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»Emondsfeld ist nicht ausdrücklich für Euch geschlossen«, sagte Bran, der hochaufgerichtet und mit seinem Speer an der Seite dastand. »Wir haben uns entschlossen, uns selbst zu verteidigen, und das haben wir heute morgen auch getan. Wenn Ihr sehen wollt, wie, dann schaut dort hinüber.« Er deutete auf die Rauchwolken, die von den Scheiterhaufen der Trollocs aufstiegen. Der süßliche Geruch verbrennenden Fleisches lag in der Luft, aber niemand außer Perrin schien das zu bemerken.

»Ihr habt ein paar Trollocs umgebracht?« stellte Bornhald verächtlich fest. »Euer Glück und Euer Können verblüffen mich absolut.« »Mehr als nur ein paar!« schrie jemand aus der Menschenmenge. »Hunderte!« »Wir hatten eine Schlacht!« schrie eine andere Stimme und Dutzende anderer überschrien sich mit einemmal.

»Wir haben gegen sie gekämpft und gewonnen!« »Wo wart Ihr?« »Wir können uns ohne Hilfe von Weißmänteln verteidigen!« »Hoch die Zwei Flüsse!« »Die Zwei Flüsse und Perrin Goldauge leben hoch!« »Goldauge!« »Goldauge!« Leof, der ja eigentlich die Waldarbeiter beschützen sollte, begann, diese rote Flagge mit dem Wolfskopf zu schwenken.

Bornhalds haßerfüllter Blick umfaßte sie alle, doch Byar ließ knurrend vor Wut seinen braunen Wallach vorwärtstänzeln. »Glaubt Ihr Bauern vielleicht, daß Ihr wißt, was eine Schlacht ist?« brüllte er. »Letzte Nacht wurde eines von Euren Dörfern von den Trollocs beinahe völlig ausgelöscht! Wartet nur ab, bis sie in Mengen über Euch herfallen, und dann wünscht Ihr euch, daß Eure Mütter niemals Eure Väter geküßt hätten!« Er schwieg nach einem müden Wink Bornhalds wie ein scharfer Wachhund, der seinem Herrn gehorcht, aber seine Worte hatten die Rufer in der Menge zum Schweigen gebracht.

»Welches Dorf?« Brans Stimme klang würdevoll und gleichzeitig besorgt. »Wir haben alle Bekannte in Wachhügel und Devenritt.« »Wachhügel wurde nicht berührt«, antwortete Bornhald, »und ich weiß nichts von Devenritt. Heute morgen brachte mir ein Kurier die Nachricht, daß Taren-Fähre praktisch nicht mehr existiert. Falls Ihr dort Freunde habt — es sind viele Leute über den Fluß entkommen. Über den Fluß.« Sein Gesicht straffte sich einen Augenblick lang. »Ich habe beinahe fünfzig gute Soldaten dabei verloren.« Die Neuigkeit rief ein bedrücktes Gemurmel hervor. Niemand hörte so etwas gern, aber andererseits hatte auch keiner Bekannte in Taren-Fähre gehabt. Wahrscheinlich war keiner von ihnen jemals so weit weg gewesen.

Luc ließ sein Pferd vortreten. Der Hengst schnappte im Vorbeischreiten nach Traber. Perrin zügelte sein Tier mühsam, bevor die beiden eine Beißerei beginnen konnten. Luc schien es entweder nicht zu bemerken, oder es war ihm gleichgültig. »Taren-Fähre?« fragte er mit ausdrucksloser Stimme. »Die Trollocs haben letzte Nacht Taren-Fähre angegriffen?« Bornhald zuckte die Achseln. »Das habe ich doch gesagt, oder nicht? Es scheint, die Trollocs haben sich schließlich doch entschlossen, die Dörfer zu überfallen. Wie vorsorglich, daß man Euch zeitig genug warnte, um diese schönen Verteidigungsanlagen zu errichten.« Sein Blick wanderte über den Pfahlwald und die Männer dahinter, bevor er an Perrin hängenblieb.

»War der Mann, der sich Ordeith nennt, letzte Nacht in Taren-Fähre?« fragte Luc.

Perrin sah ihn mit großen Augen an. Er hatte nicht gewußt, daß Luc Padan Fain auch nur vom Namen her kannte, oder jedenfalls den Namen, den er jetzt benützte. Aber die Menschen klatschten eben viel, wenn jemand zurückkehrte, den sie als fahrenden Händler kannten und der plötzlich ein großes Tier bei den Weißmänteln war.

Bornhalds Reaktion war ebenso eigenartig wie die Frage. In seinen Augen glitzerte ein Haß, mindestens genauso stark wie der auf Perrin, doch sein Gesicht wurde blaß, und er fuhr sich mit dem Handrücken über die Lippen, als habe er vergessen, daß er stahlverstärkte Kampfhandschuhe trug. »Ihr kennt Ordeith?« fragte er und beugte sich vor, um Luc besser ansehen zu können.

