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Hu und Tad, die schlacksigen Stallburschen, führten Traber und Schwalbe heran, sobald sie nach draußen traten. Alle augenblicklichen Einwohner Emondsfelds schienen sich am anderen Ende des Dorfs versammelt zu haben, weit jenseits des Angers mit seinen Schafen und Kühen und Gänsen und der rotweißen Flagge mit dem Wolfskopf, die im leichten Morgenwind flatterte. Sobald er und Faile auf den Pferden saßen, rannten die Stallburschen ohne ein weiteres Wort in die gleiche Richtung.

Was sich dort auch abspielen mochte, um einen Angriff handelte es sich bestimmt nicht. Er konnte in der Menschenmenge Frauen und Kinder erkennen, und die ›Trolloc‹-Rufe waren erstorben. Das Gemurmel der Menge klang wie ein Echo des Gänsegeschnatters. Er ritt langsam, da er nicht im Sattel herumschwanken wollte. Faile hielt sich mit Schwalbe ganz nah bei ihm und beobachtete ihn. Wenn sie einmal ihre Meinung ohne offensichtlichen Grund geändert hatte, konnte sie das wieder tun, und er wollte sich einfach nicht mit ihr herumstreiten, ob er nun hier sein sollte oder nicht.

Die wild durcheinanderredende Menge schien tatsächlich jeden in Emondsfeld zu umfassen, Dorfbewohner genauso wie Bauern von außerhalb. Alle standen Schulter an Schulter dicht gedrängt, aber sie machten für ihn und Faile Platz, als sie sahen, wer kam. Sein Name wurde rundherum gemurmelt, und oft hörte er das hinzugefügte ›Goldauge‹. Er hörte auch wieder das Wort ›Trollocs‹, aber eher staunend gesprochen und nicht verängstigt. Von Trabers Rücken aus hatte er eine gute Sicht über ihre Köpfe hinweg.

Die Menschenmenge erstreckte sich bis über die letzten Häuser hinaus dorthin, wo die vielen zugespitzten Pfähle im Boden steckten. Der beinahe sechshundert Schritt entfernte Waldrand hinter den niedrigen Baumstümpfen war menschenleer; niemand hackte dort auf die Bäume ein.

Die Männer mit den Äxten standen verschwitzt und mit nackten Oberkörpern in der Menge und bildeten einen Kreis um Alanna, Verin und zwei Männer. Jon Thane, der Müller, wischte sich Blut vom Oberkörper. Er starrte angestrengt nach unten, um genau sehen zu können, was seine Hände taten. Alanna richtete sich gerade von dem anderen Mann her auf, einem grauhaarigen Burschen, den Perrin nicht kannte. Er sprang nun auf und tänzelte herum, als könne er selbst nicht fassen, daß er wieder laufen konnte. Er und der Müller blickten die Aes Sedai voller Ehrfurcht an.

Das Gewirr um die Aes Sedai herum war zu dicht, um mit den Pferden durchzukommen, aber es gab ein paar kleinere fast freie Flächen um Ihvon und Tomas herum, vor deren Streitrössern jedermann Respekt hatte. Die Leute machten einen großen Bogen um die Tiere mit ihren wilden Augen, die wirkten, als warteten sie nur auf eine passende Gelegenheit, um auszuschlagen und zuzubeißen.

Perrin schaffte es, Tomas ohne größere Schwierigkeiten zu erreichen. »Was ist geschehen?« »Ein Trolloc. Nur ein einziger.« Trotz des Plaudertons des ergrauten Behüters sah er dabei nicht Perrin und Faile an, sondern beobachtete sowohl Verin wie auch den Waldrand aufmerksam. »Allein entwickeln sie gewöhnlich nicht gerade viel Intelligenz. Schlau sind sie schon, aber nicht klug. Die Holzfäller haben ihn vertrieben, bevor er mehr Unglück anrichten konnte, als die beiden zu verletzen.« Die beiden Aielfrauen erschienen plötzlich am Waldrand. Sie hatten die Schufa um den Kopf gewickelt und sich verschleiert, so daß er sie nicht unterscheiden konnte. Zunächst rannten sie schnell heran, dann verlangsamten sie aber doch ihr Tempo und schlängelten sich zwischen den spitzen Pfählen durch. Schließlich drängten sie sich resolut durch die Menge. Die Menschen im Gewühl wichen ihnen so gut es ging aus. Als sie schließlich Faile erreichten, hatten sie bereits die Schleier abgenommen. Faile beugte sich hinunter, um dem zu lauschen, was sie ihr sagen wollten.

»Vielleicht fünfhundert Trollocs«, berichtete Bain gerade. »Und sie befinden sich kaum mehr als eine oder zwei Meilen hinter uns.« Ihre Stimme klang ruhig, doch ihre dunkelblauen Augen glitzerten freudig erregt. Genau wie Chiads graue Augen.

»Wie ich erwartete«, sagte Tomas seelenruhig. »Der eine ist wahrscheinlich nur allein durch den Wald marschiert, um sich etwas zum Essen zu suchen. Die anderen werden bald kommen, denke ich.« Die Töchter des Speers nickten.

Perrin deutete konsterniert auf die Menschenansammlung. »Also sollten die sich nicht alle hier draußen befinden. Warum habt Ihr sie nicht weggetrieben?« Es war Ihvon, der auf seinem Grauen durch die Menge herankam und ihm antwortete: »Eure Leute scheinen einfach nicht auf Fremde hören zu wollen, jedenfalls nicht, wenn sie Aes Sedai bei der Arbeit zuschauen können. Ich würde vorschlagen, Ihr versucht es selbst einmal.« Perrin war sicher, daß sie sich durchgesetzt hätten, hätten sie es nur ernsthaft versucht. Zumindest Verin und Alanna brachten so etwas fertig. Also, warum haben sie dann gewartet und es mir überlassen, obwohl sie die Trollocs erwarteten? Es wäre leicht gewesen, das vielleicht der Tatsache zuzuschreiben, daß er ein Ta'veren war, doch das war töricht. Ihvon und Tomas ließen sich und vor allem Verin und Alanna nicht von Trollocs umbringen, weil sie darauf warteten, daß ihnen ein Ta'veren sagte, was sie zu tun hätten. Die Aes Sedai schubsten ihn einfach wieder herum und riskierten dabei aller Leben, selbst die eigenen. Aber wozu? Sein Blick traf den Failes und sie nickte leicht, als wisse sie, woran er dachte.

Er hatte jetzt keine Zeit, um das herauszufinden. Statt dessen suchten seine Blicke die Menge ab, und er entdeckte Bran al'Vere, der mit Tam al'Thor und Abell Cauthon die Köpfe zusammensteckte. Der Bürgermeister hatte einen langen Speer an die Schulter gelehnt und trug auf dem Kopf eine zerbeulte alte Stahlkappe. Um seinen rundlichen Oberkörper spannte sich ein Lederwams mit aufgenähten Stahlscheiben.

Alle drei Männer blickten auf, als Perrin sich auf Traber durch die Menge zu ihnen herüberschob. »Bain sagt, daß Trollocs auf dem Weg hierher sind, und die Behüter glauben auch, daß wir bald angegriffen werden.« Des unaufhörlichen Stimmengewirrs wegen mußte er schreien, um gehört zu werden. Einige der am nächsten stehenden Leute verstanden seine Worte und hörten mit Reden auf. Bald verbreiteten sich leise Wellen von Worten wie ›Trollocs‹ und ›Angriff‹.