Trolloc-Jäger. Bisher hatte er wenig getan, um das zu rechtfertigen. Zwei Tage nach der Befreiung von Frau Luhhan und den anderen, an dem Tag, als Verin und Tomas weggeritten waren, waren sie auf die noch rauchenden Ruinen eines Bauernhofs gestoßen — er und fünfzehn der Burschen von den Zwei Flüssen. Nachdem sie begraben hatten, was in der Asche gelegen hatte, war es ihnen leichtgefallen, der Spur der Trollocs zu folgen, denn Gaul war ein meisterhafter Spurensucher und Perrins Nase hätte ebenfalls schon gereicht. Der beißende Gestank der Trollocs war noch nicht verflogen, jedenfalls nicht für ihn. Ein paar der Burschen hatten gezögert, als ihnen klar wurde, daß er es ernst gemeint hatte und wirklich die Trollocs jagen wollte. Falls der Weg sehr weit gewesen wäre, hätte sich wahrscheinlich einer nach dem anderen heimlich gedrückt, aber die Spur führte direkt zu einem Wäldchen, das keine drei Meilen entfernt lag.
Die Trollocs hatten keine Wachen aufgestellt, wahrscheinlich, weil sie keinen Myrddraal dabei hatten, der sie aus ihrer Faulheit aufscheuchte, und die Männer von den Zwei Flüssen hatten keine Mühe, sich lautlos anzuschleichen. Zweiunddreißig Trollocs starben, viele davon noch in ihren verdreckten Decken, von Pfeilen durchbohrt, bevor sie Lärm machen oder Schwert oder Axt erheben konnten. Dannil und Ban und die anderen hatten einen großen Sieg feiern wollen, bis sie herausfanden, was sich in dem großen, eisernen Kochtopf der Trollocs befand, der in der Asche des Feuers lag. Die meisten rannten davon, um sich zu übergeben, und mehr als einer weinte. Perrin hob selbst das Grab aus. Nur eines; er fand keine Möglichkeit, zu unterscheiden, welches Körperteil zu wem gehörte. So kalt, wie er sich in seinem Inneren fühlte, wußte er doch: Er hätte es selbst nicht durchgehalten, wenn er gewußt hätte, was da zu wem gehörte.
Spät am nächsten Tag zögerte keiner, als er wieder eine stinkende Spur aufnahm. Zunächst knurrten einige unwillig und wollten wissen, wem er nun wieder folge, aber dann fand Gaul die Spuren von Hufen und Stiefeln, die zu groß waren, um zu menschlichen Füßen zu passen. In einem anderen Wäldchen in der Nähe des Wasserwalds steckten einundvierzig Trollocs und ein Blasser. Sie hatten Wachen aufgestellt, doch die meisten davon schnarchten auf ihren Posten. Es wäre aber auch nicht anders verlaufen, wären sie alle wach gewesen. Gaul tötete diejenigen, die tatsächlich wach waren. Er glitt wie ein Schatten zwischen den Bäumen hindurch. Die Anzahl der Männer von den Zwei Flüssen war mittlerweile auf beinahe dreißig angewachsen. Diejenigen, die den Kochtopf nicht gesehen hatten, hatten zumindest davon gehört. Sie schrien beim Schießen. Die Befriedigung in diesen Schreien klang nicht weniger wild als das kehlige Heulen der Trollocs. Der schwarzgekleidete Myrddraal war der letzte gewesen, der starb — wie ein Stachelschwein mit Pfeilen gespickt. Niemand holte sich später diese Pfeile zurück, auch nicht, nachdem das Winden und Umsich-Schlagen aufgehört hatte.
An diesem Abend regnete es zum zweitenmal. Stundenlang goß es wie aus Kübeln, der Himmel war voll von aufquellenden, schwarzen Wolkenbergen, und es blitzte unablässig. Seither hatte Perrin keine Trolloc-Witterung mehr aufgenommen, und alle möglichen Spuren waren vom Boden weggewaschen worden. Die meiste Zeit hatten sie mit Umwegen verbracht, um den Patrouillen der Weißmäntel zu entgehen. Alle behaupteten, diese seien jetzt häufiger anzutreffen als vorher. Die Bauern, mit denen sich Perrin unterhalten hatte, sagten übereinstimmend, die Patrouillen hätten sich mehr dafür interessiert, ihre entflohenen Gefangenen und deren Befreier zu finden, als nach Trollocs zu suchen.
