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»Nur von einem anderen Mann auf Gor würde ich mich noch lieber kaufen lassen«, sagte sie, »und der hat mich noch nie besessen. Er nimmt kaum Notiz von mir und scheint nicht einmal zu wissen, daß es mich gibt. Doch werde ich beinahe ohnmächtig vor Freude, wenn ich nur daran denke, ihm dienen zu können.«

Ich betrachtete sie. Sie war sehr schön.

»Wer ist es?«

»Bitte zwing mich nicht, seinen Namen auszusprechen, Herr«, sagte sie.

»Schön.«

Stumm lagen wir eine Zeitlang nebeneinander. Stimmengewirr aus dem Hauptraum der Taverne drang zu uns herein.

»Hast du Neues über den Topas erfahren?« fragte ich schließlich.

»Nein, Herr. Aber man vermutet ihn in Victoria.«

»Die Einwohner Victorias«, sagte ich, »scheinen darauf bestehen zu wollen, Policrates seinen Tribut vorzuenthalten.«

»Ja, Herr«, sagte sie lächelnd.

Ich hielt das für ausgesprochen mutig, wußte aber nicht recht, ob es auch klug gehandelt war. Es war die erste Störung in den Beziehungen zu den Piraten seit fünf Jahren. Bei den letzten Unruhen hatten die Piraten der finsteren Festung Feuer über ein Dutzend angelegte Schiffe gebracht, woraufhin der Tribut schleunigst bezahlt worden war. Gewiß, seither waren die Piraten mehr denn je auf die Märkte Victorias angewiesen, um ihre Beute abzusetzen. Angesichts dieser Tatsache glaubten viele Victorianer endlich so sehr am längeren Hebel zu sitzen, daß sie sich von der beschämenden Last des Tributs befreien konnten.

»Was ist das für ein Geräusch?« fragte ich viel später.

»Du hast deine Sklavin sehr glücklich gemacht, Herr«, sagte sie und drängte sich an mich.

»Hörst du es nicht?«

»Ich höre Gespräche und das Klirren von Paga-Kelchen aus der Taverne«, antwortete sie.

»Meine Sandalen!« bellte ich.

Ein goreanisches Kommando muß nicht wiederholt werden. Erschrocken richtete sich Peggy auf und ergriff meine Sandalen. Ich stand in der niedrigen Nische auf und zog meine Tunika an. Unterdessen legte mir Peggy die Sandalen an und schnürte sie zu. Ich legte den Gürtel samt Geldbeutel um. Den Schwertgurt mit der Waffe warf ich mir über die linke Schulter. »Herr?« fragte Peggy.

»Hörst du nichts?« fragte ich.

»Unten in der Taverne ist es still geworden«, sagte sie verängstigt. »Die Gespräche sind verstummt.«

»Hör doch!«

»Ich höre es«, sagte sie. »Was ist das?«

»Eine Alarmstange wird angeschlagen. Im Hafen.«

»Was bedeutet das?«

Ich begann den Ledervorhang vor der Nische aufzuschnallen. »Ich weiß es nicht.«

»Wohin gehst du, Herr?«

»Zum Hafen.«

»Geh nicht!«

Ich riß den Vorhang zur Seite, dann blickte ich zu ihr zurück. Angstvoll kniete sie auf den Fellen.

Ich wandte mich ab und ging mit schnellen Schritten zwischen den Tischen hindurch. Die Männer, die daran saßen, hatten sich noch nicht erhoben. Niemand begegnete meinem Blick. Niemand erbot sich, mich zu begleiten.

»Geh nicht!« riet mir Tasdron.

Ich antwortete nicht, sondern verließ die Taverne und machte mich im Laufschritt auf den Weg zu Hafen.

21

»Zurück, sonst geschieht dir etwas!« rief ein Mann.

Zwei Bürger der Stadt packten mich und zerrten mich in die Menschenmenge. Ich blutete. Meine Tunika war zerschnitten. Das Schwert eines Piraten, trunken im Kreis geführt, hatte mich an der Brust gestreift. Andere Bürger bemühten sich, die Menschenmenge mit Schiffshaken, wie sie beim An- und Ablegen goreanischer Galeeren verwendet werden, zurückzuhalten. Ich spürte das Holz der Stange vor meinem Bauch. Von allen Seiten bedrängten mich Victorianer. Lachend wandte sich der Pirat ab.

»Wo sind die Wächter von Port Cos?« fragte ich. »Wo die Wächter der Ar-Station?« In Victoria hielten sich Soldaten beider Städte auf.

Rauch wallte durch die Luft. Fünf Lagerhäuser und benachbarte Gebäude standen in Flammen.

»Sie bleiben auf ihren Posten«, sagte ein Mann grimmig. »Sie schützen das eigene Hauptquartier.«

»Victoria kümmert sie nicht«, bemerkte ein anderer verbittert.

Ich beobachtete die etwa sechzig Piraten, die sich unangefochten zwischen den Lagerhäusern und Piers bewegten, an denen zwei Piratengaleeren festgemacht hatten. Von Schwertern bedroht, waren einige Stadtbewohner dabei, Ballen auf die Galeeren zu laden. Mehrere Piraten trugen Fackeln.

»Bis morgen ist der Tribut bezahlt«, sagte ein Mann in meiner Nähe.

