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Zum Frühstück gab es unter anderem große, erstaunlich eiförmige gekochte Eier. In der Schale war eine rühreiähnliche Masse, die etwas wie eine Maraschinokirsche enthielt.

Man sagte Renner, dass dieses Kirschending nicht besonders schmecke, und er versuchte es lieber nicht selbst.

»Das Museum ist nur ein paar Blocks entfernt.« Dr. Horvaths Split rieb sich eifrig die rechten Hände. »Gehen wir doch zu Fuß. Sie werden warme Kleidung brauchen, glaube ich.«

Die Splits hatten alle dasselbe Problem: Welche Hände sollten sie einsetzen, um menschliche Gesten nachzuahmen? Renner konnte sich gut vorstellen, dass Jacksons Split dabei verrückt werden würde. Jackson war Linkshänder.

Sie gingen also zu Fuß. Ein kalter Wind fegte ihnen entgegen. Die Sonne war eine große, mattleuchtende Scheibe; so früh am läge konnte man sie direkt ansehen. Zwei Meter unter ihnen brausten Scharen winziger Autos durch die Straßen. Der Geruch der Luft von Splitter Alpha sickerte unter die Filterhelme der Menschen, und auch das leise Summen der Wagen und das Geschnatter von Splitstimmen drangen hindurch.

Die Menschengruppe schritt zwischen Scharen von Splits jeglicher Färbung dahin — aber man beachtete sie nicht. Dann kam ein Trupp weißpelziger Spaziergänger und blieb stehen, um sie in Augenschein zunehmen. Die Splits unterhielten sich mit melodischem Gezwitscher und starrten die Menschen neugierig an.

Bury schien sich ungemütlich zu fühlen; soweit es möglich war, hielt er sich in der Mitte der anderen. Er fürchtet wohl, dass ihm die Blicke was antun, dachte Renner. Der Chefnavigator stellte fest, dass er selbst von einem recht deutlich schwangeren, weißen Split begutachtet wurde; das Kind war eine kugelige Wölbung oberhalb des komplizierten Rumpfgelenks. Renner grinste das Split an, hockte sich hin und wandte ihm (eigentlich ihr) den Rücken zu. Sein Fjunch(klick) trillerte leise, worauf das Weiße näher herankam, und bald betasteten ein Dutzend kleine Hände von einem halben Dutzend weißen Splits Renners Wirbelsäule.

»Richtig! Ein bisschen tiefer«, sagte Renner. »Gut, genau da kratzen. Mmmmmm.« Als die Weißen weitergegangen waren, streckte Renner seine langen Beine und beeilte sich, die anderen einzuholen. Sein Split trabte nebenher. »Ich hoffe, dass ich nie deine Respektlosigkeit lerne«, sagte das Fjunch (klick).

»Weshalb nicht?« erkundigte sich Renner ernsthaft.

»Wenn ihr fort seid, werden wir andere Aufgaben erhalten. Aber mach dir keine Sorgen.

Wenn du es fertig bringst, deine militärischen Vorgesetzten zufrieden zustellen, wird es mir wohl auch nicht schwer fallen, unsere Befehlsgeber zumindest nicht zu verärgern.«

Er sagte das mit einem fast sehnsüchtigen Unterton, fand Renner — aber er war sich seiner Sache nicht sicher. Wenn es bei den Splits überhaupt ein Mienenspiel gab, so hatte noch kein Mensch gelernt, es zu interpretieren.

Das Museum lag noch ein Stück weiter voraus. Wie alle anderen Gebäude war es ein massiger Klotz von Bau, nur die Front bestand aus Glas oder einem ähnlichen Material.

»Wir haben viele Orte, die man mit eurem Wort ›Museum‹ bezeichnen könnte«, erklärte Horvaths Split eben, »in dieser und in anderen Städten. Dieses lag am nächsten und beschränkt sich auf Malerei und Plastik.«

Ein Riese tauchte vor ihnen auf, drei Meter groß — und die Last auf seinem Kopf machte noch einen weiteren Meter aus. Es war ein Weibchen, wie Renner an der flachen, hochliegenden Wölbung des Leibes erkannte. Die Augen hatten den sanften Blick eines Tieres, ohne Begreifen, ohne Bewusstsein. Das Wesen passierte die Gruppe, ohne seinen Schritt zu verlangsamen.

»Eine Schwangerschaft scheint die Splits nicht irgendwie zu behindern«, stellte Renner fest.

