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Vorwärts wogte die schreiende Flut, gehörnte Köpfe und Gesichter mit Schnauzen oder Schnäbeln, jeder um die Hälfte größer als ein großer Mann, jeder nach Blut gierend. Fünfhundert Schritt. Vierhundert. Einzelne liefen vor den anderen voraus. Sie rannten so schnell wie Pferde. Hatten die Aiel recht gehabt? Konnten das wirklich nur fünfhundert sein? Es schien, als seien es Tausende.

»Bereit?« rief Tam, und zweihundert Bögen wurden gehoben. Die jungen Männer bei Perrin machten es schnell den älteren nach und bildeten schützende Reihen vor Perrin, diese närrische Flagge in der Mitte.

Dreihundert Schritt. Perrin konnte jetzt diese entsetzlichen Gesichter klar erkennen, von Wut und Blutdurst verzerrt, als befänden sie sich bereits direkt vor ihm.

»Schießt!« schrie Tam. Wie ein einziger, gewaltiger Peitschenhieb hörte sich das Zurückschnellen der Bogensehnen an. Gleichzeitig krachten die Balken der Katapulte gegen die lederumhüllten Streben, und die Steinbrocken flogen.

Es regnete Hammerkopfpfeile auf die Trollocs. Unförmige Gestalten stürzten zu Boden, doch einige erhoben sich wieder und taumelten, von Blassen angetrieben, weiter. Das Horn mischte sich in ihr kehliges Heulen und trieb sie voran zum Töten. Die von den Katapulten geschleuderten Steine schlugen zwischen ihnen ein, explodierten unter Funkenschlag zu scharfkantigen Bruchstücken und rissen große Löcher in die anstürmende Masse. Perrin war nicht der einzige, der bei diesem Anblick zusammenfuhr. Die Aes Sedai hatten also doch etwas mit den Katapulten angestellt. Er fragte sich, was wohl geschähe, wenn man einen solchen Stein beim Laden fallen ließ.

Ein weiterer Schwarm von Pfeilen erhob sich, und dann wieder einer und noch mal und immer wieder, und von den Katapulten aus wirbelten weitere Steine durch die Luft, wenn auch in größer werdenden Zeitabständen. Feuersprühende Explosionen fetzten in die Reihen der Trollocs. Hammerkopfpfeile regneten auf sie herab. Und sie kamen immer noch, kreischend, heulend, stürzend und sterbend, aber immer noch rannten andere weiter. Nun waren sie so nahe, daß die Bogenschützen ausschwärmten und nicht mehr gemeinsam schossen, sondern sich ihre Ziele einzeln auswählten. Männer schrien ihren eigenen Zorn aus sich heraus, schrien beim Schießen dem Tod ins Gesicht.

Und dann waren keine Trollocs mehr auf den Beinen und nur noch einer der Blassen, und der taumelte blind dahin, mit einer Unzahl Pfeilen gespickt. Das schrille Wiehern des Pferdes eines der Myrddraal, das im Sterben wild ausschlug, wetteiferte mit dem Stöhnen und Blöken gestürzter und sterbender Trollocs. Das Horn schwieg endlich. Hier und da auf der von Baumstümpfen übersäten Fläche bäumte sich ein Trollocs auf und sank, am Ende seiner Kräfte, zurück. Durch all diesen Lärm hindurch hörte Perrin die Männer schnaufen, als seien sie zehn Meilen weit gerannt. Auch sein eigenes Herz pochte und schien ihm aus dem Brustkorb springen zu wollen.

Plötzlich schrie irgend jemand lauthals seinen Jubel in die Welt hinaus, und als sei damit der Bann gebrochen, hüpften die Männer auf und ab und jubelten beglückt, schwenkten ihre Bögen oder was sie sonst in Händen hielten, und warfen Mützen in die Luft. Frauen stürzten aus den Häusern, lachten und jubelten ebenfalls, und die Kinder rannten herbei, tanzten und feierten mit den Männern. Ein paar kamen zu Perrin herüber und schüttelten ihm die Hand.

»Du hast uns zu einem großen Sieg geführt, mein Junge.« Bran lachte ihn von unten her an. Er hatte seinen Helm schief nach hinten geschoben. »Ich glaube, so sollte ich dich jetzt nicht mehr nennen. Ein großer Sieg, Perrin.« »Ich habe doch gar nichts getan«, wehrte er ab. »Ich habe lediglich auf meinem Pferd gehockt. Die Arbeit habt Ihr geleistet.« Bran hörte genausowenig auf ihn wie die anderen. Verlegen und steif saß Perrin auf seinem Pferd, gab vor, das Schlachtfeld überblicken zu wollen, und nach einer Weile ließen sie ihn endlich in Ruhe.