Eine ganze Reihe der Männer hatte sich mittlerweile um Luc versammelt. Er war so groß, daß sein rotgoldener Haarschopf über ihre dunkleren Köpfe hinausragte. Er schien zu reden, und sie hörten zu. Und nickten.
»Hören wir mal, was er zu sagen hat«, sagte Perrin grimmig.
Nur ein wenig Schubsen, und die Männer von den Zwei Flüssen machten Faile und ihm Platz. Sie lauschten alle ganz aufmerksam dem Mann im roten Wams, der große Reden zu schwingen schien.
»... also ist das Dorf jetzt relativ sicher. Eine Menge Leute befinden sich dort, die es verteidigen werden. Ich muß sagen, ich genieße es, von Zeit zu Zeit unter einem richtigen Dach zu schlafen. Frau al'Vere bereitet in ihrer Schenke ausgezeichnetes Essen. Ihr Brot gehört zum besten, das ich je gegessen habe. Es geht wirklich nichts über frisches, warmes Brot und frisch geschlagene Butter, und dann abends die Füße hochlegen und einen Krug guten Weins genießen oder einiges von Meister al'Veres gutem, dunklem Bier.« »Lord Luc meinte, wir sollten jetzt nach Emondsfeld gehen, Perrin«, sagte Kenley Ahan und rieb sich die gerötete Nase mit einem schmutzigen Handrücken. Er war nicht der einzige, der sich nicht so oft hatte waschen können, wie er es eigentlich für nötig befand, und auch nicht der einzige mit einer kräftigen Erkältung.
Luc lächelte Perrin an wie einen Hund, von dem er ein Kunststück erwartete. »Das Dorf ist wirklich recht sicher, aber noch ein paar starke Rücken werden überall gebraucht.« »Wir jagen Trollocs«, sagte Perrin kalt. »Nicht alle haben bisher ihre Höfe verlassen, und jede Bande, die wir aufspüren und töten, bedeutet unzerstörte Bauernhöfe und weitere Menschen, die eine Chance haben, sich in Sicherheit zu bringen.« Wil al'Seen lachte kurz und hart. Mit seiner angeschwollenen roten Nase und dem unregelmäßigen. Sechstagebart sah er nicht mehr so hübsch aus. »Wir haben schon tagelang keinen Trolloc mehr gerochen. Sei vernünftig, Perrin. Vielleicht haben wir sie bereits alle erledigt.« Es gab zustimmendes Gemurmel.
»Ich will keine Uneinigkeit verbreiten.« Luc spreizte voller Unschuld die Hände. »Zweifellos habt Ihr große Erfolge gehabt außer denen, von denen wir schon gehört haben. Ich schätze, Ihr habt Hunderte von Trollocs getötet. Es ist gut möglich, daß Ihr sie alle verscheucht habt. Ich kann Euch sagen, Emondsfeld ist bereit, Euch als Helden zu empfangen. Dasselbe gilt wohl auch für Wachhügel und diejenigen, die in dieser Gegend wohnen. Sind auch Leute aus Devenritt da?« Wil nickte, und Luc klopfte ihm auf die Schulter wie ein alter Kumpel. »Einen Heldenempfang, zweifellos.« »Jeder, der nach Hause will, kann gehen«, sagte Perrin mit beherrschter Stimme. Faile runzelte warnend die Stirn. So verhielt sich kein General. Aber er wollte niemanden dabei haben, der nicht freiwillig mitkam. Außerdem wollte er auch kein General sein. »Ich für meine Person glaube nicht, daß unsere Aufgabe bereits erfüllt ist, aber Ihr habt die Wahl.« Keiner gab sich diese Blöße. Höchstens Wil sah aus, als würde er am liebsten gleich wegrennen. Doch zwanzig andere starrten den Boden an und scharrten mit den Stiefeln im vorjährigen Laub herum.