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»Also«, bemerkte Luc nebenher, »wenn Ihr keine Trollocs mehr jagen müßt, ist es möglicherweise an der Zeit, Eure Aufmerksamkeit den Weißmänteln zuzuwenden. Sie sind nicht gerade glücklich darüber, daß Ihr Leute von den Zwei Flüssen Euch entschlossen habt, Euch selbst zu verteidigen. Und soviel ich weiß, wollen sie Euch sowieso alle aufhängen, und zwar als Geächtete, weil Ihr ihre Gefangenen gestohlen habt.« Einige der jungen Burschen von den Zwei Flüssen tauschten ängstliche Blicke.

In diesem Moment schob sich Gaul durch die Ansammlung, in kurzem Abstand von Bain und Chiad gefolgt. Natürlich mußten sie die anderen nicht erst wegschubsen. Sobald sie erkannten, wer es war, machten die Männer von alleine Platz. Luc zog beim Anblick Gauls nachdenklich die Augenbrauen hoch. Es wirkte sogar mißbilligend. Der Aielmann erwiderte den Blick mit steinernem Gesicht. Die Mienen Wils und Dannils und der anderen hellten sich beim Anblick der Aiel sichtlich auf. Die meisten glaubten immer noch, daß Hunderte weiterer Aiel irgendwo in den Hainen und Wäldern verborgen lägen. Sie fragten sich wohl nie, warum sich die Aiel versteckten, und Perrin berührte das Thema lieber nicht. Falls sie mehr Mut hatten, wenn sie an ein paar hundert Aiel als Verstärkung glaubten, sollte es ihm recht sein.

»Was habt Ihr gefunden?« fragte Perrin. Gaul war seit dem Vortag weg gewesen, aber er konnte schnell sein wie ein Berittener und im Wald sogar noch schneller, und ihm fiel mehr auf.

»Trollocs«, antwortete Gaul so selbstverständlich, als berichte er über die Anwesenheit von Schafen, »die durch diesen zu Recht so genannten Wasserwald nach Süden ziehen. Es sind nicht mehr als dreißig, und ich glaube, sie werden am Waldrand lagern und dann heute abend zuschlagen. Im Süden gibt es immer noch Menschen, die an ihrem Land festhalten.« Mit einemmal grinste er verwegen. »Sie haben mich nicht bemerkt. Sie sind also durch nichts gewarnt.« Chiad wandte sich an Bain: »Für einen Steinhund ist er eigentlich recht geschickt«, flüsterte sie so laut, daß man es auf zwanzig Fuß Entfernung verstehen konnte. »Er macht höchstens ein wenig mehr Lärm als ein lahmer Stier.« »Also, Wil?« fragte Perrin. »Was ist jetzt? Willst du nach Emondsfeld gehen? Dort kannst du dich rasieren und vielleicht ein Mädchen zum Küssen auftreiben, während diese Trollocs ihr Abendessen kochen.« Wil lief dunkelrot an. »Ich werde dort sein, wo Ihr heute abend seid, Aybara«, sagte er mit harter Stimme.

»Niemand geht heim, während sich hier noch Trollocs herumtreiben, Perrin«, fügte Kenley hinzu.

Perrin blickte sich um, und die anderen nickten zustimmend. »Wie steht es mit Euch, Luc? Es wäre uns eine Ehre, einen Lord und Jäger des Horns dabeizuhaben. Ihr könntet uns zeigen, wie man so etwas macht.« Luc lächelte ein wenig, aber es war wie in Stein gehauen und erreichte bei weitem nicht einmal diese kalten, blauen Augen. »Ich bedaure, aber ich werde noch zur Organisation der Verteidigung von Emondsfeld benötigt. Ich muß für den Schutz Eurer Leute sorgen, falls mehr als nur dreißig Trollocs angreifen. Oder die Kinder des Lichts. Lady Faile?« Er hielt ihr seine Hand hin, um ihr beim Aufsteigen zu helfen, doch sie schüttelte den Kopf. »Ich bleibe bei Perrin, Lord Luc.« »Wie schade«, murmelte er mit einem Schulterzucken, als sei der Geschmack der Frauen auch nicht mehr derselbe wie früher. Er zog seine mit Wolfsköpfen bestickten Handschuhe an und schwang sich geschmeidig in den Sattel des schwarzen Hengstes. »Viel Glück, Meister Goldauge. Ich hoffe, Ihr habt alle Glück.« Er verbeugte sich leicht vor Faile, riß hochfahrend sein Pferd herum und gab ihm die Sporen. Der Hengst galoppierte los, und ein paar Männer mußten aus dem Weg springen.

