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Horvath zeigte sich wie üblich von formeller Herzlichkeit. Anscheinend gewöhnte er sich daran, mit Leuten auskommen zu müssen, die abzulehnen er sich nicht leisten konnte.

»Guten Morgen, Kapitän. Wir haben die ersten Bilder von dem fremden Schiff machen können. Ich dachte, das würde Sie interessieren.« »Danke, Doktor. Welcher Code?«

»Sie sind noch nicht gespeichert. Ich habe sie hier.« Der Bildschirm teilte sich, zeigte Horvaths Gesicht auf der einen Hälfte, und einen verschwommenen Schatten auf der anderen. Die Silhouette war lang und schmal, ein Ende war breiter als das andere und schien durchsichtig zu sein. Das schmälere Ende lief in einen langen Dornfortsatz aus.

»Dieses Bild ist uns geglückt, als das fremde Schiff, wie zu erwarten, auf halber Strecke umschwenkte. Durch Vergrößerung und Ausfiltern von Störungen haben wir dieses Bild erhalten. Wir werden nichts Besseres bekommen, bis das Schiff längsseits liegt.«

Natürlich, dachte Rod, denn jetzt zielte die Antriebsdüse des fremden Schiffes auf die Mac Arthur.

»Der Dorn gehört wahrscheinlich zum Fusionsantrieb der Splits.« Ein kleiner Lichtpfeil huschte über den Bildschirm. »Und diese Objekte am vorderen Ende — Moment, ich zeige Ihnen ein Dichtemuster.«

In der Dichteverteilung zeigte sich ein stiftförmiger Schatten, der durch eine Reihe von dickeren, fast unsichtbaren Ringen oder Toroiden verlief. »Sehen Sie? Ein schmaler, starrer Rumpf, mit dem aus einer Atmosphäre heraus gestartet werden kann. Es ist leicht zu erraten, was sich darin befindet: das Fusionsaggregat, Luft- und Wasserregenerationskammer für die Besatzung. Wir nehmen an, dass dieser Teil mit hohem Schub gestartet wurde, vielleicht per Linearbeschleuniger.«

»Und die Ringe?«

»Aufblasbare Treibstofftanks. Einige sind jetzt leer, wie Sie sehen. Vielleicht werden sie jetzt als Aufenthaltsraum verwendet. Einige wurden zweifelsohne abgeworfen.«

»Mhm.« Rod studierte das Muster von Schatten, während Horvath ihn von der anderen Schirmhälfte her beobachtete. Schließlich sagte Rod: »Doktor, diese Tanks können aber nicht an dem Schiff gewesen sein, als es gestartet wurde.«

»Nein. Wahrscheinlich wurden sie dem Kernstück nachgeschickt. Ohne Passagiere konnte man sie mit viel höherer Beschleunigung starten.«

»Von einem Linearbeschleuniger aus? Die Tanks scheinen aber nicht aus Metall zu sein.«

»Äh — nein. Sie sind wahrscheinlich nicht aus Metall.«

»Der Treibstoff muss Wasserstoff sein, nicht? Wie können also diese Tanks von einem Linearbeschleuniger abgeschossen werden?«

»Wir … das wissen wir nicht.« Horvath zögerte. »Vielleicht hatten sie einen metallischen Kern. Der dann ebenfalls abgeworfen wurde.«

»Hm. Gut. Ich danke Ihnen.«

Nach kurzem Überlegen zeigte Rod die beiden Fotos in der Vidifonanlage des Schiffs.

Nahezu alles ging übers Vidifon, das als Bibliothek, Unterhaltungsmedium und Sprechanlage der Mac Arthur fungierte. Ein Kanal des Vidifons war für alles mögliche reserviert, für Unterhaltungsfilme, Schachpartien, Pingpongpartien zwischen den Champions der einzelnen Wachen. Selbst Theaterstücke wurden gezeigt, wenn die Mannschaft für eine Inszenierung Zeit frei hatte — was manchmal, etwa während eines Blockadedienstes, durchaus der Fall war.

In der Offiziersmesse war das fremde Schiff natürlich das Unterhaltungsthema Nummer eins.

»In diesen hohlen Ringen da sind Schatten«, stellte Sinclair fest. »Und sie bewegen sich.«

»Passagiere. Oder Ausrüstungsgegenstände«, sagte Renner. »Und das heißt, dass zumindest diese vier ersten Ringe als Kabinenraum dienen. Da hätten eine Menge Splits Platz.«

»Insbesondere«, sagte Rod beim Eintreten, »wenn sie’s so eng haben wie auf diesem Prospektorboot. Setzen Sie sich, meine Herren. Weitermachen.« Er winkte dem Steward, Kaffee zu bringen.

