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»Es könnte vielleicht etwa heißen wie: ›Ich bin für dich zuständige, schlug Whitbread vor.

»Das wäre eine Möglichkeit«, stimmte Hardy zu. Eine gar nicht schlechte Hypothese, allerdings ohne hinreichende Grundlagen — oder hatte der junge Mann zufällig darauf getippt?

Sie waren von geschäftigen Splits umgeben. Einige der Instrumente, mit denen die Wesen hantierten, mochten Kameras oder Recorder sein. Andere Geräte gaben Töne von sich, wenn ein Mensch etwas sagte, oder spuckten eine Art Plastikband aus, oder zeigten auf winzigen Bildschirmen zackige, orangefarbene Linien. Die Splits interessierten sich auch für Hardys Instrumente, insbesondere das männliche Braune, das Hardys Oszillographen vor seinen Augen auseinander nahm und wieder zusammensetzte. Danach schien das Bild schärfer zu sein, und Hardy kam es vor, dass auch die Bildstabilisierung besser funktionierte. Interessant. Und nur die Braunen brachten so etwas fertig.

Mit der Zeit beteiligten sich alle an den Sprachlektionen. Es war eine Art Spiel geworden, den Splits Anglic beizubringen. Man brauchte nur auf etwas zu zeigen und das entsprechende Wort sagen, und die Splits wiederholten es und merkten es sich meist auch gleich. David Hardy dankte seinem Schöpfer für so intelligente Schüler.

Die Splits bastelten dauernd an ihren Geräten herum, stellten sie anders ein oder gaben sie auch einem der Braunen mit einem Schwall von gezwitscherten Anweisungen. Ihr Stimmbereich war wirklich erstaunlich. Wenn sie sich in ihrer eigenen Sprache unterhielten, spielte ihre Stimme in wenigen Augenblicken vom Bass zum Sopran. Hardy nahm an, dass die Tonhöhe selbst Bedeutung besaß.

Er hätte gar nicht bemerkt, wie die Zeit verging, wäre er nicht von seinem Körper darauf aufmerksam gemacht worden. In seinem Bauch machte sich eine unangenehme Leere bemerkbar, doch er achtete nicht darauf. Die Halteklammer des Respirators rieb seine Nase wund. Seine Augen brannten von der Split-Atmosphäre, die unter seine Schutzbrille drang, und er bedauerte, sich nicht entweder für einen Helm oder wie Sally für einen Plastikbeutel entschieden zu haben. Der Splitter, ein verschwommener, heller Punkt, zog langsam hinter der gekrümmten, durchscheinenden Wand vorbei. Die Trockenheit der Luft erzeugte bald brennenden Durst. Dies alles machte ihm klar, dass die Zeit verging, aber er war darüber hinaus, sich um körperliche Unannehmlichkeiten zu kümmern. Er spürte nichts als Freude. Jetzt endlich konnte David Hardy das tun, wozu er sich berufen fühlte.

Obwohl es sich um eine noch nie da gewesene Situation handelte, beschloss Hardy, sich an die traditionellen linguistischen Richtlinien zu halten. Auf unvermutete Probleme stieß er mit Hand, Gesicht, Ohren, Finger. Es stellte sich heraus, dass die Splits für das Dutzend Finger der beiden rechten Hände eine Kollektivbezeichnung hatten, und eine andere für die drei kräftigen Finger der linken Hand. Das Ohr wurde verschieden benannt, je nachdem, ob es angelegt oder aufgestellt war. Für Gesicht gab es keine Entsprechung, obwohl die Splits die Anglic-Bezeichnung sofort aufgriffen und anscheinend als brauchbare Bereicherung ihrer Sprache ansahen.

Hardy war der Meinung gewesen, seine Muskulatur hätte sich mittlerweile an Schwerelosigkeit gewöhnt, doch nun taten ihm alle Glieder weh. Es fiel ihm nicht ein, dass Erschöpfung die Ursache sein könnte. Er wusste nicht, wohin Sally vor einer Weile verschwunden war, ja es war ihm eigentlich kaum aufgefallen. Das zeigte einerseits, dass er Sally wie die Splits als Kollegen akzeptierte und andererseits, wie müde er war.

Hardy betrachtete sich im allgemeinen als aufgeschlossenen Menschen, aber der — wie Sally es nannte — »übertriebene Beschützerinstinkt Frauen gegenüber war auch bei ihm ziemlich ausgeprägt — ein charakteristischer Zug der Kultur des Imperiums und insbesondere der Männerwelt der Raumflotte.

Erst als sein Luftvorrat zu Ende ging, konnten die anderen Hardy dazu überreden, in den Kutter zurückzukehren.