Etliche Piraten hielten Pagaflaschen in den Händen, aus denen sie sich freizügig bedienten, während sie herumstolzierten und zuweilen innehielten, um mit dem Schwert in einen Ballen zu stechen oder ein Faß umzustoßen, dessen Inhalt sich über die Bretter der Piers ergoß.

Der Mann an der Alarmsäule setzte sein sinnloses Tun fort. Die Piraten gaben sich keine Mühe, dem verzweifelten Treiben Einhalt zu gebieten.

»Wir sind mit fünfzig zu eins in der Überzahl«, sagte ich. »Wir müssen uns auf sie stürzen, sie aufhalten!«

»Sie sind die Herren über Victoria«, sagte der Mann. »Tu nichts Unüberlegtes.«

Ich hörte eine Frau schreien; über den Schultern eines lachenden, kräftigen Piraten liegend, wurde sie an Bord einer Galeere geschleppt.

»Was wird aus ihr?« fragte eine Frau in meiner Nähe entsetzt.

»Wenn sie schön ist«, antwortete ein Mann, »darf sie vielleicht den Männern in der Festung des Policrates dienen. Wenn nicht, wird sie womöglich umgebracht.«

Angstvoll hob die Frau eine Hand an ihren Schleier.

»Ich an deiner Stelle«, fuhr der Mann fort, »würde in der Menge verschwinden und mich verstecken oder fliehen.«

»Aber ich bin frei«, sagte sie.

»Das waren die anderen auch«, sagte der Mann zornig und deutete auf die an der Reling der Piratengaleere festgebundenen Frauen.

Erschrocken wich die Frau zurück.

Ein Stück entfernt entdeckte ich Kliomenes, der seine Männer und die Zwangsarbeiter herumkommandierte.

»Du da, Frau!« rief ein Pirat plötzlich und deutete auf die Verschleierte neben mir. »Tritt vor!«

Die Männer, die die Schiffshaken hielten, senkten erschrocken die Hölzer.

»Tritt vor!«

Die Frau schüttelte den Kopf und versuchte in der Menge zu verschwinden.

»Schleier ab!« befahl der Pirat.

Die Frau wurde aus der Menge gezerrt und endete ebenfalls auf dem Schiff.

»Bestimmt hat sie sich den Kragen insgeheim ersehnt«, äußerte ein Mann.

»Das tun sie doch alle«, bemerkte ein anderer.

Diese Männer kannten natürlich eine Frau wie Miß Beverly Henderson nicht. Sie konnte niemals Sklavin sein.

»Wir werden morgen früh den Tribut zahlen«, sagte ein Victorianer.

»Wir haben keine andere Wahl«, bestätigte jemand.

»Wir hätten uns niemals auflehnen sollen.«

»Stimmt.«

Der Rauch ließ meine Augen tränen. Der Mann an der Alarmsäule hatte aufgegeben. Die Menge blieb stumm. Das Knistern der Flammen war deutlich zu vernehmen.

»Wir haben unsere Lektion begriffen«, sagte einer der Männer.

Ich wandte mich ab und verließ die Menge. Langsamen Schritts verließ ich das Hafengebiet und kehrte zur Taverne des Tasdron zurück.

Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf.

Ich hatte gesehen, wie eine freie Frau Victorias entkleidet wurde, als wäre sie eine Sklavin. Nackt hatte sie vor dem Piraten gekniet, vor Hunderten von Mitbürgern, ehe sie auf das Schiff gebracht wurde.

Entgangen war mir nicht die mangelnde Organisation der Victorianer, ihre Angst, ihre geringe Moral. Ich hatte den Hochmut der Piraten beobachtet, ihre Brandschatzung, ihre Plünderungen.

Und obwohl die Männer Victorias entscheidend in der Überzahl gewesen waren, hatten sie nicht gegen die Piraten gekämpft.

Morgen würde man den Tribut bezahlen.

Ich war mir außerdem darüber klar geworden, daß ich Miß Beverly Henderson doch begehrte, und zwar stärker als jede andere Frau. Ich wollte sie besitzen.

»Nicht!« rief ich. Ich packte die Gestalt, die sich über das Schwert duckte, die Spitze in den Bauch gedrückt, den Griff in eine Fuge des Pflasters geschoben. »Nein!« Es gab einen kurzen Kampf, dann hatte ich das Schwert zur Seite getreten, das durch die Tunika schnitt und zu Boden fiel. Der Mann fiel auf Hände und Knie nieder, erbrach sich und versuchte das Schwert zu packen. Zornig und frustriert schrie er auf, die Klinge in der Hand. Torkelnd richtete er sich auf. »Wer bist du, daß du dich einfach so einmischst?« fauchte er. Die Klinge hebend, stürzte er sich auf mich. Ich sah den Stahl zittern. Er versuchte sic h zu beherrschen und legte am Waffengriff eine Hand über die andere. Ich rührte mich nicht vom Fleck, obwohl die Waffe erneut angehoben wurde. Ich nahm nicht an, daß er wirklich zuschlagen würde. Dann wurde die Waffe wieder gesenkt, und schluchzend sank der Mann gegen eine Wand und sackte daran hinab in eine sitzende Position, das Schwert neben sich auf dem Pflaster. Den Kopf in den Händen bergend, beugte er sich vor. »Wer bist du, daß du dich einmischst!« schluchzte er.