Выбрать главу

Im vorderen Brückenraum lehnte sich ein Steuermannsmaat in die Polsterung seiner Liege zurück. Sein Kamerad beugte sich zu ihm herüber, bis sich ihre Helme berührten.

Dann schalteten sie einen Augenblick ihre Helmradios aus, und Obermaat Orontez bemerkte zu seinem Kameraden: »Mein Bruder wollte, dass ich ihm auf seiner Sumpfranch auf Aphrodite helfe, und ich fand, das sei verdammt zu gefährlich. Und jetzt riskier ich meine Haut in der Flotte.«

»Commander Sinclair, haben wir genug Energie für eine Meldung an das Oberkommando?«

»Aye, Käptn, die Maschinen arbeiten prima. Das Ding da is’ nich’ so massig, wie wir zuerst dachten, und Wasserstoff haben wir noch genug.«

»Gut.« Blaine rief den Funkraum an, um seine Meldung aussenden zu lassen: Fremde Raumkapsel an Bord. Zylinder, Achsenverhältnis vier zu eins. Gleichförmig metallisches Aussehen, aber genauere Untersuchung erst möglich, wenn Beschleunigung reduziert werden kann. Schlage vor, dass Lermontov Segel birgt, das ohne Kapsel rasch Geschwindigkeit verlieren wird. Geschätzte Ankunftszeit auf Neuschottland … Schlage vor, Mac Arthur in Parkorbit um unbesiedelten Mond von Neuschottland zu bringen. Kein Anzeichen von Leben oder sonstiger Aktivität an Bord fremder Raumkapsel, aber …

Das war ein sehr großes Aber, sagte sich Rod. Was genau stellte die Kapsel dar? Hatte sie ihn absichtlich beschossen? Wurde sie von einem Piloten gesteuert, oder war es möglich, dass ein Roboter sie im normalen Raum Lichtjahre weit navigiert hatte? Wer oder was immer die Kapsel lenkte, was würde es davon halten, auf dem Hangardeck eines Kriegsschiffs eingeklemmt zu sein, unrühmlich losgeschnitten von seinem Segel nach einer Reise von fünfunddreißig Lichtjahren?

Und er hatte keine Möglichkeit, die Antwort auf diese Fragen herauszufinden. Nicht die geringste. Die Lage der Mac Arthur war zwar nicht mehr kritisch, und Renner war ein guter Astrogator — doch weder Blaine noch Cargill konnte seinen Posten verlassen, und er dachte nicht daran, irgendeinen grünen jungen Offizier dieses Ding untersuchen zu lassen.

»Ist es vorbei?« In Sallys Stimme lag ein etwas kläglicher Ton. »Ist alles in Ordnung?«

»Ja.« Rod schauderte unwillkürlich bei dem Gedanken, was alles hätte geschehen können. »Ja, wir haben die Kapsel an Bord, und wir wissen nicht mehr darüber als Größe und Form. Unsere Funksignale werden nicht beantwortet.« Warum nur verspürte er eine leise Regung von Genugtuung, dass sie genauso wie alle anderen einfach warten würde müssen?

Die Mac Arthur raste weiter, schräg an der Sonne vorbei und in so engem Bogen hinter ihr herum, dass sich bereits ein Reibungseffekt von der Korona bemerkbar machte.

Renners Kurs war jedoch fehlerlos berechnet, und das Feld arbeitete zufriedenstellend.

Nun konnten sie nur noch warten.

Bei zwei Grav konnte Rod endlich die Brücke verlassen. Mühsam stand er auf, ließ sich dankbar in einen Rollsitz fallen und fuhr los nach achtern. Er benützte mehrere Lifte, die ihn nach ›unten‹ brachten, denn das Heck war bei beschleunigtem Flug ja unten; auf jedem Deck machte er halt und nickte den Männern zu, die schon viel zu lange auf ihren Posten waren, aber trotzdem ihren Dienst mit Eifer und Begeisterung versahen. Die Mac Arthur musste das beste Schiff der ganzen Flotte sein … und er würde dafür sorgen, dass sie es blieb!

Als er Kelleys Standort an der Luftschleuse zum Hangardeck erreichte, gab es noch immer nichts Neues zu berichten.

»Sie sehen, dass da eine Luke oder so was ist, Sir«, sagte Kelley. Er leuchtete mit seiner Handlampe hin. Als der Lichtstrahl über die fremde Raumsonde glitt, sah Rod auch die kläglichen Reste seiner Boote, die gegen die stählernen Decks geschmettert worden waren.

