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Schade. Als Haustiere kamen sie wohl nicht in Frage, außer … Er kam zu einem Entschluss, trat an das Gitter und steckte einen Arm durch ein Loch, das dafür, aber für ein Minisplit zum Durchschlüpfen nicht groß genug war.

»Hinter dem Ohr«, riet Horvath.

»Danke.« Bury fragte sich, ob wohl eins herankommen würde, um seine Hand zu untersuchen. Das dünnere kam auch wirklich, und Bury kraulte es hinter dem Ohr — vorsichtig, denn das Ohr war dünn und empfindlich. Dem Split schien das Kraulen jedoch zu behagen.

Nicht gerade ideal als Haustier, dachte Bury, aber trotzdem würden die Leute Tausende für jedes bezahlen. Eine Weile wenigstens, solange der Reiz der Neuheit noch nicht abgeklungen war. Am besten, wenn man alle Planeten gleichzeitig belieferte … Wenn sie sich in Gefangenschaft vermehrten, und wenn man das geeignete Futter für sie fand, und wenn alle verkauft werden konnten, bevor die Kunden das Interesse verloren …

»Allah sei …! Es hat mir meine Uhr weggenommen!«

»Sie. Die beiden haben etwas übrig für Gebrauchsgegenstände. Wie Sie sehen, haben wir ihnen eine Taschenlampe gegeben.«

»Schon gut, Horvath. Nur, wie bekomme ich meine Uhr zurück? Allah, wie konnte überhaupt der Verschluss aufgehen?«

»Greifen Sie hinein und nehmen Sie sie. Oder lassen Sie’s mich versuchen.« Horvath gab sich Mühe, aber der Käfig war zu groß, und das kleine Split wollte die Uhr nicht hergeben. Horvath zauderte. »Ich möchte sie nicht zu sehr aufregen.«

»Horvath, diese Uhr ist achthundert Kronen wert! Sie zeigt nicht nur Zeit und Datum an, sondern …« Bury besann sich. »Nun, sie ist ja auch stoßsicher. In unserer Werbung heißt es, dass ein Stoß, der eine Chronos beschädigt, auch den Eigentümer umbringt.

Das Split kann ihr vermutlich nicht viel anhaben.«

Das kleine Wesen untersuchte die Armbanduhr eifrig und interessiert. Bury überlegte, ob andere Menschen dieses Verhalten vielleicht amüsant finden würden. Kein Haustier benahm sich so. Nicht einmal Katzen.

»Sie haben vermutlich Kameras, die alles aufnehmen.«

»Natürlich«, sagte Horvath.

»Meine Firma wird vielleicht diese Szenen kaufen wollen. Für Werbezwecke.« Das wäre eine interessante Sache, dachte Bury. Und jetzt ist ein Split-Schiff zu uns unterwegs, und Cargill fliegt mit dem Kutter irgendwohin. Aus Cargill würde kaum etwas herauszubekommen sein, aber schließlich flog Buckman mit. Vielleicht würde sich der Kaffee, den der Astrophysiker trank, doch noch bezahlt machen …

Seltsamerweise fand Bury den Gedanken irgendwie betrüblich.

Der Kutter war das größte der im Hangarraum liegenden Boote. Eine Rumpfseite war flach, um dicht an der einen Hangarwand anzuliegen. Der Kutter hatte nämlich eigene Einsteigluken, die seine Luftschleusen mit den begehbaren Regionen der Mac Arthur verbanden, weil auf dem Hangardeck üblicherweise Vakuum herrschte.

Dagegen gab es keinen Langston-Feldgenerator an Bord des Kutters, und er hatte auch keinen Alderson-Antrieb. Sein konventioneller Antrieb lieferte jedoch ausreichenden Schub, und selbst ohne Zusatztanks hatte er eine beträchtliche Reichweite. Der Hitzeschild um seine Nase überstand einen Wiedereintritt in eine Erdtyp-Atmosphäre mit bis zu 20 km/sek oder viele Wiedereintritte mit geringerer Geschwindigkeit. Er war für eine sechsköpfige Besatzung ausgelegt, bot aber zur Not mehr Personen Platz. Ein solcher Kutter konnte von einem Planeten zum anderen fliegen, war aber für interstellare Flüge nicht geeignet. Und doch waren immer wieder auch Raumfahrzeuge, die kleiner waren als der Kutter der Mac Arthur, in die Geschichte eingegangen. Zur Zeit hatte ein halbes Dutzend Männer darin Quartier bezogen. Einer hatte Crawford Platz machen müssen, als Crawford seine Kabine nicht ganz freiwillig einem dreiarmigen fremden Wesen zu Verfügung gestellt hatte. Cargill grinste, als er ihn sah. »Ich werde Crawford mitnehmen«, entschied er. »War’ schäbig, ihn schon wieder umzuquartieren.

