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»Darauf kannst du wetten«, sagte Callimachus lächelnd. »Ihre Rache wäre zweifellos prompt und gnadenlos.«

Tasdron erschauderte. In gewissen Dingen sind Goreaner sehr ungeduldig.

»Glyco, der ja ein Kaufmann aus Port Cos ist, kann sich offen mit Callisthenes treffen, ohne Verdacht zu erwecken. Es wird also keine Mühe machen, Callisthenes hierher zu holen. Anders steht es mit Aemilianus. Kaum anzunehmen, daß wir uns unauffällig mit ihm in Verbindung setzen können. Darin liegt eine gewisse Gefahr. Zweifellos wird er – wie auch Callisthenes – von Spionen der Piraten überwacht.«

»Ich habe Hunger«, sagte ich.

»Peggy!« rief Tasdron laut.

Hastig sprang das Mädchen auf und eilte mit klirrenden Glöckchen herbei. »Ja, Herr?«

»Bring mir Brot und Fleisch«, sagte ich zu ihr.

»Mir auch«, befahl Callimachus und schien durch sie hindurchzusehen.

»Ja, Herr«, bestätigte sie. Ihre Unterlippe zitterte.

»Mir auch«, gab Tasdron auf. »Und bring auch gleich Käse und Datteln mit.«

»Ja, Herr«, sagte sie. »Wünschen die Herren etwas zu trinken?«

»Wasser«, bestellte Callimachus.

Tasdron und ich ließen schwarzen Wein kommen.

»Es wäre ratsam, heute abend keinen Paga zu reichen«, bemerkte Tasdron, als das Mädchen davongehuscht war.

»In der Tat«, sagte Callimachus lächelnd.

»Hast du Angst vor der Zusammenkunft?« fragte Tasdron.

»Natürlich«, sagte Callimachus. »Ich bin kein Dummkopf.«

»Ich hätte gedacht, du hast vor nichts Angst.«

»Nur ein Dummkopf spürt niemals Angst«, äußerte Callimachus.

»Was weißt du von Callisthenes?« wollte ich von Callimachus wissen.

»Er ist Hauptmann der Wächter von Port Cos«, antwortete dieser. »Er kennt sich mit dem Schwert aus. Er ist schlau, ich halte ihn für einen guten Offizier.«

»Er war es doch, der in Port Cos dein Nachfolger war, als du des Dienstes enthoben wurdest.«

»Ja«, sagte Callimachus lächelnd, »aber ich versichere dir, daß ich ihm das nicht vorwerfen werde, auch wird das unsere Zusammenkunft nicht negativ beeinflussen.«

»Wenn er mit dir zusammenarbeiten will«, sagte ich.

»Richtig.«

»Meinst du, er wird sich an dich erinnern?«

»Ich nehme es doch an«, sagte Callimachus nachdenklich.

»Beweise, die vor fünf Jahren von Callimachus in Port Cos vorgelegt wurden, kosteten Callisthenes eine frühe Beförderung; es ging um eine kleine Unterschlagung.«

»Solche Dinge sind nicht selten«, sagte Callimachus, »doch ich wollte sie in meinem Kommando nicht dulden.«

»Ich verstehe«, sagte ich, denn ich respektierte die Kastenehre. Ehre war Ehre, in kleinen wie auch in großen Dingen. Ja, wie kann man wohl in großen Dingen ehrenvoll handeln, wenn man das bei Kleinigkeiten nicht tut?

»Und später«, fuhr Tasdron fort, »waren es die Aussagen Callisthenes’, die zu Callimachus’ Verlust seines Kommandos führten.«

»Er tat seine Pflicht, wie ich zuvor die meine getan hatte«, sagte Callimachus. »Als Soldat kann ich ihm das nic ht vorwerfen. Heute bedaure ich nur, daß ich nicht selbst zurückgetreten bin. Damit hätte ich die Schande der Anhörung, der Ermahnung meiner Offizierskollegen und der öffentlichen Entfernung aus meinen Ämtern entgehen können.«

»Mag dies sein, wie es will«, sagte Tasdron, »jedenfalls sind das alles keine guten Vorzeichen für unsere Pläne.«

»Daran läßt sich nichts mehr ändern«, stellte Callimachus fest. »Wenn ihr wollt, ziehe ich mich aus der Angelegenheit zurück.«

»Unsinn!« sagte Tasdron. »Man erinnert sich in Port Cos voller Zuneigung an dich. Ich weiß das von Glyco. Warum sollte er dich sonst in Victoria aufgesucht haben?«

»Ich verspreche, daß ich mit Callisthenes gut zusammenarbeiten werde«, sagte Callimachus.

»Was wißt ihr über Aemilianus aus Ar-Station?« fragte ich Callimachus und Tasdron.

