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Er fing sich nach einem Augenblick wieder und verbeugte sich höchst überflüssigerweise. Dabei wischte er sich nervös die Hände an der Jacke ab. »Ich hatte nicht bemerkt, daß du noch... « Er errötete und hörte mit Sprechen auf. Ihm war klar geworden, daß sie es als Beleidigung auffassen könnte, wenn er ihre Anwesenheit übersehen hatte. »Ich meine... ich habe nicht... das heißt, ich... « Er atmete tief durch und begann von neuem: »Ich bin kein solch schlimmer Narr, wie es jetzt aussieht, Lady Elayne. Aber es passiert ja auch nicht jeden Tag, daß einem eine Frau erklärt, sie liebe mich nicht, Lady Elayne.« Sie machte eine übertrieben ernste Miene. »Wenn Ihr mich jemals wieder so anredet, dann werde ich Euch künftig als Lord Drache bezeichnen. Und knicksen. Selbst die Königin von Andor würde einen Knicks vor Euch machen, und ich bin nur die Tochter-Erbin.« »Licht! Bloß das nicht!« Er schien die Drohung übermäßig ernst zu nehmen.

»Das mache ich doch auch nicht im Ernst, Rand«, sagte sie in ruhigerem Ton. »Aber nur, wenn du mich mit meinem Namen anredest. Elayne. Sag es, ja?« »Elayne.« Er sagte das ein wenig linkisch, doch schien er es auch zu genießen, diesen Namen auszusprechen.

»Gut.« Es war idiotisch, daß sie sich so freute, da er schließlich nichts anderes getan hatte, als ihren Namen auszusprechen. Aber es gab da etwas, das sie wissen mußte, bevor sie weitermachen konnte. »Hat es dir sehr weh getan?« Es wurde ihr klar, daß er ihre Worte auf zweierlei Art auslegen könne. »Ich meine, was Egwene dir gesagt hat.« »Nein. Ja. Ein bißchen. Ich weiß nicht. Schließlich war es nur anständig.« Er grinste leicht, und sein Mißtrauen wich ein wenig. »Ich höre mich schon wieder wie ein Narr an, oder?« »Nein. Für mich nicht.« »Ich habe ihr die reine Wahrheit gesagt, aber sie hat mir wohl nicht geglaubt. Ich denke, ich habe es von ihr auch nicht glauben wollen. Nicht wirklich. Und wenn das nicht dumm ist, dann weiß ich auch nicht mehr.« »Wenn du mir noch einmal sagst, du seist ein Narr, dann werde ich anfangen, es zu glauben.« Er wird nicht versuchen, sie irgendwie festzuhalten; darüber muß ich mir also keine Gedanken machen. Ihre Stimme klang ruhig, doch ihr Tonfall sagte ihm, daß sie nicht ganz ernst meinte, was sie ihm erklärte: »Ich habe einmal den Hofnarren eines Lords aus Cairhien gesehen. Er trug einen lustigen, gestreiften Mantel, der ihm viel zu groß war und auf den er Glöckchen genäht hatte. Du würdest reichlich blöd aussehen mit Glöckchen!« »Das glaube ich auch«, sagte er reumütig. »Lektion akzeptiert.« Diesmal war sein Grinsen breiter und erfaßte sein ganzes Gesicht.

Die Schmetterlinge in ihrem Bauch drängten zur Eile, doch sie beschäftigte sich erst einmal damit, ihren Rock glattzustreichen. Sie mußte langsam und vorsichtig vorgehen. Wenn nicht, glaubt er sicher, daß ich nur eine dumme Göre bin. Und er hat auch noch recht damit. Jetzt flatterten bereits ganze Schwärme von Schmetterlingen durch ihren Bauch.

»Möchtest du eine Blume haben?« fragte er plötzlich, und sie zwinkerte verwirrt.

»Eine Blume?« »Ja.« Er schritt zum Bett, hob eine Handvoll Federn von dem zerfetzten Oberbett auf und hielt sie ihr hin. »Ich habe gestern abend eine für die Majhere gemacht. Man hätte denken können, ich habe ihr den ganzen Stein geschenkt. Aber deine wird viel hübscher«, fügte er eilends hinzu. »Viel hübscher, das verspreche ich.« »Rand, ich... « »Ich bin schon vorsichtig. Ich brauche nur ganz wenig von der Macht dazu. Nur einen dünnen Faden, und ich werde wirklich vorsichtig sein.« Vertrauen. Sie mußte ihm vertrauen. Es kam aber doch als kleine Überraschung, als sie feststellte, daß sie ihm tatsächlich vertraute. »Das wäre schön, Rand.« Eine Weile blickte er das flauschige Häufchen in seiner Hand an und runzelte langsam die Stirn. Mit einemmal ließ er dann die Federn fallen und klopfte sich die Hände ab. »Blumen«, sagte er, »sind kein würdiges Geschenk für dich.« Sie hatte Mitleid mit ihm; ganz offensichtlich hatte er Saidin berühren wollen und nichts erreicht. Er verbarg seine Enttäuschung damit, daß er schnell zu dem metallischen Tuch hinüberhinkte und es sich über den Arm legte. »Aber das hier ist ein würdiges Geschenk für die Tochter-Erbin Andors. Du könntest es von einer Schneiderin... « Offensichtlich fiel ihm nicht ein, was eine Schneiderin aus einem vier Schritt langen und kaum zwei Fuß breiten Stück Gold-und-Silber-Tuches machen könne.

