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Oder sah er doch den Hammer an, der unter der Axt an die Wand gelehnt stand? Mat war sich da nicht sicher. »Sie können meine Familie finden. Und warum? Nun, sie haben ihre Gründe, Mat. Genau, wie ich meine habe. Wer kann schon sagen, welche die besseren sind?« »Seng mich, Perrin. Seng mich! Ich will ja g-g... Siehst du? Ich kann es einfach nicht aussprechen. Als wüßte mein Kopf genau, daß ich es tue, wenn ich es ausgesprochen habe. Ich kann es noch nicht einmal in Gedanken ausdrücken!« »Verschiedene Pfade. Wir sind ja auch schon früher auf verschiedene Pfade gelenkt worden.« »Verschiedene Pfade können mich mal!« knurrte Mat. »Ich habe genug von Rand und den Aes Sedai, die mich auf irgendwelche Pfade schubsen. Ich will zur Abwechslung mal dorthin, wo ich will, und tun, was ich will!« Er wandte sich zur Tür, doch Perrins Stimme ließ ihn innehalten.

»Ich hoffe, dein weiterer Weg wird ein glücklicher sein, Mat. Das Licht möge dir hübsche Mädchen schicken und dumme Kerle, die mit dir würfeln wollen.« »Ach, seng mich, Perrin. Das Licht möge dir auch all das gönnen, was du dir wünscht.« »Ich denke schon, daß ich das schaffe.« Es klang nicht unbedingt glücklich.

»Richtest du meinem Pa aus, daß es mir gutgeht? Und meiner Mutter? Sie hat sich immer Sorgen gemacht. Und schau mal nach meinen Schwestern. Sie haben mich sonst immer bespitzelt und meiner Mutter alles erzählt, aber ich möchte trotzdem nicht, daß ihnen etwas zustößt.« »Das verspreche ich dir, Mat.« Mat schloß die Tür hinter sich und schlenderte ziellos weiter durch die Gänge. Seine Schwestern Eldrin und Bodewhin waren immer bereit gewesen, heimzurennen und zu schreien: »Mama, Mat ist schon wieder in Schwierigkeiten. Mat stellt wieder Sachen an!« Besonders Bode war so. Jetzt mußten sie mittlerweile sechzehn und siebzehn sein. Dachten vielleicht schon ans Heiraten. Vielleicht hatten sie schon irgendeinen dummen Bauernlümmel im Visier, ob der Bursche das wußte oder nicht. War er wirklich schon so lange weg? Manchmal schien es ihm, als könne das gar nicht sein. Es war ein Gefühl, als habe er erst vor ein oder zwei Wochen Emondsfeld verlassen. Aber es gab auch Zeiten, wo es ihm wie Jahre vorkam und er sich nur dunkel an die Heimat erinnern konnte. Er erinnerte sich schon daran, wie Eldrin und Bode gegrinst hatten, wenn er Prügel bezogen hatte, aber ihre Gesichter waren unscharf, verschwommen. Die Gesichter seiner eigenen Schwestern! Diese verdammten Lücken in seinem Gedächtnis waren wie Lücken in seinem Leben.

Er sah, daß Berelain auf ihn zukam, und mußte unwillkürlich grinsen. Trotz ihrer Launenhaftigkeit war sie eine prachtvoll gebaute Frau. Dieses enganliegende weiße Seidenkleid war so dünn wie ein Taschentuch, ganz zu schweigen davon, daß es tief genug saß, um eine beträchtliche Menge schönen, blassen Busens zu enthüllen.

