»Aber du bist nackt und gefesselt und hockst in einer Paga-Taverne.«
»Ich bin eine Frau«, sagte sie lächelnd, »etwas, das ich auf der Erde nie wirklich gewesen bin.«
»Ich verstehe«, sagte ich.
»Wir sind klein und schwach und zart und schön«, fuhr sie fort, »und neigen zum Nachgeben und zum Lieben und selbstlosen Dienen. Wir sehnen uns nach einem Herrn. Erst wenn wir ihn finden, finden wir auch Erfüllung. Und auf Gor«, fuhr sie fort, »blicken wir auf und sehen ihn zu unserer Überraschung vor uns stehen, die Peitsche in der Hand. Sie dulden kein Ausbrechen, die Männer. Ist es da ein Wunder, daß wir sie so sehr lieben?«
»Fürchtest du deinen Herrn auch?« fragte ich.
»Aber ja doch, denn er hat die Macht über Leben und Tod.«
»Und doch findest du ihn erregend?«
»Sehr sogar«, sagte sie, »gefühlsmäßig wie auch physisch. Ich kann nicht in die Nähe eines solchen Mannes gehen, ohne daß mir der Atem stockt und die Glieder zittern.«
»Du bist das Eigentum des Mannes.«
»Ja, voll und ganz.«
»Du bist Sklavin«, sagte ich. »Bist du glücklich?«
»Ja, sehr.«
»Warum?«
»Das Leben als Sklavin bringt meine Fraulichkeit zur vollen Blüte – und mein Herr gibt sich mit nichts weniger zufrieden. Auf Gor bin ich zum erstenmal eine ganze Frau, total erfüllt. Ich bin unglaublich glücklich.«
Als der Morgen dämmerte, lagen wir in tiefer Erschöpfung nebeneinander. Als sie noch einmal zu mir kriechen wollte, schob ich sie grob zur Seite und zog meine Tunika an. Ich mußte früh auf den Piers erscheinen, um mir Arbeit zu beschaffen.
»Sind alle Frauen solche Sklaven wie du?« fragte ich.
Sie lächelte mich aus den Fellen an. »Ja, Herr«, sagte sie.
Ich wandte mich zum Gehen.
»Herr.«
Ich drehte mich noch einmal um.
»Du hast viel gesprochen von dem Umstand, daß ich auf der Erde geboren und jetzt Sklavin bin«, sagte sie.
»Ja.«
»Es gibt da doch ein anderes Mädchen, für das du dich interessierst, nicht wahr?« fragte sie.
»Vielleicht.«
»Ist sie Sklavin?«
»Nein.« Ich hatte ihr die Freiheit gegeben.
»Dann versklave sie!«
»Sie ist anders als du.«
»Das gefällt mir nicht«, sagte das Mädchen offen. »Warum sollte ich Sklavin sein, und sie frei?«
»Wenn sie hier wäre«, sagte ich, »würdest du vor ihr niederknien und ihr gehorchen müssen.«
Das Mädchen, das den Sklavenkragen trug, erschauderte. Sklavinnen haben große Angst vor freien Frauen. Kein Wunder – freie Frauen sind oft äußerst grausam, vielleicht weil sie die Sklavinnen um ihren Eisenreifen beneiden.
Hastig kniete das Mädchen vor mir nieder. »Ich versichere dir, sie ist ebenfalls eine Sklavin.«
»Du kennst sie nicht.«
»Vielleicht bist du es, der sie nicht kennt.«
Ich lachte.
»Reiß die Initiative an dich«, sagte sie. »Nimm ihr die Kleidung, stecke sie in den Kragen, laß sie vor dir niederknien. Du wirst es sehen!«
Lachend schlug ich mir nach goreanischer Art auf die Schenkel, so unsinnig klangen ihre Worte in bezug auf die liebliche Miß Henderson. Sie – eine Sklavin?
»Ist mit dem anderen Mädchen schwer auszukommen?« flüsterte die Sklavin. »Ist sie manchmal abweisend und unangenehm?«
»Vielleicht.«
»Geht sie dir manchmal auf die Nerven?«
»Ja.«
»Darf ich einen Vorschlag machen?« fragte sie.
»Ja.«
»Kauf dir eine Peitsche.«
12
»Vergiß nicht, daß du eine ausgehaltene Frau bist!« sagte ich.
»Ausgehaltene Frau!« rief sie.
»Ich sagte es!«
»Ich sehe mich aber nicht als ausgehaltene Frau.«
»Leider ist es genau das, was du bist«, widersprach ich.
»Wo warst du gestern abend und heute?« wollte sie wissen.