Tam hatte nicht mitgefeiert. Er stand dicht hinter den Pfählen und betrachtete die Trollocs. Auch die Behüter lachten nicht mit. Gestalten in schwarzen Rüstungen lagen in Massen zwischen den niedrigen Baumstümpfen. Es konnten durchaus fünfhundert sein. Vielleicht auch weniger. Einige, nur ein paar, hatten es vielleicht bis zurück in den Wald geschafft. Keiner lag näher als fünfzig Schritt vom Dornenwald der Pfähle entfernt. Perrins Blick fand die anderen beiden Blassen, die sich am Boden wanden. Die drei konnte er also abhaken. Irgendwann würden sie zugeben, daß sie tot waren.

Die Menschen der Zwei Flüsse ließen ihn lärmend hochleben: »Perrin Goldauge! Hurra! Hurra! Hurra!« »Sie mußten das doch wissen«, sagte er nachdenklich. Faile blickte ihn fragend an. »Den Halbmenschen muß doch klar gewesen sein, daß es so nicht gehen würde. Schau dir das doch einmal an. Selbst ich sehe das jetzt, und ihnen muß das von Anfang an klar gewesen sein. Wenn das ihre gesamte Streitmacht war, warum haben sie es dann überhaupt versucht? Und wenn noch mehr Trollocs dort draußen sind, warum sind die dann nicht auch gekommen? Doppelt so viele, und sie wären bis zu den Pfählen gekommen. Noch mal doppelt so viele, und sie hätten zum Dorf durchbrechen können.« »Ihr habt ein gutes Auge«, sagte Tomas, der sein Pferd neben ihnen zum Stehen brachte. »Es war lediglich ein Test. Sie wollten feststellen, ob Ihr gleich beim ersten richtigen Angriff zusammenklappt, vielleicht auch, um zu sehen, wie schnell Ihr reagiert oder wie Eure Verteidigung organisiert ist, oder vielleicht auch etwas, das mir jetzt nicht einfällt, aber auf jeden Fall war es eine Probe aufs Exempel. Jetzt wissen sie Bescheid.« Er deutete zum Himmel, wo ein einzelner Rabe über dem Schlachtfeld kreiste. Ein normaler Rabe hätte sich niedergelassen und ein Festmahl unter den Toten gefeiert. Dieser Vogel beendete eine letzte Runde und flog dann in Richtung des Waldes davon. »Der nächste Angriff wird nicht sofort erfolgen. Ich sah, wie zwei oder drei Trollocs in den Wald rannten, also wird sich erstmal die Kunde verbreiten. Die Halbmenschen werden ihnen erst einmal wieder einbläuen müssen, daß sie einen Myrddraal mehr fürchten als den Tod. Aber der Angriff wird erfolgen, und er wird auf jeden Fall schlimmer als der gerade eben. Wie stark sie sein werden, hängt davon ab, wie viele von den Gesichtslosen durch die Kurzen Wege geführt worden sind.« Perrin verzog das Gesicht. »Licht! Und was, wenn es gleich zehntausend sind?« »Ziemlich unwahrscheinlich«, kommentierte Verin, die herankam und Tomas' Pferd den Hals tätschelte. Das Streitroß gestattete ihr die Berührung so friedlich wie ein Pony. »Zumindest im Augenblick. Nicht einmal einer der Verlorenen könnte eine größere Anzahl sicher durch die Wege führen, glaube ich. Ein Mann allein riskiert schon den Tod oder den Wahnsinn, wenn er nur von einem Wegetor zum nächstgelegenen geht, aber... sagen wir... tausend Mann oder tausend Trollocs... die hätten innerhalb von Minuten Machin Shin auf dem Hals wie eine riesige Wespe, die von einer Schale Honig angelockt wird. Es ist viel wahrscheinlicher, daß sie in Gruppen von nicht mehr als zehn oder zwanzig, höchstens aber fünfzig, in weiten Abständen durch die Wege gehen. Natürlich bleibt die Frage offen, wie viele solcher Gruppen sie durchbringen und in welchen Abständen. Einige würden sie bestimmt unterwegs verlieren. Es kann sein, daß Schattenwesen Machin Shin nicht in dem Maße anziehen wie Menschen, doch... Hmmmm. Ein faszinierender Gedanke. Ich frage mich...« Sie tätschelte Tomas' Bein auf die gleiche Art wie vorher sein Pferd und wandte sich gedankenverloren ab. Der Behüter ließ sein Pferd hinterhertraben.