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»Penetration an fünf Stellen«, meldete der Geschützoffizier.

»Volle Penetration?« fragte Rod ironisch. Noch lebte sein Schiff, und es wehrte sich tapfer …

Der Admiral fauchte zornig. Das Schiff lag fünfhundert Meter innerhalb dieser violetten Gluthölle — diese Energieblitze hatten es vermutlich nie erreicht, sonst wäre das Feld zusammengebrochen.

»Geschütze: Feuer halten. Zweite Torpedosalve!« befahl Kutuzov.

Wieder strebte eine Wolke schimmernder Geschosse auf das bedrängte Schiff zu.

Überall an der violetten Oberfläche leuchteten weiße Lichtblitze auf, als sie detonierten.

Viele weiße Flecken entstanden im Violett, und die Glutoberfläche begann zu wabern.

Dann aber sah die Mac Arthur wieder genauso aus wie zuvor: ein violetter Feuerballon von einem Kilometer Durchmesser, der von Fäden grünen Lichts festgehalten wurde.

Ein Messesteward reichte Rod eine Tasse Kaffee. Gedankenverloren nippte er. Er schmeckte grauenhaft. »Feuer!« bellte Kutuzov. Hasserfüllt starrte er auf die Bildschirme. »Feuer!«

Plötzlich geschah es. Das Feld der Mac Arthur dehnte sich mächtig aus, wurde blau, gelb — und verschwand. Automatische Sensoren gaben Signal, und die Vergrößerung der Bildschirmkameras wurde erhöht. Das Schiff war noch da.

Der Rumpf glühte rot, und einige Teile waren zusammengeschmolzen. Aber es hätte überhaupt nicht mehr da sein dürfen. Wenn ein Feld zusammenbricht, verdampft alles darin zu Atomen …

»Die müssen da drinnen gebraten worden sein«, sagte Rod mechanisch.

»Da. Feuer!«

Die grünen Lichtspeere flammten auf. Die Mac Arthur veränderte sich langsam, schmolz, verformte sich, gab Dampfwolken von sich. Ein Torpedo schwebte fast langsam auf sie zu. Immer noch feuerten die Laserbatterien, auch als der Torpedo das Schiff traf und explodierte. Als Kutuzov endlich das Feuer einstellen ließ, war nichts mehr übrig als eine Wolke von sehr feinem Staub.

Rod und der Admiral starrten noch sekundenlang ’auf den leeren Bildschirm. Endlich wandte der Admiral sich ab. »Rufen Sie die Boote zurück, Kapitän Michailov. Wir gehen auf Heimatkurs.«

33

Die Landung

Drei nicht sehr große Kegel fallen vom Himmel. In jedem sitzt ein Mann, sicher darin eingebettet wie ein Ei in einem Eierbecher …

Horst Staleys Boot war das erste. Ein kleiner, quadratischer Bildschirm erlaubte ihm den Blick nach vorne, nach hinten hatte er völlig freie Aussicht, etwas zu freie für seinen Geschmack. Abgesehen von seinem Raumanzug war er schutzlos dem Weltraum ausgesetzt. Ein wenig über und hinter ihm flogen zwei weitere Kegel mit flammenden Spitzen. Irgendwo weit unter dem Horizont befanden sich die Mac Arthur und die Lenin.

Es bestand nicht die geringste Chance, dass sein Helmfunkgerät so weit reichte, aber er stellte es trotzdem auf Notruffrequenz und meldete sich immer wieder. Er bekam keine Antwort.

Es war alles viel zu schnell geschehen. Die Kegel hatten plötzlich mit kleinen Steuerdüsen die Spitzen nach vorne geschwenkt, und die Bremsraketen hatten gezündet. Als er dazu kam, die Lenin zu rufen, war es zu spät gewesen. Vielleicht waren die Signalmaate gerade mit etwas anderem beschäftigt gewesen, oder vielleicht war er zu langsam gewesen — irgendwie kam sich Horst auf einmal sehr verlassen vor.

Immer noch fielen sie. Schließlich setzten die Raketen aus.

»Horst!« Das war Whitbreads Stimme. Staley antwortete.

»Horst, diese Dinger versuchen eine Landung!«

»Ja. Also landen wir eben. Was sollen wir sonst tun?«

Darauf gab es keine Antwort. Schweigend fielen die drei kleinen Kegel auf die grüne Welt unten zu. Dann: Eintritt in die Atmosphäre.

Für keinen von ihnen war es das erste Mal. Sie kannten die Farben des Plasmafeldes, das sich vor der Nase eines Landungsboots aufbaut, Farben, die von der Zusammensetzung des Hitzeschildes abhingen. Diesmal aber waren sie dieser Feuerprobe nahezu schutzlos ausgesetzt. Was für Strahlung würde entstehen? Wie viel Hitze?

