Renner glaubte zuerst, in den falschen Raum geraten zu sein. Das Farbschema war verblüffend: Orange und Schwarz anstelle der blassen Brauntöne, die das Zimmer noch am Morgen gezeigt hatte. Der Druckanzug an der Wand war jedoch seiner, mit Rangabzeichen und Namensplakette auf der Brust. Er schaute sich um und versuchte sich klar zu werden, ob ihm die Änderung gefiel.
Aber nicht allein das war geändert — nein, der Raum war jetzt wesentlich wärmer.
Gestern Abend hatte er etwas gefroren. Ein Gedanke kam ihm — er ging hinüber und schaute in die Schlafkammer der Splits. Jawohl, es war ausgesprochen kühl darin.
Renners Split lehnte in der Tür und beobachtete ihn mit dem üblichen leichten Lächeln.
Renner grinste beschämt und setzte seine Inspektionsrunde fort.
Das Badezimmer — die Toilette war jetzt anders. Ziemlich so, wie er skizziert hatte.
Nein, doch nicht, es war kein Wasser darin. Und kein Spülmechanismus war zu entdecken.
Zum Kuckuck, es gab wohl nur eine Methode, ein Klo zu testen.
Als er wieder hineinschaute, war das Becken blitzsauber. Er leerte ein Glas Wasser hinein und sah zu, wie es abfloss, ohne einen Tropfen zu hinterlassen. Das Becken besaß eine reibungsfreie Oberfläche.
Muss Bury davon erzählen, dachte er. Es gab Stützpunkte auf luft- und wasserlosen Monden, und Welten, auf denen Wasser oder die Energie für seine Wiederaufbereitung kostbar war. Morgen. Jetzt war er viel zu schläfrig.
Die Rotationsperiode von Levant betrug 28 Stunden und 40,2 Minuten. Bury hatte sich zwar mittlerweile recht gut an den Standardtag auf der Mac Arthur gewöhnt, aber es ist immer einfacher, sich auf längere als auf kürzere Tage einzustellen. Er wartete in Gedanken versunken, während sein Fjunch(klick) ihren Braunen um Kaffee schickte. Er begann Nabil zu vermissen … und fragte sich gleich darauf, ob das braune Split nicht noch andere von Nabils Fähigkeiten besaß. Er hatte schon die Braun-Weißen schwer unterschätzt, vor allem, was ihre Macht betraf. Anscheinend konnte sein Split jedes Fahrzeug auf Splitter Alpha requirieren, ob es nun schon gebaut war oder nicht; trotzdem war es nur Agent für jemanden, den Bury nie zu Gesicht bekommen hatte. Die Situation war ziemlich undurchschaubar.
Der Braune kam mit Kaffee und einem zweiten Gefäß zurück, das eine blassbraune Flüssigkeit enthielt, die nicht dampfte. Ob das giftig ist? fragte er sich.
»Ziemlich sicher«, sagte sein Fjunch(klick) auf seinen fragenden Blick hin. »Die Verunreinigungen könnten dir schaden, oder die Bakterien. Es ist Wasser von draußen.«
Es war nicht Burys Gewohnheit, zu schnell auf das Geschäft zu sprechen zu kommen.
Ein übereifriger Geschäftsmann, fand er, wurde leicht übers Ohr gehauen. Er war sich nicht bewusst, dass diese Meinung auf einer jahrtausend alten Tradition beruhte.
Jedenfalls unterhielten sich er und sein Split-Partner zunächst über alles mögliche.
Besonders interessierte sich das Split für die verschiedenen Regierungsformen der Menschen.
Schließlich kam Bury wieder auf Luxusgüter zu sprechen.
»Luxusgüter. Im Prinzip finde ich ja auch, dass etwas Derartiges am geeignetsten wäre«, sagte sein Split. »Wenn ein Luxusgegenstand leicht zu verschiffen ist, lohnt sich der Handel schon wegen der geringen Transportkosten. Selbst für euren Narren-Antrieb müsste das gelten. In der Praxis gibt es aber leider ein paar Einschränkungen.«
Auf einige davon war Bury schon selbst gekommen. »Zum Beispiel?«
»Kaffee. Tee. Wein. Ich nehme an, dass du auch mit Wein handelst?«
»Meine Religion verbietet den Wein.« Indirekt hatte Bury natürlich seine Finger im Weinhandel zwischen den Welten, aber er konnte sich nicht vorstellen, dass die Splits an der Einfuhr von Wein interessiert sein könnten.
