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Sie folgte Kaplan Hardy in die Hauptkabine des Kutters. Dr. Horvath war bereits da. Er, Hardy und sie würden die ersten Wissenschaftler sein, die das fremde Schiff betraten; sie fühlte Begeisterung in sich aufsteigen — es würde so viel, so unendlich viel zu lernen geben!

Eine Anthropologin — sie betrachtete sich nun als voll qualifiziert, und kaum jemand hätte das bestreiten mögen —, ein Linguist und Horvath, der ein ausgezeichneter Physiker gewesen war, bevor er sich der Bürokratie zuwandte. Horvath war das einzige nutzlose Mitglied der Gruppe, aber sein Rang verschaffte ihm natürlich überall einen Platz. Sie war selbstredend nicht der Ansicht, eine derartige Klassifizierung könnte auch für sie zutreffen, im Gegensatz zur Hälfte der Wissenschaftler auf der Mac Arthur.

Drei Wissenschaftler, ein Bootsmann, zwei Maate und Jonathon Whitbread. Keine Soldaten, keine Waffen. Sallys Aufregung und Begeisterung vermochten nicht ganz die leise Furcht zu verdrängen, die sie manchmal beschlich. Natürlich mussten sie unbewaffnet sein, aber sie hätte sich trotzdem sicherer gefühlt, wenn Rod Blaine mitgekommen wäre. Das aber war natürlich unmöglich.

Mit der Zeit würden mehr Menschen an Bord des Kutters kommen. Buckman mit einer Million Fragen, sobald Hardy erst einmal das Verständigungsproblem gelöst hätte. Die Biologen würden in Scharen anrücken. Ein Flottenoffizier, vermutlich Crawford, um die Waffen der Splits zu studieren. Ein Maschinenoffizier. Kurz, jeder außer dem Kapitän.

Es war höchst unwahrscheinlich, dass Kutuzov Rod Blaine gestatten würde, sein Schiff zu verlassen, wie friedlich die Splits sich auch zeigen mochten.

Mit einemmal verspürte sie Heimweh. Auf Sparta besaß sie eine Villa, Charing Close, die nur wenige Minuten von der Hauptstadt entfernt war. Sparta war das Zentrum der Zivilisation — und sie lebte in letzter Zeit anscheinend nur in einer Reihe zusehends kleinerer Raumfahrzeuge, mit der einzigen Abwechslung des Gefangenenlagers. Bei ihrem Abgang von der Universität hatte sie den Entschluss gefasst, eine eigene Persönlichkeit zu werden, nicht nur eine Art Verbrämung für die Karriere irgendeines Mannes. Im Augenblick allerdings hätte sie gar nicht soviel dagegen gehabt, ein bisschen Verbrämung zu sein, natürlich nur für den richtigen Mann — nein. Sie musste und wollte auf eigenen Füßen stehen.

Am einen Ende der Hauptkabine des Kutters befand sich eine Andruckliege und ein halbrundes Instrumentenpult davor. Das war die Feuerleitbrücke. Eine ziemlich armselige ›Brücke‹. Natürlich waren auch noch Klapptische und Sitze zum Essen oder für Unterhaltungsspiele vorhanden.

»Haben Sie sich dieses Boot genau angeschaut?« fragte sie Horvath.

»Wieso?« antwortete Sally.

»Haben Sie’s angeschaut? Überall Geschützbettungen. Das gefährliche Zeug wurde zwar abmontiert, aber es ist genug zurückgelassen worden, dass jeder sehen kann; hier waren Geschütze. Für die Torpedos gilt das gleiche. Sie wurden rausgeholt, aber die Torpedorohre sind noch da und unverkennbar. Und das soll ein friedliches Gesandtenschiff sein?«

Hardy riss sich von seinen privaten Gedanken los und meinte: »Was hätten Sie denn anstelle des Kapitäns getan?«

»Ich hätte ein unbewaffnetes Boot genommen.«

»Haben wir keine«, antwortete Hardy sanft. »Keines, in dem man leben könnte, wie Sie sehr wohl wissen könnten, wären Sie je aufs Hangardeck gekommen.« Die Andacht wurde auf dem Hangardeck abgehalten, und Horvath hatte nie teilgenommen. Das war zwar seine Angelegenheit, aber es schadete auch nicht, wenn man ihn ein wenig daran erinnerte.

»Aber das ist so offensichtlich ein abgerüstetes Kampfboot!« Hardy nickte. »Die Splits würden früher oder später ohnehin unser schändliches Geheimnis entdecken. Wir sind eine kriegerische Spezies, Anthony. Das ist ein Teil unserer Natur. Und trotzdem kommen wir in einem vollständig entwaffneten Kampfboot. Glauben Sie nicht, dass das ein recht bedeutungsvoller Hinweis für die Splits ist?«

»Aber diese Begegnung ist ungeheuer wichtig für das Imperium!«

David Hardy nickte nur stumm. Der Wissenschaftsminister hatte recht, aber der Kaplan fand, dass er sich aus den falschen Gründen Sorgen machte.