Whitbreads Stimme drang durch das stärker werdende statische Rauschen zu Staley durch. »Ich versuche, wie so ein Heinzelmännchen zu denken, und das ist nicht leicht.

Sie kannten unsere Anzüge. Sie mussten wissen, wie viel und welche Strahlung sie abschirmen können. Nur, was glauben sie, wie viel können wir aushalten? Welche Hitze?«

»Ich hab’ mich anders entschlossen«, hörte Staley Potter sagen. »Ich werde nicht landen.«

Staley versuchte das Gelächter der beiden anderen zu ignorieren. Er war für drei Leben verantwortlich, und er nahm seine Verantwortung ernst. Er versuchte, seine verkrampften Muskeln zu entspannen, während er auf Hitze, unfühlbare Strahlung, Turbulenz, unkontrollierten Fall, plötzlichen Schmerz und Tod wartete.

Schräg unter ihm zog die fremde Landschaft vorbei, verzerrt durch das glühende Gas, das die Kegelspitze umströmte. Runde Meere, Flussschleifen. Ausgedehnte Stadtgebiete. Eisbedeckte Berge, gegen die das Häusermeer einer unvorstellbar weitläufigen Stadt anbrandete. Dann eine lange Strecke nur Ozean; ob diese verdammten Kegel schwimmfähig waren? Wieder Land. Die Kegel werden langsamer, Einzelheiten werden wahrnehmbar. Nun braust Luft gegen sie an, heftige Windböen zerren an ihnen. Unten ein See, Boote darauf, viele winzige Punkte, ganze Scharen davon. Ein Stück dunkelgrüner Wald, scharf begrenzt, von einem Netz von Straßen durchzogen.

Der Rand von Staleys Kegel öffnete sich, und ein ringförmiger Fallschirm wurde vom Fallwind hochgerissen. Staley wurde tief in seinen Konturensitz gepresst. Eine Minute lang sah er nichts als blauen Himmel. Dann kam der Aufprall, der ihm alle Knochen durcheinanderschüttelte. Er fluchte in sich hinein. Der Kegel schwankte und kippte auf die Seite.

Potters Stimme schrillte in Staleys Ohren. »Ich hab’ die Düsensteuerung gefunden! Ihr müsst so einen Gleitknopf in der Mitte suchen, wenn die Viecher alle Boote gleich gebaut haben. Das ist die Schubkontrolle, und wenn ihr diesen ganzen verdammten Steuerkasten an dem Arm schwenkt, dreht die Düse sich entsprechend.«

Zu dumm, dass er das nicht früher entdeckt hat! dachte Staley. Er sagte: »Komm möglichst tief runter und lass das Ding knapp über dem Boden schweben. Der Treibstoff könnte jeden Augenblick ausgehen. Hast du die Fallschirmauslösung gefunden, Potter?«

»Nöh. Der hängt irgendwo rum. Die Antriebsflamme wird ihn mittlerweile wohl verbrannt haben. Wo seid ihr?«

»Ich bin gelandet. Muss nur erst loskommen …« Staley machte die Gurten los, die ihn festgehalten hatten, und kollerte heraus. Der Sitz war jetzt fast einen halben Meter tiefer im Kegel drinnen. Staley zog seine Waffe und brannte ein Loch hinein, um den Raum dahinter zu untersuchen. Es war alles mit einem komprimierbaren Schaumstoff gefüllt.

»Wenn ihr unten seid, überzeugt euch genau, dass keine Minis in eurem Boot stecken«, befahl er nachdrücklich.

»Verdammt! Bin fast umgekippt«, sagte Whitbreads Stimme. »Es schwebt sich mit diesen Dingen nicht so …«

»Ich seh’ dich, Jonathon!« schrie Potter. »Bleib über der gleichen Stelle, ich komm’ zu dir rüber.«

»Haltet Ausschau nach meinem Fallschirm«, rief Staley.

»Ich seh’ nichts von dir. Wir könnten zwanzig Kilometer von einander entfernt sein. Ich hör’ dich auch nicht sehr deutlich«, antwortete Whitbread.

Staley rappelte sich auf. »Alles zu seiner Zeit«, murmelte er. Er untersuchte das Rettungsboot sehr sorgfältig. Es gab keinerlei Hohlraum, in dem ein Mini sich versteckt und die Landung hätte überstanden haben können, aber er sah zur Vorsicht noch einmal nach. Dann schaltete er wieder auf die Ruffrequenz und versuchte Verbindung mit der Lenin zu bekommen, obwohl er keine Antwort erwartete und auch keine bekam.