Выбрать главу

»Frau al'Vere sagte, du seist endlich des Herumsitzens im Sattel müde geworden«, sagte Faile, die durch die Küchentür eintrat. Überraschenderweise trug sie eine lange, weiße Schütze wie Marin. Die Ärmel hatte sie bis an die Ellbogen hochgekrempelt, und an ihren Händen klebte Mehl. Als werde ihr das gerade erst bewußt, wischte sie sich die Hände schnell an der Schürze ab und legte die dann über eine Stuhllehne. »Ich habe noch nie etwas gebacken«, sagte sie im Herüberkommen und rollte die Ärmel herunter. »Es macht eigentlich Spaß, Teig zu kneten. Vielleicht mache ich das mal wieder.« »Wenn du nicht bäckst«, bemerkte er vorsichtig, »woher sollen wir dann Brot bekommen? Ich habe nicht vor, mein ganzes Leben auf Reisen zu verbringen und in der Schenke zu essen oder nur dann, wenn ich etwas mit der Falle oder mit Pfeil und Bogen oder der Schleuder erwische.« Sie lächelte, als habe er ihr ein Kompliment oder Ähnliches gemacht. Warum sie so lächelte, war ihm absolut nicht klar. »Natürlich wird die Köchin das Backen übernehmen. Oder wahrscheinlich eine Küchenhelferin, aber die Köchin wird schon aufpassen.« »Die Köchin«, murmelte er kopfschüttelnd. »Oder eine Küchenhelferin. Sicher. Warum habe ich nicht gleich daran gedacht?« »Was ist los, Perrin? Du schaust so besorgt drein. Ich glaube nicht, daß wir, von einer Festungsmauer abgesehen, bessere Verteidigungsanlagen finden werden.« »Das ist es nicht, Faile. Dieses Getue mit Perrin Goldauge wird langsam zuviel. Ich weiß nicht, wer sie glauben, daß ich bin, aber ständig fragen sie mich, was sie tun sollen und ob ich nichts dagegen hätte, obwohl sie genau wissen, was zu tun ist oder innerhalb von zwei Minuten Nachdenkens selbst darauf kommen können.« Ein Weilchen betrachtete sie sein Gesicht mit nachdenklichen, dunklen, schrägstehenden Augen, und dann sagte sie: »Wie viele Jahre ist es her, daß die Königin von Andor hier tatsächlich ihre Herrschaft ausübte?« »Die Königin von Andor? Ich weiß es nicht. Hundert Jahre vielleicht. Zweihundert. Was spielt das schon für eine Rolle?« »Diese Menschen erinnern sich nicht daran, wie man mit einer Königin umgeht — oder einem König. Sie versuchen, es herauszubekommen. Du mußt Geduld mit ihnen haben.« »Mit einem König?« fragte er mit weichen Knien. Er ließ den Kopf auf die auf dem Tisch liegenden Arme sinken. »Oh, Licht!« Faile lachte leise und fuhr ihm mit den Fingern durchs Haar. »Na ja, vielleicht nicht gerade das. Ich denke, Morgase hätte etwas dagegen. Aber wenigstens ein General oder so etwas. Ein Mann, der ihr Gebiete zurückbrächte, die sie hundert Jahre lang oder länger nicht mehr beherrscht hat, käme ihr bestimmt gelegen. Den würde sie wahrscheinlich in den Adelsstand erheben. Perrin aus dem Hause Aybara, Lord der Zwei Flüsse. Das klingt doch gut.« »Wir brauchen in den Zwei Flüssen keinen Lord«, grollte er in Richtung der eichenen Tischplatte. »Genausowenig wie Königinnen und Könige. Wir sind freie Menschen!« »Auch freie Menschen wollen einmal jemandem folgen«, sagte sie sanft. »Die meisten Menschen wollen an etwas glauben, das größer ist als sie selbst, das weiter reicht als bis zur Grenze ihrer eigenen Felder. Deshalb gibt es Staaten, Perrin, und Völker. Selbst Raen und Ila sehen sich als Teil von etwas Größerem als ihrem eigenen Wagenzug. Sie haben wohl nun ihre Wohnwagen und die meisten Mitglieder ihrer Familien oder der ihrer Freunde verloren, aber andere Tuatha'an suchen immer noch nach dem Lied und auch sie werden es wieder, denn sie gehören zu etwas, das weit über ihre wenigen Wohnwagen hinausreicht.« »Wem gehören die?« fragte Aram plötzlich.

Perrin hob den Kopf. Der junge Kesselflicker war aufgestanden und betrachtete nervös die Speere an der Wand. »Sie gehören jedem, der einen davon braucht, Aram. Keiner wird dir mit einem davon etwas antun, glaube mir.« Er war sich nicht sicher, ob ihm Aram das abnahm, so wie er jetzt langsam im Raum auf und ab tigerte, die Hände in die Taschen gesteckt, und aus den Augenwinkeln die Speere und Hellebarden betrachtete.

