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»Ist es das, was Ihr wünscht, guter Herr? Sie?« Beim Erklingen dieser einschmeichelnden Stimme fuhren die beiden auseinander, und das perlendes Lachen Keilles stand im Gegensatz zu ihrem Mienenspiel. »Ein Sonderangebot für Euch, Matrim Cauthon: Eine Mark aus Tar Valon, und sie gehört Euch. Eine Schlampe wie sie kann nicht mehr als zwei Mark wert sein, also ist das doch ein gutes Sonderangebot.« Mat verzog das Gesicht und sah aus, als wäre er lieber überall sonst, nur nicht hier. Isendre allerdings wandte sich langsam Keille zu, wie eine Bergkatze, die einem Bären gegenübersteht. »Ihr geht zu weit, alte Frau«, sagte sie leise mit harten Augen über dem Schleier. »Ich werde mir Eure böse Zunge nicht mehr bieten lassen. Nehmt Euch in acht. Vielleicht bleibt Ihr ja auch lieber hier in der Wüste?« Keille lächelte breit, doch in ihren Augen, die über ihren fetten Wangen blitzten, lag keinerlei Belustigung. »Würdet Ihr lieber hierbleiben?« Isendre nickte entschlossen und sagte: »Eine Mark aus Tar Valon.« Ihre Stimme klang hart wie Eisen. »Ich werde dafür sorgen, daß Ihr eine Mark aus Tar Valon bekommt, wenn wir Euch verlassen. Ich wünschte nur, ich könnte Euch beobachten, wenn Ihr versucht, sie zu trinken.« Damit wandte sie ihr den Rücken zu und schritt zum Führungswagen. Diesmal fehlte ihrem Gang der verführerische Schwung. Sie verschwand im Inneren.

Keille beobachtete sie mit ausdruckslosem rundem Gesicht, bis sich die weiße Tür geschlossen hatte, und dann fuhr sie plötzlich Mat an, der versuchte, unbemerkt davonzuschlüpfen: »Nur wenige Männer haben mir je ein Angebot ausgeschlagen, und schon gar nicht zweimal. Ihr solltet Euch in acht nehmen, daß ich es Euch nicht krumm nehme.« Lachend streckte sie die Hand aus und kniff ihn mit dicken Fingern in die Wange, hart genug, daß er zuckte, und dann wandte sie sich in Rands Richtung. »Sagt es ihm, mein Lord Drache. Ich habe das Gefühl, Ihr wißt etwas von den Gefahren, eine Frau zu mißachten. Dieses Aielmädchen das Euch immer mit bösem Blick hinterherläuft. Wie ich hörte, gehört Ihr einer anderen an. Vielleicht fühlt sie sich auch mißachtet.« »Das bezweifle ich, gute Frau«, sagte er trocken. »Aviendha würde mir ein Messer zwischen die Rippen rennen, wenn sie glaubte, ich dächte so über sie.« Die massige Frau lachte schallend. Mat zuckte zurück, als sie die Hand wieder nach ihm ausstreckte doch sie tätschelte lediglich die Wange, in die sie vorher gekniffen hatte. »Seht Ihr, guter Herr? Mißachtet das Angebot einer Frau, und vielleicht denkt sie sich nichts dabei, vielleicht aber« — sie fuhr sich mit dem Zeigefinger über den Hals —»gebraucht sie das Messer. Diese Lektion kann sich jeder Mann zu Herzen nehmen. Nicht wahr, mein Lord Drache?« Sie lachte pfeifend und eilte fort, um die Männer zu schelten, die sich um die Maultiere kümmerten.

Mat rieb sich die Wange und knurrte: »Die spinnen doch alle«, bevor auch er ging. Aber er lief trotzdem Isendre weiter hinterher.

Und so ging es weiter, elf Tage lang und in den zwölften hinein, über ein unfruchtbares, durchgebackenes Land. Zweimal sahen sie andere Außenposten, rohe Steingebäude ähnliche wie am Imre, die zur besseren Verteidigung an die Steilwand einer Felsnadel oder einer Spitzkuppe angebaut waren. Bei einem standen dreihundert oder mehr Schafe und dazu Männer, die genauso überrascht waren, von Rand zu erfahren, wie über die Tatsache, daß Trollocs im Dreifachen Land gewesen waren. Das andere war leer, nicht überfallen, sondern einfach unbenutzt. Mehrmals erspähte Rand Ziegen oder Schafe oder fahle Langhornrinder in einiger Entfernung. Aviendha sagte, die Herden gehörten zu in der Nähe gelegenen Septimenfestungen, aber er sah keine Menschen und bestimmt kein Gebäude, das die Bezeichnung Festung verdient gehabt hätte. Der zwölfte Tag: die dicken Kolonnen der Jindo und der Shaido flankierten den Zug der Weisen Frauen; der Wagenzug der Händler rumpelte mit; Keille und Natael stritten sich und Isendre beobachtete Rand vom Schoß Kaderes aus.

