»Ich werde einen Bogen um dieses Ende machen«, versicherte Whitbread.
»Wird gut sein. Die Intensität des Feldes würde vermutlich Ihre Instrumente ruinieren.
Ihr Nervensystem könnte auch etwas abkriegen.«
Das fremde Schiff war jetzt sehr nahe. Whitbread bremste mit ein paar kurzen Düsenstößen weiter ab. Wenn die kleinen Richtungsdüsen feuerten, klang das in der Kabine wie aufplatzendes Popcorn.
»Sehen Sie etwas wie eine Luftschleuse?«
»Nein, Sir.«
»öffnen Sie Ihre eigene Luftschleuse. Vielleicht macht das Beispiel Schule.« »Aye, aye, Sir.« Whitbread konnte das fremde Wesen in seiner durchsichtigen Kabinenkuppel sehen. Es beobachtete ihn, ohne sich zu rühren, und es erinnerte sehr an die Fotos, die er von dem toten Wesen aus der Sonde gesehen hatte. Jonathon Whitbread sah ein Geschöpf mit einem schiefen, halslosen Kopf, weichem braunen Fell, einem muskulösen linken Arm, der irgend etwas festhielt, und zwei schlanken, rechten Armen, die sich ganz unglaublich schnell bewegten. Was sie taten, war nicht zu erkennen.
Whitbread öffnete seine Luftschleuse und begann zu warten.
Wenigstens hatte das Split noch nicht auf ihn geschossen.
Die Technikerin war fasziniert. Sie bemerkte das winzige Boot in ihrer Nähe kaum. Bei dem gab es nichts Neues zu erfahren. Das große Schiff dagegen! Es war von einem seltsamen Feld umgeben. Die Technikerin hatte nie gedacht, dass es so etwas geben könne. Das Feld wurde von einem halben Dutzend ihrer Instrumente registriert. Andere konnten die Energiehülle teilweise durchdringen. Die Technikerin wusste bereits genug über das Kriegsschiff, um Kapitän Blaine einen Herzschlag beizubringen, hätte er das ahnen können. Aber das war noch lange nicht genug, um eine Technikerin zufrieden zustellen.
Diese Geräte! Das Metall!
Die gewölbte Tür des kleinen Schiffs ging jetzt auf. Lichter blinkten. Muster elektromagnetischer Energie strömten zwischen den Schiffen hin und her. Die Signale waren für einen Techniker bedeutungslos.
Die Geräte des Schiffes waren es, was sie interessierte. Und das Feld, mit seinen rätselhaften Eigenschaften, dem nur vermuteten Prinzip, das ihm zugrunde lag. Die Technikerin war bereit, den Rest ihres Lebens der Lösung dieser Geheimnisse zu widmen. Für einen Blick auf den Generator wäre sie gerne gestorben. Der Antrieb des großen Schiffs war anders als jeder Fusionsantrieb, von dem die Technikerin je gehört hatte. Seine Funktionsweise hing anscheinend auch mit dem Grundprinzip jener rätselhaften Energiehülle zusammen.
Wie konnte sie an Bord kommen? Wie konnte sie durch diese Hülle kommen?
Intuition war für eine Technikerin ungewöhnlich, aber sie begann zu begreifen …
Dieses kleine Schiff … versuchte es mit ihr zu reden? Es war aus dem großen Schiff gekommen. Das hieß …
Das kleine Schiff war ein Verbindungsglied zu dem großen, es versprach Zugang zu den Geheimnissen jener Krafthülle, ihrer Technologie, ihrem plötzlichen Erscheinen.
Sie vergaß die Gefahr. Sie vergaß alles in dem brennenden Verlangen, mehr über dieses Feld zu erfahren. Die Technikerin öffnete ihre Luftschleuse und wartete ab, was geschehen würde.
»Mr. Whitbread, Ihr Fremdling da draußen versucht, die Mac Arthur mit Sondierstrahlen zu untersuchen«, sagte Kapitän Blaine. »Commander Cargill meint, er hätte sie blockiert. Wenn das den Fremden misstrauisch macht, ist das nicht zu ändern. Hat er bei Ihnen irgendeine Sondierung versucht?« »Nein, Sir.« Rod zog die Brauen zusammen und rieb sich die Nasenwurzel. »Sind Sie sicher?«
»Ich habe meine Instrumente im Auge behalten, Sir.«
»Das ist sonderbar. Ihr Boot ist kleiner, aber so viel näher. Man sollte meinen, dass er doch eher …«
»Die Luftschleuse!« rief Whitbread. »Sir, das Split hat seine Luftschleuse geöffnet.«
»Ich seh’s. Im Rumpf ist ein rundes Loch aufgegangen. Meinen Sie das?«
»Ja, Sir. Es kommt aber nichts heraus. Ich kann durch die Öffnung die ganze Kabine sehen. Das Split sitzt vor irgendwelchen Instrumenten — Sir, darf ich hinein?«
»Hmmm. Gut. Passen Sie auf sich auf. Bleiben Sie in Verbindung mit uns. Und alles Gute, Whitbread.« Jonathon blieb noch einen Augenblick lang sitzen, um sich zu fassen.