Und Lafferty als Piloten. Drei Infanteristen …« Er beugte sich über seine Mannschaftsliste. »Und von den Kadetten Staley.« Der würde sich über eine Gelegenheit freuen, diese Scharte von damals auszuwetzen, und war recht tüchtig, wenn er jemanden hatte, der ihm Befehle gab.

Im Innern des Kutters war alles sauber und ordentlich, nur an der Backbordwand waren einige Spuren von Sinclairs exotischen Reparaturmethoden zu erkennen, wo die Laser der Defiant sich durch den Hitzeschild gebrannt hatten. Selbst über die beträchtliche Entfernung, aus der der Kutter ins Gefecht eingegriffen hatte, war erheblicher Schaden entstanden.

Cargill brachte seine Sachen in die einzige Kabine des Kutters und ging noch einmal seinen Flugplan durch. Über eine solche Strecke konnte der Kutter drei Ge halten. In der Praxis konnten es ein Ge hin und fünf Ge zurück werden: Die Tatsache, dass es auf diesem Felsbrocken keinen Fusionsreaktor gab, bedeutete noch lange nicht, dass er unbewohnt war.

Jack Cargill musste daran denken, wie fantastisch flink das Split die große Kaffeemaschine wieder zusammengebaut hatte. Ohne auch nur zu wissen, wie Kaffee schmecken sollte! Ob die Splits schon über Fusion hinaus waren? Schließlich legte er seinen Druckanzug an — ein hautenger, gewebter Overall, der gerade durchlässig genug war, um Schweiß nicht zurückzuhalten, eine natürliche, sich selbst regulierende Temperatursteuerung. Mit dem Schutz des sehr dichten Gewebes konnte die menschliche Haut für einige Zeit Weltraumbedingungen aushalten. Während eines Gefechts trug man darüber den schweren, gepanzerten Kampfanzug, aber mit dem dicht an den Kragenwulst anschließenden Helm war man für Vakuumausflüge genügend gerüstet.

An der Außenseite hatten die Reparaturarbeiten keine Spurenhinterlassen — kleinste Unebenheiten konnten ja schon das Verhalten in einer Atmosphäre beeinträchtigen. Ein Teil des Hitzeschilds ragte unter der Nase des Kutters weg wie eine Schaufel, so dass die gewölbten Panzerglasfenster des Cockpits und die Mündung der Hauptwaffe des Boots, einer Laserkanone, frei lagen.

In einem Gefecht war die wichtigste Aufgabe des Kutters, zu beobachten und Meldungen weiterzugeben. Manchmal gelang auch ein Torpedoangriff auf ein feindliches Kriegsschiff, dessen Sensoren ausgefallen waren. Gegen die Split-Schiffe ohne Schutzfeld war eine solche Kanone mehr als ausreichende Bewaffnung.

Cargill überprüfte sämtliche Waffen des Kutters mit mehr als der üblichen Sorgfalt.

Bereits in diesem Stadium fürchtete er die Splits. Er war damit einer von sehr wenigen, doch es sollten bald mehr werden.

Das zweite Schiff der Splits war größer als das erste, aber Schätzungen seiner Masse hatten einen hohen Unsicherheitsfaktor, weil sie auf ihrerseits etwas wackligen Werten beruhten: auf der Beschleunigung (bekannt), dem Treibstoffverbrauch (berechnet aus der Antriebstemperatur), der Antriebstemperatur (berechnet nach dem Strahlungsspektrum, dessen Maximum im Bereich der weichen Röntgenstrahlen lag), und dem Wirkungsgrad (reine Schätzung). Wenn man alles berücksichtigte, ergab sich eine Masse, die viel zu gering erschien: etwa die eines Dreimannboots.

»Aber das sind keine Menschen«, stellte Renner fest. »Vier Splits wiegen etwa soviel wie zwei Männer, aber sie brauchen weniger Platz. Wir wissen nicht, was dieses Schiff an Ausrüstung, an Bewaffnung, an Abschirmung mitführt. Dünne Wände scheinen sie nicht zu stören, so dass sie größere Kabinen bauen können …«