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Nun, dachte er, zumindest hab ich’s versucht. Und vielleicht hat es doch gewirkt …

In einem Kriegsschiff ist Luxus etwas Relatives.

Die Kabine des Geschützoffiziers Crawford war so groß wie sein Bett. Wenn die Pritsche in die Wand geklappt war, hatte er gerade Platz, sich umzuziehen und an einem winzigen Becken die Zähne zu putzen. Wenn er das Bett zum Schlafen herunterklappen wollte, musste er auf den Gang hinaustreten. Und da er für einen Raumfahrer überdurchschnittlich groß war, hatte Crawford sich daran gewöhnen müssen, mit angezogenen Beinen zu schlafen.

Ein Bett und eine Tür mit einem Schloss anstelle einer Hängematte oder einer Koje neben vielen anderen: das war Luxus. Er wäre bereit gewesen, diesen Luxus zu verteidigen, aber er hatte beim Auslosen den kürzeren gezogen. Jetzt musste er im Kutter der Mac Arthur schlafen, während sich dieses fremde Scheusal in seinem Quartier breit machte.

»Sie ist nur etwas über einen Meter groß, natürlich hat sie Platz«, meinte Sally Fowler besorgt. »Aber es ist doch nur ein winziger Raum. Glauben Sie, dass sie es aushält?

Andernfalls müssen wir sie im Freizeitraum lassen.«

»Ich habe die Kabine von ihrem Boot gesehen, die war auch nicht größer. Und ob sie es aushalten wird«, sagte Whitbread. Es war jetzt schon zu spät, um im Geschützraum noch zu etwas Schlaf zu kommen, und er hatte schließlich die Pflicht, den Wissenschaftlern alles zu sagen, was er wusste: Das war zumindest eine gute Ausrede, wenn Cargill wissen wollte, warum er sich so viel in Sallys Nähe herumtrieb. »Ich nehme an, Sie haben ja jemanden beauftragt, sie übers Vidifon zu beobachten.«

Sally nickte. Whitbread folgte ihr in den Aufenthaltsraum, der zu einer Mischung von Labor und Zoo umfunktioniert worden war. Ein Teil des Raums war durch ein Drahtnetz abgetrennt worden. Die beiden Miniexemplare waren darin untergebracht. Eines knabberte an einem Kohlkopf, wobei es alle vier Arme zum Festhalten benutzte. Das andere, dessen Leib von der Schwangerschaft angeschwollen war, spielte mit einer Taschenlampe.

Ganz wie ein Äffchen, dachte Whitbread. Er hatte jetzt zum ersten Mal Gelegenheit, sich die kleinen Splits genauer anzuschauen. Ihr Pelz war dicker und braun und gelb gescheckt, während das große rein braun gefärbt war. Die vier Arme waren nahezu gleich, nur hatten die linken Hände fünf Finger, die rechten sechs. Die Gelenke waren jedoch auf beiden Seiten gleich gebaut, die Arme gleichermaßen schlank. Trotzdem waren die Muskeln der oberen linken Schulter an der Oberseite des Schädels verankert.

Wozu, wenn nicht für mehr Kraft und bessere Hebelwirkung?

Whitbread war entzückt, als Sally ihn zu einem kleinen Ecktisch abseits der diskutierenden Biologen führte. Er holte Kaffee für sie beide und stellte ihr Fragen über die seltsame Muskulatur der kleinen Exemplare; das war nicht gerade das, worüber er gern mit ihr gesprochen hätte, aber es war wenigstens ein Anfang …

»Wir glauben, dieser Schultermuskel ist rudimentär«, sagte sie. »Sie brauchen ihn offensichtlich nicht; die linken Arme sind sowieso nicht für schwerere Arbeiten gebaut.«

»Dann sind die kleinen Exemplare keine Affen! Dann sind sie Abkömmlinge der großen.«

»Oder beide Sorten sind Abkömmlinge von noch etwas anderem. Jonathon, wir haben schon mehr als zwei Sorten festgestellt. Sehen Sie.« Sie schaltete den Vidifon-Bildschirm ein. Die Kabine des Split wurde sichtbar.

»Der geht’s anscheinend recht gut«, sagte Whitbread. Als er sah, was das Split gemacht hatte, grinste er. »Mr. Crawford wird nicht gerade glücklich sein, wenn er merkt, was sie mit seiner Koje angestellt hat.«

»Dr. Horvath wollte sie nicht daran hindern. Sie kann an allem herumbasteln, solange sie nur die Vidifonanlage in Ruhe lässt.«

Crawfords Pritsche war verkürzt und mit Konturen versehen worden. Die Konturen waren recht sonderbar, nicht nur, weil sie die komplizierten Rückengelenke des Split berücksichtigten, sondern weil es offensichtlich auf der Seite liegend schlief. Die Matratze war aufgeschnitten und anders zusammengenäht worden, der Einsatz darunter war verbogen und ausgebeult. Die Pritsche hatte jetzt Furchen für die zwei rechten Arme, eine Mulde für einen vorstehenden Hüftknochen und eine abgerundete Erhöhung, die als Kopfstütze diente …

»Warum möchte sie wohl nur auf der rechten Seite schlafen?« fragte Whitbread.