»Und es hat sich nichts gerührt?«

»Nicht das geringste, Kapitän. Das Ding kam herein, donnerte gegen die Decks — hat mich ganz schön gegen das Schott geschmissen. Es war nicht sonderlich schnell, aber es hatte ’ne ganz schöne Wucht dahinter. Na, und seitdem nichts. Meine Leute, ich, die Kadetten, die sich hier rumtreiben, keiner hat was gesehen, Käptn.«

»Ist vielleicht besser so«, murmelte Rod. Er holte seine eigene Lampe heraus und sah sich den ungeheuren Zylinder genauer an. Die obere Hälfte verschwand im gleichförmigen Schwarz des Schutzfeldes.

Der Lichtstrahl streifte eine Reihe kegelförmiger Vorsprünge — jeder von ungefähr einem Meter Durchmesser und etwa dreimal so lang. Rod suchte die Kegel ab, aber es war nichts zu finden — keine Leinenenden hingen daran, keine Öffnungen waren an der Spitze zu erkennen, durch die die Leine vielleicht hätte eingezogen werden können.

Nichts.

»Bewachen Sie das Ding weiter, Kelley. Ich möchte, dass es nicht eine Sekunde aus den Augen gelassen wird.« Kapitän Rod Blaine kehrte hierauf zur Brücke zurück, nicht weiser als zuvor, und starrte auf seine Bildschirme. Unbewusst rieb er sich über den Nasenrücken. Was um Himmels willen hatte er da eingefangen?

8

Der Fremde

Blaine stand in mustergültiger Haltung stramm vor dem wuchtigen Schreibtisch.

Flottenadmiral Howland Cranston, Oberbefehlshaber der Streitkräfte Seiner Majestät im Sektor Trans-Kohlensack, funkelte Rod über die Rosenteakplatte hinweg an, deren erlesene Schnitzerei Rod fasziniert hätte, wäre die Situation etwas weniger geladen gewesen. Der Admiral blätterte in einem dicken Stoß von Papieren.

»Wissen Sie, was das ist, Kapitän?«

»Nein, Sir.«

»Forderungen nach Ihrer Entlassung aus dem Dienst. Die halbe Fakultät der kaiserlichen Universität. Etliche Geistliche der Kirche, sogar ein Bischof. Der Generalsekretär der Humanitätsliga. Jede weichherzige Seele, die’s auf dieser Seite des Kohlensacks gibt, schreit nach Ihrem Skalp.«

»Ja, Sir.« Etwas anderes konnte man dazu wohl kaum sagen. Rod stand weiter stramm und wartete, dass das Unwetter vorüberginge. Was würde sein Vater denken? Würde irgend jemand ihn verstehen?

Cranston starrte ihn schon wieder an. Seine Augen waren jedoch völlig ausdruckslos.

Seine Alltagsuniform war ziemlich formlos. Die Bänder von einem Dutzend Auszeichnungen zeugten von der Laufbahn eines Offiziers, der sich wie seinen Untergebenen immer das Äußerste abverlangt hatte.

»Sie haben die ersten fremden Intelligenzen beschossen, mit denen die menschliche Rasse je in Kontakt kam«, fuhr Cranston eisig fort. »Sie machten die Sonde manövrierunfähig. Es wird Ihnen ja bekannt sein, dass wir nur ein Wesen darin fanden und dass es tot ist? Vermutlich Versagen des Lebenserhaltungssystems.« Cranston spielte mit dem Stoß von Papieren und schob ihn dann heftig fort. »Diese verdammten Zivilisten. Immer müssen sie sich in Flottenangelegenheiten einmischen. Dadurch bleibt mir keine andere Wahl.

Nun gut: Kapitän Blaine, als Flottenadmiral dieses Sektors bestätige ich hiermit Ihre Beförderung zum Kapitän und ernenne Sie zum Kommandanten des Raumkreuzers Mac Arthur der Flotte Seiner Majestät. — Sie können sich setzen.« Während Rod verdattert nach einem Stuhl Ausschau hielt, knurrte Cranston: »Ich werde es diesen Idioten schon zeigen. Mir in meine Kompetenzen pfuschen, ja? Blaine, Sie haben unverschämtes Glück. Die Kommission hätte zwar Ihre Beförderung bestätigt, aber ohne diesen Vorfall hätten Sie das Schiff nie behalten dürfen.«

»Ja, Sir.« Es stimmte nur zu genau, was Cranston sagte, aber nichtsdestotrotz konnte Rod einen Anflug von Stolz in seiner Stimme nicht unterdrücken. Die Mac Arthur gehörte ihm — »Sir? Konnte man etwas Neues über die Sonde herausfinden? Seit wir sie in der Umlaufbahn parkten, hatte ich in den Werften zu tun, um die Mac Arthur überholen zu lassen.«