Er hatte beinahe gehofft, der Kapitän würde es als zu gefährlich verbieten. Aber natürlich waren Kadetten entbehrlich …
Whitbread hielt sich in der Öffnung seiner Luftschleuse fest. Das fremde Schiff lag sehr nahe. Und dann sahen alle auf der Mac Arthur, wie er sich abstieß und hinübertrieb.
Eine Region des Bootsrumpfes hatte sich wie eine Haut gedehnt, so dass eine Art nach innen führender Trichter entstanden war. Seltsame Art, eine Luftschleuse zu konstruieren, dachte Whitbread. Er bremste sich mit den kleinen Rückstoßdüsen seines Anzugs ab, als er in den Trichter hineinschwebte, geradewegs auf das Split zu, das wartend dastand.
Das fremde Wesen hatte nichts am Leib als seinen weichen, braunen Pelz und vier dicke, schwarze Haarpolster, eins unter jedem Arm und eins in der Leistengegend. »Ich seh nichts, was die Luft zurückhalten könnte, aber es muss einfach Luft da drinnen sein«, sagte Whitbread in sein Helmmikrofon. Einen Augenblick später wusste er es. Er war in unsichtbaren Honig geraten.
Hinter seinem Rücken schloss sich die Luftschleuse.
Er geriet beinahe in Panik. Wie eine Fliege in Bernstein gefangen, konnte er weder vor noch zurück. Er stak in einem hundert-dreißig Zentimeter hohen Loch, das gerade auf die Größe des fremden Wesens zugeschnitten war. Es stand vor ihm, auf der anderen Seite jener unsichtbaren Wand, und betrachtete ihn mit ausdruckslosem Gesicht.
Das Split. Es war kleiner als das andere, das tote aus der Sonde. Seine Färbung war anders — sein brauner Pelz wies keine weißen Flecken auf. Noch einen anderen, feineren, weniger offensichtlichen Unterschied gab es … vielleicht der Unterschied zwischen Lebendigem und Totem, vielleicht etwas anderes.
Das Split wirkte nicht abstoßend oder erschreckend. Sein glattes Fell sah aus wie das der Dobermann-Pinscher, die Whitbreads Mutter züchtete, aber dieses Wesen war nicht gefährlich. Whitbread hätte ihm gern über den Pelz gestreichelt.
Das Gesicht war für menschliche Begriffe eine abstrakte Maske, ausdruckslos bis auf die leichte Aufwärtskrümmung des lippenlosen Mundes, die wie ein leichtes, sardonisches Lächeln wirkte. Klein, plattfüßig, bepelzt, mit karikaturhaften Zügen — Es sieht aus wie ein Wesen aus so einem Zeichentrickfilm für Kinder, dachte Whitbread.
Wie konnte man sich vor einem solchen Wesen fürchten?
Aber Jonathon Whitbread kauerte in einem engen Loch, das viel zu niedrig für ihn war, und das fremde Wesen schien das ganz in Ordnung zu finden.
Die Kabine war ein unübersichtliches Durcheinander von vollgestopften Instrumentenborden, Geräten, Winkeln und Ritzen. Winzige Gesichter spähten aus den Schatten zu ihm herüber. Tiere! Ungeziefer? Ratten? Das Schiff wimmelte davon.
Waren sie eine Art Nahrungsvorrat? Das Split schien es nicht zu stören, dass eins der Tiere aus seinem Schlupfwinkel huschte, dann ein zweites, und sich in raschen Sprüngen näher wagte, um den Fremden neugierig zu begutachten.
Sie waren groß, viel größer als Ratten, erheblich kleiner als Menschen. Sie lugten aus allen Ecken hervor, neugierig, aber scheu. Eins huschte ganz nahe vorbei, so dass Whitbread es ziemlich deutlich sehen konnte. Es war ein winziges Split!
Die Situation war schwierig für die Technikerin. Das Hereinkommen des Fremden hätte ihr eine Antwort auf viele Fragen bringen sollen, aber es warf nur neue auf.