Выбрать главу

Es störte ihn mehr als ihm lieb war, obwohl er sich selbst gut genug kannte, um den Grund zu wissen. Sein ganzes Leben hatte er danach getrachtet, seine Umgebung so weit wie möglich zu beherrschen: eine ganze Welt, Lichtjahre weit, über Zeitspannen von Jahrzehnten — oder zumindest die kleine Welt eines Flottenkreuzers. Die Besatzung behandelte ihn wohl als Gast, aber nicht als ihren Herrn, und wo Bury nicht Herr sein konnte, war er Gefangener.

Außerdem entgingen ihm fantastische Gewinne. Irgendwo in den nicht frei zugänglichen Regionen der Mac Arthur, zu denen nur Wissenschaftler höchsten Ranges Zutritt hatten, studierten Physiker das hellgoldene Metall vom Wabenasteroiden. Erst nach wochenlangen Bemühungen hatte er herausbekommen, dass es sich anscheinend um einen Wärmesupraleiter handelte.

Ein solches Material war ungeheuer kostbar, und er war entschlossen, sich irgendwie eine Probe zu verschaffen. Er wusste auch schon, wie er das anstellen würde, doch er zwang sich zu Geduld. Noch nicht! Der beste Zeitpunkt, ein Muster zu stehlen, war kurz bevor die Mac Arthur auf Neuschottland landete. Trotz der hohen Liegegebühren würden ihn dort Schiffe erwarten, nicht nur eines, das ihn offen als Eigner anerkannte, sondern zumindest noch ein anderes. Vorläufig konnte er nur Augen und Ohren offen halten, um herauszufinden, was er noch haben musste, wenn er die Mac Arthur verließ.

Es gab mehrere Berichte über den Wabenasteroiden, die er miteinander vergleichen konnte. Er versuchte sogar, aus Buckman Informationen herauszuholen, aber das Ergebnis war weniger brauchbar als amüsant.

»Ach was, den Wabenasteroiden können wir vergessen«, hatte Buckman geschimpft.

»Er wurde künstlich in Position gebracht. Damit wird er verdammt uninteressant für uns.

Er verrät nichts über die Bildung der Trojanerschwärme, und diese Splits haben sein Inneres so gründlich ruiniert, dass man aber auch gar nichts über das ursprüngliche Gestein herausfinden kann …«

Also — die Splits konnten Wärmesupraleiter herstellen. Und die kleinen Splits waren immer noch in Freiheit. Die Suche nach den entflohenen Miniexemplaren war für Bury recht unterhaltsam. Natürlich standen die meisten Leute der Besatzung auf der Seite der Gejagten. Die Minis schienen es zu schaffen: Lebensmittel verschwanden von den verschiedensten Orten, aus Kabinen, Aufenthaltsräumen, nur nicht aus der Kombüse selbst. Die Frettchen konnten keine Witterung aufnehmen. Ob sich die Mini-Splits irgendwie mit den Tieren verständigt hatten? Diese Frage machte Bury sehr nachdenklich. Sicherlich waren die Splits … nun, vollkommen fremde Wesen, aber die Frettchen hatten sie am ersten Abend ohne Schwierigkeiten gewittert.

Gewiss, die Suche war unterhaltsam … aber Bury zog auch eine Lehre daraus. Wer ein Mini haben wollte, musste sehr aufpassen, dass er es auch behielt. Wenn er sie als Haustiere verkaufen wollte, würde er vermutlich ausbruchssichere Käfige mitliefern müssen. Und im übrigen müsste er erst ein fortpflanzungsfähiges Pärchen in die Hände bekommen. Je länger die Minis sich frei herumtrieben, um so geringer wurden Burys Chancen, die Admiralität überzeugen zu können, dass sie harmlose, nette Haustiere waren.

Aber es amüsierte ihn, dass die gesamte Besatzung eines Flottenkreuzers zwei pelzigen Pseudoäffchen hilflos gegenüberstand. Je nach Laune hielt es Bury mit beiden Seiten und übte sich im übrigen in Geduld, während die Wochen verstrichen.

Die sechs Fjunch(klick)s wohnten an Bord des Kutters, doch die übrigen Splits waren fleißig an der Arbeit. Das Innere ihres Schiffs änderte sich von Tag zu Tag. Sinclair und Whitbread, die regelmäßig Rundgänge unternahmen, um sicherzugehen, dass keine Waffen gebaut wurden, glaubten manchmal zu träumen — jedes mal gab es etwas Neues, und mitunter waren sie sich durchaus nicht sicher, ob es nicht auch eine Waffe sein konnte.