Ein leichter Ruck zeigte an, dass der Kutter sich vom Mutterschiff gelöst hatte. Rod beobachtete den Start über die Brückenbildschirme und empfand etwas wie hilflose Besorgnis. Sobald der Kutter am Split-Schiff längsseits ging, würde Crawford ihn ins Visier einer seiner Geschützbatterien nehmen — und Sally Fowler war an Bord des wehrlosen, entwaffneten Bootes.

Der ursprüngliche Plan hatte vorgesehen, die Splits auf die Mac Arthur kommen zu lassen, aber das war natürlich unmöglich, solange die Minis noch nicht gefunden worden waren. Rod war froh, dass sein Schiff den Fremden nicht Gastfreundschaft bieten musste. Ich beginne ja schon an Verfolgungswahn zu leiden, dachte er. Wie der Admiral.

Vorläufig aber ließen sich die Minis nicht blicken, Sally redete nicht mehr mit ihm, und alle anderen waren nervös. »Bereit zum Übernehmen, Kapitän«, sagte Renner. »Ich löse Sie ab, Sir.«

»In Ordnung. Übernehmen Sie, Navigator.«

Die Beschleunigungswarnung ertönte, und die Mac Arthur strebte langsam von dem fremden Schiff fort — und fort vom Kutter, fort von Sally.

22

Wortspiele

Die Dusche war ein großer Plastikbeutel voll seifigem Wasser, in dem ein junger Mann steckte. Um seinen Hals lag eine elastische Abdichtung. Whitbread genoss es, sich mittels einer langstieligen Bürste überall dort zu kratzen, wo es ihn juckte, und das war buchstäblich überall. Es war angenehm, sich wieder richtig dehnen und strecken zu können. Es war so verflixt eng in diesem Split-Schiff gewesen! Der pure Alptraum eines Klaustrophobikers.

Als er seine Säuberung beendet hatte, ging er zu den anderen in die Hauptkabine.

Der Kaplan, Horvath und Sally Fowler trugen alle weiche Schuhe mit Haftsohlen und hatten sich wortlos auf eine Richtung als oben geeinigt. Früher wäre Whitbread etwas derartiges gar nicht aufgefallen. Er meldete sich bei Horvath: »Herr Wissenschaftsminister, ich soll mich bis auf weiteres unter Ihren Befehl stellen.«

»In Ordnung, Mr … . Whitbread.« Horvath murmelte sorgenvoll vor sich hin. Er wirkte angespannt und nervös — wie die anderen auch.

»Wissen Sie«, sagte der Kaplan zögernd, »keiner von uns hat eine Ahnung, was wir nun tun sollen. Wir haben noch niemals Kontakt mit wirklich Fremden gehabt.«

»Sie sind recht freundlich, und Sie bemühen sich um Verständigung«, sagte Whitbread.

»Gut. Gut, aber das hilft mir nicht viel.« Das Lachen des Kaplans klang ziemlich gepresst. »Wie war es denn, Whitbread?«

Er versuchte, es ihnen zu schildern. Eng, bis man in die Plastiktoroide kommt … alles furchtbar dünn und sehr zerbrechlich … keine Möglichkeit, die Splits auseinander zuhalten, wenn man von den geringen Unterschieden zwischen Braunen und Braun Weißen absieht … »Sie sind unbewaffnet«, schloss er. »Ich habe drei Stunden Zeit gehabt, dieses Schiff zu erkunden. Es gibt einfach keine Stelle an Bord, wo sie größere Waffen verbergen könnten.« »Hatten Sie den Eindruck, dass man Sie von irgend etwas ablenken wollte?«

»N-nein.«

»Das klingt nicht sehr überzeugt«, sagte Horvath streng.

»Oh, das ist’s nicht, Sir. Mir ist nur gerade die Werkzeugkammer eingefallen. Wir kamen zum Schluss in einen Raum, der voller Werkzeuge war, Wände, Boden und Decke. An einigen Wänden hingen ganz gewöhnliche Sachen: Handbohrer, Fuchsschwanzsägen mit seltsamen Griffen, Schrauben und ein Schraubenzieher. Dinge, deren Zweck ich erkennen konnte. Es waren auch Nägel da und etwas, das ich für einen Hammer hielt — mit breitem, flachen Kopf. Das Ganze kam mir vor wie ein Bastelraum, den sich einer im Keller einrichtet. Aber es gab auch einige wirklich komplizierte Dinge, die mir vollkommen unklar waren.«