»Einerlei. Die Einfuhr von Alkohol würden wir nicht zulassen, und Kaffee schmeckt uns nicht. Dasselbe gilt wahrscheinlich für eure sonstigen Delikatessen, obwohl vielleicht manches durchaus einen Versuch wert ist.«
»Und ihr selbst handelt nicht mit Luxusgütern?«
»Nein. Man könnte sagen, wir handeln mit der Macht über andere, mit Sicherheit, mit der Stabilität von Bräuchen, von Dynastien … ich spreche natürlich für die Befehlsgeber. Zu ihrem Nutzen handeln wir mit diesen Dingen, aber auch mit Diplomatie. Der eigentliche Handel umfasst Bedarfsgüter, haltbare Dinge, sowie Fähigkeiten. — Was hältst du von unseren Kunstwerken?«
»Sie würden einen guten Preis bringen, solange sie selten sind. Aber ich glaube, wir werden mehr mit Ideen und Erfindungen handeln.«
»Ja?«
»Zum Beispiel diese reibungsfreie Toilette, beziehungsweise das zugrunde liegende Prinzip wäre für uns interessant. Dann die verschiedenen Supraleiter, von denen ihr weit leistungsfähigere herstellt als wir. Wir haben in einem Asteroiden eine Probe gefunden.
Könnt ihr diesen Stoff für mich herstellen?«
»Ich bin sicher, dass die Braunen einen Weg finden.« Das Split winkte lässig mit einer Hand. »Dabei gibt es bestimmt keine Probleme. Ihr jedenfalls habt uns eine Menge zu bieten. Land zum Beispiel. Wir würden Land für unsere Botschaften kaufen.«
Das würde höchstwahrscheinlich gratis zur Verfügung gestellt werden, überlegte Bury.
Aber für diese Spezies war Land buchstäblich unbezahlbar wertvoll; ohne die Menschen würden sie niemals mehr besitzen als ihre eine kleine Welt. Außerdem würden sie Land zur Besiedlung haben wollen. Diese Welt war überfüllt. Bury hatte aus der Umlaufbahn die Lichter der Städte gesehen, ein dichtes Netz aus Licht, das nur an den Ozeanen endete. »Land«, meinte er zustimmend, »und Getreide. Es gibt Getreidearten, die unter Sonnen eures Typs wachsen. Wir wissen, dass ihr einige davon essen könnt. Vielleicht würden sie hier sogar besser gedeihen? Lebensmittel selbst einzuführen würde sich kaum lohnen, aber Saatgetreide zum Beispiel durchaus.«
»Vielleicht habt ihr auch Ideen zu verkaufen.«
»Das würde mich wundern. Eure Findigkeit ist ungeheuer und bewundernswert.«
Das Split winkte ab. »Danke. Aber wir haben nicht alles erfunden, was es zu erfinden gibt. Wir haben zwar zum Beispiel selbst einen Narren-Antrieb entwickelt, aber dieses Kraftfeld, das zum Schutz …«
»Wenn ich erschossen werde, verliert ihr den einzigen Kaufmann in diesem System.«
»Allah sei — ich meine, sind eure Behörden wirklich so streng darauf bedacht, ihre Geheimnisse zu hüten?«
»Vielleicht ändern sie ihre Meinung, wenn sie euch besser kennen. Außerdem bin ich kein Physiker«, sagte Bury mit unbewegter Miene.
»Ja natürlich. Bury, wir haben das Thema Kunst noch nicht abgeschlossen. Unsere Künstler sind wandlungsfähig und können frei über jede Art von Material verfügen. Im Grunde genommen wäre ein Austausch von Kunstwerken zwischen Splitter und Imperium von Vorteil für die Verständigung unserer Rassen. Wir haben allerdings noch nie versucht, mit unserer Kunst einen fremden Geist anzusprechen.«
»Dr. Hardys Bücher und Lehrbänder enthalten eine Menge Reproduktionen von Kunstwerken.«
»Die sollten wir vielleicht studieren.« Burys Split nippte nachdenklich an seinem schmutzigen Wasser. »Wir haben vorhin von Kaffee- und Weinsorten gesprochen.
Meine Kollegen haben festgestellt, dass unter euren Wissenschaftlern und Militärs ein — wie soll ich es ausdrücken — ein starker, kultureller Trend zum Wein besteht.«
»Ja. Ursprungsgebiete, Jahrgänge, Marken, Empfindlichkeit gegenüber freiem Fall, welche Weine zu welchen Speisen passen.« Bury verzog das Gesicht. »Ich habe oft zugehört, aber ich verstehe nichts davon. Ich finde es ärgerlich und kostspielig, dass manche meiner Schiffe mit konstanter Beschleunigung fliegen müssen, nur um eine Flasche Wein vor den eigenen Sedimenten zu schützen. Warum können sie das Zeug im Endhafen nicht einfach zentrifugieren und filtern?«