Perrin war mehr als dankbar, als ihm Marin einen Teller mit Gänsebrustscheiben, Zwiebeln, Erbsen und gutem Krustenbrot hinstellte. Er wollte richtig zulangen, doch da steckte ihm Faile eine mit Blumen bestickte Serviette unters Kinn und schnappte ihm Messer und Gabel aus der Hand. Sie schien es lustig zu finden, ihn auf die gleiche Art zu füttern, wie es Bode und Eldrin mit Aram getan hatten. Die Cauthon-Mädchen kicherten seinetwegen und auch Marin und Natti lächelten ein wenig. Perrin konnte daran allerdings nichts Erheiterndes finden. Doch er war gewillt, Failes Launen zu ertragen, obwohl er allein leichter gegessen hätte. Bei ihr mußte er immer den Hals so verdrehen, um alles hineinzubekommen, was sie ihm auf der Gabel reichte.

Aram drehte drei langsame Runden um den Raum, bevor er am Fuß der Treppe stehenblieb und das Faß mit der eigenartigen Auswahl an Schwertern anblickte. Dann streckte er die Hand aus und zog ein Schwert aus dem Bündel. Er hielt es ungeschickt. Der lederumwickelte Griff war lang genug, um es mit beiden Händen zu halten. »Kann ich das benützen?« fragte er.

Perrin erstickte beinahe an seinem Essen.

Alanna erschien am oberen Ende der Treppe, zusammen mit Ila. Die Tuatha'an-Frau schien erschöpft, doch die Schwellung war aus ihrem Gesicht verschwunden. »... am besten wäre, jetzt zu schlafen«, sagte die Aes Sedai gerade. »Es ist vor allem der Schock, unter dem er leidet, und den kann ich auch mit Hilfe der Macht nicht heilen.« Ilas Blick fiel auf ihren Enkel und auf das, was er in Händen hielt, und sie schrie, als sei die Klinge in ihr eigenes Fleisch gefahren. »Nein, Aram! Neeeein!« Sie stürzte beinahe die Treppe hinunter in ihrer Hast und warf sich auf Aram bei dem Versuch, seine Hände vom Schwertgriff zu reißen. »Nein, Aram«, schnaufte sie atemlos, »das darfst du nicht! Leg es weg! Der Weg des Blatts. Das darfst du nicht! Der Weg des Blatts! Bitte, Aram! Bitte!« Aram tanzte mit ihr, wehrte sie ungeschickt ab und versuchte, das Schwert auf der anderen Seite zu halten, damit sie nicht herankam. »Warum nicht?« schrie er zornig. »Sie haben Mutter getötet! Ich habe zugesehen! Ich hätte sie retten können mit einem Schwert! Ich hätte sie retten können!« Diese Worte schnitten tief in Perrins Brust. Ein Kesselflicker mit einem Schwert erschien ihm unnatürlich. Ihm standen dabei fast die Haare zu Berge, doch diese Worte... Seine Mutter. »Laßt ihn in Ruhe«, sagte er grober, als er vorgehabt hatte. »Jeder Mann hat ein Recht, sich zu verteidigen, seine Fam... Er hat ein Recht darauf.« Aram hielt Perrin sein Schwert hin. »Bringt Ihr mir bei, wie man es benutzt?« »Ich kann das auch nicht«, sagte Perrin. »Aber Ihr findet schon jemanden.« Über Ilas schmerzverzerrtes Gesicht rannen die Tränen. »Die Trollocs haben mir die Tochter genommen«, schluchzte sie, wobei sie am ganzen Körper bebte, »und alle meine Enkel bis auf einen, und den nehmt Ihr mir nun. Er ist verloren, und Ihr seid schuld daran, Perrin Aybara. Ihr seid im Herzen ein Wolf geworden, und jetzt macht Ihr auch aus ihm einen.« Sie wandte sich um und stolperte die Treppe wieder hinauf. Sie wurde dabei immer noch vom Schluchzen durchgeschüttelt.

»Ich hätte sie retten können!« schrie ihr Aram hinterher. »Großmutter! Ich hätte sie retten können!« Sie blickte nicht um, und als sie um die Ecke verschwand, sackte er weinend gegen das Geländer. »Ich hätte sie retten können, Großmutter. Ich hätte... « Perrin wurde bewußt, daß auch Bode weinte, das Gesicht in den Händen verborgen, und die anderen Frauen blickten ihn finster an, als habe er etwas falsch gemacht. Nein, nicht alle. Alanna musterte ihn vom oberen Ende der Treppe aus mit der undurchschaubaren Ruhe einer Aes Sedai, und Failes Miene war beinahe genauso ausdruckslos.