»Ich schulde dir keinen Nachweis über meine Zeit«, erwiderte ich. »Ist mein Abendessen bereit?«
»Ich habe bereits gegessen, mach dir selbst etwas.«
»Das Haus ist schmutzig«, stellte ich fest.
»Solche Arbeiten sind nichts für mich. Wenn du Wert auf Sauberkeit legst, kauf dir eine Sklavin.«
Ich hatte ein kleines Haus gemietet, das einige Querstraßen von den Hafenpiers entfernt lag. Es war klein, aber fest gebaut, wie die meisten goreanischen Häuser, und verfügte über ein Obergeschoß. Bei dem geringen Lohn, den ich auf den Piers erhielt, war es ein wenig teuer für mich, doch andererseits nicht unpraktisch. Oben gab es zwei Schlafzimmer, unten eine Halle, ein Wohnzimmer und eine Küche. Miß Hendersons Schlafzimmer hatte eine Veranda, von der man auf einen kleinen, von einer hohen Mauer umschlossenen Garten blicken konnte.
»Möchtest du lieber wieder in eine Taverne ziehen?«
»Das Haus ist nicht unschön«, erwiderte sie. »Aber es enthält einige beunruhigende Dinge.«
»Und die wären?« In Anbetracht meiner Vermögenslage hielt ich das Haus für ausgesprochen hübsch.
»Am Fuß meiner Schlafcouch hängt ein schwerer Eisenring.«
»Ein Sklavenring«, erklärte ich. »Den Zweck kennst du sicher.«
»Ebenso mißfällt mir der Sklavenkäfig im Vorflur.«
Ich zuckte die Achseln. »Es ist ein goreanisches Haus.«
»Wieviel Geld hast du heute verdient?« wollte sie wissen.
Der Betrag war von Tag zu Tag verschieden, je nach Arbeitsanfall und Art der Arbeit.
»Das geht dich nichts an.«
Ihre Schultern verkrampften sich unter der Verhüllungsrobe, und ihre Augen blitzten zornig über dem Rand des Hausschleiers, unter dem ich vage die Umrisse von Lippen und Mund ausmachen konnte.
»Du hast nichts vom Markt mitgebracht«, stellte sie fest. »Dementsprechend habe ich für dich nur sehr wenig zu essen im Haus.«
»Warst du nicht einkaufen?« fragte ich. »Ich habe dir Geld gegeben.«
»Mir war nicht danach.«
»Dann esse ich auswärts.«
»Das ist aber teuer. Wir haben noch Brot und Trockenfleisch.«
»Ich esse auswärts!«
»Die Mädchen in den Paga-Tavernen sind hübsch, nicht wahr?« fragte sie spitz.
»Das müssen sie auch, sonst würden sie für ihre Herren nicht viel Geld verdienen.«
»Ich habe gehört, daß solche Mädchen ›heißblütig‹ sind.«
»Stimmt.«
»Und wenn sie mal nicht in Stimmung wären?«
»Sie wissen es besser, sich solche Launen nicht zu leisten«, erwiderte ich.
»Ich bin müde«, sagte sie und zog die Robe um ihren Körper zusammen. »Ich gehe nach oben.«
»Laß den Riegel deiner Tür offen«, befahl ich. Sie hatte sich bisher eingeschlossen, was mich störte.
»Es ist mein Schlafzimmer«, stellte sie fest.
»Ich aber bin der Hauptmieter dieses Hauses – nur weil ich damit einverstanden bin, ist der Raum dein Schlafzimmer.«
»Natürlich«, sagte sie abweisend, »ich bin ja deine ausgehaltene Frau!«
»Du kannst jederzeit gehen«, sagte ich. »Verkauf dich an einen impotenten Herrn.«
Mit zornigem Blick wandte sie sich ab und erstieg die Treppe.
Ich lauschte und hörte, wie sie die Tür schloß und den eisernen Riegel vorlegte.
Mit untergeschlagenen Beinen saß ich hinter dem kleinen Küchentisch. Dann erhob ich mich, ging zur Speisekiste, nahm Brot und Trockenfleisch heraus und begann langsam zu kauen. Als ich mit der Mahlzeit fertig war, wischte ich mir den Mund und ging zur Treppe.
Miß Henderson schrie abrupt auf und raffte das Bettzeug um sich zusammen.
Ich stand auf der Schwelle; die Tür hing schief in den Angeln. Der Riegel war mitsamt der Halterung aus der Wand gerissen worden.
Sie kroch auf dem Bett rückwärts gegen die Wand. »Tu mir nichts«, flehte sie. »Ich hätte auch bestimmt die Tür geöffnet!«
Ich trat mit großen Schritten auf sie zu. »Eine Sklavin könnte für eine solche Lüge ihr Leben verlieren«, sagte ich.