»Ich bin wegen der USS Eldridge hier«, sagte ich. »Ein amerikanisches Marineschiff, das 1943 seinen Weg hierher fand. Ihr hattet den Elfenbeinthron damals nicht inne, Eure Majestät, aber ich wette, dass der Herold damals hier war. Ich muss wissen, was damals mit diesem Schiff passiert ist. Wie es möglich war, dass es hierherkam, und was mit ihm passierte, als es hier war.«
Königin Mab drehte ihren großartigen Kopf dem Herold zu, der sich prompt tief verneigte.
»Ich erinnere mich in der Tat an diese Gelegenheit, Eure Majestät. Würde es Euch zusagen, wenn ich ihnen davon erzähle?«
»Zeig es ihnen«, sagte Königin Mab.
Der Herold ballte seine linke Hand zu einer Faust. Rasiermesserscharfe Dornen brachen aus seinem Handrücken. Goldenes Blut troff auf den Boden vor ihm und breitete sich schnell zu einem goldenen Wahrsageteich aus. In diesem Teich erschienen die Bilder aus der Vergangenheit und zeigten uns alles, was der unglücklichen USS Eldridge widerfahren war.
»Eure Welt war im Krieg«, wisperte der Herold. Seine goldenen Augen waren auf die Bilder gerichtet, die sich im Wahrsageteich bildeten. »Die Grenzen der Realität waren durch die vielen Kämpfe und Schlachten schwach geworden. Als also eines eurer Schiffe an unserer Tür klopfte, erlagen wir der Versuchung und ließen es ein. So raffinierte Maschinen waren in dem Schiff; primitiv, aber wirksam. Sie stießen eine Tür auf, die wir lange vergessen hatten, und alles, was wir tun mussten, war, ihnen durchzuhelfen. Ich frage mich, was sie glaubten, wo sie hingekommen seien … Ein Kriegsschiff, ja, aber klein und bemitleidenswert, verglichen mit unseren herrlichen Schiffen. Sie kamen direkt zu uns. Sie wussten nicht, wo sie waren oder in welcher Gefahr sie schwebten.
Wir haben Ewigkeiten mit ihnen gespielt, haben sie gehänselt und gequält, wie es uns gefiel, und erfreuten uns an ihrem Schmerz und ihrem Schrecken. Sie haben so hübsch geweint. Und dann fiel uns ein, was für ein feiner Streich es wäre, wenn man das Schiff und seine Mannschaft auf zarte, aber tödliche Art änderte und wieder heimschickte. Ihren Körper und die Seele korrumpierte und sie als ein spirituelles Pestschiff wieder in eure Welt schickte. Wir haben Stunden darüber gesprochen und suchten nach etwas besonders Süßem, Grausamem und Erheiterndem - aber dieser Aufschub gab der Mannschaft Zeit, sich zu erholen. Der Kapitän der Eldridge übernahm wieder das Kommando, weckte seine Mannschaft und warf die erstaunlichen kleinen Maschinen an. Die zwangen das Tor wieder auf und flohen von unseren Küsten auf der Suche danach. Und nun seht, was dann passierte.«
Die Bilder waren klar und scharf im Wahrsageteich erkennbar. Die USS Eldridge glitt Richtung Meer hinaus. Die Decks waren klebrig und glitschig vor Blut, Exkrementen und anderen Dingen, und die Matrosen rannten panisch hin und her. Sie sprangen über die Toten und Verstümmelten, während der Kapitän von der Brücke aus seine Befehle schrie. Es waren noch genug von der Crew übrig, um die notwendige Arbeit zu tun, auch wenn ihre Gesichter gezeichnet waren von der Erinnerung an den Schmerz, die Wut und den Schrecken. Auf der Brücke sah der Kapitän starr geradeaus. Seine dunklen Augen waren in die Höhlen eingesunken und glühten wie Zündhölzer, die die Hölle ausgespuckt hatte.
Fremde Energien begannen um die Eldridge zu leuchten und zu knistern, als die machtvollen Maschinen, die in die Abteilungen unter Deck gepackt waren, zu arbeiten begannen. Das war der Zeitpunkt, an dem die Elben angriffen.
