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Das Imperium hatte Levant zehn Jahre nach Horaces Geburt erreicht, und anfangs war sein Einfluss noch gering. In jenen Tagen sahen die Richtlinien der Imperiumspolitik etwas anders aus, so dass der Planet mit einem Status aufgenommen wurde, der dem fortgeschrittener Welten nahezu gleichkam. Horace Burys Vater begriff bald, dass sich durch den Imperialismus gut verdienen liefe. Indem er einer der einheimischen Verwaltungsbeamten wurde, gelang es ihm, ungeheuren Reichtum zusammenzutragen: Er verkaufte Audienzen beim Gouverneur und verhökerte Gerechtigkeit wie Krautköpfe auf dem Markt, doch immer blieb er vorsichtig, immer sorgte er dafür, dass andere vom Zorn der energischen Männer des Kaiserlichen Kolonialdienstes getroffen wurden.

Sein Vater investierte seine Gewinne klug, und er benutzte seinen Einfluss, um Horace Hussein auf Sparta erziehen zu lassen. Er hatte ihm sogar einen Namen gegeben, den ein Kaiserlicher Flottenoffizier ihm vorgeschlagen hatte; erst später erfuhren sie, dass Horace ein im Imperium durchaus nicht üblicher, sondern vielmehr lächerlicher Name war. Bury ertränkte die Erinnerungen an die ersten Jahre in den Schulen der Hauptstadt mit einer zweiten Karaffe Wein. Er hatte gelernt — ja! Und dann hatte er das Geld seines Vaters eingesetzt, und sein eigenes. Horace Bury ließ sich nicht ungestraft lächerlich machen. Dreißig Jahre hatte es gedauert, aber schließlich hatten seine Agenten den Offizier gefunden, dem er diesen Namen verdankte. Die stereografische Aufnahme seines Todeskampfes lag in einem Safe in Burys Haus auf Levant. Er hatte doch zuletzt gelacht.

Jetzt kaufte und verkaufte er Menschen, die über ihn lachten, wie er Stimmen im Parlament kaufte, Schiffe kaufte, und wie er beinahe diesen Planeten New Chicago gekauft hatte. Und beim Propheten — bei Hölle und Verdammnis, er würde ihn noch besitzen! Die Herrschaft über New Chicago würde seiner Familie Einfluss hier jenseits des Kohlensacks bringen, wo das Imperium schwach war und jeden Monat neue Welten entdeckt wurden. Von da an war vieles, war alles möglich!

Es hatte ihm gut getan, seinen Gedanken kurz freies Spiel zu lassen. Jetzt rief er seine Agenten zu sich, den Mann, der hier seine Interessen vertreten würde, und Nabil, der ihn als Diener im Kriegsschiff begleiten sollte. Nabil war klein, viel kleiner als Horace, jünger als er wirkte, mit einem Frettchengesicht, das zu vielen Masken fähig war, und er nannte nützliche Künste mit Dolch und Gift sein eigen, die er auf zehn verschiedenen Welten erworben hatte. Horace Hussein Bury lächelte. Die Imperialisten wollten ihn also an Bord ihrer Kriegsschiffe gefangen halten? Solange es keine Schiffe nach Levant gab, gut und schön. Aber sobald sie einmal einen belebteren Hafen erreichten, würden sie sich wundern.

Drei Tage hatte Rod mit der Mac Arthur zu tun. Lecke Tanks, ausgebrannte Bauteile, all das musste erneuert werden. Ersatzteile gab es nur wenige, und die Mannschaft der Mac Arthur arbeitete stundenlang im Raum, um die Wracks der Union-Kriegsflotte, die New Chicagoumkreisten, nach Brauchbarem auszuschlachten.

Allmählich wurde die Mac Arthur wieder gefechtstüchtig. Blaine arbeitete mit Jack Cargill, dem ersten Offizier und jetzigen Kommandantenstellvertreter, und mit Commander Jock Sinclair, dem ersten Maschinisten, am meisten zusammen. Wie viele Maschinenoffiziere stammte auch Sinclair von Neuschottland, und wie alle raumfahrenden Schotten pflegte er seinen kernigen Akzent. Irgendwie hatten sie ihren seltsamen Dialekt durch die Sezessionskriege hindurch bewahrt, als Symbol des Nationalstolzes vielleicht — selbst auf Planeten, wo das Gälische eine vergessene Sprache war. Rod hegte insgeheim den Verdacht, dass die Schotten unter sich diese Sprechart übten, um vom Rest der Menschheit nicht verstanden werden zu können.

