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»Nein.«

»Aber Dr. Buckman hat fest damit gerechnet. Die Splits haben Murchesons Auge und den Kohlensack seit langer Zeit beobachtet … wie lange schon, Mr. Potter?«

Der Kadett wollte nur zögernd mit der Sprache heraus. »Tausende Jahre, Sir«, stotterte er endlich. »Bloß …«

»Bloß was, Kadett Potter?« wollte Rod wissen. Potter war noch allzu unsicher, und das musste man ihm abgewöhnen. »Reden Sie schon.«

»Jawohl, Sir. Es gibt Lücken in ihren Beobachtungen, Kapitän. Die Splits haben das selber zwar nicht erwähnt, aber Dr. Buckman sagt, das sei offensichtlich. Ich hätt’ gesagt, dass sie einfach von Zeit zu Zeit das Interesse an Astronomie verloren haben, aber das findet Dr. Buckman unvorstellbar.« »Kann ich mir denken«, lachte Rod. »Wie wichtig sind eigentlich diese Beobachtungen, Mr. Potter?«

»Für die Astrophysik vielleicht sehr, Kapitän. So weit ihre Geschichte zurückreicht, haben sie diesen roten Riesen bei seiner Wanderung quer über den Kohlensack beobachtet. Er soll ’ne Supernova werden und dann ein Schwarzes Loch — und die Splits behaupten, sie wüssten, wann das sein wird.«

Kadett Whitbread brach in ein Gelächter aus. Alle schauten zu ihm hin. Whitbread vermochte kaum die Fassung zu behalten. »Entschuldigung, Sir — aber ich war dabei, als Gavin Dr. Buckman davon erzählte. Das Auge wird im Jahre 2774020 explodieren, und zwar am 27. April zwischen vier und vier Uhr dreißig früh, sagen sie. Ich glaube, Dr.

Buckman würde ersticken vor Empörung. Dann begann er die Berechnung selber nachzuprüfen. Er brauchte dreißig Stunden …«

Sally grinste. »Und hat dabei fast sein Fjunch(klick) umgebracht«, ergänzte sie. »Er ließ sich dann von Dr. Horvaths Split die Daten übersetzen, als sein eigenes einfach nicht mehr konnte.«

»Ja, aber er hat festgestellt, dass die Splits recht haben«, erklärte Whitbread. Er räusperte sich und amte Buckmans trockene Stimme nach: »Verdammt genau, Mr.

Potter, das muss ich schon sagen. Alle Beobachtungsdaten und meine Berechnungen bestätigen es.«

»Ihre schauspielerischen Talente machen Fortschritte, Mr. Whitbread«, stellte der Erste Offizier Cargill fest. »Bedauerlicherweise kann man das von Ihren Astrogationskenntnissen nicht behaupten. Kapitän, ich finde, dass Dr. Buckman alles, was er braucht, auch hier haben kann. Es ist offensichtlich nicht nötig, dass er den Split-Planeten selbst aufsucht.«

»Der Meinung bin ich auch. Dr. Horvath, die Antwort lautet also nein. Außerdem — möchten Sie wirklich eine Woche in enger Gesellschaft mit Dr. Buckman verbringen?

Na, sagen Sie lieber nichts«, fügte er hastig hinzu. »Wen wollen Sie mitnehmen?«

Horvath zog nachdenklich die Brauen zusammen. »De Vandalida, vermute ich.«

»Ja bitte«, sagte Sally rasch. »Wir brauchen einen Geologen. Ich habe zwar versucht, uns Gesteinsproben zu verschaffen, aber über den Aufbau von Splitter Alpha habe ich weniger als nichts erfahren. Es gibt praktisch nur Ruinen, die aus noch älteren Ruinen bestehen, wenn man außerhalb der Städte gräbt.«

»Wollen Sie damit sagen, dass es keine Gesteine gibt?« fragte Cargill.

»Die gibt es schon, Commander«, antwortete sie. »Granite, Lavagesteine, Basalte, aber sie sind nicht dort, wo sie nach der üblichen Planetenentstehung sein müssten. Sie wurden samt und sonders bereits verwendet, für Mauern, Böden oder Dachplatten. Ich habe zwar in einem Museum Bohrkerne gefunden, aber ich werde nicht schlau daraus.«

»Moment mal«, sagte Rod. »Soll das heißen, dass man immer nur auf die Reste von Städten stößt, wo man auch gräbt? Selbst draußen in den Anbaugebieten?«

»Nun, für allzu viele Ausgrabungen war keine Zeit. Jedenfalls, dort, wo ich gegraben habe, war drunter immer noch etwas, ich wusste nie, wo ich aufhören sollte! Kapitän, da gab’s zum Beispiel eine Stadt wie das New York im Jahr 2000 unter einer Ansammlung von Lehmhütten ohne Wasserleitung. Ich glaube, die Zivilisation der Splits hat einen totalen Zusammenbruch mitgemacht — vor vielleicht zweitausend Jahren.«

»Das würde die Lücken in den Beobachtungen erklären«, sagte Rod. »Was mir nicht ganz einleuchtet — sie sind doch intelligent genug, ihre Zivilisation nicht einfach zusammenbrechen zu lassen?« Er schaute Horvath fragend an, der jedoch nur die Achseln zuckte.