Große Dreimaster erschienen hinter der Eldridge und überholten sie schon bald, auch wenn es kaum genug Wind gab, um die riesigen Segel zu bauschen. Sie umkreisten das Schiff gemächlich, reizten es und die Mannschaft, bis die Matrosen die Kanonen an Deck bemannten und das Feuer eröffneten. Das kalte Eisen ihrer Munition stanzte Löcher in die hauchdünnen Schiffsrümpfe der Elben und verwandelte die ausgebreiteten Segel in zerfetztes Chaos. Elben tanzten und schimmerten auf ihren Decks. Sie waren zu schnell, um getroffen zu werden, aber auch nicht in der Lage, lange genug stillzustehen, um ihre eigenen Waffen zu benutzen. Die Eldridge blieb bei ihrem pausenlosen Feuer und zerstörte die elbischen Segler Zoll für Zoll.
Die Elbenschiffe fielen zurück, wütend und frustriert, und die Eldridge nahm wieder Fahrt auf.
Elbenlords und -ladies lachten fröhlich hoch oben am Himmel. Sie ritten auf dem Rücken eines Drachen. Nicht einer der hässlichen Lindwürmer, die sie gezwungenermaßen auf der Erde benutzen, sondern ein echter. Unglaublich groß schwebte er über der Eldridge wie ein Adler über der Beute. Die Schiffskanonen schossen auf ihn, aber konnten ihn nicht erreichen, Der Drache öffnete sein riesiges Maul, und brüllende Strahlen flüssigen Feuers strichen über die Decks der Eldridge , verschlangen Matrosen, ließen Kanonen und Munition in die Luft gehen und das Metall verkohlen. Die Elben auf dem Rücken des Drachen zogen prahlerisch unirdische Waffen hervor und jagten große Löcher in die Struktur der Eldridge. Die Soldaten starben zu dutzenden, aber einige standen noch immer hinter den Deckskanonen oder feuerten mit Pistolen oder Gewehren auf den Drachen.
Der Kapitän steuerte sein Schiff unbeirrt weiter direkt ins Herz des Angriffs, selbst als sich die Brücke um ihn herum auflöste. Stur fuhr er in die Richtung, in der er das Portal wusste, das Portal, das ihn und den Rest der Mannschaft nach Hause bringen würde. Ein Tor aus der Hölle, in die er sie gebracht hatte. Selbst als das Schiff um ihn herum auseinanderfiel und auf den Decks das Drachenfeuer brannte, sogar als seine Haut Blasen warf und verkohlte, machte er weiter.
Bis die grünen Nebel sich hoben, gab er nicht nach. Er steuerte die Eldridge hinein, und das Schiff verschwand. Es war endlich sicher vor dem Zorn und der Verachtung der Elben. Mein Herz flog dem Kapitän entgegen. Er hatte keine Ahnung, dass nach Hause zu kommen nicht genug gewesen war. Dass die wunderbare Ausstattung seines Schiffs beschädigt oder vielleicht sogar sabotiert worden war. Dass er nicht in Triumph nach Hause kommen würde, sondern nur zu noch mehr Horror. Weil die Eldridge durch die Hölle gegangen war und diese ihr Zeichen auf ihnen allen hinterlassen hatte.
Die letzten Bilder verblassten im Wahrsageteich, und er war wieder nur goldenes Blut auf dem Boden.
»Wir haben sie am Ende gehen lassen«, sagte der Herold. »Ihre Maschinen waren … nun, interessant; aber ohne unsere Hilfe oder ohne unser Einverständnis hätten sie nie unser Reich verlassen können.«
»Warum?«, fragte Honey. Ihre Stimme war angestrengt und heiser. »Nach allem, was ihr ihnen angetan habt und noch antun wolltet - warum …«
»Sie haben gut gekämpft«, sagte der Herold. »Wir bewundern Tapferkeit. Und indem wir sie erneut durch das Tor gehen ließen, erreichten ihre Wissenschaft und unsere Magie zusammen, was einer allein nicht konnte: es ganz zu öffnen. Eine unerwartete Hintertür in eure Welt. Wir dachten, sie könnte eines Tages nützlich sein.«
»Ihr verdammten Arschlöcher«, sagte Honey.
»Langsam«, murmelte Walker.
»Nein!«, sagte Honey. »Das waren gute Männer, die ihre Pflicht in einem rechtmäßigen Krieg taten. Und ihr -«
»Schsch«, sagte ich. »Sei still.«
»Wir haben dir gegeben, was du wolltest, kleiner Drood«, sagte Königin Mab völlig unbeeindruckt von Honeys Ausbruch. »Jetzt musst du Uns geben, was Wir verlangen. Gib Uns den Torques des Blauen Elfen. Er war nicht an seinem Körper, als er zu uns zurückkehrte, und er ist rechtmäßig Unser.«