Er verbeugte sich elegant und überhöflich. »Einen schönen guten Abend, Lady Berelain.« Sie wollte schon ohne einen Blick vorbeirauschen, da richtete er sich verärgert auf. »Seid Ihr taub und blind, Frau? Ich bin kein Teppich, über den man einfach wegläuft, und ich habe doch wohl höflich genug gegrüßt. Wenn ich Euch in den Hintern kneife, könnt Ihr mir ruhig eine Ohrfeige versetzen, aber bis dahin erwarte ich Höflichkeit als Antwort auf Höflichkeit!« Die Erste blieb abrupt stehen und sah ihn auf diese Art an, die Frauen so an sich haben. Sie hätte ihm ein Hemd stopfen können oder sein Gewicht abschätzen oder überlegen, wann er das letzte Mal gebadet hatte. Alles konnte in diesem Blick liegen. Dann wandte sie sich ab und murmelte etwas in sich hinein. Alles, was er davon aufschnappen konnte, war: »... zu sehr wie ich.« Er blickte ihr verblüfft nach. Kein Wort zu ihm! Dieses Gesicht, dieser Gang, und dann die Nase so hoch in der Luft, daß man sich schon fragen mußte, ob ihre Füße überhaupt den Boden berührten. Das hatte er nun davon, wenn er mit ihresgleichen sprechen wollte, ob es nun Berelain oder Elayne war. Adlige, für die man ein Stück Dreck war, wenn man nicht ein Schloß besaß und einen Stammbaum bis zurück zu Artur Falkenflügel. Na ja, er kannte eine mollige Küchenhilfe — gerade richtig griffig —, die ihn nicht für ein Stück Dreck hielt. Dara knabberte so gern an seinem Ohr, daß ihm dabei...

Sein Gedankenfluß riß plötzlich ab. Da hatte er nun überlegt, ob Dara wach sei und vielleicht Lust zum Schmusen hatte. Er hatte sogar daran gedacht, mit Berelain zu flirten. Ausgerechnet mit Berelain! Und dann die letzten Worte, die er Perrin mitgegeben hatte: Schau mal nach meinen Schwestern. Als habe er sich längst entschieden und wüßte, was er tun wolle. Aber das hatte er nicht. Er ließ sich nicht so einfach in alles hineinziehen. Vielleicht gab es einen anderen Weg.

Er kramte eine Goldmünze aus seiner Tasche, warf sie hoch, fing sie mit einer Hand und klatschte sie auf den anderen Handrücken. Eine Mark aus Tar Valon, wie er erst jetzt bemerkte. Er blickte genau auf die Flamme von Tar Valon, die wie eine stilisierte Träne aussah. »Seng doch alle Aes Sedai!« verkündete er laut. »Und seng Rand al'Thor, weil er mich in das alles hineingezogen hat!« Ein Diener in schwarzgoldener Livree blieb mitten im Schritt stehen und beäugte ihn besorgt. Auf dem silbernen Tablett des Mannes lag ein ganzer Stapel von Verbänden und Tiegeln mit Salben. Sobald ihm bewußt wurde, daß Mat ihn anblickte, fuhr er zusammen.

Mat warf die Goldmark auf das Tablett des Mannes. »Vom größten Narren der Welt. Gib acht, daß du sie auch gut anlegst — für Frauen und Wein!« »D-danke, Herr«, stammelte der Mann wie betäubt.

Mat ließ ihn dort stehen. Der größte Narr der Welt. Bin ich das vielleicht nicht?

14

Die Bräuche in Mayene...

Perrin schüttelte den Kopf, als sich die Tür hinter Mat schloß. Mat würde sich noch eher mit einem Hammer auf den eigenen Kopf schlagen, als zu den Zwei Flüssen zurückkehren. Nicht, solange er eben nicht mußte. Perrin wünschte, er könne auch einen Weg finden, die Heimkehr zu vermeiden. Aber es gab keinen. Das war eine unverrückbare Tatsache. Der Unterschied zwischen Mat und ihm lag darin, daß er bereit war, es zu akzeptieren, auch wenn es ihm widerstrebte.

Als er sein Hemd über den Kopf zog, stöhnte er auf, obwohl er vorsichtig gewesen war. Seine gesamte linke Schulter war ein einziger blauer Fleck, der mittlerweile allerdings eher braun und gelb aussah. Ein Trolloc hatte sich innerhalb der Reichweite seiner Axt verirrt, und nur Failes schneller Messerstich hatte ihn vor schlimmerem bewahrt. So schmerzte es ziemlich beim Waschen, aber es gab ja in Tear sowieso kaum kaltes Wasser.

Er hatte fertig gepackt und war reisefertig. Nur eine Garnitur Wäsche und Oberbekleidung hatte er zum Umziehen am Morgen draußengelassen. Sobald die Sonne aufging, würde er Loial suchen. Es hatte kaum Zweck, den Ogier noch in der Nacht aufzustöbern. Wahrscheinlich lag er schon im Bett, und dort wollte sich Perrin auch bald befinden. Faile stellte das einzige Problem dar, für das er noch keine Lösung gefunden hatte. Aber selbst in Tear zu bleiben wäre für sie noch sicherer, als mit ihm zu gehen.