»Ich habe eine Theorie«, meinte Sally. »Hatte man auf der Erde irgendwann in der Zeit des Condominiums nicht Probleme mit der Luftverschmutzung durch Verbrennungsmotoren? Angenommen, die Splits hatten eine Zivilisation, die auf fossilen Brennstoffen basierte, und die gingen ihnen aus? Könnten sie dann nicht in eine neue Eisenzeit zurückgefallen sein, bevor sie wieder eine Plasmaphysik und Fusionsreaktoren entwickelten? Zumindest scheinen sie sehr knapp an radioaktiven Erzen zu sein.«

Rod zuckte die Achseln. »In diesem Fall wäre ein Geologe wirklichnützlich — und hätte weitaus mehr Grund, den Planeten persönlich zu besuchen als Dr. Buckman. Wir sind uns also einig, Dr. Horvath?«

Der Wissenschaftsminister nickte mit säuerlicher Miene. »Trotzdem, diese Einmischung der Flotte in unsere Arbeit passt mir nicht. Sagen Sie’s ihm, Dr. Hardy. Das muss einfach aufhören.«

Der Linguist und Kaplan blickte überrascht auf. Er hatte es sich mehr im Hintergrund bequem gemacht und aufmerksam zugehört, aber selbst nichts gesagt. »Nun, ich bin auch der Meinung, dass ein Geologe unten nützlicher sein wird als ein Astrophysiker, Anthony. Und — Kapitän, wie ich sehe, befinde ich mich in einer etwas diffizilen Lage.

Als Wissenschaftler kann ich diese Einschränkungen in unserem Verkehr mit den Splits nicht billigen. Als Vertreter der Kirche stehe ich vor einer unerfüllbaren Aufgabe. Und als Flottenoffizier … kann ich nicht umhin, dem Admiral zuzustimmen.«

Die Anwesenden blickten den rundlichen Kaplan überrascht an. »Ich bin erstaunt über Sie, Dr. Hardy«, erklärte Horvath. »Haben Sie auf Splitter Alpha auch nur den geringsten Beweis irgendwelcher kriegerischer Aktivitäten entdeckt?«

Hardy legte bedächtig die Fingerspitzen zusammen und sprach über den Giebel seiner Hände hinweg. »Nein. Und das, Anthony, macht mir Sorgen. Wir wissen, dass die Splits Kriege haben: um sie zu verhindern, entwickelte sich die Kaste der Vermittler — wurde vielleicht absichtlich entwickelt. Ich glaube nicht, dass sie bei dieser Aufgabe immer Erfolg haben. Weshalb also verstecken die Splits ihre Waffen vor uns? Aus dem gleichen Grund, aus dem wir unsere verbergen, diese Antwort liegt nahe — doch bedenken wir folgendes: wir verhehlen nicht, dass wir Waffen haben, nicht einmal, welcher Art sie sind. Warum tun die Splits das?«

»Vielleicht schämen sie sich«, meinte Sally und verstummte betroffen, als sie Rods Gesichtsausdruck sah. »Ich — also so habe ich das nicht gemeint — aber ihre Kultur ist nun mal viel älter als die unsere, da wäre es schon denkbar, dass ihre kriegerische Vergangenheit sie in Verlegenheit bringt.«

»Möglich«, räumte Hardy ein. Genießerisch sog er den Duft seines Weinbrands ein, während er überlegte. »Oder auch nicht, Sally. Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Splits irgend etwas Wichtiges verbergen — und das sozusagen vor unserer Nase.«

Eine lange Weile sagte niemand etwas. Schließlich schnaubte Horvath missbilligend und sagte: »Wie sollten sie das zuwege bringen, Dr. Hardy? Ihr Regierungssystem beruht auf formlosen Verhandlungen zwischen den Vertretern der Befehlsgeber-Kaste.

Die Städte scheinen alle weitgehend selbständig zu sein. Splitter Alpha hat wohl kaum etwas wie eine planetare Regierung aufzuweisen — halten Sie es also für wahrscheinlich, dass die Splits zu einer Verschwörung gegen uns imstande wären? Mir kommt das nicht sehr plausibel vor.«

Hardy zuckte die Achseln. »Nach allem, was wir gesehen haben, Dr. Horvath, haben Sie sicherlich recht. Und trotzdem — ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie etwas verbergen.«