»Ich bin sicher, daß einer Schneiderin eine Menge dazu einfällt«, sagte sie ihm diplomatisch. Dann zog sie ein Taschentuch aus dem Ärmel und kniete einen Moment nieder, um die fallengelassenen Federn darin aufzusammeln.

»Die Zimmermädchen werden das doch besorgen«, sagte er, als sie das kleine Bündel in ihrer Gürteltasche verstaute.

»So, das wäre erledigt.« Wie könnte er auch verstehen, daß sie die Federn nur aufheben wollte, weil er die Absicht gehabt hatte, ihr daraus eine Blume zu machen? Er trat von einem Fuß auf den anderen und hielt den glitzernden Stoff auf dem Arm, als wisse er nicht, was er damit anfangen solle. »Die Majhere muß bestimmt Schneiderinnen haben«, sagte sie zu ihm. »Ich gebe das einer von ihnen.« Seine Miene erhellte sich, und er lächelte. Sie hatte keinen Grund, ihm zu sagen, daß sie es verschenken wollte. Dieser Sturmwind von Schmetterlingen ließ sie nicht mehr ruhen. Es mußte nun sein. »Rand... magst du mich?« »Dich mögen?« Er runzelte die Stirn. »Natürlich mag ich dich. Ich mag dich sehr.« Mußte er dreinblicken, als habe er keine Ahnung, was sie meinte? »Ich hab' dich gern, Rand.« Sie war selbst überrascht, daß sie das so ruhig herausbrachte. Ihr Magen schien sich dabei ihrer Kehle zu nähern, während ihre Hände und Füße eiskalt waren. »Mehr als gern.« Das reichte. Sie würde sich nicht zum Narren machen. Er muß zuerst mehr daraus machen als nur ›mögen‹. Beinahe hätte sie hysterisch gekichert. Ich werde mich beherrschen. Er wird nicht erleben, daß ich mich wie ein Bauernmädchen benehme, das ihm schöne Augen macht. Garantiert nicht.

»Ich hab' dich auch gern«, sagte er bedächtig.

»Gewöhnlich falle ich ja nicht so mit der Tür ins Haus.« Nein, das erinnerte ihn nun vielleicht an Berelain. Seine Wangen hatten sich bereits gerötet. Er dachte bestimmt an Berelain! Seng ihn! Ihre Stimme klang glatt wie Seide: »Bald muß ich gehen, Rand. Tear verlassen. Vielleicht werden wir uns monatelang nicht mehr sehen.« Oder niemals mehr, sagte ein dünnes Stimmchen in ihrem Hinterkopf. Sie weigerte sich, darauf zu hören. »Ich konnte nicht weg, ohne dich wissen zu lassen, was ich dir gegenüber empfinde. Und ich... hab' dich sehr, sehr gern.« »Elayne, ich habe dich wirklich auch sehr gern. Ich fühle... ich möchte... « Die hochroten Flecken auf seinen Wangen breiteten sich weiter aus. »Elayne, ich weiß nicht, was ich sagen soll, wie ich... « Plötzlich brannte ihr ganzes Gesicht. Er mußte ja glauben, sie wolle ihn dazu drängen, mehr zu sagen. Stimmt das denn nicht? spottete das kleine Stimmchen, und ihre Wangen wurden noch heißer. »Rand, ich will dich nicht...« Licht! Wie konnte sie das nur ausdrücken? »Ich wollte nur, daß du weißt, was ich empfinde. Das ist alles.« Berelain hätte es nicht dabei bewenden lassen. Berelain hätte sich jetzt wohl um ihn herumgewickelt. Sie sagte sich, daß sie sich nicht von dieser halbnackten Schlampe ausstechen lassen könne. Also trat sie näher an ihn heran, nahm ihm das glitzernde Tuch vom Arm und ließ es zu Boden fallen. Aus irgendeinem Grund kam er ihr größer vor als jemals. »Rand... Rand, ich möchte, daß du mich küßt.« So. Das war draußen.

»Dich küssen?« sagte er, als habe er niemals zuvor vom Küssen gehört. »Elayne, ich will dir nicht mehr versprechen, als ich... Ich meine, es ist nicht, als wären wir verlobt. Nicht, daß ich vorschlagen will, wir sollten uns verloben. Es ist nur... Ich mag dich schrecklich gern, Elayne. Mehr als gern. Ich will nur nicht, daß du glaubst, ich... « Nun mußte sie doch lachen über seine verwirrte Ernsthaftigkeit. »Ich weiß ja nicht, wie das an den Zwei Flüssen ist, aber in Caemlyn wartet man nicht erst auf die Verlobung, bevor man ein Mädchen küßt. Und es bedeutet auch nicht, daß man sich nun verloben müßte. Aber vielleicht weißt du nicht, wie... « Seine Arme legten sich beinahe fordernd um sie, und seine Lippen drückten sich auf ihre. In ihrem Kopf wirbelte alles herum, während sich ihre Zehen in den Pantoffeln krümmten. Einige Zeit später — sie wußte nicht, wie lange — wurde ihr bewußt, daß sie sich an ihn schmiegte, an ihm festhielt, weil ihre Knie zitterten und sie nach Luft rang.