Faile sah Perrin finster an. Ihr Blick versprach ihm eine Lektion in bezug auf Höflichkeit, sobald sie allein waren. Er lauschte dem Hufschlag von Lucs Pferd, bis nichts mehr zu hören war, und wandte sich dann Gaul zu. »Können wir den Trollocs zuvorkommen? Daß wir auf sie warten, bevor sie einen möglichen Lagerplatz erreichen?« »Die Entfernung wäre gerade richtig«, sagte Gaul, »wenn wir jetzt gleich aufbrechen. Sie bewegen sich auf einer geraden Linie und beeilen sich nicht. Es ist allerdings ein Nachtläufer bei ihnen. Es wird leichter, wenn wir sie in den Decken überraschen, als sie in wachem Zustand zu überfallen.« Er meinte das in bezug auf die Männer von den Zwei Flüssen. An ihm selbst witterte Perrin keinerlei Angst.

Aber einige der anderen rochen stark nach Angst. Doch keiner von ihnen äußerte sich dazu, daß eine Auseinandersetzung mit wachsamen und wachen Trollocs und noch dazu einem Myrddraal vielleicht nicht die beste aller Lösungen darstelle. Sie brachen ihr Lager ab, sobald er den Befehl dazu gab, löschten die Feuer und verstreuten die Asche, lasen ihre wenigen Töpfe auf und stiegen auf das Sammelsurium der verschiedensten Pferderassen und Ponies, die sie irgendwo aufgetrieben hatten. Mit den zurückgeholten Wachtposten, mit denen Perrin noch ein Wörtchen zu reden hatte, waren sie nun fast siebzig Mann. Das sollte reichen, um dreißig Trollocs aufzulauern. Ban al'Seen und Dannil führten nach wie vor jeder die Hälfte der Männer an, wobei Bili al'Dai und Kenley und andere als Unterführer jeweils zehn Reiter unter sich hatten. Auch Wil natürlich. Er war für gewöhnlich kein so übler Bursche, solange er keine Mädchen im Kopf hatte.

Faile ritt auf Schwalbe ganz nahe neben Traber her, als sie nach Süden aufbrachen. Die Aiel liefen voraus. »Du vertraust ihm wohl überhaupt nicht«, sagte sie. »Du glaubst, er sei ein Schattenfreund.« »Ich vertraue dir und meinem Bogen und meiner Axt«, sagte er zu ihr. Ihr Gesicht wirkte gleichzeitig traurig und erfreut, aber er hatte ganz einfach die Wahrheit gesagt.

Zwei Stunden lang führte Gaul sie nach Süden, bevor sie sich endlich dem Wasserwald zuwandten, einem Gewirr von hoch aufragenden Eichen und Kiefern und Lederblattbäumen, hohen Eschen mit runden Kronen, und darunter Brombeeren und Schwarzweiden und schließlich dicht mit Ranken durchsetztes Unterholz. Tausende Eichhörnchen keckerten auf den Zweigen und überall flatterten Drosseln, Finken und Rotflügelchen herum. Perrin witterte auch Hirsche und Kaninchen und Füchse.

Sie überquerten eine Vielzahl winziger Rinnsale. Vom Schilf eingerahmte Teiche und Sumpflöcher waren das Typische an diesem Wald — manchmal von Bäumen halb überwachsen und manchmal offen, manchmal weniger als zehn Schritt im Durchmesser, ein paar aber auch mehr als fünfzig Schritt breit. Der Boden schien nach all den Regenfällen völlig durchgeweicht und unter den Hufen der Pferde spritzte das Wasser hervor.

Gaul blieb zwischen einem großen, von Weiden umstandenen Teich und einem schmalen, nur einen Fuß breiten Bächlein stehen. Sie waren vielleicht zwei Meilen weit in den Wald vorgedrungen. Die Trollocs würden hier durchkommen, wenn sie ihren Weg wie bisher fortsetzten. Die drei Aiel verschmolzen mit dem Wald, um sich davon zu überzeugen und sie rechtzeitig zu warnen, wenn sich die Trollocs näherten.

Perrin ließ Faile und ein Dutzend Männer bei den Pferden zurück und ließ die anderen in einem Bogen ausschwärmen, um die Trollocs wie in einem Kessel aufzufangen. Nachdem er dafür gesorgt hatte, daß jeder Mann gut versteckt war und genau wußte, was er zu tun hatte, ging er selbst an seinen Platz im Zentrum des Kessels neben einer alten Eiche, deren Stamm dicker als groß war.

Er lockerte die Axt in der Gürtelschlaufe, legte einen Pfeil auf und wartete. Eine leichte Brise strich über sein Gesicht, schwoll an und schwächte sich wieder ab. Er sollte eigentlich in der Lage sein, die Trollocs zu wittern, lange bevor sie in Sicht kamen. Sie sollten geradewegs auf ihn zukommen. Er berührte die Axt wieder und wartete ab. Minuten vergingen. Eine Stunde. Mehr.

Wie lange noch, bis die Schattenwesen erschienen?

Wenn es bei dieser feuchten Luft noch lange dauerte, würden sie die Bogensehnen austauschen müssen.