Nun war es an Luc, gleichgültig die Achseln zu zucken. »Ich habe ihn hier und da getroffen, seit ich an die Zwei Flüsse gekommen bin. Ein anrüchig wirkender Mann, und die ihm folgen, sehen nicht anders aus. Die Art von Leuten, die vielleicht zu leichtsinnig vorgegangen sind und so den Trollocs gestatteten, das Dorf erfolgreich zu überfallen. War er dort? Falls ja, kann man nur hoffen, daß er seine Dummheit mit dem Leben bezahlte. Falls nicht, hoffen wir einmal, daß Ihr ihn hier bei Euch habt, wo Ihr ihn genau im Auge behalten könnt.« »Ich weiß nicht, wo er ist«, fauchte Bornhald. »Es ist mir auch gleich! Ich bin nicht hergekommen, um über Ordeith zu sprechen!« Sein Pferd tänzelte nervös, als Bornhald die Hand ausstreckte und auf Perrin deutete. »Ich nehme Euch als Schattenfreund fest. Man wird Euch nach Amador bringen, und dort werdet Ihr unter der Kuppel der Wahrheit gerichtet.« Byar starrte seinen Hauptmann ungläubig an. Hinter der Barriere, die die Weißmäntel von den Menschen der Zwei Flüsse trennte, erhob sich zorniges Gemurmel. Speere und Hellebarden wurden geschwungen, Bögen erhoben. Den weiter entfernten Weißmänteln rief ein Kerl Befehle zu, der mit seiner Rüstung bestimmt genauso groß war wie Meister Luhhan. Sie begannen, auszuschwärmen und steckten die Lanzenenden in lederne Stützfutterale an den Sätteln. Sie holten auch kurze Bögen heraus, wie man sie vom Pferd aus benützte. Bei dieser Entfernung konnten sie damit aber nicht viel anrichten, höchstens den Rückzug Bornhalds und seiner Männer decken, falls ihnen ein Entkommen überhaupt möglich war. Bornhald schien keine Gefahr zu sehen — höchstens aber von Perrin ausgehend.

»Es wird keine Festnahme geben«, sagte Bran in scharfem Ton. »Das haben wir eindeutig beschlossen. Keine weiteren Festnahmen ohne Schuldbeweis, und zwar einen solchen, dem wir glauben können. Ihr könnt mir niemals etwas zeigen, das mich davon überzeugt, daß Perrin ein Schattenfreund ist, also könnt Ihr genausogut die Hand herunternehmen.« »Er hat meinen Vater in Falme verraten, so daß er ums Leben kam«, schrie Bornhald. Die Wut hatte ihn gepackt. »Hat ihn an Schattenfreunde verraten und an Hexen aus Tar Valon, die tausend Kinder des Lichts mit Hilfe der Einen Macht töteten!« Byar nickte lebhaft.

Einige der Einwohner traten unsicher von einem Fuß auf den anderen. Die Nachricht von dem, was Verin und Alanna an diesem Morgen vollbracht hatten, hatte sich verbreitet, und dabei war alles aufgebauscht worden. Was sie auch von Perrin hielten, aber hundert Geschichten über die Aes Sedai, die meisten davon falsch, hatten ihr Bild geprägt und ließen manchen jetzt daran glauben, daß Aes Sedai tausend Weißmäntel getötet haben mochten. Und wenn sie das glaubten, konnten sie auch den Rest glauben.

»Ich habe niemanden verraten«, sagte Perrin mit lauter Stimme, damit es jeder hören konnte. »Falls Euer Vater in Falme gestorben ist, so haben ihn diejenigen getötet, die man Seanchan nennt. Ich weiß nicht, ob sie Schattenfreunde sind, aber ich weiß, daß sie die Eine Macht im Kampf einsetzen.« »Lügner!« Speichel spritzte von Bornhalds Lippen. »Die Seanchan sind ein Märchen, das in der Weißen Burg erfunden wurde, um ihre gemeinen Lügen zu verbergen! Ihr seid ein Schattenfreund!« Bran schüttelte verwundert den Kopf und schob seine Stahlkappe auf eine Seite, damit er sich in dem Kranz weißer Haare kratzen konnte. »Ich weiß überhaupt nichts von diesen — Seanchan? — also, von diesen Seanchan. Was ich aber weiß, ist, daß Perrin kein Schattenfreund ist, und Ihr werdet niemanden festnehmen.« Die Lage spitzte sich mit jeder Minute zu, wie Perrin deutlich erkannte. Auch Byar war das wohl klargeworden, und so zupfte er Bornhald am Arm und flüsterte mit ihm, doch der Hauptmann der Weißmäntel konnte oder wollte nicht zurückstecken, nun, da er Perrin persönlich vor sich hatte. Bran und die Leute von den Zwei Flüssen hatten sich ebenfalls festgelegt und hätten ihn wohl auch dann nicht den Weißmänteln überlassen, wenn er alles gestanden hätte, was ihm Bornhald zuschrieb. Wenn nicht jemand bald Wasser auf dieses Feuer goß, würde alles explodieren wie eine Handvoll Stroh, das man auf eine glühende Esse wirft.