»Vielleicht, weil sie sich mit der linken Hand besser verteidigen kann, wenn sie im Schlaf überrascht werden sollte. Die Linke ist ja viel stärker.«

»Könnte sein. Der arme Crawford. Vielleicht glaubt sie, dass er eines Nachts versucht, ihr die Kehle durchzuschneiden.« Er beobachtete, wie das Split an der Deckenlampe herumwerkte. »Ihr Hirn scheint ziemlich eingleisig zu funktionieren, nicht? Aber vielleicht haben wir noch einen Vorteil davon. Sie könnte irgendeine Verbesserung erfinden.«

»Vielleicht. Jonathon, haben Sie sich die Skizzen von dem sezierten Split genau angesehen?«

Sie redete wie eine Lehrerin. Dem Alter nach hätte sie auch eine sein können, aber nicht dem Aussehen, fand Whitbread. Er sagte: »Ja, Mylady.« »Sally. Welche Unterschiede sind Ihnen aufgefallen?«

»Die Farbe des Fells war anders — Sally. Aber das bedeutet nichts. Das Split aus der Sonde lag mehr als ein Jahrhundert im Kälteschlaf.«

»Und sonst nichts?«

»Das andere war größer, denke ich. Beschwören könnte ich’s nicht.«

»Schauen Sie sich den Kopf an.«

Whitbread runzelte die Stirn. »Mir fällt nichts auf.«

Sally nahm ihren Taschencomputer zur Hand. Ein leises Summen zeigte an, dass das Gerät mit dem Hauptspeicher des Schiffs in Verbindung stand. Irgendwo in der Mac Arthur erfasste ein Laserstrahl eine bestimmte holographische Information. Das Gedächtnis des Schiffs hatte alles gespeichert, was der Menschheit von den Splits bekannt war. Es fand die von Sally gewünschte Information und sendete sie an ihren Taschencomputer: Eine Zeichnung erschien auf dem Bildschirm des kleinen Geräts.

Whitbread studierte die Skizze und schaute sich dann das Split auf dem Schirm des Vidifons an. »Die Stirn! Bei dem hier ist sie flacher, fliehender!«

»Das fanden wir auch, Dr. Horvath und ich.« »Leicht ist das nicht zu erkennen. So ein Split-Kopf ist von vorneherein eine ziemlich schiefe Sache.«

»Ich weiß. Aber der Unterschied ist da. Wir glauben, dass auch die Hände leicht verschieden sind, aber das ist noch schwerer festzustellen.« Sally zog die Brauen zusammen, so dass drei kurze Fältchen oberhalb ihrer Nasenwurzel erschienen. Sie hatte sich für den Flug das Haar kurz schneiden lassen, und mit dieser praktischen Frisur, dem grübelnden Blick ihrer braunen Augen und den Fältchen wirkte sie wie eine tüchtige, sachliche Wissenschaftlerin. Whitbread fand das bedauerlich. »Wir haben also bereits drei verschiedene Sorten von Split«, fuhr sie fort. »Und nur vier Splits. Das würde auf eine sehr hohe Mutationsrate hindeuten, meinen Sie nicht?«

»Nun … es würde mich nicht überraschen.« Whitbread erinnerte sich an die geschichtlichen Vorträge, die Kaplan Hardy während der Reise für die Kadetten gehalten hatte. »Sie sitzen in ihrem System fest. Wie in einer Falle. Wenn sie einen Atomkrieg hatten, mussten sie hinterher alle Folgen davon tragen, nicht?« Er dachte schaudernd an die Erde.

»Wir haben keine Anzeichen von Atomkriegen entdeckt.«

»Außer dieser hohen Mutationsrate.«

Sally lachte. »Sie argumentieren ja im Kreis, Jonathon. Jedenfalls passt da etwas nicht.

Keines der vier Individuen ist ein Krüppel, alle sind gesund — ausgenommen das tote natürlich, aber man hätte wohl kaum einen Kranken oder Krüppel als Piloten der Sonde ausgewählt.«

»Das stimmt.«

»Sie sind als erster einem lebenden Exemplar begegnet. Nennen wir mal das eine aus der Sonde Typ A. Welche Beziehung besteht nun aber zwischen Typ B und Typ C?«