»Victoria liegt dichter bei Port Cos als bei Ar-Station«, antwortete Tasdron. »Überhaupt ist Ar vorwiegend eine Landmacht. Über Männer wie Aemilianus wissen wir hier wenig. Ich habe sagen hören, er sei ein guter Offizier.«

»Ich weiß nichts über ihn«, antwortete Callimachus, und seine Stimme hatte sich etwas verschärft, »außer daß er aus Ar stammt.«

»Du läßt dir anmerken, daß du mit Cos sympathisierst«, sagte ich warnend. »Es führt wirklich zu nichts, sollten dieser Bursche und du das Bedürfnis verspüren, euch gegenseitig in Stücke zu hauen.«

»Noch dazu in meiner Taverne!« grollte Tasdron.

»Das unmittelbare Problem bleibt ungelöst«, sagte Callimachus. »Wie setzen wir uns mit Aemilianus in Verbindung und bringen ihn zu dieser Zusammenkunft, ohne die Spione des Policrates zu alarmieren?«

»Ich glaube, wir haben keine andere Wahl, als ihn direkt anzusprechen und dabei die unvermeidlichen Risiken einzugehen«, sagte Tasdron.

»Und selbst wenn uns das gelänge«, warf Callimachus ein, »meinst du, daß er als Krieger aus Ar, als Hauptmann, sich so einfach verkleidet und eine Zusammenkunft in Vic toria aufsucht? Bestimmt weiß er, daß es in dieser Stadt viele Leute gibt, die Ar keine Sympathien entgegenbringen. Er wird mißtrauisch sein.«

»Sicher verlangt er, daß das Treffen in seinem Hauptquartier stattfindet«, meinte Tasdron.

»Dann brauchen wir Callisthenes nur dazu zu bringen«, bemerkte Callimachus verbittert, »sich in die Gewalt der Soldaten aus Ar-Station zu begeben.«

»Vielleicht ist er tollkühner, als wir glauben«, sagte ich.

»Ich verstehe das nicht.«

»Weshalb ist er nach Victoria gekommen?« fragte ich.

»Um den Topas zu finden«, sagte Tasdron.

»Ich habe einen Plan!« verkündete ich.

»Und der wäre?«

»Hast du den Hauptschlüssel für die Kragen und Glöckchen deiner Mädchen?«

»Ja«, sagte Tasdron.

Daraufhin zog ich aus meinem Beutel ein Stück Seide. Es umhüllte etwas Schweres, das ich vorsichtig auf den Tisch legte. »Ich glaube, die Sache wird nicht so schwierig, wie ihr vermutet«, sagte ich.

»Ich verstehe«, sagte Tasdron und beäugte das seidenumhüllte Etwas, das ich auf den Tisch gelegt hatte. Es hatte verräterisch geklirrt.

»Herren«, sagte Peggy und stellte ein Tablett auf den Tisch. Darauf standen Teller mit Brot und Fleisch, ein Teller mit Käsesorten, eine Schale Datteln, ein Krug Wasser, ein Topf dampfenden schwarzen Weins, winzige Gefäße mit Zucker und Sahne und drei Kelche. Auf dem Tisch verteilte sie im übrigen kleine Silberlöffel aus Tharna, die zum schwarzen Wein gebraucht wurden, und vor jedem Mann eine mit einem Kailiaukhorn-Griff versehene Eßgabel. Es folgten Fingerhandtücher und eine silberne Handwaschschale aus Tharna-Silber. Als sie fertig war, kniete sie nieder und blickte mich an.

Ich faltete die Seide zur Seite und brachte die kleine dreieckige Glocke, die Halskette und das kleine metallene, rechteckige verschlossene Münzkästchen zum Vorschein.

»Weißt du, was das ist?« fragte ich sie.

»Ja, Herr«, flüsterte sie verängstigt.

»Ausgezeichnet«, sagte Tasdron, »eine ausgezeichnete Idee. Damit erregt sie nicht mehr Aufmerksamkeit als jedes andere Münz-Mädchen auf der Straße.« Und er machte sich daran, sie von ihrem Sklavenkragen und den Glöckchen zu befreien.

»Ob sie wohl Erfolg hat?« fragte Callimachus, nachdem Tasdron das Mädchen belehrt und auf die Straße geschickt hatte.

»Sie ist Sklavin«, antwortete Tasdron. »Es ist durchaus in ihrem Interesse, ihren Auftrag zu erfüllen.«

»Essen wir«, sagte ich. »Ich habe Hunger.«

»Ich auch«, sagte Callimachus.

»Ich auch«, sagte Tasdron.

25

»Florence!« rief ich.

»Herr!« antwortete sie erfreut.

»Du bist es wirklich!« sagte ich lachend.

»Ja.«

»Wie schön, dich zu sehen!«

»Ohne Zweifel ist es für einen Mann schön, mich zu sehen, wie ich jetzt bin«, sagte sie lachend.