Braun-weiße Köpfe und Oberkörper wandten sich nach ihm um. Renners Split sagte:

»Nein, natürlich nicht. Weshalb sollte eine Schwangerschaft etwas ausmachen?«

Sally Fowler nahm es auf sich, das zu erklären. Sie versuchte, ihnen vorsichtig beizubringen, wie hilflos und schwerfällig schwangere Menschenfrauen waren. »Das ist ein Grund, warum sich bei uns immer wieder männlich orientierte Kulturen entwickeln.

Und …« Sie war noch immer bei ihrem Vortrag über Probleme der Geburt, als man das Museum erreichte.

Der Türstock reichte Renner gerade bis zur Nasenwurzel. Die Decke der Räume war etwas höher; er streifte mit den Haaren daran. Dr. Horvath musste den Kopf einziehen.

Die Beleuchtung war ein bisschen zu gelb. Und die Gemälde hingen ein Stück zu tief.

Die Bedingungen für eine gemütliche Besichtigung waren das nicht. Abgesehen davon wirkten die Farbtöne der Malereien irgendwie falsch und passten überhaupt nicht zusammen. Dr. Horvath und sein Split waren in angeregte Unterhaltung vertieft, seit er erklärt hatte, dass Blau plus Gelb dem menschlichen Auge als Grün erscheint. Die Augen der Splits waren ähnlich wie die von Menschen (oder von Kraken, wenn man es genau nahm) gebaut: ein Augapfel, eine adaptierbare Linse und Rezeptoren, die den Sehnerven die optischen Reize zuführten. Nur waren die Rezeptoren anders geartet.

Trotzdem waren die Gemälde eindrucksvoll. Im Hauptsaal, der etwa drei Meter hoch war und größere Bilder enthielt, blieb die Gruppe vor einer sehr realistischen Straßenszene stehen. Ein Braun-Weißes war auf ein Auto geklettert und sprach offenbar zu einer Menge von Braunen und Braun-Weißen. Der Hintergrund loderte rot — der Himmel eines Sonnenuntergangs? In allen Mienen stand dasselbe ausdruckslose Lächeln, aber Renner glaubte, irgendwie eine gewalttätige Stimmung zu entdecken und schaute sich das Bild genauer an. Viele in der Menge trugen Werkzeuge, die sie aber immer in der linken Hand hielten, und viele Werkzeuge waren beschädigt oder zerbrochen. Die Stadt selbst brannte.

»Es heißt ›Kehrt an eure Aufgaben zurück‹. Ihr werdet sehen, dass das Motiv des Großen Narren des öfteren wiederkehrt«, sagte Sallys Split. Es ging weiter, bevor die Menschen es um eine genauere Erklärung bitten konnten.

Das nächste Bild der Reihe zeigte einen neuen Split-Typ: groß und schlank, mit kleinem Kopf und langen Beinen. Das Wesen rannte aus einem Wald heraus auf den Betrachter zu. Sein Atem wehte als dampfweiße Fahne hinter ihm her. »Ein Nachrichtenläufer«, sagte Hardys Split.

Das darauffolgende Gemälde stellte wiederum eine Szene im Freien dar: Vielleicht zwei Dutzend Braune und Weiße, die um ein loderndes Lagerfeuer saßen und aßen. Aus dem Dunkel ringsum glommen rötlich die Augen von Tieren. Die Landschaft war rötlich düster, und am Himmel stand Murchesons Auge vor der Schwärze des Kohlensacks.

»Ihr wisst nicht, was sie denken und fühlen, wenn ihr sie anseht, oder? Das haben wir befürchtet«, meinte Horvaths Split. »Was … nichtverbale Kommunikation betrifft, so sind unsere Symbole völlig anders.« »Kann ich mir vorstellen«, sagte Bury. »Diese Bilder hätten einen gewissen Verkaufswert, aber keinen besonderen. Sie wären nur Kuriositäten … als solche einigermaßen wertvoll, wenn man den großen potentiellen Markt und ihre relative Seltenheit in Betracht zieht. Aber für uns haben sie keine Aussage. Wer hat sie gemalt?«

»Dieses hier, nun, das ist ziemlich alt. Sie sehen ja, dass es auf die Wand des Gebäudes gemalt wurde, und …«

»Aber von welcher Art Split? Von Braun-Weißen?«

Die Splits stimmten ein nicht gerade höfliches Gelächter an. Bury s Split sagte: »Sie werden nie irgendein Kunstwerk finden, das nicht von einem Braun-Weißen geschaffen wurde. Kommunikation ist unsere Spezialität. Kunst ist Kommunikation.«

»Hat ein Weißes niemals etwas zu sagen?«

»Aber selbstverständlich. Aber es hat einen Vermittler, der für es sagt, was zu sagen ist.

Wir übersetzen, wir interpretieren, wir sorgen für Verständigung. Viele dieser Gemälde sind visuell ausgedrückte Argumente.«