Neue Rumpfplatten wurden eingeschweißt, gewaltige Streifen Panzermaterial von Union-Schiffen abmontiert und mühsam über beschädigten Stellen befestigt. Sinclair vollbrachte wahre Wunder, um in New Chicago zu Verfügung stehende Ersatzteile für die Mac Arthur anzupassen, bis er ein solches Flickwerk von improvisierten und adaptierten Teilen zustande gebracht hatte, dass die Konstrukteure das Schiff nicht mehr wiedererkannt hätten. Die Brückenoffiziere arbeiteten rund um die Uhr, denn sie mussten versuchen, all die Veränderungen dem Hauptcomputer des Schiffs verständlich zu machen.

Zwischen Cargill und Sinclair kam es beinahe zu Handgreiflichkeiten wegen einiger Improvisationen, wobei Sinclair darauf beharrte, das Wichtigste sei es, das Schiff raumtüchtig zu machen, während der Erste Offizier sich beklagte, dass nur Gott selbst noch wüsste, was mit dem Schiff alles angestellt worden sei.

»Hach, so ’ne Gotteslästerung möcht’ ich nich’ gehört haben«, knurrte Sinclair gerade, als Rod in Hörweite kam. »Isses nich’ genug, wenn ich klar hab, was wer gemacht haben?«

»Nein, außer Sie wollen auch Koch spielen, Sie größenwahnsinniger Klempner! Heute früh konnte der Offizierskoch keinen Kaffee machen, weil einer von euch bastelwütigen Räubern den Mikrowellenkocher mitgehen hat lassen. Aber bei Gott, das werdet ihr zurückbringen …«

»Och ja, wir werden’s aus dem Dreiertank rausreißen, sobald Sie mir Ersatzteile für die Pumpe besorgen, die’s augenblicklich ersetzt. Was machen Se sich unglücklich, Mann?

Das Schiff kann wieder kämpfen. Is’ da Kaffee wichtiger?«

Cargill holte tief Luft und fing von neuem an, mit einer Geduld, die man kleinen Kindern oder Schwachsinnigen gegenüber aufbringt: »Das Schiff kann kämpfen. Gut, aber nur, bis jemand ein Loch reinschießt. Dann muss es wieder instand gesetzt werden. Nehmen wir an, ich hätte das hier zu reparieren«, sagte er und legte eine Hand auf etwas, das Rod als einen Luftkonverter zu erkennen glaubte. »Das verdammte Ding sieht bereits jetzt halb geschmolzen aus. Woher soll ich im Ernstfall wissen, ob es beschädigt ist, oder was daran beschädigt ist? Angenommen …«

»Höh, Mann, nu’ regen Se sich man nich auf …«

»Hören Sie mit dem Blödsinn auf! Sie reden ganz normal, wenn Sie nicht aufpassen!«

»Das ist nicht wahr!«

In diesem Augenblick hielt Rod es für ratsam, in Erscheinung zu treten. Er schickte den Ersten Maschinisten an sein Ende des Schiffs und Cargill nach vorn. Die Differenzen zwischen den beiden waren kaum beizulegen, bevor die Mac Arthur nicht in den Werften von Neuschottland gründlich überholt werden konnte.

Blaine verbrachte auf Anweisung des Schiffsarztes eine Nacht in der Krankenstation.

Als er das Lazarett verließ, war sein Arm in einem gewaltigen, gepolsterten Starrverband stillgelegt. Das Ding kam ihm wie ein an der Brust angewachsener Polster vor. Die nächsten paar Tage war er recht reizbar und misstrauisch, doch er ertappte niemanden, der in seiner Hörweite zu lachen gewagt hätte. Am dritten Tag, nachdem er sein neues Kommando übernommen hatte, hielt Blaine eine Schiffsinspektion ab. Alle Arbeiten wurden gestoppt, das Schiff wurde in Rotation versetzt, und dann gingen Blaine und Cargill los.

Rod war versucht, seine noch frischen Erfahrungen als verantwortlicher Offizier der Mac Arthur auszunützen. Er kannte all die Stellen, wo ein aufsichthabender Offizier Schlampereien durchgehen lassen mochte. Dies war jedoch seine allererste Inspektion, das Schiff nur provisorisch instand gesetzt, und Cargill war zudem ein zu guter Offizier, um etwas zu übersehen, was behoben werden konnte. So machte Blaine mehr einen gemütlichen Rundgang, überprüfte die wichtigen Geräte, ließ sich aber ansonsten von Cargill führen. Dabei nahm er sich vor, dies nicht zu einem Präzedenzfall werden zu lassen. Sobald mehr Zeit zur Verfügung stand, würde er sich jeden Winkel genau ansehen.