Die Abendmahlzeit war einfach, und alle beeilten sich damit, um ihre Beobachtungen vergleichen zu können. Er war froh, dass die anderen ihn in Ruhe ließen, bis er gegessen hatte. Horvath vor allem war es, der die anderen zurückhielt, obwohl man ihm ansehen konnte, dass er am allerneugierigsten war. Obwohl die Essgeräte eigens für Schwerelosigkeit entworfen worden waren, erforderte das Essen einige Konzentration, denn keiner der Wissenschaftler war richtig an die Bedingungen des freien Falls gewöhnt. Endlich ließ Hardy einen Maat sein Esstablett wegräumen und wandte sich den anderen zu, in deren Mienen Millionen unausgesprochener Fragen zu lesen waren.

»Sie lernen ziemlich rasch unsere Sprache«, sagte David. »Ich wünschte, ich könnte das auch von meinen eigenen Fortschritten behaupten.«

»Sie geben sich alle Mühe«, stellte Whitbread fest. »Wenn man ihnen ein neues Wort sagt, verwenden sie es immer wieder, probieren es in allen möglichen Sätzen aus, in jedem nur denkbaren Zusammenhang — ich habe so was noch nie erlebt.«

»Sie hätten Dr. Hardy länger zuhören müssen«, meinte Sally. »Wir lernen diese Technik im Lauf unserer Ausbildung, aber ich beherrsche sie nicht besonders gut.«

»Das tun junge Leute selten.« Hardy reckte sich befriedigt. Die Leere in seinem Innern war beseitigt. Eins allerdings nagte an ihm: dass die Splits ihm auf seinem eigenen Gebiet überlegen waren. »Wenn man jung ist, hat man meist nicht die nötige Geduld.

Ihre jugendliche Begeisterung ist hier allerdings sehr nützlich, denn die Splits können Ihre Bemühungen ganz professionell dirigieren. Übrigens, Jonathon, wohin sind denn Sie verschwunden?«

»Ich habe mein Fjunch(klick) mit nach draußen genommen und ihm das Taxi gezeigt. Im Split-Schiff hatten wir schon alle Sachen benannt, und ich wollte kein Split hier herein bringen. Oder dürfen wir das?«

»Sicher.« Horvath lächelte. »Ich habe mit Kapitän Blaine gesprochen, und er überlässt das unserer Entscheidung. Wie er ganz richtig sagt, am Kutter gibt es keine Geheimnisse. Ich finde jedoch, dass wir das Ereignis vielleicht … äh … durch eine kleine Zeremonie oder so aufwerten sollten, meinen Sie nicht auch? Schließlich hat außer diesem Asteroidenprospektor noch nie ein Split ein menschliches Schiff besucht.«

Hardy zuckte die Achseln. »Nun, sie machen selber kaum ein Aufheben davon, wenn wir bei ihnen an Bord kommen. Außerdem sollten wir in Betracht ziehen, dass sie wahrscheinlich bereits vor dem Start ihre eigenen Zeremonien abgehalten haben — für dieses Team von ausgesuchten linguistischen Fachleuten. Das sind sie nämlich, wenn man nicht annehmen will, dass die ganze Rasse eine fantastische sprachliche Begabung besitzt, was ich einfach nicht glauben kann. Es würde mich jedenfalls nicht überraschen, wenn wir feststellen, dass unsere Fjunch(klick)s bei den Splits’ etwas wie Universitätsprofessoren für Linguistik sind.«

Whitbread schüttelte den Kopf. Die anderen wurden aufmerksam und blickten ihn fragend an. Whitbread war auf diese seine Technik sehr stolz, die es ihm als Kadetten ermöglichte, das Gespräch von Vorgesetzten zu unterbrechen. »Sir, dieses Schiff verließ den Split-Planeten nur Stunden — vielleicht weniger als eine Stunde —, nachdem die Mac Arthur in ihrem System auftauchte. Wie sollen sie da Zeit gehabt haben, ihre Spezialisten zu versammeln?«

»Das habe ich nicht gewusst«, meinte Hardy langsam. »Aber es müssen einfach Spezialisten sein. Weshalb sollten gewöhnliche Leute eine derart unglaubliche linguistische Begabung besitzen? Und unglaublich ist wahrhaftig kein zu starkes Wort.

Andererseits ist es uns doch gelungen, ihnen Rätsel aufzugeben. Ist Ihnen das nicht aufgefallen?«

»Der Werkzeugraum?« fragte Sally. »Ich vermute, man könnte ihn so nennen, obwohl ich wohl nicht darauf gekommen wäre, wenn mir nicht Jonathon einen Wink gegeben hätte. Gleich, nachdem ich Sie verließ, Dr. Hardy, wurde ich hineingeführt, und mir kam nicht vor, dass ich den Splits irgendwelche Rätsel aufgegeben habe. Ich habe allerdings festgestellt, dass Sie viel länger darin blieben als ich.«