»... und so ist es also«, sagte Aviendha und nickte in sich hinein. »Jetzt versteht Ihr bestimmt, wie das mit einer Dachherrin ist.« »Na ja, eigentlich nicht«, gab Rand zu. Ihm war bewußtgeworden, daß er eine ganze Weile lang nur dem Klang ihrer Stimme, aber nicht ihren Worten gelauscht hatte. »Ich bin aber sicher, daß es gut funktioniert.« Sie knurrte ihn an: »Wenn Ihr einmal heiratet«, sagte sie dann mit gepreßter Stimme, »und die Drachen auf Euren Armen Eure Herkunft beweisen, werdet Ihr dann dieser Herkunft folgen, oder werdet Ihr alles bis auf das Kleid Eurer Frau als Euer Eigentum verlangen, wie so ein Wilder aus den Feuchtländern?« »Das ist keineswegs so, wie Ihr behauptet«, protestierte er, »und dort, wo ich herkomme, würde jede Frau einem Mann den Schädel einschlagen, der sie so behandelte. Und außerdem, glaubt Ihr nicht, das sollte zwischen mir und der Frau geregelt werden, die ich wirklich einmal heiraten will?« Wenn überhaupt, dann schmollte sie jetzt noch mehr als vorher.

Zu seiner Erleichterung kam Rhuarc jetzt von seinem Platz an der Spitze der Jindo-Kolonne zu ihm zurückgetrabt. »Wir sind da«, verkündete der Aielmann lächelnd. »Die Kaltfelsenfestung.«

49

Die Kaltfelsenfestung

Rand blickte sich stirnrunzelnd um. Eine Meile vor ihnen ragte eine dichte Gruppe hoher, steiler Spitzkuppen auf, oder vielleicht war es auch nur eine einzige, die von tiefen Rissen durchzogen war. Zu seiner Linken waren mit dürrem Gras bewachsene Flecken zu sehen, dazu blattlose Dornenpflanzen, verstreute Dornbüsche und niedrige Bäume, dahinter ausgetrocknete Hügel und zerklüftete Rinnen, und noch weiter hinten schließlich unregelmäßig geformte Felssäulen und wildgezackte Berge. Zur Rechten war es dasselbe, nur war der durchglühte gelbe Lehmboden ebener, und die Berge waren näher. Alles in allem konnte es jedes beliebige Stück Wüste sein, das sie seit dem Chaendaer gesehen hatten. »Wo?« fragte er.

Rhuarc blickte Aviendha an, die wiederum Rand ansah, als sei der nun vollends übergeschnappt. »Kommt. Ihr sollt die Kaltfelsen mit eigenen Augen sehen.« Der Clanhäuptling ließ seine Schufa auf die Schultern herabrutschen und rannte mit bloßem Kopf auf die zerklüftete Felswand zu.

Die Shaido hatten bereits Halt gemacht, wuselten herum und bauten ihre Zelte auf. Heirn und die Jindo schlossen sich Rhuarc an. Sie trabten mit den Packtieren am Zügel und unbedecktem Kopf jubelnd hinter ihm her. Die Töchter des Speers, die die Händlerkarawane begleiteten, riefen den Fahrern zu, sie sollten sich beeilen und den Jindo hinterherfahren. Eine der Weisen Frauen hob gar den Rock bis an die Knie und rannte zu Rhuarc nach vom. Rand glaubte, es sei Amys, jedenfalls dem hellen Haar nach zu schließen, und Bair konnte ja wohl sicherlich nicht so leichtfüßig laufen. Aber die anderen aus dem Zug der Weisen Frauen behielten ihr bisheriges Tempo bei. Einen Augenblick sah es aus, als wolle Moiraine sich von ihnen entfernen und zu Rand herüberreiten, doch dann zögerte sie und diskutierte mit einer der Weisen Frauen, deren Haar noch durch ihren Schal verborgen war. Schließlich ließ die Aes Sedai ihre weiße Stute wieder neben Egwenes graue und den schwarzen Hengst Lans zurücktraben. Kurz hinter ihnen folgten die weißgekleideten Gai'schain, die ihre Packtiere hinter sich herzogen. Doch auch sie gingen in die gleiche Richtung wie Rhuarc.

Rand beugte sich hinunter und reichte Aviendha die Hand. Als sie den Kopf schüttelte, sagte er: »Wenn sie soviel Lärm machen, kann ich nicht hören, was Ihr da unten sagt. Vielleicht mache ich dann irgendeinen idiotischen Fehler, bloß weil ich Euch nicht verstehe!« Sie knurrte etwas in sich hinein, blickte sich schnell nach den Töchtern des Speers bei der Händlerkarawane um, seufzte dann und packte seinen Arm. Er hievte sie mit einem Ruck hoch, ignorierte ihr empörtes Quieken und setzte sie hinter dem Sattel auf Jeade'en ab. Immer, wenn sie allein aufsteigen wollte, zog sie ihn fast aus dem Sattel. Also besorgte er das lieber. Er ließ ihr einen Moment Zeit, damit sie ihren schweren Rock zurechtziehen konnte, obwohl ihre Beine auch so nur ein Stückchen oberhalb der weichen, kniehohen Stiefel freigelegt worden waren, und dann spornte er den Apfelschimmel zu einem gemäßigten Galopp an. Es war das erste Mal, daß Aviendha mehr als nur Schrittempo erlebte. Sie umschlang seine Taille und preßte sich gegen ihn, um nicht herunterzufallen.