Eines Tages statteten Hardy und Horvath dem Kapitän in der Dienstkabine einen Besuch ab, nachdem sie sich eine Stunde lang in den Gymnastikräumen der Mac Arthur geplagt hatten.

»Die Splits erwarten einen Treibstoff tank«, berichtete Horvath. »Er wurde ungefähr zur gleichen Zeit wie das Schiff selbst gestartet, nur auf einer treibstoffsparenderen Bahn.

Er sollte in zwei Wochen hier sein.«

»Also das ist es!« Blaine und seine Offiziere hatten sich Sorgen gemacht wegen des rätselhaften stummen Objektes, das langsam auf ihre Position zutrieb. »Sie wussten davon? Wenn Sie uns nur ein Wort gesagt hätten …« »Sie werden den Tank einholen müssen«, überlegte Blaine. »Hmmm. Ich frage mich, ob das nicht eins meiner Boote besorgen könnte. Würden sie uns das gestatten?«

»Ich wüsste keinen Grund, warum sie ablehnen sollten. Wir werden sie fragen«, sagte David Hardy. »Noch etwas, Kapitän.«

Rod wusste, dass jetzt irgendeine heikle Sache auf ihn zukam. Horvath ließ Dr. Hardy die Dinge, die Rod vielleicht ablehnen würde, zur Sprache bringen.

»Die Splits möchten eine Luftschleusenverbindung zwischen dem Kutter und ihrem Schiff bauen«, sagte Hardy.

»Es wäre nur eine temporäre Konstruktion, aber für uns sehr nützlich.« Horvath wurde nachdenklich. »Wissen Sie, es ist bis jetzt zwar nur eine Hypothese, aber wir glauben, dass für die Splits jede Konstruktion nur temporären Charakter hat. Beim Start müssen sie zum Beispiel Andruckliegen gehabt haben, aber jetzt sind keine mehr da. Sie sind ohne den Treibstoff für den Rückflug hier angekommen. Sie haben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihr gesamtes Lebenserhaltungssystem binnen drei Stunden nach ihrem Eintreffen auf freien Fall umgestellt.«

›»Alles ist vergänglich‹«, stellte Hardy weise fest. »Aber diese Vorstellung scheint sie nicht zu bedrücken. Im Gegenteil, sie finden es offenbar so richtig.«

»Das ist etwas, was von der menschlichen Psychologie grundlegend abweicht«, sagte Horvath ernst. »Vielleicht würde ein Split gar nie versuchen, etwas Unvergängliches zu schaffen. Keine Sphinx, keine Pyramiden, keine Freiheitsstatue, kein Leninmausoleum.«

»Doktor, mir gefällt der Gedanke nicht, die beiden Schiffe fest zu verbinden.«

»Aber Kapitän, wir brauchen eine solche Verbindung. Menschen und Splits müssen andauernd hinüber, herüber, und jedes mal müssen sie erst ins Taxi umsteigen.

Außerdem haben die Splits schon mit den Vorarbeiten begonnen …«

»Darf ich darauf hinweisen, dass bei einer festen Verbindung der beiden Schiffe Sie und alle anderen an Bord des Kutters praktisch Geiseln der Splits sind?«

»Ich bin sicher«, sagte Horvath ärgerlich, »dass wir ihnen vertrauen können, Kapitän.

Unsere Verständigung macht sehr gute Fortschritte.«

»Außerdem«, fügte Kaplan Hardy ruhig hinzu, »sind wir bereits jetzt Geiseln. Diese Situation war nicht zu umgehen. Die Mac Arthur und die Lenin sind unser Schutz, wenn wir einen Schutz nötig haben. Wenn zwei Kriegsschiffe sie nicht von Feindseligkeiten abhalten können — nun ja, wir wussten schließlich, worauf wir uns einließen, als wir an Bord des Kutters gingen.«

Blaine biss die Zähne zusammen. Der Verlust des Kutters wäre zu verschmerzen gewesen, der der Menschen an Bord nicht. Sinclair, Sally Fowler, Dr. Horvath, der Kaplan — die wichtigsten Personen der Mac Arthur lebten an Bord des Kutters. Aber der Kaplan hatte natürlich recht. Sie konnten alle jeden Augenblick umgebracht werden, wenn die zu erwartende Vergeltungsaktion der Mac Arthur nicht Abschreckung genug war.