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Rendra fuhr unter Nynaeves wildem Blick zusammen, aber ihr allgegenwärtiges Lächeln kehrte sofort wieder. »Vergebt mir, daß ich Euch störe, aber unten ist eine Frau, die nach Euch gefragt hat. Sie hat nicht Eure Namen genannt, Euch aber sehr genau beschrieben. Sie meint, daß sie Euch kennt. Sie... « Ihr Schmollmund verzog sich ärgerlich. »Ich habe vergessen, nach ihrem Namen zu fragen. Heute morgen bin ich wirklich eine hirnlose Ziege. Die Frau ist gut angezogen und noch nicht ganz in ihren mittleren Jahren. Sie stammt nicht aus Tarabon.« Sie schauderte ein klein wenig. »Eine strenge Frau, glaube ich. Als sie mich zuerst sah, blickte sie mich an wie meine ältere Schwester in unserer Kindheit, als sie am liebsten meine Zöpfe ausgerissen hätte.« »Haben sie uns vielleicht zuerst gefunden?« fragte Nynaeve leise.

Elayne griff bereits nach der Wahren Quelle, bevor es ihr bewußt wurde, und als es tatsächlich ging, überlief sie ein Schaudern der Erleichterung. Sie konnte es tun und war nicht unversehens abgeschirmt worden. Falls die Frau eine Schwarze Ajah war... Aber warum hätte sie sich dann anmelden lassen? Trotzdem wünschte sie sich, Nynaeve wäre ebenfalls vom Glühen Saidars umgeben. Wenn die Frau nur endlich einmal die Macht benützen könnte, ohne zuvor zornig werden zu müssen!

»Schickt sie herein«, sagte Nynaeve, und Elayne bemerkte, daß die andere sich des fehlenden Schutzes sehr wohl bewußt war und sich offensichtlich fürchtete. Während Rendra wieder hinausging, begann Elayne, Stränge des Elements Luft zu verweben, kabeldick und bereit, jeden zu fesseln, und dann Ströme des Elements Geist, um jeden anderen von der Wahren Quelle abzuschirmen. Falls diese Frau einer von denen auf der Liste auch nur ähnlich sah, falls sie versuchte, auch nur einen Funken der Macht zu gebrauchen...

Elayne hatte die Frau, die nun, gekleidet in ein schimmerndes schwarzseidenes Kleid von ihnen unbekanntem Schnitt, in die Kammer der Fallenden Blüten trat, noch nie gesehen, und sie stand auch bestimmt nicht auf der Liste der Frauen, die mit Liandrin geflohen waren. Das dunkle Haar, das ihr lose auf die Schultern fiel, umrahmte ein kraftvoll wirkendes, gutaussehendes Gesicht mit großen, dunklen Augen und glatten Wangen, doch ohne die typische Alterslosigkeit der Aes Sedai. Lächelnd schloß sie die Tür hinter sich. »Verzeiht mir, doch ich glaubte, Ihr wärt... « Das Glühen Saidars umgab sie, und sie...

Elayne ließ die Wahre Quelle fahren. In diesen dunklen Augen lag etwas sehr Beherrschendes, genau wie in dem Lichtschein, der Ausstrahlung der Einen Macht. Elayne hatte noch nie eine Frau gesehen, die ihr einen so würdigen, königlichen Eindruck vermittelt hatte. Sie ertappte sich dabei, wie sie schnell knickste, und errötete bei dem Gedanken, auch nur erwogen zu haben... Was hatte sie eigentlich erwogen? So schwer, einen klaren Gedanken zu fassen.

Die Frau musterte sie einen Augenblick lang, nickte dann zufrieden, glitt hinüber zum Tisch und packte den geschnitzten Stuhl an seiner Lehne. »Kommt her, wo ich Euch beide besser sehen kann«, sagte sie mit gebieterischer Stimme. »Kommt. Ja. So ist es recht.« Elayne wurde mit einemmal bewußt, daß sie neben dem Tisch stand und auf die dunkeläugige, glühende Frau herabsah. Sie hoffte, das sei so in Ordnung. Auf der anderen Seite des Tisches stand Nynaeve und hatte eine ganze Handvoll ihrer langen, dünne Zöpfe gepackt. Aber auch sie blickte ihre Besucherin mit dümmlich fasziniertem Gesichtsausdruck an. Elayne hätte am liebsten gekichert.

