicht lebendig rösten können.« »Sie leben ja noch«, sagte Rand, und Mat wurde bewußt, daß er sie auch beobachtet hatte. »Das ist immer wichtig, Mat, wer am Leben bleibt. Das ist wie beim Würfeln. Du kannst nicht gewinnen, wenn du nicht spielen kannst, und du kannst nicht spielen, wenn du tot bist. Wer weiß schon, welches Spiel diese Händler spielen.« Er lachte leise, und das Flammenschwert in seinen Händen verschwand.

»Ich werde jetzt ein bißchen schlafen«, sagte Mat und wandte sich ab. »Weck mich auf, falls die Trollocs wieder auftauchen. Oder besser, laß sie mich im Schlaf umbringen. Ich bin viel zu müde, um wieder aufzuwachen.« Rand schnappte nun wirklich beinahe über. Vielleicht konnte er heute nacht Keille und Kadere zum Umkehren überreden. Falls sie mitmachten, würde er dabei sein.