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Entschuldigen Sie mich, Kapitän, ich muss in die Station zurück.« Er warf Sally noch einen gehässigen Blick zu. »Ich wusste gar nicht, dass wir Frauen in Zivil als Kadetten anheuern.«

»Zufällig bin ich Senator Fowlers Nichte und auf Anweisung der Admiralität an Bord dieses Schiffs, Commander«, erklärte sie eisig. »Ich bin erstaunt über Ihren Mangel an Manieren. In meiner Familie ist man eine solche Behandlung nicht gewöhnt, und ich bin sicher, dass meine Bekannten bei Hof schockiert sein werden über eine derartige Taktlosigkeit von Seiten eines kaiserlichen Offiziers.«

Frenzi lief rot an und blickte nervös um sich. »Ich bitte um Entschuldigung, Mylady.

Seien Sie versichert, dass mir jede Absicht einer Kränkung fern lag … ich war einfach nicht gefasst, wir bekommen nicht oft Damen an Bord von Kriegsschiffen zu sehen, gewiss nicht so junge und hübsche Damen wie Sie, und bitte tragen Sie mir nichts nach …« Er stotterte immer noch Entschuldigungen, als er sich von der Brücke zurückzog. »Und warum haben Sie ihm nicht die Meinung sagen können?« erkundigte sich Sally.

Rod grinste sie an, sprang dann hastig auf. »Er wird Cranston verständigen, dass ich hier das Kommando habe! Uns bleiben — mal sehen, ungefähr eine Stunde, bis die Nachricht Neuschottland erreicht, noch eine bis die Antwort hier sein kann.« Rod schlug auf die Tasten der Sprechanlage. »An alle Mann. Hier spricht der Kapitän. Start in einhundert fünfundzwanzig Minuten. Start in einhundertfünfundzwanzig Minuten. Wer nicht rechtzeitig an Bord ist, wird zurückgelassen.«

»So ist’s richtig«, rief Sally begeistert. »Soll er doch seine Meldungen abschicken.«

Während Blaine sich umdrehte, um seine Besatzung zur Eile anzutreiben, fand Sally es am klügsten, sich unsichtbar zu machen, und verschwand in ihre Kabine.

Rod hatte noch einen Sprechfunkanruf zu erledigen. »Commander Sinclair!

Verständigen Sie mich sofort, wenn es irgendwelche Verzögerungen bei Ihnen draußen gibt.« Wenn Frenzi ihm mit Verschleppungstaktiken kam, konnte Blaine, wenn er es darauf anlegte, ihn vielleicht erschießen lassen. Versuchen würde er es sicher … vor langer Zeit hatte Rod tagtäglich davon geträumt, Frenzi erschießen lassen zu können.

Meldungen von verschiedenen Trupps kamen herein. Cargill kehrte mit einem Bündel Überstellungsbefehlen und befriedigter Miene auf die Brücke zurück. Die Bootsmänner der Mac Arthur hatten sich, Kopien der Prioritätsbestätigung in der Hand, die besten Männer auf Brigit ausgesucht.

Neue und alte Besatzungsmitglieder hasteten durch das Schiff, rissen beschädigte Teile heraus und bauten eilig Ersatzteile aus den Lagern von Brigit ein, überprüften die Funktion und machten sich an die nächste Aufgabe. Weitere Ersatzteile wurden nur an Bord gebracht und verstaut, um später anstelle von Sinclairs zweifelhaft aussehenden Notlösungen  eingebaut zu werden … wenn überhaupt sich noch jemand zurechtfand damit. Es war schwer genug, herauszubekommen, was jeweils in diesen geheimnisvollen schwarzen Kästchen drin war. Rod erspähte einen Mikrowellenheizer und ließ ihn in die Offiziersmesse bringen; das würde Cargill besänftigen.

Als das Auftanken beinahe abgeschlossen war, legte Rod seinen Druckanzug an und ging nach draußen. Nicht, dass seine Aufsicht nötig gewesen wäre, aber es war gut, wenn die Besatzung merkte, dass der ›Alte‹ sich selbst um alles kümmerte. Sobald er unter offenem Himmel war, hielt Rod Ausschau nach dem fremden Schiff.

Das Angesicht Gottes blickte ihn aus dem Weltraum an.

Der Kohlensack war ein Staub- und Gasnebel, nicht besonders groß — vierundzwanzig bis dreißig Lichtjahre im Durchmesser —, aber ziemlich dicht, und Neukaledonia stand ihm nahe genug, dass er hier ein Viertel des Himmels verdunkelte. Die Erde und der Zentralplanet des Imperiums, Sparta, beziehungsweise ihre Sonnen, lagen jenseits davon und waren von hier nie zu sehen. Das Dunkel des Nebels verbarg einen Großteil des Imperiums, doch es lieferte einen grandiosen, samtenen Hintergrund für zwei nahe beisammenstehende, helle Sterne.