»Ungefähr, was ich erwartet hatte«, sagte die Frau. »Wenig mehr als kleine Mädchen und kaum halb ausgebildet. Aber stark, stark genug, um ziemliche Schwierigkeiten zu bereiten. Besonders Ihr.« Sie fixierte Nynaeve mit einem strengen Blick. »Aus Euch könnte eines Tages etwas werden. Aber Ihr habt Euch selbst abgeschirmt, oder? Den Block hätten wir schnell aus Euch herausgeholt, und wenn Ihr deshalb noch so jammert.« Nynaeve hielt sich immer noch an ihren Zöpfen fest, aber ihr Gesichtsausdruck änderte sich. Aus dem erfreuten, mädchenhaften Lächeln, als habe man sie gelobt, wurde eine zerknirschte Miene. Ihre Unterlippe zitterte. »Es tut mir leid, daß ich mich selbst abgeschirmt habe«, wimmerte sie beinahe. »Ich habe Angst vor... all dieser Macht... der Einen Macht... Wie kann ich...?« »Schweigt, bis ich Euch eine Frage stelle«, sagte die Frau streng. »Und fangt nicht gleich zu weinen an. Ihr freut Euch, mich zu sehen. Ihr seid glücklich. Alles, was Ihr wollt, ist, mir eine Freude zu machen und meine Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten.« Nynaeve nickte lebhaft und lächelte noch entrückter als zuvor. Elayne war bewußt, daß sie sich genauso anstellte. Sie war sogar sicher, daß sie zuerst die Fragen beantworten könne. Alles, um dieser Frau eine Freude zu machen.

»Also. Seid Ihr allein? Sind noch andere Aes Sedai bei Euch?« »Nein«, sagte Elayne schnell als Antwort auf die erste Frage, und genauso schnell beantwortete sie die zweite:

»Es sind keine Aes Sedai bei uns.« Vielleicht sollte sie ihr erklären, daß sie beide eigentlich noch gar keine Aes Sedai waren. Aber danach hatte sie nicht gefragt. Nynaeve sah sie zornig an. Ihre Knöchel an den Handgelenken waren ganz weiß vor Anstrengung, so fest hielt sie ihre Zöpfe. Sie war zornig, weil ihr Elayne mit der Antwort zuvorgekommen war. »Warum befindet Ihr euch in dieser Stadt?« fragte die Frau.

»Wir suchen nach Schwarzen Schwestern«, platzte Nynaeve heraus und warf Elayne einen triumphierenden Blick zu.

Die gutaussehende Frau lachte. »Deshalb also habe ich bis heute nicht merken können, daß Ihr die Macht benützt. Sehr klug von Euch, Euch nicht zu verraten, wenn es elf gegen zwei heißt. So habe ich es auch Der gemacht. Laßt andere Narren nur völlig deckungslos herumspringen. Die kann schon eine Spinne zu Fall bringen, die sich in Mauerspalten verbirgt, eine Spinne, die sie nicht bemerken, bis es zu spät ist. Berichtet mir alles, was Ihr über diese Schwarzen Schwestern herausgefunden habt, alles, was Ihr über sie wißt.« Elayne sprudelte alles heraus in ihrem Eifer, Nynaeve zuvorzukommen. Es war nicht sehr viel. Ihre Beschreibungen, die Ter'Angreal, die sie gestohlen hatten, die Morde in der Burg und die Furcht, es könnten sich noch weitere Schwarze Schwestern dort befinden, wie sie einen der Verlorenen in Tear unterstützt hatten, bevor der Stein gefallen war, und ihre Reise hierher, um etwas zu suchen, was für Rand zur Gefahr werden konnte. »Sie wohnten alle zusammen in einem Haus«, beendete Elayne ihren Bericht schwer atmend, »aber gestern abend haben sie es verlassen.« »Wie es scheint, seid Ihr ihnen sehr nahe gekommen«, sagte die Frau bedächtig. »Sehr nahe. Ter'Angreal. Leert den Inhalt Eurer Börsen und Taschen auf den Tisch.« Sie folgten ihrem Befehl, und die Frau untersuchte schnell die Münzen, das Nähzeug, Taschentücher und was da sonst noch lag. »Habt Ihr irgendwelche Ter'Angreal in Euren Gemächern? Angreal oder Sa'Angreal?«