»Eins für jeden von uns«, sagte Renner. »Ist doch gut, dass wir auf der Mac Arthur so viel Platz übrig haben, nicht?«

Blaine runzelte die Stirn. Sinclair schaute drein, als würde das nächste Vidifon-Ereignis eine Begegnung über fünfzehn Runden zwischen dem Ersten Maschinisten und dem Chefnavigator sein …

»Sandy, was halten Sie von Horvaths Idee?« fragte Renner jedoch friedfertig. »Ich kann mich nicht mit seiner Theorie befreunden, dass diese Treibstoffkammern mit einem Metallkern abgeschossen wurden. Wären nicht Metallgehäuse für die Tanks viel praktischer? Viel widerstandsfähiger. Außer …«

»Ja?« drängte Sinclair. Renner sagte nichts.

»Was gibt’s, Renner?« fragte Blaine.

»Ach, nichts, Sir. Es war nur so eine aus der Luft gegriffene Idee. Ich sollte lernen, meine Gedanken besser im Zaum zu halten.«

»Raus damit, Mr. Renner.«

Renner war noch nicht lange in der Flotte, aber er hatte mittlerweile gelernt, diesen Tonfall zu beachten. »Jawohl, Sir. Mir fiel ein, dass Wasserstoff bei bestimmtem Druck und bestimmter Temperatur sich wie ein Metall verhält. Wenn diese Tanks unter Druck stünden, würde ein Strom im Wasserstoff fließen — aber dazu brauchte man Druck einer Größenordnung, die man im Inneren eines Gasriesenplaneten findet.«

»Renner, Sie glauben doch nicht wirklich …«

»Nein, natürlich nicht, Kapitän. War nur so ein Gedanke.« Renners verrückte Idee machte Sandy Sinclair noch während der nächsten Wache Kopfzerbrechen.

Maschinenoffiziere schieben normalerweise nicht Wachdienst auf der Brücke, aber Sinclairs Leute waren eben mit einer Überholung des Lufterneuerungssystems der Brücke fertig geworden, und er wollte die Anlage testen. Damit nicht ein anderer Wachoffizier den Raumanzug tragen musste, während im Brückenraum Vakuum herrschte, übernahm Sandy lieber die Wache selbst.

Alles funktionierte bestens, wie immer, wenn er dafür verantwortlich war. Nun konnte Sinclair den Raumanzug ablegen, es sich im Kommandosessel bequem machen und den Splits zuschauen. Das Split Programm war im ganzen Schiff populär, wobei sich das allgemeine Interesse ebenso auf das große Split in Crawfords Kabine richtete wie auf die Miniexemplare. Das große Split war eben mit dem Umbauen der Lampe in seinem Quartier fertig geworden. Jetzt strahlte sie ein diffuseres Licht mit höherem Rotanteil aus. Das Split war schon wieder an der Arbeit — es verkürzte eifrig Crawfords Pritsche, um rund einen Quadratmeter freien Platz zum Arbeiten zu bekommen. Sinclair staunte über die Geschicklichkeit des Split; jeder Handgriff saß, und sein Arbeitstempo war beachtlich. Sollen die Wissenschaftler nur weiterdiskutieren, dachte Sandy: dieses Geschöpf war intelligent.

Auf Kanal Zwei spielten die beiden kleinen Splits. Die Leute schauten ihnen sogar noch lieber zu als dem großen Split. Bury, der zusah, wie alle die Minis beobachteten, schmunzelte befriedigt.

Sinclairs Blick fiel auf den Bildschirm mit Kanal Zwei, und er wandte sich von dem großen Split ab. Plötzlich fuhr er hoch. Die beiden kleinen Exemplare befassten sich eindeutig mit Geschlechtsverkehr. »Nehmen Sie das aus der Leitung!« befahl Sinclair hastig. Der für das Vidifon verantwortliche Signalmaat war etwas erbittert, schaltete jedoch die entsprechende Kameraleitung ab, so dass der Bildschirm erlosch.

Augenblicke später war Renner auf der Brücke.

»Was ist mit dem Vidi los, Sandy?« erkundigte er sich.

»Gar nichts ist los mit dem Vidifon«, sagte Sinclair steif.

»Und ob. Kanal Zwei ist tot.«

»Jawohl, Mr. Renner. Und zwar auf meinen Befehl.« Es war ihm nicht ganz wohl in seiner Haut.

Renner grinste. »Und wer, glauben Sie, würde gegen das … äh … Programm etwas einzuwenden haben?« »Ma-ann, wir können doch nich’ ’n dreckigen Film auf diesem Schiff zeigen! Mit ’nem Kaplan an Bord! Gar nich’ zu reden von der Lady.«

Besagte Lady hatte ebenfalls Kanal Zwei eingeschaltet gehabt. Als das Bild verblasste, legte Sally Fowler die Gabel weg und verließ die Messe. Kaum war sie draußen, fiel sie in Laufschritt und kümmerte sich nicht um die erstaunten Blicke, die ihr folgten. Sie atmete heftig, als sie den Aufenthaltsraum erreichte — wo sich die kleinen Splits immer noch in flagrante delicto befanden. Sie trat an die Käfigwand und schaute fast eine Minute lang zu. Dann sagte sie zu niemandem im besonderen: »Das letzte mal, als wir sie untersuchten, waren sie beide weiblich.«