Selbst ohne diesen Hintergrund wäre Murchesons Auge leicht als der hellste Stern dieses Himmels zu erkennen gewesen — eine große, rote Riesensonne, die fünfunddreißig Lichtjahre entfernt ihre Bahn zog. Der weiße Fleck an ihrem Rand war ein gelber Zwergstern — der kleinere, weniger helle und interessante dieses Doppelsternsystems: der Splitter. Der Kohlensack hatte von hier gesehen den Umriss eines Mannes mit Kapuze, Kopf und Schultern — und der rote Superriese war sein wachsames, missmutiges Auge.

Das Angesicht Gottes. Im ganzen Imperium war dieser Ausblick berühmt, dieses außergewöhnliche Bild des Kohlensacks von Neukaledonia aus. Auf den Fotos war es nicht mehr als eben der Kohlensack. Wenn man aber selbst in der Kälte des Raums stand und hinauf schaute, war es etwas anderes.

Und vom Splitter im Auge Gottes kam etwas auf ihn zu, das er nicht sehen konnte.

6

Das Lichtsegel

Mit nur einem Grav schwenkte die Mac Arthur auf den exakten Abfangkurs ein, aber es war trotzdem nicht angenehm. Rod wurde von elastischen Gurten in seinem Sitz festgehalten, denn die Schwere änderte sich ständig, wenn auch nicht stark. Er nahm an, dass sich bald alle nach diesen letzten Minuten normaler Schwere sehnen würden, auch wenn jetzt bei manchen der Magen protestieren mochte.

Kevin Renner war Maat auf einem interstellaren Handelsschiff gewesen, bevor er der Steuermann der Mac Arthur geworden war. Er war ein hagerer Mann mit schmalem Gesicht, zehn Jahre älter als Blaine. Als Rod mit seinem Beschleunigungssitz hinter ihn rollte, verglich Renner eben verschiedene Kurven auf einem Bildschirm. Sein selbstzufriedenes Lächeln war für einen Flottenoffizier beinahe ungehörig.

»Haben Sie unseren Kurs, Leutnant Renner?« »Gewiss, Sir«, antwortete Kevin Renner genüsslich. »Direkt in die Sonne mit vier Ge!«

Blaine verspürte das unwiderstehliche Bedürfnis, diesem Grinsen auf den Grund zu kommen. »Also, dann mal los.«

Im ganzen Schiff ertönten Warnsignale, und dann beschleunigte die Mac Arthur.

Mannschaft und Passagiere spürten, wie ihr zunehmendes Gewicht sie immer tiefer in die Konturensitze, Andruckliegen und Hydraulikbetten presste, und noch mehrere Tage hatte mancher das Gefühl, viel zuviel zu wiegen. »Sie haben einen Witz gemacht, ja?« fragte Blaine. Der Navigator blickte ihn prüfend an. »Sie wussten, dass wir es mit einem Lichtsegelantrieb zu tun haben, Sir?« »Natürlich.« »Dann sehen Sie mal her.« Renners flinke Finger ließen eine grüne Kurve auf dem Bildschirm entstehen, eine steil nach rechts ansteigende Parabel. »Das pro Quadratzentimeter Segelfläche einfallende Licht nimmt proportional zum Quadrat der Entfernung von der Sonne ab. Die Beschleunigung, negativ oder positiv, hängt direkt von der vom Segel reflektierten Lichtmenge ab.«

»Selbstverständlich, Mr. Renner. Kommen Sie zur Sache.«

Renner ließ eine zweite Parabel aufleuchten, eine blaue, die der ersten jedoch ziemlich ähnlich war. »Auch der Sonnenwind kann ein Lichtsegel bewegen. Der Schub variiert nach einer ähnlichen Funktion. Der wichtige Unterschied besteht darin, dass der Sonnenwind sich aus Kernpartikeln zusammensetzt. Sie bleiben am Segel haften, wo sie auftreffen. Ihr Impuls wird also direkt übertragen — und der Impulsvektor ist immer radial von der Sonne weg gerichtet.«

»Man kann nicht dagegen ankreuzen«, erkannte Blaine unvermittelt. »Gegen das Licht kann man kreuzen, wenn man das Segel schräg stellt, aber der Sonnenwind treibt einen immer gerade von der Sonne weg.«

»Richtig. Also, Kapitän, nehmen Sie nun mal an, dass Sie mit sieben Prozent der Lichtgeschwindigkeit in ein System hineinschießen, was Ihnen der Himmel ersparen möge — und Sie wollen halt machen. Was würden Sie tun?«

»Soviel Masse loswerden wie möglich«, überlegte Blaine. »Hmm. Ich sehe nicht ein, warum das ein Problem sein soll. Sie müssen ja mit derselben Methode losgeflogen sein.«